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Tutorialbeschreibung

Panoramafotografie Teil 09 - Rundum glücklich: das Panoramaprogramm

Panoramafotografie Teil 09 - Rundum glücklich: das Panoramaprogramm

Die Palette der Panorama-Software reicht von freien und hoch spezialisierten Open-Source-Algorithmen bis zu kostspieligen Komplettpaketen, die in ihrem Funktionsumfang weit über das eigentliche Stitchen hinausgehen. Angefangen hat alles mit QuickTime ...

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Beim Stitchen von Panoramen kommt der praktischen Arbeit am Computer eine sehr große Bedeutung zu. Das Hintergrundwissen aus den vorherigen Teilen dieser Serie zu den Grundlagen der Panoramafotografie hilft Ihnen, Fehler von vornherein bei der Aufnahme zu vermeiden oder sie zumindest beim Stitchen am Computer zu korrigieren und damit das bildhafte Ergebnis zu erreichen, welches Sie sich vorgestellt haben.

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Die Palette der Software reicht von freien und hoch spezialisierten Open-Source-Algorithmen bis zu kostspieligen Komplettpaketen, die in ihrem Funktionsumfang weit über das eigentliche Stitchen hinausgehen. Ebenso variantenreich ist deren Leistungsspektrum und ihre Vorgehensweise bei der Bildverarbeitung. Von vielen Programmen gibt es kostenfreie Testversionen und für die meisten auch Support-Foren, manche davon werden gar von den Software-Herstellern selbst angeboten und aktiv von ihnen gemanagt. Ein Stöbern in den verschiedenen Foren oder gezieltes Fragen lässt einen häufig schnell erkennen, welches Programm den eigenen Ansprüchen und handwerklichen Fähigkeiten entspricht und ob einem die angebotene Dokumentation zusagt.


 

Im dichten Wald der Software die Orientierung behalten

Apple legte 1991 mit QuickTime die wesentliche Grundlage für alle weiteren Multimedia-Entwicklungen. 1994 folgte QuickTime VR und 1997 QuickTime VR Authoring Studio mit der Möglichkeit, 360-Grad-Panoramen am PC durch Stitchen ohne Einsatz spezieller Kameras zu erstellen und diese als flaches zylindrisches Bild anzusehen oder mit dem QuickTime Player interaktiv auf dem Bildschirm erlebbar zu machen. Seit 2001 können mit QuickTime 5 auch Kugelpanoramen mit einem Blickwinkel von 360 × 180 Grad dargestellt werden.

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Seit den Anfängen ist die Zeit nicht stehen geblieben und mittlerweile wurden viele weitere Programme zum Stitchen und viele weitere Player zur interaktiven Wiedergabe am Bildschirm entwickelt, beispielsweise als Java-Applet, Shockwave- oder gerade in jüngerer Zeit als Flash-Applikation.

Wegweisend für die Entwicklung waren (und sind es immer noch) die exzellenten Panorama Tools von Prof. Helmut Dersch. 1998 stellte er eine lose Sammlung von verschiedenen Werkzeugen zum Ver- bzw. Entzerren, Positionieren und Transformieren von Fotos bereit. Ihre Bedienung ist sehr unkomfortabel, da viel Hintergrundwissen erforderlich ist und viele Befehle per Kommandozeile in exakter Textform eingeben werden müssen!

Glücklicherweise haben viele Entwickler in den folgenden Jahren benutzerfreundliche grafische Oberflächen geschaffen. PTGui (Panorama Tools Graphical User Interface), vorgestellt 2000, und PTMac (Panorama Tools for Apple Macintosh) von 2002 haben beispielsweise in den Panorama Tools ihren Ursprung – was auch noch immer in der funktionalen und visuellen Gestaltung der Benutzeroberflächen sichtbar ist.

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Mit dem Stitcher verfolgte Realviz (mittlerweile Autodesk) einen mehr nutzerorientierten Ansatz und war damit wahrscheinlich das erste Programm mit einem möglichst stark automatisierten Programmablauf und einem modernen grafischem und benutzerfreundlichem Interface zum Stitchen von Kugelpanoramen. Die Semiautomatik zur Positionierung der einzelnen Bilder versagte jedoch leider zu häufig, sodass man bei der Kreation ambitionierter drucktauglicher Panoramen trotz der erheblichen Einarbeitungszeit bei einem der Programme endete, die auf den Panorama Tools von Helmut Dersch aufsetzten.

 
In den letzten Jahren hat sich aber sehr viel bei der Panorama-Software getan, sodass man heute von einem allgemein sehr hohen Niveau der Programme sprechen kann. Wir stellen beispielhaft einige aktuelle Programme vor, die professionellen Ansprüchen genügen, sich aber grundsätzlich in ihrer Benutzerschnittstelle und ihrem Funktionsumfang voneinander unterscheiden.


New House Software - PTGui Pro

PTGui ist seit Jahren der Renner unter professionellen Panoramafotografen. Es ist ein Software-Paket mit allen Funktionen zur manuellen Feinsteuerung des Stitchens, verfügt aber über komfortable und gute Werkzeuge zum Automatisieren des Workflows.

