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Tutorialbeschreibung

Naturfotografie - Teil 07 - Pflanzen

Naturfotografie - Teil 07 - Pflanzen

Die digitale Naturfotografie eröffnet uns Fotografen eine Menge neuer, faszinierender Möglichkeiten. Von der schnellen Bildbewertung über den Crop-Faktor ("Verlängerungsfaktor") bis hin zur Kamerafernauslösung ist unserer Kreativität ein neues Tor geöffnet worden. Natürlich gelten auch weiterhin alle Bildgestaltungs- und Belichtungsregeln, allerdings mit einigen feinen Unterschieden zur analogen Fotografie. All dies werden wir in dem Tutorial "Naturfotografie" besprechen.

Und das Wichtigste: unsere Motive! Tiere, Pflanzen und Landschaften werden einen großen Raum einnehmen. Denn ohne sie gibt es keine Naturfotografie.

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Teil 7 - Pflanzen

Bei der Pflanzenfotografie spielt zwangsläufig die Makrofotografie eine wesentliche Rolle. Daher gehe ich hier an dieser Stelle näher auf dieses Thema ein.

Aber Pflanzenfotografie benötigt nicht nur ein Objektiv für die Nähe. Mein bevorzugtes Pflanzenobjektiv ist schon immer ein Weitwinkelobjektiv. Im Nachfolgenden werde ich wieder Beispiele dazu geben, auf welche verschiedene Arten wir Blüten, Bäume und andere Pflanzen ins rechte Bild setzen können.

Wie schon im Teil Landschaften geschrieben, so möchte ich hier auch noch einmal auf Folgendes hinweisen:

Einige möchten sicher gerne ganz genau wissen, welches Objektiv, welche Blende und welche Belichtungszeit eingestellt wurde und was sonst noch alles zum Gelingen des gezeigten Bildes beigetragen hat. Daher werde ich bei den meisten Bildern die wichtigsten Daten dazuschreiben. Aber nicht bei allen Bildern werde ich dies so machen. Denn einfach nur alles genau nachzumachen, hilft dem Fotografen nicht, seine Bilder zu verbessern. Wie ein Naturfotograf die Technik richtig einsetzt und das Motiv bestens in Szene setzt, muss natürlich mittelfristig jeder selber können.

Die eingesetzten Brennweiten sind immer auf das Kleinbildformat bezogen! In meinem Fall müsste die angegebene Brennweite also mit 1,5 multipliziert werden, um die vorhandene Brennweite zu errechnen. Soweit nicht anders erwähnt, wurden alle Aufnahmen bei ISO 100, mittenbetont angemessen und in Aufnahmemodus A gemacht. Wenn nicht anders erwähnt wurden alle Bilder manuell scharf gestellt. Der Weißabgleich und die Nachschärfung erfolgte immer zu Hause am Computer. Ganz selten habe ich noch etwas am Kontrast oder am Tonwert korrigiert.


 

7.1 Pflanzen und Makrofotografie

Die Faszination der Nah- und Makrofotografie liegt darin, kleine Dinge groß darzustellen. Hier erschließt sich für uns eine ganz neue Welt. Details, die wir mit dem Auge sonst nicht sehen können, werden sichtbar. Um die Welt der kleinen Dinge zu erschließen, benötigen wir zunächst wieder etwas Theorie. Natürlich gilt das hier Geschriebene auch für die Tierfotografie!

Makrofotografie ist laut DIN–Norm wie folgt geregelt:

• Liegt der Abbildungsmaßstab zwischen 1:10 und 10:1, sprechen wir von Makrofotos.
• Liegt der Abbildungsmaßstab im Bereich von 1:2 bis 1: 10 (oder kleiner), sprechen wir von Verkleinerungen,
• Liegt der Abbildungsmaßstab bei 2:1 bis 10: 1 (oder größer), sprechen wir von Vergrößerungen.

