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Tutorialbeschreibung

Panoramafotografie Teil 03 - Bildrichtig: Kameraeinstellungen und Objektivwahl

Panoramafotografie Teil 03 - Bildrichtig: Kameraeinstellungen und Objektivwahl

Die moderne Fotografie ist hoch automatisiert - meist gereicht das dem Fotografen zum Vorteil. In der Panoramafotografie sind Belichtungsautomatik und Autofokus jedoch nur etwas für den Anfänger, der Profi arbeitet manuell.

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Panoramafotografie Teil 3 – Bildrichtig: Kameraeinstellungen und Objektivwahl

Moderne Fotokameras, von der Kompakten für die Hosentasche bis zur professionellen Spiegelreflex, arbeiten vollautomatisch: Autofokus, Belichtungssteuerung und auch der Weißabgleich.

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Der Fotograf muss nur noch das Motiv suchen und den Auslöser drücken. Die Bildergebnisse sind technisch gesehen überwiegend sehr gut – Helligkeit, Schärfe und Farben stimmen. Aber viele gute Einzelbilder ergeben noch nicht unbedingt ein gut zu stitchendes Panorama: Hier muss der Gesamteindruck stimmen. Die Freude der normalen Fotografie ist damit zugleich das Leid der Panoramafotografie: die Automatikfunktionen der Kamera. Warum? Hier die Erklärungen:


 

Das Schärfeproblem – alles im Fokus?

Die Schärfe kommt bei der Aufnahme einer Bildersequenz für ein Panorama gleich zweimal ins Spiel. Der Schärfeverlauf muss in allen Bildern identisch sein, damit man sie stitchen kann. Eine Aufnahme mit einem scharfen Hintergrund, aber unscharfen Vordergrund passt nur schlecht mit einer überlappenden Aufnahme zusammen, die auf den Vordergrund fokussiert wurde. Das heißt: Autofokus abschalten und alle Einzelbilder mit der gleichen Entfernungseinstellung aufnehmen.

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Ebenso muss die Blendenöffnung konstant gehalten werden, um den gleichen charakteristischen Schärfeverlauf in den Bildern zu erhalten. Meist soll im Panorama alles vom Vordergrund bis zum Horizont scharf sein. Hierfür wählt man am besten manuell am Objektiv die hyperfokale Entfernungseinstellung, mit der die maximale Schärfentiefe im Bild bei einer gewählten Blende erlangt wird. Haben Sie noch an Ihrem Objektiv eine Skala zum Ablesen, die die hyperfokale Entfernungseinstellung in Abhängigkeit von der Blende anzeigt? Bei den modernen Autofokus-Zoomobjektiven ist dies jedoch kaum noch der Fall – auch wenn es noch so nützlich ist. Wer ihren praktischen Sinn erst einmal erkannt hat, wird sie öfter nutzen – auch ohne Panoramaabsichten! Sonst bleibt Ihnen nur noch die optische Kontrolle per Abblendtaste – falls noch an der Kamera vorhanden ...

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Das Belichtungsproblem – Licht und Schatten!

In ein und demselben Panorama hat man es häufig mit sehr unterschiedlichen Lichtsituationen zu tun. Eine Aufnahme der Bildsequenz zeigt z.B. den Teil des Raumes, der im Schatten liegt, eine weitere Aufnahme wird von einem Fenster bestimmt und ist lichtdurchflutet. Da die Kamera für jede einzelne Aufnahme die Motivhelligkeit neu misst, wählt die Belichtungsautomatik jeweils unterschiedliche Werte bzw. Zeit-Blenden-Kombinationen aus. Bringt man diese unterschiedlich belichteten Bilder zur Deckung, kommt es zu erheblichen Helligkeitsdifferenzen im Panorama. Abhilfe schafft ganz einfach der Verzicht auf die Belichtungsautomatik.

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Konstant belichtet - aber auch richtig?

