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Tutorialbeschreibung

Naturfotografie - Teil 03 - Aufnahmetechnik

Naturfotografie - Teil 03 - Aufnahmetechnik

Alle Kamerahersteller möchten einen glauben machen, dass nun, im Zeitalter der Digitaltechnik, ein jeder ohne Probleme perfekte Bilder machen kann. Meiner Meinung nach ist es mindestens genauso schwierig wie mit einer analogen Kamera. Und wenn wir die vielen Neuerungen wie Weißabgleich, Bildbearbeitung und auch die neuen Möglichkeiten der Bildpräsentation betrachten, ist es sogar um einiges komplizierter geworden.

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Teil 3 - Aufnahmetechnik

Bei den Teilnehmern meiner Workshops kann ich immer wieder feststellen, dass die Technik der Kamera die meisten Probleme bereitet. Für mich ist dies überhaupt nicht erstaunlich, bei Bedienungsanleitungen von mehreren Hundert Seiten (die Nikon D300 hat inkl. Inhaltsverzeichnis unglaubliche 448 Seiten – zum Vergleich: Die letzte analoge Nikon F6 hatte nur 192 Seiten) und der völlig anderen Technik einer Digitalkamera.

Daher ist es wichtig, wenigstens von vornherein, zumindest einige Grundbegriffe und Anwendungen seiner Kamera und seines Objektives zu kennen. Denn ohne diese Kenntnisse wird viel Potenzial der Kamerafähigkeiten verschwendet. Mir ist bewusst, dass diese Thematik wenig Spaß macht; wer allerdings einmal den Zusammenhang allein zwischen Blende und Belichtungszeit begriffen hat, wird dies nie mehr vergessen.

Besonders wichtig ist es, in der digitalen Aufnahmetechnik den Weißabgleich richtig einzusetzen. Nicht nur ist er einer der wichtigsten Parameter, um ein Bild überhaupt richtig darzustellen, sondern gerade in der Digitalfotografie eröffnen sich mit ihm eine Menge mehr an einfachen Lösungen für die Aufnahme, als dies bei der analogen Technik möglich ist.


 

3.1 Kamera

Messmethoden (Blende/Belichtungszeit)

Jede Spiegelreflexkamera hat mindestens 4 Aufnahmemodi: P/A/S/M. Manche Kamera hat zusätzlich noch sog. Motivprogramme, wie Sport, Landschaft oder Porträt.

Bilder

Bild 24
Jede Spiegelreflexkamera verfügt über mindestens 4 Aufnahmemodi. Hier ist das Einstellrad einer Canon abgebildet. Uns soll hier nur P/T(S bei anderen Herstellern)/A und M interessieren.



 
Zu Beginn, also wenn der Käufer das erste Mal eine Spiegelreflexkamera zum Fotografieren in die Hand nimmt, wird in der Regel jeder im P-Modus (manche Kameras haben noch ein „v“ danebenstehen) und in der Mehrfeld- oder Matrixmessung (hierbei wird praktisch bei der Belichtung das gesamten Bild, welches im Sucher zu sehen ist, zur Belichtungsmessung herangezogen) fotografieren. Dabei übernimmt die Kamera praktisch alle Funktionen vollautomatisch und der Fotograf kann sich auf das Motiv konzentrieren. Grundsätzlich ist nichts dagegen einzuwenden, in diesem Modus zu fotografieren. Nur weiß der Fotograf nie so ganz genau, was die Kamera eigentlich da so macht (also welche Blende und warum diese gewählt wird oder welcher Teil des Motivs eigentlich zur Belichtungsmessung ausgewählt wird).