Der Abbildungsmaßstab gibt an, wie groß ein Objekt auf dem Film/Sensor dargestellt wird. Beim Kleinbild beträgt die Bildgröße 36 x 24 mm. Ist ein Objekt genauso groß und wird in dieser Größe abfotografiert, beträgt der Abbildungsmaßstab 1:1. Für die digitale Fotografie gilt dies natürlich genauso.

Besonders wichtig in der Makrofotografie ist die Schärfentiefe. Dieses Thema und die damit verbundenen Probleme bei der Digitalfotografie habe ich im Teil 1.2 schon angesprochen. Als Schärfentiefe bezeichnet man den Bereich, der auf der Aufnahme scharf abgebildet wird. Die Schärfentiefe können wir mit der Blende steuern. Die Wahl der Blende beeinflusst die einfallende Lichtmenge und Schärfentiefe. Eine große Blendenzahl (z. B. 2,8) bedeutet eine geringe Schärfentiefe, umgekehrt eine kleine Blendenzahl (z.B. 22) eine große Schärfentiefe. Hochpreisige Spiegelreflexkameras (ab ca. 1500 Euro) haben immer eine Taste, an der wir die Schärfentiefe im Sucher kontrollieren können, Kameras im tieferen Preissegment haben manchmal eine solche Taste. Zur Überprüfung der Schärfentiefe ist diese Taste unbedingt notwendig. Nachfolgend werde ich an Bildbeispielen ausführlich auf die Wirkung der Schärfentiefe eingehen.


 

Makroobjektive

Linsen der Makroobjektive sind speziell berechnete Objektive, die ihre optimale Abbildungsleistung im Nah– bzw. im Makrobereich erreichen. Für die Kleinbild-SLR gibt es z. B. folgende Brennweiten: Normalmakro 50mm, 60mm, leichtes Telemakro 90mm, 100mm, 105mm und starkes Telemakro von 180mm und 200mm. Ein wesentlicher Vorteil von Makroobjektiven ist ihr Einstellbereich vom Maßstab 1:1 bis unendlich und die Naheinstellgrenze. Diese liegt bei einigen Zentimetern. D. h. das Motiv kann in bspw. 25 cm Entfernung formatfüllend aufgenommen werde. Für Aufnahmen von Blumen reicht meistens eine Brennweite von 50 -100 mm. Bei Insekten oder Schmetterlingen ist ein 180er oder 200er Makro von Vorteil, da wir bei diesen Objektiven einen größeren Arbeitsabstand haben. Makroobjektive sind leider oftmals sehr teuer. Heutige moderne Zoom–Objektive verfügen oft über eine Makroeinstellung, mit der wir aber nur den Abbildungsmaßstab von ca. 1:4 erreichen können. Fremdhersteller wie Sigma oder Tamron bauen allerdings relativ günstige Makroobjektive mit guten Linsen.

Wer sich aus finanziellen Gründen kein Spezialobjektiv kaufen möchte, der hat die Möglichkeit, mithilfe einer Vergrößerungslinse, die er an ein schon vorhandenes Objektiv schraubt, kostengünstig in den Makrobereich vorzudringen. Sie wird einfach wie ein Filter vor das Objektiv geschraubt. Nahlinsen verkürzen die Brennweite und erlauben somit eine kürzere Aufnahmedistanz. Es gibt sie mit unterschiedlichen Dioptrienzahlen, z. B.+1,0, +2,0 usw. Ein Vorteil der Nahlinsen ist, dass sie keine Auszugsverlängerung verursachen und damit fast kein Lichtverlust verursacht wird. Wer sich eine Nahlinse zulegen möchte, sollte eine Linse wählen, die zwischen 1, 5 und 2 dpt (Dioptrien) hat. Nahlinsen verursachen eine Verringerung des Schärfenbereiches und je höher die Dioptrienzahl, desto geringer wird der scharf abgebildete Bereich.