Während also die konstante Belichtung über die gesamte Sequenz der Panoramaaufnahmen einfach durch das manuelle Einstellen von Blende und Zeit zu erreichen ist, ist die Wahl der richtigen Belichtung für das Panorama häufig aufwendiger zu ermitteln. Der große Blickwinkel bringt schon mal extreme Lichtverhältnisse mit sich. Der Umfang des Motivkontrastes zwischen Schatten und Lichtern sprengt den Dynamikumfang, der vom Film oder Sensor abgebildet werden kann – wir sprachen hiervon schon im letzten Teil. Die Standardlösung ist hier wie in der klassischen Fotografie das Finden eines geeigneten Mittelwertes, der der Szene am besten gerecht wird. Da hierbei zwangsläufig Zeichnung in den Lichtern und/oder im Schatten verloren geht, entspricht das Bild nicht mehr dem Sinneseindruck, den Sie ursprünglich hatten.

Zur Wahl der richtigen Belichtung gibt es viele Wege, angefangen beim gekonnten Umgang mit dem integrierten Belichtungsmesser der Kamera oder einem separaten Handbelichtungsmesser und den Unterschieden von Spot-, Integral- oder Mehrfeldmessung, der Interpretation des Histogramms, dem Ausmessen des Kontrastumfangs mit der Zweipunktmessung über die Arbeit mit einer Graukarte bis zum Anfertigen von Belichtungsreihen. Alles nichts Neues, alle diese Techniken werden auch in der normalen Fotografie angewendet – bloß mit dem Unterschied, dass man im Panorama einen viel größeren Blickwinkel mit häufig größeren Kontrasten ausmessen und beurteilen muss. Aber eines ist allen Techniken gleich: Einmal entschieden und belichtet, gibt es kein Zurück mehr. Bilddetails, die keine Zeichnung aufweisen, sind verloren.

Um dieses Problem des hohen Motivkontrastes zu lösen, können wie schon in Teil 2 gezeigt, Belichtungsreihen zu "High-Dynamic-Range-Bildern" (HDR, Exposure Masking, Exposure Fusing) kombiniert werden ... aber das erhöht den Aufwand für die Panoramaproduktion immens und kann zu ganz anderen Folgeproblemen führen. Daher: Das Beste ist und bleibt eine perfekte Belichtung schon zu Beginn!


 

Das Farbtemperaturproblem

Nur Weiß oder Rein-Weiß? Was für die Belichtungsautomatik gilt, gilt auch analog für die Farbtemperatur. Seit der Digitalisierung ist der Begriff Weißabgleich im Fotoalltag aufgetaucht. Früher wurde die Farbbalance mit der Wahl des passenden Filmmaterials festgelegt, wobei jeder vor allem beim Diafilm seine eigenen Vorlieben besaß. Heute wird sie für jedes einzelne Bild von der Kameraautomatik bestimmt.

Jede Lichtquelle weist neben einer typischen Helligkeit auch eine bestimmte Farbtemperatur = Farbstich auf. Dieser ist z.B. für direktes Licht in der Sonne oder indirektes im Schatten unterschiedlich. Das Licht einer Glühlampe oder einer Leuchtstoffröhre hat ganz andere Farbstiche. Ein Blatt am Baum ist nicht grün an sich, sondern reflektiert lediglich den Grünanteil des sichtbaren Lichts, alle anderen Wellenlängen werden geschluckt.

In einem Panorama können Sie etwa auf der einen Seite Sonnenlicht, auf der anderen das von Glühbirnen und zwischendrin Mischlicht in Ihrem späteren Bildausschnitt haben. Mit dementsprechend unterschiedlichem Weißabgleich werden die einzelnen Aufnahmen für das Panorama von der Kamera versehen.

 
Manchmal versagt die Automatik aber auch einfach und führt zu einer höchst eigenartigen Farbstimmung im Bild. Daher auch hier: Nein danke zum automatischen Weißabgleich in der Panoramafotografie. Nutzen Sie stattdessen alle Einstell- und Wahlmöglichkeiten, die Ihnen Ihre Kamera bietet! Schließlich haben Sie sie alle auch bezahlt!

