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Tutorialbeschreibung

Naturfotografie - Teil 06 - Landschaft

Naturfotografie - Teil 06 - Landschaft

Die digitale Naturfotografie eröffnet uns Fotografen eine Menge neuer, faszinierender Möglichkeiten.

Von der schnellen Bildbewertung über den Crop-Faktor ("Verlängerungsfaktor") bis hin zur Kamerafernauslösung ist unserer Kreativität ein neues Tor geöffnet worden. Natürlich gelten auch weiterhin alle Bildgestaltungs- und Belichtungsregeln, allerdings mit einigen feinen Unterschieden zur analogen Fotografie. All dies werden wir in dem Tutorial "Naturfotografie" besprechen.

Und das Wichtigste: unsere Motive! Tiere, Pflanzen und Landschaften werden einen großen Raum einnehmen. Denn ohne sie gibt es keine Naturfotografie.

... übrigens findest du die komplette Serie hier: Der große Fotografie-Workshop - Schnapp sie dir in unserem Shop oder in der Kreativ-Flatrate!


Teil 6 - Landschaft

Nachdem wir in den vorherigen Teilen sehr viel über die Theorie gelesen haben und auch das „Sehen“ lernen durften, kommen wir in den folgenden 3 Teilen zur praktischen Umsetzung des Erlernten.

Einige möchten sicher gerne ganz genau wissen, welches Objektiv, welche Blende und welche Belichtungszeit eingestellt wurde und was sonst noch alles zum Gelingen des gezeigten Bildes beigetragen hat. Daher werde ich bei den meisten Bildern die wichtigsten Daten dazuschreiben. Aber nicht bei allen Bildern werde ich dies so machen. Denn einfach nur alles genau nachzumachen, hilft dem Fotografen nicht, seine Bilder zu verbessern. Wie ein Naturfotograf die Technik richtig einsetzt und das Motiv bestens in Szene setzt, muss natürlich mittelfristig jeder selber können.

Die eingesetzten Brennweiten sind immer auf das Kleinbildformat bezogen! In meinem Fall müsste die angegebene Brennweite also mit 1,5 multipliziert werden, um die vorhandene Brennweite zu errechnen. Soweit nicht anders erwähnt, wurden alle Aufnahmen bei ISO 100, mittenbetont angemessen und in Aufnahmemodus A gemacht. Wenn nicht anders erwähnt, wurden alle Bilder manuell scharf gestellt. Der Weißabgleich und die Nachschärfung erfolgte immer zu Hause am Computer. Ganz selten habe ich noch etwas am Kontrast oder am Tonwert korrigiert.


 

6.1 Wenn's feucht ist

Bild 77: Geschichte: Am Oberrhein gibt es viele kleine Zuläufe von Bächen und Flüssen. Dieser Zulauf ist aber künstlich! Auch, wenn es kaum zu glauben ist, hier läuft das gereinigte Wasser einer Kläranlage in den Rhein.

Bilder

Besonderheiten: Belichtungszeit: eine Sekunde, um den schaumigen Eindruck des Wassers zu erhalten. Bildaufbau: durch die Blätter links im Bild eine deutliche Bildteilung, um das Motiv in zwei Diagonale zu aufzuteilen. Daten: 24-mm-Objektiv; Blende 16; 1 sec. Belichtungszeit; Stativ; im Wasser stehend, bedeckter Himmel.


Bildidee: Der deltaförmige Zulauf reizte mich. Ich versuchte, durch Standort und Bildkomposition den Eindruck zu erwecken, dass hier ein wilder Bach in den Rhein hineinfließt.


 
Bild 78: Geschichte: Mein Ziel war es, den Rhein einmal so zu fotografieren, wie er vor Hunderten von Jahren überall gewesen war. Dazu gibt es zwischen Basel und Karlsruhe noch einige natürliche und vom Menschen wenig veränderte Stellen, wovon ich eine aufsuchte. Flüsse bieten nicht nur Wasser, sondern auch Sandbänke, Steilufer, Flachwasserzonen und Kiesbänke. Auf Kiesbänken brüten bspw. Flussregenpfeifer und Großvögel, wie Höckerschwäne gehen dorthin, um sich dort der Gefiederpflege hinzugeben.

Bilder

Bildidee: Mir ging es darum, die Kiesfläche so groß wie möglich erscheinen zu lassen und als Fixpunkt den Schwan einzusetzen. Dieser sollte im Goldenen Schnitt stehen. Daten: 24-mm-Objektiv; Blende 16; Stativ.


