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Tutorialbeschreibung

Panoramafotografie Teil 05 - Der VR-Panoramakopf: Aufbau, Unterschiede, Vergleich

Panoramafotografie Teil 05 - Der VR-Panoramakopf: Aufbau, Unterschiede, Vergleich

Durch das Arbeiten mit einem speziellen VR-Panoramastativ lassen sich Geisterbilder vermeiden und die Qualität des Panoramas erheblich steigern: Manfrotto, 360Precision, Agnos, Really Right Stuff, Nodal Ninja und Q-top im Vergleich.

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Panoramafotografie Teil 5: Der VR-Panoramastativkopf – Aufbau, Unterschiede, Vergleich

VR heißt hier Virtual Reality. Ein VR-Panoramastativ hat nur eine einzige genau definierte Aufgabe: Es soll im Idealfall die Kamera präzise horizontal um den No-Parallax-Point schwenken und möglichst auch vertikale Schwenkungen für Kugelpanoramen von 360 x 180 Grad zu ermöglichen. Dazu besteht ein VR-Stativkopf grundsätzlich aus Nivelliereinheit, Wasserwaage oder Libelle, Einstellschlitten, horizontaler Panoramadrehplatte, vertikaler Kippeinrichtung und ruht natürlich auf einem stabilen Stativ selbst, um dem VR-Stativkopf mit der aufgesetzten Kamera einen festen Stand zu geben.

Je präziser das VR-Stativ arbeitet, umso einfacher lassen sich die Einzelaufnahmen später zu einem Panorama zusammensetzen, das keine oder nur wenig manuelle Nacharbeit in einem Bildbearbeitungsprogramm erfordert. Aber nicht immer ist der Einsatz solcher feinmechanischer Wunderwerke möglich oder nötig. Im Folgenden werden mehrere grundsätzlich verschiedene Lösungen vorgestellt. Wir beginnen mit dem wohl bekanntesten Klassiker unter den VR-Köpfen, um uns dann Alternativen anzuschauen.

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Der Dinosaurier: Manfrotto 302/303SPH

Wohl der bekannteste VR-Stativkopf stammt vom italienischen Hersteller Manfrotto. Seit vielen Jahren im Angebot, setzt er sich hauptsächlich aus den verschiedenen Systemteilen des umfangreichen Manfrotto-Stativprogramms zusammen. Von der Konkurrenz hebt er sich durch seine schiere Größe und die vielen Einstellmöglichkeiten ab. Ganz traditionell verfügt der 302/303 über zwei Einstellschlitten zum Einmessen der Kamera auf den No-Parallax-Point; mittlerweile gibt es auch den 303SPH mit drei Schlitten und einem weiteren Gelenk für das vertikale Kippen der Kamera nach oben und unten.

 
Die Panoramadrehplatte rastet beim Drehen in der jeweils nächsten Stellung ein, wobei die Anzahl der Click-Stopps durch das einfache Umsetzen eines Justierstiftes eingestellt werden kann. Es wird kaum eine Kamera, ein Objektiv oder einen Einsatzzweck geben, auf die/den man diesen Kopf nicht einstellen kann.

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Fazit: Der Klassiker unter den VR-Stativköpfen von Manfrotto eignet sich für all diejenigen Panoramafotografen, die auf größtmögliche Verstellmöglichkeiten und Variabilität in der Nutzung Wert legen – aber Abstriche in Präzision und Transportmöglichkeiten in Kauf nehmen können.


Der Profi: 360Precision Absolute

Ein Vorbild an Präzision stellt – wie der Name vermuten lässt – der VR-Stativkopf Absolute der englischen Firma 360Precision dar. Er kann nicht im Gegensatz zu fast allen anderen kommerziell angebotenen Panoramaköpfen mit Schlitten auf verschiedene Kameras und Objektive angepasst werden. Er wird immer in einer Konfiguration für eine bestimmte Kamera mit einem bestimmten Objektiv hergestellt.

 
Die integrierte Panoramadrehplatte arbeitet für den präzisen Schwenk mit fest gerasterten Winkelschritten. Die Montageposition der Kamera, die horizontalen Rotationswinkel und das vertikale Kippen arbeiten extrem präzise und sind reproduzierbar, selbst nach erneutem Ansetzen der Kamera! Sie hat nur eine einzige genau definierte Position auf dem VR-Kopf, hier gibt es nichts zu verstellen oder zu verschieben – das ist einmalig! Der No-Parallax-Pointt stimmt immer. Die Vorteile der Präzision spielt der VR-Kopf vor allem bei der Mengenproduktion von Panoramen aus. Das präzise Drehen ohne Spiel erlaubt die Verwendung von automatisierten Stitch-Prozessen (Batch-Stitching), mit denen eine Vielzahl von Panoramen bei immer gleichen Einstellungen in der Stitching-Software (Templates) schnell zusammengefügt werden kann. Schnell bedeutet hier für die Praxis des Profis im Wesentlichen, dass die Einzelbilder nicht anhand von übereinstimmenden Bilddetails zur Deckung gebracht werden müssen.