 

Zwischenringe und Balgengerät

Wenn es weiter in den Makrobereich und schon fast in den Mikrobereich gehen soll, benötigen wir Zwischenringe oder ein Balgengerät, die ohne Linsen daherkommen und einfach nur eine Auszugsverlängerung bewirken und dem Objektiv zu einer kürzeren Naheinstellgrenze verhelfen. Beide Zubehörteile werden zwischen Kamera und Objektiv gesetzt. Zwischenringe gibt es in unterschiedlicher Länge (z. B. 12,5 mm, 25mm, 36mm). Sie können einzeln oder in unterschiedlicher Kombination eingesetzt werden.

Ein kleiner Nachteil der Zwischenringe besteht darin, dass durch die Auszugsverlängerung ein, wenn auch geringer, Lichtverlust eintritt. Zwischenringe sind starr und können damit nur stufenweise eingesetzt werden. Balgengeräte funktionieren genauso wie Zwischenringe, haben aber den großen Vorteil, dass sie stufenlos eingesetzt werden können. In der modernen Naturfotografie spielen Balgengeräte allerdings nur eine sehr untergeordnete Rolle. Hauptgrund ist die Unhandlichkeit und das Gewicht der Balgengeräte. Ich selber setze aus diesem Grund auch nur Zwischenringe ein. Und diese auch selten.

Für die Nah- und Makrofotografie gibt es eine Reihe von weiterem nützlichen Zubehör (nachfolgend eine Auswahl):

• Einstellschlitten (auf diesen „Schlitten“ wird das Objektiv aufgesetzt und mittels eines Drehknopfes kann das ganze Equipment sanft um bis zu 10 oder 20 cm hin und her gefahren werden, ohne dass das Stativ verstellt werden muss; sehr nützlich, um die Schärfentiefe ganz exakt auf das Motiv einzustellen)
• Makroblitze (in Teil 2.5 habe ich dieses Thema schon beschrieben)
• Winkelsucher (dieses Zubehör wird auf den Sucher der Kamera geschraubt und ermöglicht uns, von oben in die Kamera hineinzuschauen; dies ist nützlich, wenn wir die Kamera dicht über dem Boden einsetzen müssen)
• Aufhellfolie (in Teil 2.5 habe ich dieses Thema ebenfalls schon beschrieben)


 

7.2 Schritt für Schritt zum gutem Pflanzenbild

In diesem Teil möchte ich einmal Schritt für Schritt aufzeigen, wie ich an das Fotografieren einer Pflanze herangehe. An den gezeigten Beispielen wird auch deutlich, dass gute Ergebnisse eben nicht zufällig entstehen, sondern durch das „Kennenlernen“ der Pflanze (oder auch des Tieres) erst der erwünschte Erfolg möglich ist.

Bilder

Bild 112: Bildidee: Abbildung der gesamten Pflanze. Am Beispiel der Mariendistel (einer im Mittelmeerraum vorkommenden Art) lässt sich schön die Erarbeitung von Pflanzenbildern erläutern. Sähe der Betrachter nur die linke Aufnahme, so hätte er überhaupt keinen Eindruck von der Größe dieser Pflanze. Im rechten Bild hopse ich hinter der Pflanze in die Höhe, um so jedem erkennbar zu machen, welch riesiges Exemplar ich mir da ausgesucht hatte.


 
Bild 113: Bildidee: Eine Blüte der Distel sollte scharf vor einem Teil der Pflanze abgebildet werden, um auch noch einen Eindruck der Umgebung, in der die Distel wächst, zu bekommen.

Bilder

Daten: 14-24mm-Zoomobjektiv; Blende 2,8; 1/250 sec.; ISO 200; Stativ.


 
Bild 114: Bildidee: Eine geöffnete und zwei ungeöffnete Blüten sollten mit dem Gestaltungsmittel „Dreieck“ fotografiert werden.

Bilder

Daten: 14-24mm-Zoomobjektiv; Blende 4; 1/1000 sec.; ISO 200; Stativ.


 
Bild 115: Bildidee: Eine einzige Blüte sollte Hauptmotiv werden, und zwar so, dass nichts von ihr ablenkt.