 
Bild 79: Geschichte: Hier noch einmal der Rhein, wie ihn nicht jeder kennt. Abends kurz vor Sonnenuntergang gab es ein schönes weiches, rötliches Licht, welches ich einfangen wollte. Damit nicht nur der felsige Grund unter der Wasseroberfläche sichtbar wurde, sondern auch, um nicht zu viele Reflexionen zu erhalten, habe ich einen Polfilter eingesetzt. So bekam ich genau die Reflexionen auf dem Wasser, die ich mir vorgestellt hatte.

Bilder

Bildidee: Die felsigen Brocken im Wasser sollten den Charakter des (ehemaligen) Wildflusses betonen. Zudem konnte ich sie perfekt dazu benutzen, um das Bild nach dem Goldenen Schnitt zu komponieren. Daten: 35-70-mm-Zoom-Objektiv; Blende 16; Polfilter; Stativ; im Wasser stehend.


 
Bild 80: Geschichte: Um die gezeigte Lichtstimmung zu erreichen, musste ich mehrmals im Jahr zu verschiedenen Zeiten an diesen Weiher. Im Herbst war das Licht dann so, wie ich es mir vorstellte. Morgens um 6.30 Uhr war es windstill genug für eine glatte Wasseroberfläche und eine schöne Spiegelung.

Bilder

Daten: 70-300-mm-Zoom-Objektiv; Blende 11; Stativ.


Bildidee: Ich wollte eine absolut ruhige Wasserfläche, um eine perfekte Spiegelung zu erhalten. Für den Bildaufbau wählte ich diesmal eine „verbotene“ Variante, nämlich die Teilung des Bildes in genau zwei Hälften. In diesem Fall aber war es die richtige Gestaltung, da sowohl der Wald als auch dessen Spiegelung gleichberechtigte Motivteile sind (siehe auch 4.6 „Die Flächenaufteilung“).


 
Bild 81a: Geschichte, Bildidee und Daten: siehe Bild 81b!

Bilder



 
Bild 81b: Geschichte: Die Aufnahmen 81a und 81b entstanden in einem Feuchtgebiet in Spanien. Aus einer festmontierten Beobachtungshütte heraus.

Bilder

Daten: 18-35-mm-Zoom-Objektiv; Blende 8; Belichtungszeit 1/60 sec; Stativ.


Bildidee: Die Aufnahmen wollte ich bei abendlicher Stimmung machen, wobei mir wichtig war, den großen Schilfgürtel deutlich ins Bild zu setzen. Die Wolkenformationen sollten eine dramatische Stimmung erzeugen. Da mir die vorgenannten Komponenten doch etwas zu wenig Gestaltungsmöglichkeiten eröffneten, nahm ich noch die Äste eines rechts vor der Hütte stehenden Baumes als „Rahmen“ mit auf das Bild. Um zu schauen, wie viel „Rahmen“ das Bild verträgt, habe ich zwei leicht abweichende Aufnahmen von diesem Motiv gemacht. Zu Hause gewann, wegen der etwas harmonischeren Gestaltung, Bild 81b.


 
Bild 82: Geschichte: In Mittelmeerländern finden wir häufig die Agave. Seltener die Blüte. Links ist die Aufnahmesituation abgebildet. Die Agave befand sich an einem Felshang, der steil zum Meer abfiel. Ich konnte die Pflanze also nur von schräg oben aufnehmen und hatte somit wenig Gestaltungsmöglichkeiten.

Bilder

Daten: Linkes Bild: 10,5-mm-Objektiv; Blende 7,1; Belichtungszeit 1/320 sec; ISO 200, Freihand. Rechtes Bild: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 7,1; Belichtungszeit 1/200 sec; ISO 200; Stativ.


Bildidee: Die Agave sollte als Blickfang im Vordergrund vor dem Meer thronen. Der erste Versuch (rechte Aufnahme) war weniger gelungen, da das Meer die Blüte in der Mitte „durchschneidet“. Der Bildaufbau (Horizont in der Mitte) gefiel mir ebenfalls nicht.


 
Bild 83: Nun ist die Agavenblüte schön frei, der Felsen rechts ist vom Horizont auch nicht angeschnitten und die Agave ist vollständig auf dem Bild zu sehen. Insgesamt ist das Bild nun stimmiger.

Bilder

Daten: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 7,1; Belichtungszeit 1/200 sec; ISO 200; Stativ.