Falls – wie bei allen anderen Panoramaprogrammen auch – die Automatik mal versagt, kann bei PTGui an vielen Stellen in den Prozess eingegriffen und/oder die Produktion sehr zielgenau beeinflusst werden; dies fängt beispielsweise schon bei der gezielten Eingabe der Parameter zum Ausgleich der optischen Verzeichnung des Aufnahmeobjektives an. Falls man den Kontrollpunktgenerator nicht nutzen will, kann man die Einzelbilder mit der Maus, per Koordinateneingabe (tilt, pan, roll) oder durch manuell gesetzte Kontrollpunkte positionieren. Als Plug-In können auch alternative Tools zur Bestimmung der Kontrollpunkte und zum Blending angesteuert werden, z. B. Autopano, Enblend oder Smartblend.

Bei der ständigen Programmpflege wird von den Entwicklern der Funktionsumfang von PTGui immer mal wieder kräftig aufgestockt und übertrifft jetzt das ursprüngliche Stitchen bei Weitem. Vor Kurzem wurde beispielsweise die Kontrollpunktautomatik und der programmeigene Blending-Algorithmus überarbeitet und die allgemeine Arbeitsgeschwindigkeit des Programms erheblich gesteigert. Jetzt gilt: Keine Angst mehr vor Gigapixeln!

Als kleines Schmankerl gibt es mittlerweile auch eine einfache Funktion zur Bildschirmausgabe als interaktives digitales Panorama im QuickTime-VR Format, sodass nicht mehr auf externe Tools zur Konvertierung zurückgegriffen werden muss.

PTGui beherrscht nicht nur wie alle anderen Programme die drei Standardprojektionen flach, zylindrisch und kugelförmig. Zusätzlich werden sowohl die Mercator-Projektion als auch verschiedene transverse Projektionen für senkrecht gestitchte Panoramen und eine Fisheye-Projektion angeboten. Die Mercator-Projektion ähnelt der Zylinderprojektion in ihrer Anmutung. Sie weist aber weniger extreme Verzerrungen zu dem oberen und unteren Bildrand hin auf und kann genau wie die Kugelprojektion 180 Grad in der Vertikalen darstellen und ist daher eine große Bereicherung für die Ausgabe als Papierbild.

 
Zusätzlich können sogar die klassische Flächen- und Zylinderprojektion durch Parameter in ihrem Dehnungsverhalten gesteuert werden, um die zu den Rändern hin extremen Verzerrungen harmonischer zu gestalten. Zusammen mit der ebenfalls steuerbaren Vedutismo-Projektion ein Hit für die Printwiedergabe!

Die automatische Erkennung der Kamera-/Objektiv-Details über die Exif-Daten hilft beim semi-automatischen Erstellen vieler Panorama-Projekte aus großen Bildbeständen. Die ausgezeichnete Unterstützung von Templates und Batch-Prozessen erlaubt es, auch mal Hunderte von Projekten über Nacht zu stitchen. Abgerundet wird die Funktionspalette von PTGui durch eine HDR-Unterstützung zum Arbeiten mit Belichtungsreihen. Für Fotografen, denen HDR-Panoramen zu bunt in ihrer Anmutung oder zu aufwendig in der Erstellung sind, ist alternativ Exposure Fusing verfügbar (vgl. Tutorial 2).

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Kurz und knapp: PTGui ist schnell und hat dem Panoramafotografen eine Menge zu bieten. Hat man sich erst mal an die etwas kryptische Bedienung von PTGui gewöhnt, dann ist es ein Vergnügen, alle Funktionen auszureizen, um das perfekte Panorama zu stitchen.


 

Autodesk (Realviz) – Stitcher

Stitcher von Realviz, seit 2008 zu Autodesk gehörend, war wahrscheinlich die erste Panorama-Software, die mehrreihige Panoramen beherrschte und dabei wirklich anwenderfreundlich war. Auch in der aktuellen Version sind die Oberflächengestaltung und das Anwender-Interface immer noch als wegweisend zu bezeichnen.

Die Arbeit in Stitcher wird bestimmt durch den ständig sichtbaren und eindrucksvollen Live-Preview der Einzelbilder und ihrer Positionierung zueinander. Es macht richtig Spaß, das Panorama aus der Zentralperspektive heraus auszurichten, den Horizont zu wählen, die Wirkung stürzender Linien zu begutachten, ein- und auszuzoomen.

Die Kamera-/ Objektiv-Details werden wie mittlerweile üblich über die Exif-Daten automatisch erkannt und führen zur automatischen Korrektur von Verzerrungen in den Ausgangsbildern, wobei auch hier in begrenztem Umfang manuell eingegriffen werden kann. Stitcher beherrscht sowohl einen vollautomatischen sowie einen semi-automatischen und manuellen Prozess zur Positionierung der einzelnen Bilder, wobei diese verschiedenen Methoden kombiniert werden können. Als Projektionsformen für die Ausgabe gibt es die gängigen Projektionen flach, zylindrisch und sphärisch. Leider verwirrt hier der von Stitcher gewählte Begriff »Snapshot« zur Beschreibung der Flächenprojektion sehr. Stitcher beherrscht auch das Arbeiten mit Templates oder im Batch-Modus. Beides ist interessant für den professionellen Einsatz, wenn es um die Produktion vieler Panoramen mit dem gleichen Equipment und denselben Einstellungen geht.