Die gleiche Präzision ist auch beim Arbeiten mit Belichtungsreihen hilfreich. „Identische“ Aufnahmen müssen möglichst deckungsgleich sein, damit sie zu einem HDR-Panorama zusammengefügt werden können.

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Fazit: Ein hoch präziser und spezialisierter VR-Stativkopf und deshalb für denjenigen, der mit Panoramen sein Geld verdient und große Stückzahlen anfertigt, eine sehr lohnende Investition. Und nebenbei gesagt ist der Absolute von 360Precision ein wunderschön gefertigter Panoramakopf und erfreut diejenigen Panoramafotografen, die Freude an handwerklicher Perfektion haben.


 

Der Einsteiger: Nodal Ninja 3

Einen guten Kompromiss zwischen den Extremen Präzision, Vielseitigkeit und Transportfreundlichkeit stellt der Nodal Ninja dar – vom Prinzip her eine kleine Ausgabe des großen Manfrottokopfes. Er ist variabel genug, um die meisten kleineren Kombinationen von DSLR und Objektiv aufzunehmen, relativ stabil und die horizontale Panoramadrehplatte kann mittels verschiedener Einsätze auf unterschiedliche Rastwinkel eingestellt werden; für das vertikale Kippen gibt es lediglich eine eingravierte Winkelskala, aber leider keine Click-Stopps.

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Fazit: Mit etwas Spiel, relativ klein und leicht, ist der Nodal Ninja 3 ein guter Kompromiss für Kompakt- und kleinere Spiegelreflexkameras zu einem günstigen Preis. Panoramaneulinge liegen hiermit auf jeden Fall richtig.


 

Der andere: Agnos RingT

Einen ganz anderen Weg geht der Agnos-VR-Stativkopf RingT. Der Trick, nicht die Kamera, sondern direkt das Objektiv zu zentrieren, erlaubt es der italienischen Firma Agnos, eine kleine, leichte und präzise Halterung für den horizontalen Schwenk um den No-Parallax-Point anzubieten. Mittels verschiedener Adapter passt die RingT-Halterung in das ganze Agnos-System und kann um verschiedene Panoramadrehplatten sowie um Arme und rastbare Kippeinrichtungen für den vertikalen Schwenk ergänzt werden. Als besonderes Highlight werden für die RingT-Halterung auch Teleskopstangen von bis zu 6 Meter Länge angeboten, sozusagen als riesiges Monopod – hier eröffnet sich ein großer kreativer Spielraum.

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Fazit: Klein, leicht und trotzdem stabil, passt Agnos Ringhalterung fasst immer mit in die Fototasche. Eine klare Empfehlung für Panoramafotografen, die gerne mobil sind und mit einem Fisheye-Objektiv arbeiten.


 

Der Baukasten: Really Right Stuff Pano Elements Package

Really Right Stuff nutzt das weltweit am meisten verbreitete Arca Swiss Schwalbenschwanzsystem. Diese altbewährte Technik hat sich zu einem Industriestandard entwickelt und dient als Grundlage für viele Schnellwechselplattensysteme zur Kameramontage.

Die Vielseitigkeit der verstellbaren Arca Swiss Kamerabasen und –schlitten bildet eine weitere Alternative für Panoramafotografen, und das modulare Really Right Stuff Panorama System ist ideal für alle Fotografen, die bereits ein Stativ mit Arca Anschluss haben oder eine Anschaffung planen.

Das Pano Elements Package erlaubt Ihnen durch Erweiterung ihrer bereits vorhandenen Ausrüstungsteile den qualitativ hochwertigen Einstieg in die Panoramafotografie. Geschwenkt wird auf einem großen und präzisen Drehteller, der allerdings ohne Rastungen arbeitet.

Parallaxefehler werden ganz traditionell durch Vor- und Zurückfahren der Kamera auf dem Einstellschlitten vermieden – gleichzeitig kann dieser Einstellschlitten aber auch bestens als Makroschlitten verwendet werden ...

 
Mit diesem modularen Fotowerkzeugkasten werden Sie wahrscheinlich nicht mehr zu Ihrem alten Schnellwechselsystem zurückkehren wollen. Ein dreifaches Hurra auf das originale Arca Schnellwechselsystem und seine aktuellen Ableger!