 
Bild 84: Geschichte: Den ganzen Tag herrschte am Mittelmeer starker Wellengang, den ich versuchte, in Bilder umzusetzen. Das Problem dabei war, dass es gleichzeitig sehr windig war und dadurch ein Objektivwechsel nicht möglich war. Ansonsten wäre der feine Flugsand in das Gehäuse eingedrungen und hätte evtl. Schäden verursacht.

Bilder

Daten: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 4,5; Belichtungszeit 1/200 sec; Stativ.


Bildidee: Zwei Dinge wollte ich hier fotografieren: zum einen den starken Wellengang, der auf die Felsen prallt (Bild 84 und 85). Zum anderen sollte das Wasser fluffig den Felsen umspülen, was ich durch eine lange Belichtungszeit erreichte (Bild 86 und 87). Bei Bild 84 habe ich das Wasser so fotografiert, dass es wie erstarrt wirkt. Dies habe ich durch eine kurze Belichtungszeit erreicht.


 
Bild 85: Bildidee: Bei Bild 85 sollte das Wasser in "Action" sein. Dies habe ich durch eine lange Belichtungszeit erreicht.

Bilder

Daten: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 11; Belichtungszeit 1/20 sec; Stativ.


 
Bild 86: Bildidee: Hier ist der Felsen fluffig umspült. Es ist noch viel vom Stein sichtbar. Eine lange Belichtungszeit ermöglicht diesen Effekt.

Bilder

Daten: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 22; Belichtungszeit 1/2,5 sec; Stativ.


 
Bild 87: Bildidee: Hier ist der Felsen ebenfalls fluffig umspült, aber der Betrachter sollte nur noch wenig vom Felsen in der Brandung sehen. Eine lange Belichtungszeit ermöglicht diesen Effekt.

Bilder

Daten: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 22; Belichtungszeit 1/2,5 sec; Stativ.


 
Bild 88: Geschichte: Im Schwarzwald gibt es viele Wasserfälle und Sturzbäche. An manchen Stellen sammelt sich das Wasser in Moospolstern. Bei Sättigung tritt es dann als Wasservorhang wieder aus. Ich war mehrmals an dieser Stelle, um dieses Phänomen bei verschiedenen Lichtstimmungen zu fotografieren.

Bilder

Daten: Linke Aufnahme: 200-mm-Objektiv, Blende 8; Belichtungszeit 1/30 sec; Stativ – Rechte Aufnahmen: 200-mm-Objektiv, Blende 16; Belichtungszeit 1/3 sec; Stativ.


Bildidee: Bei Bild 88 (linke Aufnahme) wollte ich einen Lichtspot setzen und wartete, bis die Sonne die Stelle beleuchtete, wo das Wasser auf den Boden traf. Die zweite Idee war das Gegenteil (rechte Aufnahme). Der Himmel sollte bewölkt sein (für Waldaufnahmen oftmals das beste Licht), um den Betrachter nicht vom eigentlichen Motiv abzulenken.


 
Bild 89: Geschichte: Die gleiche Stelle wie in Bild 88. Nur von der anderen Seite aus fotografiert.

Bilder

Daten: Linke Aufnahme: 14-14-mm-Zoom-Objektiv, Blende 22; Belichtungszeit 6 sec; ISO 200; Stativ – Rechte Aufnahme: 14-14-mm-Zoom-Objektiv, Blende 22; Belichtungszeit 4 sec; ISO 200; entfesselter Blitz (+ 1 LW korrigiert, auf zweiten Verschlussvorhang fotografiert); Stativ.


Bildidee: Bei Bild 89 wollte ich mit einem Weitwinkel zeigen, dass das Motiv im Wald eingebettet ist und die Größe des „Mooswasserfalls“ zum Wald aufzeigen. Im linken Teil ist deutlich zu sehen, dass der Felsüberhang zu dunkel ist. Details sind nicht zu erkennen. Also musste ich mit einem Blitz aufhellen. Dies machte ich mit einem entfesselten Blitz (siehe Teil 2.5, Bild 16), damit ich genau den Teil anblitzen konnte, der im Bild zu dunkel war (rechtes Bild).


 

6.2 Wenn's flach ist

Bild 90: Geschichte: Diese ungemähte Wiese hatte ich schon lange beobachtet. Ich wartete nur auf die richtige Lichtstimmung und etwas Wind. Das Schwierigste hierbei war, die gerade noch im Hintergrund sichtbaren Hochspannungsmasten nicht auf das Bild zu bekommen (zur Erinnerung: In der Naturfotografie sollte natürlich per Bildbearbeitung nichts in das Bild hinzugefügt oder weggenommen werden, außer es wird erwähnt, dass dies gemacht wurde; siehe dazu auch Teil 1.5).