Wer aber nun seine Kreativität etwas mehr ausleben möchte und Blende oder Zeit schon im Voraus einstellt, der wählt den Modus A (Zeitautomatik) oder S (bzw. T) (Blendenautomatik). Die Zeit oder die Blende, je nach Wahl des Programms, wird dann von der Kameraautomatik ausgewählt. Hier bleibt allerdings weniger Zeit, sich auf das Motiv zu konzentrieren, da wir immer auch an die für das Motiv passende Blende bzw. Zeit denken müssen. Die Einstellung A wähle ich bei 80% aller Aufnahmesituationen. Denn durch die Wahl der Blende bestimme ich den mir angenehmen Bereich der Schärfentiefe. Für die Belichtungsmessung stelle ich bei ca. 90% aller Fälle auf mittenbetonte Messung (ein relativ großer Teil des Motivs wird zur Messung des Belichtung herangezogen). Den Rest auf Spotmessung (nur ein sehr kleiner Teil des Motivs wird zur Messung des Belichtung herangezogen) des Bildes. So ist gewährleistet, dass nur bei dem Teil des Bildes die Belichtungszeit gemessen wird, der mir am wichtigsten ist.

Wer schon ein gutes Stück (fotografisch gesehen) fortgeschritten ist, der stellt hin und wieder auf M und wählt sowohl Blende als auch die Belichtungszeit selber aus. Hier muss der Fotograf eine Menge Dinge sehr schnell hintereinander und gleichzeitig richtig machen. Dieser Modus empfiehlt sich nur für einen sehr geübten Fotografen.

Aber mit den Einstellungen A und S dringen wir auch schon sehr weit in das Geheimnis guter Bilder vor. Und wer einmal gemerkt hat, wie einfach es ist, mit diesen beiden Modi zu fotografieren, der wird P nie mehr benötigen.

ISO (ASA)

Die ISO- (ASA-) Zahl drückt die Lichtempfindlichkeit aus, mit der der Sensor Bilder aufnimmt. Wann immer möglich, stelle ich die niedrigste ISO-Zahl ein, die mir die Kamera ermöglicht. Sinn der Sache ist es, ähnlich wie dies beim Film der Fall ist, so wenig Rauschen (beim Film Körnung) wie möglich zu bekommen. Das Rauschen wird auch durch korrekte Belichtung deutlich minimiert. Gute Kameras ermöglichen noch gute Bildqualität bei 800 ASA und sehr gute Kameras auch darüber. Es ist schon sehr interessant, auch bei 6400 ISO noch fotografieren zu können. Hier ermöglicht die Digitaltechnik Bilder, die noch vor wenigen Jahren undenkbar waren.

 
Weißabgleich und RAW

Der Weißabgleich ist eine der wichtigsten Einstellungsmöglichkeiten, die uns die Digitalkamera anbietet. Zudem hat sie uns Fotografen eine unglaubliche Arbeitserleichterung gebracht. Wer sich noch etwas mit der analogen Technik auskennt, wird davon gehört haben, dass es zwei verschiedene Filmtypen gibt. Einmal den Tageslichtfilm und dann den Kunstlichtfilm. Diese Filme reagieren sehr unterschiedlich auf Sonnenlicht und Glühlampenlicht. Will der Fotograf in Innenräumen fotografieren (ohne Blitz), so muss er den Kunstlichtfilm benutzen, um das gelbe Licht der Glühbirnen in weißes Licht „umzuwandeln“ (wer einmal abends durch eine Stadt oder ein Dorf spazieren geht, sollte einmal in die beleuchteten Fenster schauen. Dann wird er schnell erkennen, dass das Licht in den Stuben bräunlich-gelb nach außen scheint).

Tagsüber, bei hellem, fast weißem Licht der Sonne muss der Tageslichtfilm eingesetzt werde. Wird dieser bei Glühlampenlicht eingesetzt, bekommt das Motiv einen Braunstich.

Noch problematischer sind Leuchtstoffröhren. Wird hier mit einem Tageslichtfilm fotografiert, bekommt das Bild einen sehr unschönen Grünstich (Menschen sehen dann aus wie ein „Hulk“).

Die Lösung, um auch einen Tageslichtfilm bei Kunstlicht oder bei Leuchtstoffröhrenlicht zu nutzen, ist, einen Filter anzusetzen, der für ein neutrales Licht sorgt. Aber auch dann war das Ergebnis nicht immer befriedigend.