Bilder

Daten: 14-24mm-Zoomobjektiv; Blende 4; 1/1250 sec.; ISO 200; Stativ.


 
Bild 116: Bildidee: Eine Blüte sollte seitlich vor völlig ruhigem Hintergrund fotografiert werden. Dazu machte ich bei verschiedenen Blendenöffnungen Aufnahmen, um zu Hause den schönsten Hintergrund aussuchen zu können.

Bilder

Daten:
Aufnahme 1: 200-mm-Makroobjektiv; Blende 32; 1/30 sec.; ISO 400; Stativ
Aufnahme 2: 200-mm-Makroobjektiv; Blende 16; 1/160 sec.; ISO 400; Stativ
Aufnahme 3: 200-mm-Makroobjektiv; Blende 8; 1/640 sec.; ISO 400; Stativ
Aufnahme 4: 200-mm-Makroobjektiv; Blende 4; 1/2000 sec.; ISO 400; Stativ

 
Bild 117: Bildidee: Um auch einmal etwas anderes zu fotografieren, als klassisch nur die geöffnete Blüte, nahm ich auch eine nicht geöffnete Blüte auf. Diese bestach durch die igelige Form. Daher gehörte dieses Wuchsstadium ohne Frage auch fotografiert.

Bilder

Daten: 200-mm-Makroobjektiv; Blende 8; 1/250 sec.; ISO 200; Stativ.


 
Bild 118: Bildidee: Wie bei Bild 117, so gilt auch bei dieser Aufnahme, dass ruhig auch das „Drumherum“ ein Foto wert ist. Aufhellung mit Goldfolie, um die etwas im Schatten liegende Schnecke aufzuhellen.

Bilder

Daten: 200-mm-Makroobjektiv; Blende 8; 1/250 sec.; ISO 200; Aufhellfolie; Stativ.


 

7.3 Details oder keine Details?

Oftmals muss ein Pflanzenfotograf vorab entscheiden, ob er die Pflanze in ihrem Lebensraum zeigt oder ob er nur die Pflanze selber (dafür aber ganz) fotografiert oder schließlich, als letzte Möglichkeit, ob er nur einen Teil der Pflanze für fotografierwürdig befindet.

Bilder

Bild 119: Bildidee: Obwohl der Fliegenpilz nur einen sehr kleinen Teil des Bildes ausmacht, fällt er sofort ins Auge. Dies wurde durch das Gestaltungsmittel „Punkt“ erreicht. Mir war es hier wichtig, auch den Lebensraum zu zeigen. Oftmals wird der Lebensraum bei Pilzen vernachlässigt.


 
Bild 120: Bildidee: Fliegenpilz von oben, sodass die typischen weißen Punkte auf rotem Grund zu sehen sind. Klassisches Foto eines Pilzes. Alternativ wäre noch ein Bild in „Augenhöhe“ des Pilzes möglich gewesen, dann wäre die Haube aber nicht zur Geltung gekommen.

Bilder



 
Bild 121: Bildidee: Ob Veilchen, Gänseblümchen oder Löwenzahn, alle diese Blumen wurden schon oft fotografiert. Ich warte bei häufigen Blütenblumen gerne einmal ab, ob sich nicht ein Insekt auf der Blüte niederlässt. Schon ist aus einem „Normalbild“ ein besonderes Bild entstanden

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Bild 122: Bildidee: Anders als bei Bild 121 hatte ich bei der Aufnahme des Schlafmohns das Glück, dass ich ein fliegendes Insekt erwischt habe. Denn eigentlich hatte ich schon alles bereit für ein fertig gestaltetes Bild ohne „Beilage“.

Bilder

Daten: 200-mm-Makroobjektiv; Blende 4; 1/1000 sec.; ISO 200; Stativ.