Bilder

Daten: 24-mm-Objektiv, Blende 11; Stativ.


Bildidee: Durch einen stetig wehenden Wind wurden die Halme wellenförmig zur Seite gebogen. Dies im Bild festzuhalten war die Hauptidee. Dazu durfte der Himmel aber nicht einfach nur blau sein. Denn nur Wolken drückten die von mir gewünschte Dramatik aus.


 
Bild 91: Geschichte: Flache, steppenartige Landschaftsaufnahmen benötigen eine Hilfestellung für den Betrachter, damit dieser durch das Bild geleitet wird. Diese Aufnahme entstand in Belgien im „Hohen Venn“, wo es wenige Erhebungen gibt.

Bilder

Daten: 200-mm-Objektiv, Blende 8; Stativ.


Bildidee: Mir ging es darum, dem Betrachter die Öde und die Weite des Feuchtgebietes zu zeigen. Dazu konnte ich die Bäume als Leitlinie für die Augen nutzen. Gleichzeitig kann der Betrachter die Grasflächen streifen und erkennt so den Steppencharakter des „Hohen Venn“.


 
Bild 92: Geschichte: Blühende Wiesen sind immer ein Foto(versuch) wert. Die Umsetzung ist oft nicht einfach, da leicht der Eindruck von Monotonie eintreten kann.

Bilder

Daten: 18-35-mm-Zoom-Objektiv, Blende 11; Stativ.


Bildidee: Die Wiese sollte als wichtigstes Element den größten Teil des Bildes einnehmen, der einzelne Baum sollte als „Stopp-Punkt“ dienen. Das Hochformat diente mir dazu, mehr Spannung in das Bild zu bekommen.


 
Bild 93: Geschichte: Die großartige Löwenzahnblüte wollte ich, wie bei Bild 92, mit einem „Stopper“ in Szene setzen. Der „Stopper“ ist hier ein kleiner Hügel, der den Betrachter im Bild hält.

Bilder

Daten: 24-mm-Objektiv, Blende 11; Sand- bzw. Bohnensack als Stativ.


Bildidee: Bei diesem Bild wäre das Hochformat dem Motiv (viele, viele Blüten) nicht ganz gerecht geworden. Zudem wäre der Hügel im Hintergrund zu stark angeschnitten worden. Durch meinen tiefen Aufnahmestand fühlt sich der Betrachter mitten drin im Blütenmeer.


 

6.3 Wenn's hügelig wird

Bild 94: Geschichte: Bei Bergen ist es wichtig, das vorhandene Licht zu nutzen. Da ich in der Nähe der Vogesen wohne, fahre ich, besonders im Herbst, oft in die Berge, um interessante Lichtstimmungen vorzufinden.

Bilder

Daten: 70-300-mm-Zoom-Objektiv; Blende 8; Stativ.


Bildidee: Durch die untergehende Sonne und die Gelbfärbung der Luft wollte ich die Abstufung der hintereinander angeordneten Berge deutlich machen. Zudem lässt sich so die Weite sehr gut darstellen.


 
Bild 95: Geschichte: Noch ein Bild aus den Vogesen. Nun im Hochformat, bei völlig anderen Lichtverhältnissen und damit auch einer völlig anderen Stimmung.

Bilder

Daten: 70-300-mm-Zoom-Objektiv; Blende 8; Stativ.


Bildidee: Das blaue Licht an diesem diesigen Tag wollte ich dazu nutzen, dem Betrachter die Kälte der Berge nahezubringen und auch die Unwirtlichkeit der Vogesen aufzuzeigen.


 
Bild 96: Geschichte: Bei Bergen über eintausend Meter hat der Fotograf bei bestimmten Wetterlagen die Möglichkeit, oberhalb einer Nebelbank Bilder von unter ihm liegenden Bergen zu machen. Nur die Wipfel der Bäume zeugen davon, dass wir uns in den Bergen befinden.

Bilder

Daten: 70-300-mm-Zoom-Objektiv; Blende 16; Stativ.


Bildidee: Meine Bildidee war es, die durch den Nebel hervorstechenden Baumspitzen wie die Rücken von Dinosauriern erscheinen zu lassen.


 
Bild 97: Geschichte: Der Kaiserstuhl bietet uns Fotografen viele Möglichkeiten, auch die Kulturlandschaft ins Bild zu setzen. Allerdings zwingen die langen Reihen der Reben dem Fotografen viel kreatives Denken ab. Sonst sieht es auf jedem Bild gleich aus.