All diese Probleme haben wir nicht mehr, seitdem es die Digitaltechnik gibt. Mithilfe des Weißabgleichs können wir an der Kamera oder bei der Bildbearbeitung immer genau die Lichtverhältnisse wählen, die der Aufnahmesituation entsprechen. Ich stelle den Weißabgleich zumeist auf automatisch. Da ich alle Bilder sowieso über eine Bildbearbeitungssoftware betrachte, kann ich bei falschem Weißabgleich jederzeit eingreifen und diesen ändern. Denn ich nehme alle meine Bilder im RAW-Format auf. So kann ich u.a. den Weißabgleich so einstellen, wie er zur Aufnahmesituation passt.

Farbtiefe und Farbraum

Auch hier mache ich mir das Leben nicht schwer. Ich nehme immer die höchstmögliche Farbtiefe und wähle immer den Farbraum AdobeRGB. Mit diesen Einstellungen erreichen wir die bestmögliche Farbwiedergabe. Meist wird sRGB eingestellt. Das s steht hier für Standard und bewirkt ähnlich wie JPG eine Komprimierung der Farben, also einen Farbverlust.

Dies sind im Grundsätzlichen die Einstellungen an der Kamera, die ausreichen, um gute und vernünftige fotografische Ergebnisse zu erhalten. In der Regel stelle ich alle anderen Parameter an meiner Kamera auf Standard oder so, dass die Kamera so wenig wie möglich das Bildergebnis beeinflusst. Die Feinheiten bearbeite ich dann im RAW-Konverter bzw. dem Bildbearbeitungsprogramm.


3.2 Objektiv

Vielleicht wundert sich der eine oder andere darüber, dass in diesem Teil das Objektiv extra erwähnt wird. Die wichtigsten Einstellungen (Blende/Autofokus) werden doch an der Kamera vorgenommen? Und nur das Zoomen geschieht noch per Hand. Das ist auch alles richtig.

Alleine wegen des Abstellens des AF bei z. B. Makroaufnahmen hätte ich auch dem Objektiv einen Extrateil nicht eingestanden. Aber es gibt noch zwei Aspekte, die zu beachten sehr wichtig ist.

Und zwar handelt es sich um den Crop-Faktor. Viele digitale Spiegelreflexkameras haben einen kleineren Bildsensor als das analoge Kleinbildformat (Ausnahmen sind z. B. Canon EOS-1Ds Mark III oder Nikon D3, die einen Sensor in der Größe eines analogen Filmes haben). Bei diesen Kameras bekommt der Fotograf mit einem Objektiv einen anderen Bildausschnitt als an einer herkömmlichen Kleinbildkamera. Der fotografierte Ausschnitt bzw. der Bildwinkel wird kleiner, er wird beschnitten (to crop = beschneiden).

Häufig wird dieser Beschnitt im Deutschen als Brennweitenverlängerung bezeichnet, was aber penibel gedacht natürlich nicht der Fall ist (aus unserem 200-mm-Objektiv wird ja nicht plötzlich ein 300-mm-Objektiv). Korrekt müsste er wohl Beschneidungs-Faktor genannt werden. Dieser Begriff erinnert aber mehr an das Beschneiden eines Körperteiles, als an einen technischen Ausdruck. Ich persönlich kann mit dem Begriff „Brennweitenverlängerung“ gut leben. Zur Ergänzung hier noch zwei Rechenbeispiele: bei einer Kamera mit einem Crop- Faktor von 1,5 und dem Einsatz eines 24-mm-Objektivs entspricht der Bildausschnitt dem einer Kleinbildkamera mit einem 36-mm-Objektiv oder bei einer Kamera mit einem Crop-Faktor von 1,6 und dem Einsatz eines 500-mm-Objektivs entspricht der Bildausschnitt dem einer Kleinbildkamera mit einem 800-mm-Objektiv.