 
Bild 123: Bildidee: Natürlich gehört hier auch eine Gegenlichtaufnahme zum Thema. Denn gerade hier würden zu viele Details die eigentliche Bildidee zerstören. Bei Gegenlichtaufnahmen ist es wichtig, eine Belichtungsreihe aufzunehmen. Denn die Kamera würde unser Motiv gnadenlos überbelichten. Also müssen wir eine gnadenlose Unterbelichtung dagegensetzen (dies kann bis zu 3 Lichtwerte bedeuten – also anstelle der Kameravorgabe von z. B. 1/50 sec müssen wir 1/400 sec einstellen).

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7.4 „Pflanzenmeere“

Haben wir viele Blüten vor uns, ist es nicht einfach, ein geordnetes Bild davon zu bekommen. Häufig wird dann schnell einmal ein Bild gemacht, Hauptsache wir haben es im Kasten. Ein paar Minuten Beschäftigung mit dem Motiv und wir können zu Hause selber über unser Bild staunen!

Nachfolgend 3 Beispiele für mögliche Bildgestaltungsmöglichkeiten, wenn wir eine größere Ansammlung von Pflanzen vorfinden (Bilder 124a bis c).

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Bild 124a: Hier bin ich tief in die Knie gegangen und habe mit einem 24-mm-Objektiv das Wollgras aus der „Froschperspektive“ fotografiert. Der Hintergrund ist relativ unwichtig, daher auch sehr wenig in der Aufnahme integriert.


 
Bild 124b: Hier eine Aufnahme mit einem Fisheye-Objektiv. Erkennbar am stark gewölbten Meer und dem gewölbten Felsen rechts. Dennoch stört es nicht so sehr, dass die Aufnahme unnatürlich wirkt. Ein weiteres Bild mit dem Fisheye ist weiter unten zu finden. Dort habe ich das Bild bearbeiten müssen, ansonsten wäre es in den Müll gewandert (Bild 135).

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Bild 124c: Hier ist der Bildaufbau nach dem „Goldenen Schnitt“. Der Baumstamm wirkt sehr bildeinnehmend, dies wird aber durch die weißen Blüten der Buschwindröschen wieder wettgemacht. Zudem ist es schön zu sehen, wie die kleine Pflanze auch vom Baumstamm Besitz ergreift. So wird ebenfalls die Mächtigkeit des Baumes gemildert.

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Bild 125: Die Aufnahme links zeigt zwar schön „Pflanze in Biotop“, aber sonst ist sie wenig aufregend. Bei der rechten Aufnahme habe ich wieder den „Trick“ Froschperspektive und das 24mm Weitwinkelobjektiv eingesetzt. Hauptgrund, weswegen diese Aufnahme besser wirkt, ist, dass viel weniger Pflanzen als auf dem linken Bild zu sehen sind und die Aufnahme daher „ruhiger“ wirkt.

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Bild 126: Bei der linken Aufnahme kommt zwar nicht unbedingt Langeweile beim Betrachter auf, aber durch die Menge an Malven (auch Stockrosen genannt) hat das Auge Mühe, Details zu erkennen. Daher ist auch hier die Lösung „weniger ist mehr“. Und damit der Betrachter sieht, dass die Blüte nicht alleine herumstand, habe ich durch das Gestaltungsmittel „Dopplung“ noch ein Blüte zusätzlich mit auf das Bild genommen.

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Bild 127: Hier nun noch ein Beispiel für Chaos. Links oben ist vor lauter Blumen überhaupt kein Motiv zu erkennen. Der Betrachter irrt herum und wird das Bild schnell wieder aus seinem Gedächtnis streichen. Links unten ist ein Ausschnitt der Wiese zu sehen. Aber auch hier herrscht noch viel Chaos, dennoch ist das Bild schon deutlich ruhiger und der Betrachter verweilt länger in diesem Bild. Das rechte Bild schließlich ist auf das Wesentliche beschränkt und vermittelt dem Betrachter durch Darstellung mehrerer Blüten den Eindruck, dass er sich in einer tollen Wiese befindet. Zudem kann der Blick länger auf den Blüten ruhen.