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JPG, RAW und der Bildschirm

Mit den oftmals vielen unterschiedlichen Lichtquellen vor Ort gerade bei der extrem-weitwinkligen Panoramafotografie ist die richtige Farbtemperatur häufig nur schwer vor Ort zu bestimmen und gerät zu einem Glücksspiel. Um die Farbtemperatur später noch beeinflussen zu können, empfiehlt es sich, das RAW-Format zur Aufnahme der Quellbilder zu wählen.

Neben vielen weiteren Vorteilen kann hier nachträglich in Ruhe der Weißabgleich im RAW-Konvertierungsprogramm am PC erledigt werden. Selbstredend ist hierfür die Verwendung eines qualitativ hochwertigen Bildschirmes angeraten, damit Sie Farbstiche überhaupt beurteilen können.


Checkliste gefällig?

Vielleicht machen Sie sich einfach eine kleine individuelle Checkliste für Ihre Arbeit draußen, damit Sie nichts vergessen so wie ich – daher habe ich mir auch schon mal einen dieser wunderbaren postit-Zettel auf die Kamera geklebt. ;-)

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Objektiv betrachtet: Fisheye, Weitwinkel oder wie viele Aufnahmen sind notwendig?

Grundsätzlich können mit jeder üblichen Kamera und jedem Objektiv Bildserien zum Stitchen von Panoramen fotografiert werden. Die praktische Arbeit hat gezeigt, dass hierbei eine Überlappung von ca. 30 % zwischen den Einzelbildern zu guten Ergebnissen beim Stitchen führt. Die dabei notwendige Zahl der Aufnahmen für ein 360-Grad-Panorama lässt sich mit mathematischen Formeln bestimmen ... man kann aber auch einfach durch den Sucher der Kamera schauen und die Überlappung mit den Click-Stopps der Panoramadrehplatte ausprobieren; meist gibt es zu jeder Brennweite nur eine passende Schrittzahl am Drehteller. Grundsätzlich gilt: Je weitwinkliger das Objektiv, desto weniger Aufnahmen sind reihum notwendig, um das Panorama zu schließen. War das Standardnegativformat bis vor Kurzem noch 24x36mm und damit die Welt recht einfach, so muss seit dem Siegeszug der digitalen Fotografie zusätzlich die Veränderung des Bildwinkels durch das jeweilige Sensorformat berücksichtigt werden. Hier gilt: je größer der Sensor, desto weniger Aufnahmen – und umgekehrt.

Nehmen wir beispielsweise das sehr gerne verwendete 10.5-mm-Nikkor-Fischauge als Ausgangspunkt für folgendes Beispiel: An einer digitalen Spiegelreflexkamera mit einem Bildsensor in APS-C/DX-Größe und einer scheinbaren "Brennweitenverlängerung" von 1.5 (bzw. genauer gesagt mit einer Blickwinkelreduktion von 1.5 im Vergleich zum Vollformat) deckt man mit einer Bildreihe von 6 Aufnahmen einen Bildwinkel von 360 x 130 Grad ab. Um mit einem rektilinear zeichnenden 12-mm-Objektiv (Sie erinnern sich: rektilinear = geradlinig) denselben Blickwinkel abzubilden, sind bereits 2 Reihen zu je 8 Aufnahmen in der Multi-Row-Aufnahmetechnik erforderlich. Mit einem Standardzoom in der 18mm-Stellung sind schon 3 Reihen zu je 12 Aufnahmen zu belichten ... Eine Menge Arbeit für ein Rundumbild.