 
Das weitere Problem ist die Schärfentiefe bei Sensoren, die nicht das Format eines Vollformatsensors (entspricht der Größe des Bildes eines analogen Kleinbildfilmes) besitzen. Dies habe ich schon in Teil 1 angesprochen und wiederhole hier noch einmal den Text:

„Ein weiteres Problem der Digitaltechnik, zumindest bei Kameras ohne Vollformatsensor, ist die Schärfentiefe. Benutzt der Fotograf bspw. ein 100-mm-Objektiv mit eingestellter Blende 16 und befindet sich das Motiv 100 cm entfernt, so beträgt bei einer Nikon D200 die Schärfentiefe 5,76 cm, bei einer Canon 350D 5,48 cm. Bei einem 35-mm-Film liegt die Schärfentiefe aber bei 8,66 cm! Im Nahbereich sind diese ca. 3 cm Schärfentiefe weniger schon beachtlich. Beheben lässt sich der Unterschied durch Abblenden. Dies wiederum aber bedeutet eine längere Verschlusszeit.“

Um dieses Problem, welches in der Landschaftsfotografie und in der Makrofotografie doch einige Einschränkungen in der Gestaltung mit sich bringt, lösen zu können, gibt es folgende Möglichkeiten:

• Wer nur selten Makro fotografiert, braucht im Prinzip nichts zu ändern.
• Landschaft einfach mit möglichst kleiner Blende fotografieren, um die bestmögliche Schärfentiefe zu erhalten.
• Eine Kamera mit Vollformatsensor kaufen (hier besteht das Problem nicht mehr).
• Objektive kaufen, die mit möglichst kleinen Blenden ausgestattet sind (also bis 32, um ca. 2 Blendenstufen abblenden zu können, die dann wieder der Schärfentiefe beim Kleinbildfilm entsprächen).

Zusatz-Tipp: Immer die Gegenlichtblende ansetzen! Sie verhindert seitlich eindringendes Licht, welches zu Schlieren und Unschärfen führt.


 

3.3 Blende

Bild 25
Mittlerweile bieten manche Objektive keine Möglichkeit mehr, die Blenden manuell einzustellen. Hier kann nur noch an der Kamera die gewünschte Blende eingestellt werden. Dort allerdings dann auch in Zwischenstufen.

Bilder



 
Die Blendeneinstellung ist das entscheidende Mittel, um die Schärfentiefe kreativ einzusetzen. Die Blende ist zwischen den einzelnen Linsen des Objektivs eingebaut und besteht im Prinzip aus einer Scheibe mit einem Loch in der Mitte. Um dieses Loch im Durchmesser verändern zu können, ist ein komplizierter Mechanismus aus vielen halbmondförmigen Lamellen vorhanden, die sich durch die Wahl der Blende verändern. Je größer der Durchmesser der Öffnung, desto größer die Blende und umgekehrt.

Nun gibt es folgende Stufen bzw. Einteilungen, die entweder an der Kamera oder am Objektiv eingestellt werden können (bei den meisten Kameras können zusätzlich noch Zwischenstufen eingestellt werden, die uns an dieser Stelle aber nicht interessieren sollen):

Blende 2 2,8 4 5,6 8 11 16 22 32

Abbildung 1 - Blendenstufen


 
Nun sind diese Stufen so gewählt, dass jede größere Blendenzahl halb so viel Licht durchlässt wie die vorhergehende und jede kleinere doppelt so viel Licht durchlässt wie die nachkommende.

Bei Blende 2 wird nur ein sehr geringer Bereich scharf abgebildet (das Motiv wird vor einem verschwommenen Hintergrund freigestellt), bei Blende 32 ein sehr großer Bereich (der Betrachter sieht beinahe alles im Bild scharf).

Beispiel:
Bei meinem 200-mm-Makroobjektiv beträgt der Bereich, der scharf abgebildet wird, bei Blende 4 nur 0,2 cm (Entfernungseinstellung 1 Meter), bei Blende 32 aber 2,4 cm. So kann ich bei Blende 32 eine Heuschrecke formatfüllend scharf abbilden. Bei Blende 4 nur die Augen bei sonst unscharfem Hintergrund. Damit habe ich die Möglichkeit, zwei völlig verschiedene Bilder von einem Motiv zu machen, ohne dass ich mich oder die Kamera bewegen muss. Es reicht einfach, die Blende zu verändern.


3.4 Belichtungszeit

Ähnlich wie bei der Blende verhält es sich mit der Belichtungszeit. Nur steuern wir hiermit nicht die Schärfentiefe, sondern wir reagieren mit der Belichtungszeit vor allem auf die Bewegung des Objektes, welches wir fotografieren wollen.