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7.5 Bäume

Bild 128: Eine Aufnahme, die so jeder von einem Baum machen könnte (und vielleicht auch würde). Als diese Aufnahme entstand, fand ich es zwar vom Licht her ansprechend, aber sonst nicht besonders interessant.

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Bild 129: Nach längerer Überlegung und Umrundung der beiden Bäume kam mir der Gedanke, die Bäume von unten nach oben zu fotografieren. Der große Vorteil dabei war, dass diese Aufnahmen den Charakter der beiden Weiden (die hängenden Äste mit ihren Blättern) perfekt hervorhoben.

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Bild 130: Der Herbst gehört zu den farbenprächtigsten Momenten in der Natur. Hier 2 Beispiele für Herbstbilder. Bei dem linken Bild gaben mir die 3 Bäume die Bildidee praktisch schon vor. Leuchtend standen sie vor einem dunklen Hintergrund und wurden dadurch noch betont. Die Birke rechts musste ich so aufnehmen, da sie auf einem Damm steht und sie von keiner anderen Seite fotografierbar ist, als von unten nach oben. Der blaue Himmel betont noch sehr schön die Farbigkeit der Blätter und erhöht die Intensität des Motivs.
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Bild 131: Weswegen ist die rechte Aufnahme besser? Ich war gegen Abend an diese Stelle gekommen, um die Eichen zu fotografieren. Dabei war aber das Sonnenlicht immer noch sehr stark und führte zu einer hellen Stelle rechts oben im Himmel. Eine Unterbelichtung von 1 Lichtwert machte den Himmel etwas dunkler. Zusätzlich erhöhte ich das Blau des Himmels durch den Einsatz eines Polfilters. Und schließlich wartete ich auf eine Wolke vor der Sonne, die die Intensität der Sonne etwas milderte.

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Daten: Bild links:18-35mm; Blende 8; 1/10 sec; Stativ; Bild rechts: 18-35mm; Blende 8; 1/20 sec; Polfilter; Stativ.


 
Bild 132: Mit diesem Bild möchte ich dazu anregen, auch einmal etwas Unerwartetes zu probieren. Ich saß gerade auf einer Bank im Schwarzwald und überlegte, was ich noch fotografieren könnte, als die Sonne langsam unterging. Dabei wurden die Schatten der Bäume, die vor mir auf einer Weide standen, immer länger. Plötzlich hatte ich noch ein letztes Motiv für diesen Tag gefunden!

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7.6 Was ist sonst noch zu beachten? Problematisches?

Bild 133: Nicht immer ist die Größe einer Pflanze auf einem Bild deutlich zu erkennen. Daher ist es auch einmal erlaubt, sich selber mit auf einem Bild zu präsentieren (im Gegensatz zu Bild 112 hier die etwas seriösere Variante). Aber es gibt ja noch viele andere Möglichkeiten, sich und die Größe einer Pflanze darzustellen. Einfach unvoreingenommen und kreativ an die Sache herangehen!

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Bild 134: Hier nun ein häufiges Problem, wenn die Sonne relativ steil über dem Fotografen steht oder wir eine Gegenlichtaufnahme machen wollen. Auch mit einer Gegenlichtblende kann es vorkommen, dass durch das einfallende Licht (linke Aufnahme) Lichtreflexe auf das Bild gelangen. Da sie das Motiv stören (und auch davon zeugen, dass der Fotograf nicht gut genug aufgepasst hat), müssen wir verhindern, dass sie mit auf das Bild kommen. Dazu können wir einfach unsere Hand in ausreichender (!) Entfernung zum Objektiv vor die Sonne halten (mittlere Aufnahme) und schon ist das Bild perfekt (rechte Aufnahme).