 
Brennweite und Sensorgröße bestimmen also maßgeblich die Zahl der notwendigen Einzelaufnahmen für das Panorama und damit auch die Schnelligkeit, mit der gearbeitet werden kann. Logisch, dass kurzbrennweitige Fisheye-Objektive ganz oben auf der Wunschliste eines Panoramafotografen stehen. Allerdings erhalte ich mit 36 Aufnahmen des 18-mm-Objektives ein viel höher auflösendes Panorama als mit den 6 Aufnahmen eines Fischauges. Entscheidungsgrundlage ist also der spätere Verwendungszweck. Für ein interaktives Panorama zur Bildschirmdarstellung genügt häufig eine sehr geringe Auflösung. Bei einem hochwertigen großformatigen Druck können mehr Ausgangsbilder aber gleichbedeutend mit mehr Reserven sein.


Vorschau

Wir nähern uns dem Panorama: Nachdem wir jetzt die grundsätzlichen Kameraeinstellungen gewählt und auch schon einmal kurz durch das Objektiv geschaut haben, wenden wir uns im folgenden Tutorial dem bösen Geist der Parallaxe und dem Vermeiden von Geisterbildern zu.

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Kommentare
Portrait von jhansen
  • 05.09.2013- 09:01

Sehr interessantes Tutorial. Vielen Dank.

Portrait von Chris_H
  • 16.07.2013- 23:56

Gutes Tutorial zum Auffrischen. Danke.

Portrait von shk79
  • 02.08.2012- 11:03

Schönes Tutorial, das ausnahmsweise auf die Intuition und das Ausprobieren anstatt auf Zahlen- und Winkeltabellen, die man im "Ernstfall" sowieso Zuhause liegen gelassen hat.

Portrait von sTobl
  • 06.05.2012- 02:55

Find ich wunderbar, dass man hier schnell und einfach die Antworten auf die Fragen findet die sich rein durchs Ausprobieren dann doch mal schnell stellen. Hab hier meine Antwort, ob gleichbleibender Fokus, Hyperfokale oder angepasster Fokus ziemlch schnell und gut Erklärt gefunden. Alles Top =) hat sich das Anmelden schonmal gelohnt

Portrait von m_meis
  • 04.01.2012- 06:29

Vielen Dank für diese Hilfe!!!

Portrait von realsimi
  • 07.03.2011- 12:48

Guter Beitrag, dass mit dem Autofokus habe ich bis heute nicht beachtet!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 19.11.2010- 14:50

Super beschrieben genau so was habe ich gebraucht Danke dafür

Portrait von willi_box
  • 11.11.2010- 17:33

Toller Beitag - gut beschrieben

Portrait von mm88
  • 10.09.2010- 12:04

Sehr gut beschrieben und interessant, danke :-)

Portrait von padischmid
  • 30.07.2010- 13:31

Super Beitrag. Besten Dank

Portrait von jwshot
  • 14.05.2010- 22:59

Wirklich Klasse! So wie die anderen in dieser Serie.

Portrait von magicg
  • 23.02.2010- 09:08

Danke für die gute Erklärung der manuellen Einstellungen!

Portrait von Sebphoto
  • 19.01.2010- 18:43

sehr schön. Alles auf einmal und umfassend dokumentiert.

Portrait von Anduz
  • 02.10.2009- 17:31

schön erklärt, da hast Du Dir wirklich mühe gegeben. Danke!

Portrait von HorstMueller
  • 01.10.2009- 21:52

Gut erklärt. Schön geschrieben. Sehr verständlich. Warum habe ich das nicht schon früher gelesen?

Portrait von myeye
  • 22.08.2009- 15:26

...sehr gute tipps und top erklärt! Danke und weiter so

Portrait von asupp
  • 30.07.2009- 08:48

Danke für die weiteren Details..!

Portrait von trolli4
  • 03.07.2009- 09:37

Sehr gutes Tutorial. Was soll man da noch schreiben. Einfach klasse!

Portrait von jbpsd
  • 10.06.2009- 14:32

Sehr gutes Tutorial!!!!!!!!!!!!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 09.06.2009- 21:28

Danke für das gute Tutorial



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