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Fazit: Really Right Stuff bietet ein tolles System, das auf weitverbreitete Bauteile aufbaut. Einziger Nachteil ist die fummelige Wiederholgenauigkeit, das können andere Systeme mit Rastung besser; diese bieten aber bei Weitem nicht die Vorteile dieses Systems. Also ein ausgezeichneter Kompromiss für diejenigen Fotografen, die Multifunktionalität schätzen!

Und wenn einem das alles aus welchen Gründen auch immer noch nicht passt, kann man auch selbst tätig werden und sich seinen persönlichen VR-Kopf bauen – ich habe da eine ganze Sammlung ...


 

Das Leichtgewicht: Q-top und Aluwinkel

Die notwendige Präzision und Stabilität eines VR-Kopfes führen fast immer zu einem hohem Gewicht und einem sperrigen Packmaß. Als leichtgewichtige Alternative habe ich mir für eine meiner bevorzugten Kamera-Objektiv-Kombinationen einen Aluminium-Winkel angefertigt und auf eine Q-top-Schnellkupplung gesetzt. Eingesetzt wird diese Kombination zumeist mit einem Kleinst-Taschenstativ. Das Besondere an der Q-top-Schnellkupplung ist seine Konstruktion, die das Aufsetzen der Kamera in zwölf Schritten à 30 Grad erlaubt: Es ist sozusagen eine Panoramadrehplatte integriert! Zu beachten ist, dass der Winkel sehr instabil ist und unter Last schnell nachgibt. Kennt man diese Schwäche und vermeidet längere Belichtungszeiten, dann können auch auf Trekkingtouren anspruchsvolle Panoramen mit Vorder- und Hintergrundmotiven ohne Parallaxenfehler aufgenommen werden.

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Fazit: Keine Angst vor Um- oder Eigenbauten! Auch wenn die für viel Geld gekaufte Ausrüstung theoretisch noch so gut ist, sie muss in ihrer praktischen Anwendung zum persönlichen Stil des Fotografen passen.


 

Das Dilemma: Nobody is perfect!

Unter den Panoramafotografen wird die Frage nach dem richtigen VR-Stativkopf teilweise leidenschaftlich geführt. Jeder Fotograf hat nicht nur seine persönlichen Vorlieben und Erwartungen, auch beeinflusst die zur Verfügung stehende Kombination aus Kamera und Objektiv und der jeweilige Einsatzzweck die Wahl des Stativkopfes erheblich. Zum Glück – oder zur Verwirrung – gibt es dementsprechend viele Lösungen. Jedoch kann man die Lösungen meist nur im Internet betrachten und muss die VR-Stativköpfe direkt von den Anbietern aus aller Welt beziehen; Distributoren in Deutschland gibt es kaum.

Welche Punkte fallen mir bei der Arbeit mit den unterschiedlichen VR-Stativen immer wieder auf? Größe, Gewicht und die Transportmöglichkeit werden durch den Einsatzort bestimmt. Die Faktoren Stabilität und Präzision werden im Wesentlichen von der Größe der Kamera, der Brennweite und der Aufnahmesituation bestimmt. Hinzu kommt die Handhabung: Wie einfach und schnell kann man mit dem Kopf umgehen und wie gut passt er in den persönlichen Workflow und die fotografischen Aufgaben?

Grundsätzlich gilt, dass je einfacher der Kopf, desto weniger Fehler! Muss der Kopf zu einer Vielzahl unterschiedlicher Kameras und Objektive passen, so spielt vor allen Dingen die Reproduzierbarkeit der Einstellungen eine wesentliche Rolle. Eigene Markierungen der verwendeten Einstellungen sind an den VR-Köpfen kaum möglich, die Wiederholgenauigkeit ist ein Problem z. B. beim Wiederaufsetzen der Kamera. Hier kommt es entweder zu Verschiebungen in den Schlitten, oder der Montagewinkel der Kamera weicht um einen gewissen Grad ab. Ebenfalls entstehen Ungenauigkeiten bei der Montage von zu Transportzwecken zerlegten Stativköpfen. Ob man beim Zusammensetzen die Einstellungen wieder genau trifft? Um die Kombination aus Kamera und Objektiv reproduzierbar genau in der jeweiligen Halterung zu positionieren, muss man sich die Position der Kamera bzw. des Objektivs entweder merken, also notieren, oder z. B. durch einen Strich mit einem weißen deckenden Allesschreiber auf den Einstellschlitten anzeichnen. Keiner wird hier mit einer eingesägten Kerbe vorgehen wollen … Also bleiben nur die flüchtigen Lösungen übrig.

Auch wenn dieses Problem bei der Agnos-Ringhalterung geringer ist, so gibt es auch dort einen Spielraum von einigen Millimetern; hier hilft beispielsweise ein Stück Klebeband auf dem Objektiv, um die Position zu markieren. Einzige Ausnahme ist der Absolute von 360Precision. Durch seine Optimierung auf jeweils eine bestimmte Kombination aus Kamera und Objektiv und den Verzicht auf jegliche Justiermöglichkeiten sind alle Einstellungen genau und schnell reproduzierbar – hier gibt es kein Vertun.