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Bild 135: Eine Aufnahme mit einem Fisheye (einem Objektiv im extremen Weitwinkelbereich) ergibt spannende Effekte. Nur sollten wir sie nicht zu oft einsetzen. Bei der linken Aufnahme kam zu viel „Drumherum“ mit auf das Bild, was nicht zum Motiv gehört. Daher habe ich mit der Bildbearbeitungssoftware vom Kamerahersteller das Bild automatisch umrechnen lassen, sodass es nun keine Beugungen mehr gibt. M

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Bild 136: In Teil 1.2 (Bilder 4 bis 5) habe ich schon einmal das Problem angesprochen, dass bei extremen Lichtverhältnissen ein sehr unschöner Effekt auftreten kann.

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Hier nun die Entwicklung hin zu einem akzeptablen Foto bei starkem Gegenlicht bzw. Seitenlicht. Aufnahme 1 wurde bei hohem Sonnenstand aufgenommen und zeigt folgende Probleme: a) der Hintergrund ist viel zu unruhig; b) die Sonne scheint zu stark auf die Blüten, Details sind nicht mehr zu erkennen. (Daten: 200-mm-Makro; Blende 4; 1/320 sec.; ISO 200; Stativ). Aufnahme 2 wurde bei wesentlich tiefer stehender Sonne gemacht. Somit wird der Hintergrund ruhiger. Probleme: a) die Sonne scheint immer noch zu stark auf die Blüten, Details sind nicht zu erkennen; b) Blende 4 bringt zu wenig Schärfentiefe in das Motiv (Daten: 200-mm-Makro; Blende 4; 1/250 sec.; ISO 200; Stativ).

Aufnahme 3 wurde noch etwas später gemacht. Es wurde die Belichtungszeit genommen, die die Kameraautomatik vorgab, aber bei Blende 11, um einen größeren Bereich scharf abzubilden. Probleme: a) die Sonne scheint immer noch zu stark auf die rechten Blütenblätter, dort sind nicht alle Details zu erkennen (Daten: 200-mm-Makro; Blende 11; 1/60 sec.; ISO 200; Stativ). Aufnahme 4 wurde zur gleichen Zeit wie Aufnahme 3 gemacht. Nun aber wurde 2/3 LW unterbelichtet. Das Ergebnis ist nun akzeptabel, wenn auch nicht perfekt. Hätte ich 1 LW unterbelichtet, dann wäre der Hintergrund schwarz geworden, dies wollte ich auf keinen Fall (Daten: 200-mm-Makro; Blende 11; 1/100 sec.; ISO 200; Stativ).

 
Bild 137: Hier nun das praktische Vorgehen bei einer Doppelbelichtung:

Bilder



a) Wenn möglich, sollte wenig Wind gehen
b) Die Ausrüstung muss auf einem Stativ stehen
c) Das Motiv sollte eine Doppelbelichtung „wert sein“
d) An der Kamera lässt sich z. B. im Menü „Aufnahme“ einstellen, ob 2 oder mehr Bilder gleichzeitig aufgenommen werden sollen. Wird z. B. 2 Bilder eingestellt, belichtet die Kamera automatisch richtig. Bei 2 Bildern beträgt die Belichtung dann ½ pro Aufnahme. Somit haben wir mit der Belichtung nicht mehr viel am Hut.
e) Nun stellen wir auf einen bildwichtigen Bereich scharf und lösen - möglichst mit einem Fernauslöser - aus
f) Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Wir warten auf ein wenig Wind und machen dann das zweite Bild. Oder wir stellen – vorsichtig, ohne die Ausrüstung groß zu bewegen – auf eine beliebige Stelle scharf oder sogar alle etwas unscharf und lösen aus. Fertig!

 
Bild 138: Das Zoombild ist fast identisch mit einer Doppelbelichtung (A. Kurscheidt).