Bilder

Daten: 200-mm-Objektiv; Blende 16; Stativ.


Bildidee: Ich wollte kurz nach Sonnenaufgang (gegen 4 Uhr) das Streiflicht nutzen, damit die Reben durch den goldenen Schimmer auf ihren Spitzen deutlich von dem reichlich vorhandenen Grün abgesetzt werden.


 

6.4 Wenn's (viele) Bäume hat

Bild 98: Geschichte: In höheren Bergregionen können nur wenige Bäume überleben. Daher sind einzelne Bäume immer sehr markante Erscheinungen. Bei diesen Aufnahmen befand ich mich in den Pyrenäen, kurz vor der Baumgrenze.

Bilder

Daten (beide Aufnahmen): 18-35-mm-Zoom-Objektiv; Blende 8; Stativ.


Bildidee: Die linke Aufnahme sollte die Einsamkeit des Baumes in der weiten Landschaft erzählen, die rechte Aufnahme sollte den Baum selber, der für sich genommen ja auch eine imposante Erscheinung ist, betonen. Der Bildaufbau entspricht dem Goldenen Schnitt.


 
Bild 99: Geschichte: Um rechtzeitig zum Sonnenaufgang vor Ort zu sein, musste ich an einem sehr kalten Novembertag auf dem 1400 Meter hohen Kandel im Schwarzwald in meinem Auto übernachten. Belohnt wurde ich mit einem Feuerwerk an Farben, als gegen 7 Uhr die Sonne hinter dem Berggipfel aufging.

Bilder

Daten: 400-mm-Objektiv; Blende 5,6; 1,4-fach-Konverter; Stativ.


Bildidee: Schon oft hatte ich an dieser Stelle Sonnenaufgänge beobachtet. Im November kam noch Nebel dazu, sodass ich Sonne und Nebel verbinden wollte, um einen Sonnenaufgang zu fotografieren, der die Betrachter im Glauben lassen sollte, sie schauten auf einen Waldbrand.


 
Bild 100: Geschichte: Meine Absicht ist es, möglichst Bilder von Landschaften zu machen, die nicht das zeigen, was auf vielen anderen Bildern schon zu sehen ist. Daher suchte ich mir im Schwarzwald eine Gegend aus, die zeigen sollte, wie dicht und feucht Wald auch sein kann, ohne Bäume in den Vordergrund zu stellen.

Bilder

Daten: 35-70-mm-Zoom-Objektiv; Blende 16; Stativ. Bildidee: Die bemoosten Steine und die Andeutung des Waldes am oberen Rand gibt dem Betrachter das Gefühl, sich selber im Wald zu befinden. Das Bild sollte auch den Untergrund darstellen, auf dem die Bäume wachsen.


 
Bild 101: Geschichte: Vielleicht erinnern sich noch einige Leser an den Orkan „Lothar“ im Jahr 1999. Am 25.12. wurden durch diesen Sturm Tausende Bäume entwurzelt. An einem Fluss nahe Freiburg fand ich über einige Hundert Meter entwurzelte Weiden liegen.

Bilder

Daten: 24-mm-Objektiv; Blende 22; Polfilter; Stativ.


Bildidee: Um den Sturm noch im Nachhinein im Bild festzuhalten (durch dunkle Wolken am Himmel), musste ich ein paar Wochen warten, bis eine Gewitterfront aufzog (das Bild entstand ca. 2 Monate nach dem Sturm). Außerdem suchte ich mir eine Stelle aus, an der noch eine junge, unversehrte Weide den Neuanfang des zerstörten Ufers symbolisierte. Zusätzlich wählte ich für die Bildgestaltung 3 Bäume aus, um im Bild eine Diagonale zu erhalten. Den dramatischen Eindruck der Wolken verstärkte ich durch den Einsatz eines Polfilters.


 
Bild 102: In der modernen Naturfotografie tauchen immer wieder einmal neue Bildideen auf, wie hier der WISCHER. Die Umsetzung ist nicht ganz so einfach, wie es scheint. Um ein befriedigendes Bild zu erhalten, kann es sein, dass ein- oder zweihundert Versuche nötig sind, um zum Erfolg zu kommen. Die beste Zeit für diese Art Aufnahmen, die wie gemalt wirken sollten, ist der Herbst und der Frühling. Um solche Bilder zu machen, muss die Kamera auf ein Stativ mit Stativkopf gesetzt werden. Ein 3-Wege-Neiger (siehe Teil 2, Bild 11) ist dafür optimal geeignet. Weniger gut ist hier ein Kugelkopf, da dieser in alle möglichen Richtungen ausbrechen kann. Während der Belichtung muss die Kamera vertikal zum Motiv bewegt werden.Sinnvoll ist es, von oben nach unten zu schwenken. Aber auch andere Schwenks sollten einmal ausprobiert werden. Die Belichtungszeit sollte im Bereich um 1/2 sec bis 1/8 sec liegen, dann haben wir genug Zeit zum Schwenken. Wir stellen also manuell die Blende so ein, dass wir ungefähr eine Belichtungszeit von plus/minus 1/4sec erreichen. Auch hier ist Ausprobieren der Weg zum Erfolg.