 

Links

360precision: www.360precison.com – die „besten“ VR-Stativköpfe
Agno's: www.agnos.com – ausgefallene VR-Stative und -Köpfe
Manfrotto: www.manfrotto.com – der „betagte“ Klassiker unter den VR-Stativköpfen
Nodal Ninja: www.nodalninja.com – preisgünstige VR-Stativköpfe mit gutem Preis-/Leistungsverhältnis
Really Right Stuff: www.reallyrightstuff.com – hochwertige Stativteile aufbauend auf Schnellkupplungen im Arca-Swiss Design
Q-top: www.qtop.eu – sehr kleine und leichte Schnellkupplung mit "integriertem" Drehteller.

Kommentare
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Portrait von Grauspatz
  • 11.06.2013 - 20:33

Ein gut geschriebenes Tutorial!

Doch wundere ich mich schon ein wenig, dass da steht, es gäbe in D kaum Distributoren für diese Panoramaköpfe. Ok, mag stimmen, aber warum erwähnen Sie nicht einen Deutschen Hersteller, der diverse Bauteile und ein super Gesamtpaket anbietet, in echt Deutscher Präzision? (VR-System-Pro II) Und der Name Novoflex existiert meines Wissens nicht erst seit heute....

http://www.novoflex.com/de/produkte/panoramafotografie/

Wieso in die Ferne reisen, das Gute liegt (oft) so nah......

LG - Grauspatz

Portrait von jga
jga
  • 10.04.2013 - 17:17

Super Tutorial....viele wichtige Info´s.

Portrait von shk79
  • 02.08.2012 - 11:21

Guter Überblick. Dass alle Adapter behandelt werden, habe ich nicht erwartet. Allerdings vermisse ich Novoflex als deutscher Hersteller, der für seine präzisen (aber leider teuren) Mechaniken bekannt ist.

Portrait von spuellana
  • 10.07.2012 - 11:54

hätte mir etwas mehr gewünscht..

Portrait von binifada
  • 07.05.2012 - 13:54

Hat sich wieder mal gelohnt - Vielen Dank!

Portrait von bachl
  • 11.12.2011 - 18:21

Finde die Übersicht etwas veraltet. Mir fehlt aktuell der Rollei MRP 401 (für ca. 300€ sicher interessant). Walimex pro Panoramakopf ist auch nicht aufgeführt. Gerade bei den Systemen, die zusammengestellt werden müssen, wäre ein Beispiel für die benötigten Komponenten hilfreich.

Portrait von ajsbergfilm
  • 04.09.2011 - 11:11

Vielen Dank für den guten Überblick, eigentlich fehlt nur der von Novoflex.

Portrait von MacJason
  • 26.11.2010 - 18:52

Vielen Dank für den guten Überblick.

Portrait von willi_box
  • 11.11.2010 - 17:09

Danke, ist eine knappe aber ausreichende Übersicht...

Portrait von Pjotr
  • 11.09.2010 - 18:09

Danke für den Vergleich. Sucht man ja sonst ewig im Web.

Portrait von oceanic
  • 16.07.2010 - 21:29

toll werde es mir genau ansehen

Portrait von poppi
  • 28.05.2010 - 15:29

soweit gut beschrieben. sehr verständlich.

Portrait von Rainer144
  • 01.04.2010 - 21:26

Danke, die info hat mir geholfen

Portrait von magicg
  • 23.02.2010 - 09:12

gute Info über einige Panoramaköpfe. Leider nicht vollständig und nur eine Hilfe wenn man noch keinen hat. Ein kleiner Marktüberblick eben

Portrait von mielkedet
  • 18.02.2010 - 20:36

Sehr gute visuelle Unterstützung

Portrait von goacat
  • 13.11.2009 - 12:10

Genau das hab ich auch gesucht, aber wer baut mir so einen Nodalpunktadapter?!

Portrait von HorstMueller
  • 01.10.2009 - 22:21

Gut erklärt. Schön geschrieben. Sehr verständlich. Warum habe ich das nicht schon früher gelesen?

Portrait von KSFoto
  • 10.09.2009 - 06:15

Guter Beitrag, Fazit ist hervorragend. Aber was ich vermisse sind die öpfe von Novoflex, warum wurden die hier nicht erwähnt

Portrait von asupp
  • 30.07.2009 - 08:56

Danke für die weiteren Details

Portrait von trolli4
  • 03.07.2009 - 09:35

Mal wieder sehr gut beschrieben. Danke.

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