Bilder



a) Wir brauchen ein Zoomobjektiv
b) Wenn möglich, sollte wenig Wind gehen
c) Die Ausrüstung muss auf einem Stativ stehen
d) Das Motiv sollte eine Doppelbelichtung „wert sein“
e) An der Kamera lässt sich z. B. im Menü „Aufnahme“ einstellen, ob 2 oder mehr Bilder gleichzeitig aufgenommen werden sollen. Wird z. B. 2 Bilder eingestellt, belichtet die Kamera automatisch richtig. Bei 2 Bildern beträgt die Belichtung dann ½ pro Aufnahme. Somit haben wir mit der Belichtung nicht mehr viel am Hut.
f) Nun stellen wir auf einen bildwichtigen Bereich scharf, der hierbei in der Mitte des Bildes liegen sollte, und lösen - möglichst mit einem Fernauslöser – aus
g) Nun wird es schwieriger, denn wir müssen während des Auslösens am Zoomring des Objektivs drehen. Hierbei ist es von Vorteil, wenn wir ein Schiebezoom anstelle eines Drehzooms einsetzen. Fertig!

Viel Spaß beim Probieren!

Kommentare
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Portrait von Claus53
  • 05.07.2015 - 15:21

Ich bin voll begeistert, gut zu verstehen. Werde es ausprobieren.

Portrait von Brook_Falls
  • 04.08.2013 - 09:29

Klasse Bilder, gute Beschreibungen

Portrait von Sir Jeffrey
  • 16.07.2013 - 13:19

Auch hier wieder ne Menge toller Anregungen, freue mich schon auf den Urlaub um einiges davon umzustzen. Herzlichen Dank.

Portrait von collies
  • 01.06.2013 - 15:25

ein schönes Tutorial, ganz toll, da freu ich mich schon auf Naturfotos wenn das Wetter wieder besser ist.

Portrait von Gladiole
  • 16.05.2013 - 17:24

Bild 136

Bild 3 und 4 sind doch schwarz, bei 2/3 unterbelichtet !!!!

Aufnahme 4 wurde zur gleichen Zeit wie Aufnahme 3 gemacht. Nun aber wurde 2/3 LW unterbelichtet. Das Ergebnis ist nun akzeptabel, wenn auch nicht perfekt. Hätte ich 1 LW unterbelichtet, dann wäre der Hintergrund schwarz geworden, dies wollte ich auf keinen Fall (Daten: 200-mm-Makro; Blende 11; 1/100 sec.; ISO 200; Stativ).

Versteht das jemand ?

Portrait von WhiskyBaby
  • 26.11.2012 - 15:09

Danke für die super Erklärung! :)

Portrait von Yarnauga
  • 25.07.2012 - 11:02

Ein paar tolle ANregungen. Freue mich schon aufs Umsetzen!

Portrait von klana_schnuffl
  • 19.06.2012 - 11:26

tolles tutorial, viele anregungen für heute nachmittag

Portrait von Gismo77
  • 06.06.2012 - 16:04

Klasse Tutorial, gefält mir sehr gut

Portrait von KittyCat
  • 25.04.2012 - 10:12

Danke, super tolle Tips.

Portrait von stacheldeluxe
  • 13.04.2012 - 11:58

vielen Dank für die tollen Tipps

Portrait von _Abadon_
  • 03.02.2012 - 10:47

Wie schon die anderen Tutorials dieser Reihe ist auch dieses wieder oberste Klasse. Danke für die tollen Bilder.

Portrait von Iyuko
  • 27.05.2011 - 13:22

Super gemacht, schade fehlen bei dem Bäumen die Daten...

Portrait von SweetRose
  • 09.05.2011 - 12:13

Super, Vielen Dank für das Tutorial!

Portrait von manu90
  • 13.04.2011 - 14:16

tolle tipps dankeschön

Portrait von Schnuppi8480
  • 26.01.2011 - 21:55

klasse tipps ... den spass werde ich haben ...

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 24.09.2010 - 08:48

klasse erklärt, Perfekte Bilder..

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 14.04.2010 - 04:41

Super, Danke - sehr gutes Tutorial

Portrait von Lagune80
  • 11.04.2010 - 19:16

Vielen Dank für die vielen tollen Tips und Ideen. War für mich sehr hilfreich.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 10.03.2010 - 16:58

5 Sterne, und einer extra für das Hopsen in Bild 112.

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