Bilder

Daten: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 11; Belichtungszeit 1/4 sec; Stativ.


 

6.5 Wenn's kalt ist

SCHNEEFOTOGRAFIE: Sehr viele Kamerabelichtungsmesser haben Probleme bei sehr hellen und sehr dunklen Motiven. Alle Spiegelreflexkameras haben einen eingebauten Belichtungsmesser, der auf einen Grauwert geeicht ist, der genau 18% des einfallenden Lichtes reflektiert. Nur bei dieser Standardlichtsituation belichtet die Kamera exakt. Deshalb werden Motive, die heller sind als die Graukarte, zu dunkel wiedergegeben (Schnee erscheint dann schmutzig und nicht weiß, da der Belichtungsmesser zu kurz belichtet). Gerade Schnee erfordert die volle Aufmerksamkeit des Fotografen. Die Kamera versucht immer, helle Flächen zu kurz zu belichten. Die Kamera produziert dann zu dunkle - „schmutzige“ –Schneebilder.Das Bild ist praktisch unterbelichtet.

Tipp: Reines Weiß wird um bis zu2 Belichtungsstufen(fachmännisch ausgedrückt: um 2 Lichtwerte) zu kurz belichtet. Abhilfe: Das Motiv um bis 2 Belichtungsstufen länger belichten. Belichtungsreihen machen! Durch die längere Belichtungszeit bekommen wir „Zeichnung“in den Schnee. „Zeichnung“ bedeutet, dass noch einzelne Schneekristalle erkennbar sind. Ein vernünftiges Schneebild hat keine oder nur wenige rein weiße Flächen. Ein gutes Schneebild lässt sich leicht am Merkmal „Zeichnung“ erkennen. Ist das Schneebild perfekt belichtet, muss das Bild gar nicht mehr oder nur noch minimal am Computer bearbeiten werden.

 
Bild 103: Geschichte: Nur noch selten ist es in Mitteleuropa so kalt, dass Bäche und Flüsse gefrieren. Daher ist dieses Motiv für mich, wenn es denn vorhanden ist, ein Muss. Diese Bilder entstanden im Schwarzwald an einem sehr kalten Januarmorgen. In der Mitte oben (in der linken Aufnahme) stehen Besucher des Wasserfalls, die ich integrierte, um die Größe des Falles zu zeigen.

Bilder

Daten (für beide Aufnahmen): 35-70-mm-Zoom-Objektiv; Blende 11; Stativ.


Bildidee: Frost und das dazugehörende Naturschauspiel sollte die Fotoexkursion an diesen kalten Ort bringen. Ein Bild war angedacht als Gesamtaufnahme der schneebedeckten Landschaft, ein Bild sollte zeigen, wie stark schon der Frost das fließende Wasser zurückgedrängt hatte.


 
Bild 104: Geschichte: Auch diese Aufnahme ist ein Beispiel dafür, dass ein gutes Bild sehr lange von der Planung bis zur Ausführung benötigt. Zwei Jahre, viele Besuche und noch mehr Fotos an diesem Ort waren nötig, um das gezeigte Bild zu bekommen.

Bilder

Daten: 35-70-mm-Zoom-Objektiv; Blende 11; Belichtungsreihe, Stativ.


Bildidee: Schon lange wollte ich diese beiden wundervollen Bäume mit Schnee bedeckt und während eines Sonnenunterganges fotografieren. Einen Tag vor Sylvester war es dann endlich so weit und die Situation war so, wie ich sie mir vorgestellt hatte.


 
Bild 105: Geschichte: „Normal“ ist es in der Regel, fließendes Wasser zu fotografieren. Ich wollte dieses Mal gefrorenes Wasser ablichten. Dazu musste aber das Motiv aus mehr als nur einer einheitlich gefrorenen Fläche bestehen. Für die perfekte Aufnahme war es wichtig, dass keine Sonne schien und der Himmel eine geschlossene Wolkendecke aufwies.