Nun gibt es folgende Stufen bzw. Einteilungen, die an der Kamera eingestellt werden können (bei den meisten Kameras können zusätzlich noch Zwischenstufen eingestellt werden, die uns an dieser Stelle aber nicht interessieren sollen):

1 1/2 1/4 1/8 1/15 1/30 1/60 1/125 1/250 1/500 1/1000 1/2000 1/4000

Abbildung 2: Stufen der Belichtungszeiten einer normalen Spiegelreflexkamera in Sekunden


 
Auch hier sind die Stufen so gewählt, dass jede längere Belichtungszeit ungefähr doppelt so viel Licht durchlässt, wie die vorhergehende und jede kürzere halb so viel Licht durchlässt wie die nachkommende.


3.5 Blende, Belichtungszeit und ISO richtig kombinieren

Nun kommt der entscheidende Schritt, um das Fotografieren in seiner wesentlichen Form zu verstehen. Und zwar in der Zusammenführung von ISO, der Blende und der Belichtungszeit. Denn die Kombination der 3 Faktoren ermöglicht uns, Bilder so zu gestalten, wie wir es wollen und nicht wie die Kameratechnik es z. B. in der Programmautomatik vorgibt.

Und wer den Zusammenhang einmal verstanden hat, der wird dies auch nie mehr vergessen.

Beispiel: Nehmen wir einmal an, dass wir an der Kamera ISO 200 eingestellt haben. Und nehmen wir weiter an, dass wir in der Stellung A (Zeitautomatik) Blende 4 eingestellt haben. Nun gibt uns die Kamera als Belichtungszeit 1/500 an.

Nun lässt sich aus diesen Werten ganz einfach für jede beliebige Blende die richtige Belichtungszeit errechnen, ohne dass wir die Kameraautomatik weiter benötigen.

Wenn ich also bei Blende 4 mit 1/500 sec belichten muss, wie muss ich dann bei Blende 5,6 belichten? Ganz einfach: Blende 5,6 lässt nur halb so viel Licht durch, also muss doppelt so lang belichtet werden, wenn die gleiche Lichtmenge durchgelassen werden soll. 2 mal 1/500 sec ergibt 1/250 sec, somit wird bei Blende 5,6 1/250 sec belichtet!

Unten ist eine Tabelle mit allen Werten bei diversen Blendeneinstellungen aufgelistet, und zwar bei ISO 200.

[Aus der Tabelle lässt sich auch herauslesen, warum professionelle Fotografen lichtstarke Objektive kaufen. So kann bspw. mit einem günstigen Zoomobjektiv, welches die Blende 5,6 als größte Öffnung hat, nur bis 1/250 sec fotografiert werden. Mit einem Zoomobjektiv der Lichtstärke 2,8 können aber zur gleichen Zeit noch Flugaufnahmen mit 1/1000 sec gemacht werden.]


Blende 2 2,8 4 5,6 8 11 16 22 32
Bel.-Zeit
1/2000 1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60 1/30 1/15 1/8

Abbildung 3: Zusammenhang von Blende und Belichtungszeit bei ISO 200.


 
Nun lässt sich auch diese Tabelle ohne weiteres Ausnutzen des Kameracomputers erweitern. Wähle ich ISO 400, also die doppelte Lichtempfindlichkeit im Vergleich zu ISO 200, dann kann ich bei unserem Beispiel (Blende 4) nun mit 1/1000 sec belichten. Unten ist eine Tabelle mit allen Werten bei diversen Blendeneinstellungen aufgelistet, und zwar bei ISO 400.


Blende 2 2,8 4 5,6 8 11 16 22 32
Bel.-Zeit
1/4000 1/2000 1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60 1/30 1/15

Abbildung 4: Zusammenhang von Blende und Belichtungszeit bei ISO 400.

Wähle ich gar ISO 1600, also die 8fache Lichtempfindlichkeit im Vergleich zu ISO 200, kann ich bei unserem Beispiel (Blende 4) nun mit 1/4000 sec belichten. Die Rechnung dazu: Bei Blende 4 und ISO 1600 brauche ich nur 1/8 der Belichtungszeit von der Einstellung bei ISO 200, also 1/8 mal 1/500 sec ergibt 1/4000 sec Belichtungszeit. Unten ist eine Tabelle mit allen Werten bei diversen Blendeneinstellungen aufgelistet, und zwar bei ISO 1600.