Ein Tool, welches mir bisher von keinem anderen Panoramaprogramm bekannt ist, ist das „Stencil“-Werkzeug. Vor dem Rendern können damit sich bewegende Personen, Fahrzeuge oder andere Problemzonen maskiert und eliminiert werden. Das erspart häufig den aufwendigen Weg über Photoshop-Masken!

Stitcher bringt eine umfangreiche QuickTime-Unterstützung mit. Will man interaktive digitale Panoramen für den Bildschirm aufbereiten, so kann Stitcher die Kompressionsmodi, Zoomeinstellungen, Fenstergröße, Startposition etc. steuern. Hat man ein Panorama ohne Zenith und Nadir, das also nicht bis auf den Boden reicht und nicht den Himmel senkrecht nach oben abdeckt, so kann man die Darstellung im QuickTime Player auf den sichtbaren Bildbereich beschränken und vermeidet schwarze Leerflächen. Besonders schön ist die Möglichkeit, in die QuickTime-Panoramen direkt eine automatische Rotation einzuknüpfen, sodass sie nach abgeschlossenem Ladevorgang beginnen, sich um sich selbst zu drehen.

 
Auch lassen sich einfach Hotspots in die QuickTime-Panoramen einbauen, eine einfache Möglichkeit zur Erstellung virtueller Rundgänge.

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Kurz und knapp: Stitchers grafische Gestaltung des User-Interface macht das automatische Erzeugen von Panoramen auch Neulingen leicht. Einmalig praktisch ist das Stencil-Werkzeug, um Geisterbilder zu vermeiden. Die manuellen Steuerungsmöglichkeiten sind beschränkt, die Software zielt entsprechend Autodesks Programmpolitik sehr auf die Entwicklung von 3-D und Multimediaanwendungen. Dementsprechend gut gelöst ist beispielsweise der Export als interaktives VR-Panorama.


Vorschau

Im nächsten Teil geht es weiter mit der Untersuchung von Programmen zum Stitchen: Adobe Photoshop und Kolor Autopano Pro. Abgeschlossen wird die Serie dann mit einem (subjektiven) Vergleich der dargestellten Panorama-Software.

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Kommentare
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Portrait von Didi140571
  • 14.01.2017 - 06:57

Sehr gutes Tutorial, empfehlenswert!

Portrait von tompen
  • 20.04.2013 - 12:13

Gute Kommentierung der Software PTGui und Sticher.

Portrait von shk79
  • 02.08.2012 - 13:07

Ausführlich erklärt. Allerdings könnte man die Informationen aufs Wesentliche "eindampfen". Dafür hätte es noch Platz für ein gutes Freeware oder Opensource-Programm gehabt.

Portrait von hoelzli
  • 20.07.2011 - 06:42

Endlich eine Zusammenfassung erhältlicher Panoramasoftware. Danke

Portrait von hoelzli
  • 20.07.2011 - 06:42

Endlich eine Zusammenfassung erhältlicher Panoramasoftware. Danke

Portrait von MM999
  • 25.09.2010 - 17:07

Gewährt einen ersten Überblick.

Portrait von mm88
  • 10.09.2010 - 12:16

Sehr gut und interessant beschrieben, danke :-)

Portrait von magicg
  • 23.02.2010 - 09:18

ein vollständiges Panoramatutorial

Portrait von mielkedet
  • 18.02.2010 - 20:45

Sehr gute Beitragsreihe

Portrait von Sebphoto
  • 19.01.2010 - 18:41

Sehr schön. Vielen Dank für das ausführliche Tutorial!!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 17.01.2010 - 20:42

Danke für die Einführung; gut nachvollziehbar beschrieben.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 22.10.2009 - 20:15

klasse tutorial. hilft mir auf die sprünge ;-) danke.

bernd

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 16.10.2009 - 00:37

Super, aber schade, dass die von mir verwendete Freeware Autostitch nicht angesprochen wurde.

Portrait von HorstMueller
  • 01.10.2009 - 22:58

Gut erklärt. Schön geschrieben. Sehr verständlich.

Portrait von rilo1
  • 23.09.2009 - 09:50

Sehr schön beschrieben, leider aber nur ein kleiner Teil der heute
verfügbaren Lösungen abgedeckt - aber es kommt ja wohl noch was...

Portrait von roman2
  • 18.08.2009 - 15:03

einfach super !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Portrait von kannmic
  • 05.07.2009 - 16:03

sehr aufschlussreich, bin schon auf den nächsten Teil gespannt

Portrait von Tom321
  • 05.07.2009 - 06:30

hilfreich, vielen dank

Portrait von Yetibernd
  • 04.07.2009 - 21:35

Danke, sehr gut, wie immer. Weiter so.
Yetibernd

Portrait von jbpsd
  • 04.07.2009 - 09:20

Sehr gute Beschreibung!!!!!!!!!!!!!!

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