Bilder

Daten: 70-300-mm-Zoom-Objektiv; Blende 5,6; Stativ. Bildidee: Eingeschlossene Luftblasen unter einer dünnen Eisschicht ergeben immer wieder tolle Motive. Ich wartete auf eine ganz normale Pfütze auf einem Feldweg, um meine Aufnahme zu bekommen. Dass allerdings diese „fließende“ Form im Eis entstand, ist Zufall gewesen.


 
Bild 106: Geschichte: Dieses Bild soll als Beispiel dafür dienen, dass es nicht immer möglich ist, eine Bildidee umzusetzen. An einem frostigen Morgen hatte sich auf diesen Nadelbäumen dicker Raureif abgesetzt. In der Realität strahlten die Bäume in einem fantastischen Glanz. Das Licht schien perfekt. Aber als ich das Bild zu Hause betrachtete, war der Zauber verflogen. Das Bild war nicht annähernd so geworden, wie ich es vor Ort gesehen hatte. Alles Nachbearbeiten konnte das Bild nicht mehr retten.

Bilder

Daten: 35-70-mm-Zoom-Objektiv; Blende 8; Stativ.


 

6.6 Was es sonst noch so gibt

Bild 107: Geschichte: Sonnenaufgänge faszinieren uns immer wieder aufs Neue. Es gibt zwar auch einige Naturfotografen, die keine Sonnenaufgänge mehr sehen wollen. Für mich steht ein Sonnenuntergang aber immer auf der Fotoliste. Jedes Mal ändert sich ein kleines Detail oder ich bin an einem Ort, wo der Untergang wieder ganz anders wirkt als bei mir zu Hause. Oder der Vordergrund bringt mir eine neue Bildidee. Sonnenuntergänge sind immer ein Bild wert! Hier zeige ich einen Sonnenuntergang in den Vogesen.

Bilder

Bildidee: Bei dieser Aufnahme ging es mir darum, deutlich zu machen (indem ich die Sonne in die rechte Ecke des Bildes setzte), dass es sich um einen Untergang handelte und darum, dass durch das Übergewicht des rot gefärbten Himmels die Schönheit dieses Naturphänomens herausgestellt wurde.


 
Bild 108: Geschichte: Den Mond zu fotografieren, ist gar nicht so einfach. Denn die Bewegung des Mondes (bzw. die der Erde) ist, auch wenn wir es nicht recht wahrnehmen, unglaublich schnell. Daher ist die richtige Belichtungszeit nicht unerheblich. Zudem muss es eine sehr klare Nacht sein, höchstens ein paar Wolken dürfen sich am Himmel zeigen. Zur besseren Darstellung habe ich einen ca. 60%igen Ausschnitt vom Originalbild eingestellt.

Bilder

Daten: 500-mm-Objektiv plus 1,4-fach-Konverter; Blende 6,3; Belichtungszeit 1/160 sec; Stativ.


Bildidee: In dieser klaren Nacht ging es mir darum, den Mond so detailliert wie möglich abzubilden. Dies konnte ich durch eine lange Brennweite und eine relativ kurze Belichtungszeit erreichen.


 
Bild 109: Geschichte: Dieses Bild ist ein Beispiel für eine der wenigen ungeplanten Aufnahmen. Eines Abends wartete ich auf einen Sonnenuntergang, als sich von Westen her ein paar Wolken näherten. Als diese sich vor die Sonne schoben, entstand folgendes Bild.

Bilder

Daten: 35-70-mm-Zoom-Objektiv; Blende 8; Freihand. Bildidee: Aufnahmen wie die von den Sonnenstrahlen bedürfen keiner großen Erklärung. Sie drücken beim Betrachter etwas Göttliches aus. Normalerweise sehen wir die Sonne als hellen Kreis. Überdecken Wolken die Sonnenkugel, sehen wir die Sonnenstrahlen und wir erkennen den „Sinn“ der Sonne.


 
Bild 110: Geschichte: Langzeitaufnahmen haben immer etwas Faszinierendes an sich. Für diese Aufnahme musste ich 4 Stunden bei eisiger Kälte neben der Kamera ausharren, bis das Bild so war, wie ich es geplant hatte. Das größte Problem bei dieser Aufnahme war, dass kein von Menschen erzeugtes Licht in der Nähe sein durfte. Dieses hätte die Aufnahmen unbrauchbar gemacht. Um einige schöne Sternenbahnen zu bekommen, muss eine Aufnahme 4 Stunden und mehr belichtet werden.