Blende 2 2,8 4 5,6 8 11 16 22 32
Bel.-Zeit
1/16000 1/8000 1/4000 1/2000 1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60

Abbildung 5: Zusammenhang von Blende und Belichtungszeit bei ISO 1600.


3.6 Blitzen

Im Teil 2.5 habe ich ja schon einiges zum Thema Blitzen geschrieben. Tatsächlich ist es so, dass ein Blitz in der Naturfotografie sehr sparsam eingesetzt werden sollte. Lieber sollte der Naturfotograf sein Motiv bei natürlichem Licht (was auch einmal Gegenlicht sein darf) fotografieren.

 
Zudem macht die Blitzfotografie nur einen kleinen Bruchteil der Naturfotografie überhaupt aus. Es sei denn, der Fotograf spezialisiert sich auf diese Art der Fotografie. Für mich hat es dann nicht mehr sehr viel mit Naturfotografie zu tun, da die hier notwendige Technik den Fotografen von der eigentlichen Natur(-Fotografie) viel zu sehr ablenkt.

Der Einsatz von Zangenblitzen (also 2 Blitze links und rechts der Kamera, mit genau dem gleichen Abstand zur Kamera) ist alleine schon des Handlings wegen nicht empfehlenswert. Die Blitze müssen auf extra Schienen angebracht werden, und wer das Ganze nicht auch noch dauernd tragen möchte, benötigt ein Stativ. Dadurch (durch das Stativ) ist der Fotograf aber auch wieder sehr unbeweglich, denn Zangenblitze werden vor allem in der Nah- und Makrofotografie eingesetzt. Und bei Tieraufnahmen muss ich schnell reagieren können.

Bilder

Bild 26
Nikon hat zwar ein sehr schönen, leicht zu handhabenden Zangenblitz auf den Markt gebracht, aber für die 600 Euro Anschaffungskosten muss der Fotograf mit diesem Equipment schon sehr, sehr viele Bilder machen, damit sich die Investition auch wirklich auszahlt.



 
Wer aber unbedingt diese Art der Fotografie bevorzugt, der sollte sich überlegen, mit einem Ringblitz zu fotografieren. Er wird direkt um das Objektiv herum montiert und wirft ein schönes weiches Licht auf das Motiv. Nachteil, besonders bei billigen Ringblitzen ist, dass im Auge eines Tieres der Blitz deutlich als Ring sichtbar ist. Und, wie schon weiter oben geschrieben, sollten wir uns eher den natürlichen Lichtbedingungen anpassen.

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Bild 27
Nicht ganz so teuer wie bspw. der Nikon-Zangenblitz ist der Sigma-Ringblitz. Aber auch er kostet noch um die 350 Euro.



 
Wenn schon geblitzt werden muss, dann zum Aufhellen eines Motivs. Dafür ist aber leider ein externer Blitz notwendig, da die eingebauten Blitze entweder zu schwach sind (sie blitzen nicht weit genug) oder wegen der Bauart des Objektives die Gegenlichtblende oder das Objektiv einen Schatten auf das Motiv werfen.

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Bild 28
Wenn schon in einen Blitz investiert werden soll, empfehle ich, sich einen ganz normalen Systemblitz anzuschaffen. Ob vom Kamerahersteller oder von z. B. Metz, spielt da keine Rolle. Der größte Vorteil liegt in der flexiblen Anwendung. Denn nicht nur in der Naturfotografie ist solch ein Blitz brauchbar, sondern auch bei Hochzeiten, Porträtaufnahmen, Haustierfotografie und vielem mehr.



 
Einige praktische Beispiele folgen in den Teilen 6 - Landschaft, 7 - Pflanzen und 8 - Tiere.