Bilder

Daten: 24-mm-Objektiv; Blende 11; Belichtungszeit 4 Stunden (Einstellung „bulb“ an der Kamera); analoge Aufnahme (siehe auch Bild 111); Stativ.


Bildidee: Bei Langzeitbelichtungen von Sternen wird durch die Drehung der Erde ein Stern als Sternenbahn abgebildet. Kommen viele Sterne auf das Bild, entsteht ein spektakuläres Farbenspiel. Diese Bildidee habe ich an einem Sylvestertag fotografiert. Ich nahm noch eine Baumgruppe hinzu, die als Orientierungshilfe für den Betrachter dient.


Bild 111: Hier habe ich eine Langzeitbelichtung von ca. 80 Minuten gemacht (der Ausschnitt ist eine sehr starke Vergrößerung aus dem Originalbild). Die linke Hälfte des Baumes ist unbearbeitet und zeigt deutlich das Rauschen, welches vom Sensor der Digitalkamera her stammt. Die rechte Bildhälfte ist bearbeitet. Dennoch ist die Qualität enttäuschend. Belichtungen über 3 Minuten mache ich grundsätzlich mit einer analogen Kamera. Die Bildergebnisse sind auf Film eindeutig besser.

Bilder

Daten: 70-200-mm-Zoom-Objektiv, Blende 8; Belichtungszeit 4613 sec mit bulb; Fernauslöser; Stativ.


Kommentare
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Portrait von Syna
  • 29.03.2016 - 12:14

Das Tutorial empfand ich als nützlich und gut erstellt ist es ebenfalls. Idee/Kompsitionsaspekte finden sich gleichermaßen wie technische Aspekte. Vielen Dank!

Portrait von PSDSepp
  • 14.01.2014 - 08:09

Echt Klasse, Hilfreich und Informativ. Danke!

Portrait von AceVentura
  • 03.09.2013 - 15:52

Wirklich gutes Tutorial - habe gleich am Wochenende Gelegenheit einiges auszuprobieren.

Portrait von chatbalu
  • 28.08.2013 - 17:08

Vielen Dank für das schöne Tutorial.

Portrait von Raeuberface
  • 23.08.2013 - 19:54

Dieses Tutorial ist einfach super,,,,tollllle idee....

Portrait von Brook_Falls
  • 04.08.2013 - 09:33

sehr ausführliches und gut geschriebenes Tut.

Portrait von Sir Jeffrey
  • 16.07.2013 - 11:24

Eine tolle Vielfalt an Beispielen und Anregungen, herzlichen Dank dafür.

Portrait von collies
  • 01.06.2013 - 15:26

Wow super Bilder zu diesem Tut, ich hoffe das ich irgendwann mal an solche Orte kommen kann um einiges davon umsetzen zu können.
Tut gefällt mir sehr sehr gut.

Portrait von Gladiole
  • 15.05.2013 - 21:39

Viele neue Anregungen und Ideen zum Ausprobieren, vielen Dank.

Portrait von Gladiole
  • 15.05.2013 - 21:38

Viele neue Anregungen und Ideen zum Ausprobieren, vielen Dank.

Portrait von AngelFox
  • 02.01.2013 - 22:07

Wieder dazugelernt.Jetzt gehts drum es auch umzusetzen.

Portrait von michi5424
  • 26.09.2012 - 05:42

Vielen Dank für die tolle Arbeit,

in meiner Umgebung kann ich mich gottseidank an ähnlichen Motiven "austoben" und diese mit neuen Tipps und hinweisen aus dem Tut neu in Szene setzen

Mike

Portrait von eberron
  • 07.09.2012 - 22:14

Super Tutorial. 1 A erklärt. Muss man gleich ausprobieren.

Portrait von summerflair
  • 08.08.2012 - 22:57

Klasse Erklärung und super Tipps
Danke

Portrait von Yarnauga
  • 25.07.2012 - 10:12

Super Anregungen und unterhaltsam geschrieben!

Portrait von nocturno
  • 22.06.2012 - 07:29

Auf in die Natur und probieren. Klasse tutorial!

Portrait von klana_schnuffl
  • 19.06.2012 - 11:14

sehr tolles tutorial, man kann sich viele ideen daraus mitnehmen

Portrait von paulfs
  • 16.06.2012 - 16:07

wunderbares Tutorial! Bei der ganzen Reihe habe ich viel gelernt!

Portrait von Gismo77
  • 06.06.2012 - 12:06

Sehr toller Tutorial, einfach klasse

Portrait von KittyCat
  • 25.04.2012 - 10:18

Auf in die Natur und ausprobieren.

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