Hier einmal die theoretische Vorgehensweise beim Aufhellblitzen:

Einstellung M; Blende z. B. auf 8 einstellen; Belichtung so einstellen, wie es die Kamera vorgibt (in der Regel ist im Sucher und/oder auf dem Kameradisplay ein Balken, an dem wir manuell die Belichtung auf null, also „richtig“ belichtet einstellen können - siehe dazu Bild 29); Blitz aufsetzen und diesen (am Blitz selber) auf eine Belichtung minus 2 einstellen (dazu bitte die Bedienungsanleitung hernehmen). Wählen wir ein Motiv, welches etwas im Dunkeln liegt, dann wird das Motiv nun mit sehr schönem weichen Licht zusätzlich beleuchtet. Wenn möglich immer ein Stativ dazu verwenden, um in Ruhe Ausschnitt und Schärfe richtig zu legen.

Bilder

Bild 29
Der rote Pfeil zeigt auf den "Nullwert" der Belichtungszeit, d. h., dies ist der Wert, den die Kamera als die richtige Belichtung vorgibt. Manuell könnten wir nun links und rechts davon den Wert unseren Vorstellungen anpassen.


Kommentare
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Portrait von Letis
  • 25.10.2015 - 07:55

klasse Tutorial, super erklärt, danke

Portrait von Lenivec
  • 08.12.2014 - 21:24

Gut erklärt. Dann werd ich mich jetzt wohl mal ans ausprobieren machen. :)

Portrait von HeinzGeorg
  • 08.01.2014 - 11:36

Eine schöne Einführung in die Fotografie u.a. mit einer schönen Beschreibung der Abhängigkeit von ASA, Blende und Belichtungszeit.

Portrait von Brook_Falls
  • 04.08.2013 - 09:43

Gut beschrieben. Wird ausprobiert.

Portrait von Sir Jeffrey
  • 15.07.2013 - 13:58

Blitzen in der Naturfotografie war für mich neu, vielleicht kann ich das ja mal gebrauchen. Herzlichen Dank für das gute Tutorial.

Portrait von Wels98
  • 20.05.2013 - 22:40

Richtig gut erklärt, werde ich morgen im Botanischen Garten sicher verwenden ;D

Portrait von Gladiole
  • 11.05.2013 - 14:17

Auch M (manuell einstellen) ist kein Problem.

Bei den Spiegelreflexkameras wird nach meinem Wissen im Sucher angezeigt, wieviel man unter- oder überblelichtet, dann kann manuell korrigiert werden.

Portrait von AkiradaGhost
  • 23.09.2012 - 20:33

Klasse, gute Zusammenfassung.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 22.06.2012 - 09:08

Sehr gutes Tutorial und ja ich bin auch der Meinung, nicht jeder kann gut fotografieren nur leider bilden es sich die meisten ein und beschäftigten sich nie mit ihrem Fotoapparat. Nicht einmal das einfache fokussieren beherrschen sie und müssen erklären, was auf dem Bild ist :-( und am meisten geht es mir auf die Nerven, dass man immer höflich sein muss und die Bilder "bestaunen" muss ....

Portrait von myriam
  • 12.06.2012 - 21:50

kurz und bündig. danke.

Portrait von Gismo77
  • 06.06.2012 - 16:04

Klasse Tutorial, gefält mir sehr gut

Portrait von stetson08
  • 07.05.2012 - 11:07

Sehr ausführlich und gut verständlich beschrieben !




Portrait von KittyCat
  • 25.04.2012 - 11:26

Klasse Tutorial, super beschrieben.

Portrait von PhotoshopFan
  • 08.09.2011 - 21:27

wirklich gutes Tutorial und sehr gut erklärt Danke !!!

Portrait von wojs
  • 07.09.2011 - 11:04

Sehr ausführlich und gut erklärt. Vielen Dank!

Portrait von Fotoroland
  • 12.06.2011 - 11:47

Eine gute Auffrischung breits Gehörtem, hat dennoch Horizont erweitert, vor allem macht es Mut, von der Voll- in Programmautomatik zu wechseln.
Fotoroland

Portrait von manu90
  • 12.04.2011 - 18:45

tolle weiterführung.. weiter gehts mit dem nächsten teil :)

Portrait von blacksheep77
Portrait von Schnuppi8480
  • 26.01.2011 - 21:39

hier kann man so vieles neues dazulernen ... vielen dank ...

Portrait von Ballermann_66
  • 20.01.2011 - 13:39

sehr gut! habe einige neue sachen gelernt.

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