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Tutorialbeschreibung

Teil 01 - Individuelle Herangehensweisen in der Menschenfotografie

Teil 01 - Individuelle Herangehensweisen in der Menschenfotografie

Allgemeine Herangehensweise

Der unentwegte Prozess, über das Leben allgemein nachzudenken, macht meine Motivation in dem Sujet Fotografie aus. Es hört sich sehr "weit hergeholt" an, aus meiner eigenen Erfahrung kann ich allerdings sagen: Es macht viel aus. Natürlich können die Erlebnisse im Leben die eigene Fotografie beeinflussen, allerdings denke ich, dass man sie selbst ständig verändern kann.

Wegen einer schweren Kindheit muss man nicht gleich nur melancholische Fotos machen, und wenn man eine einfache Kindheit hatte, heißt es nicht, dass die eigenen Bilder immer langweilig werden. Ich denke, wenn man sich mit verschiedenen Lifestyles auseinandersetzt und offen für Neues und Anderes ist, bekommt man ständig neue Inspirationen und kann die allgemeine Sehgewohnheit der Gesellschaft besser einschätzen. Außerdem ist es fantastisch, mit Klischees zu spielen oder sie zu bedienen, dafür muss man sie aber auch kennenlernen.

Jeder sollte sich fragen, warum er überhaupt fotografiert, warum er genau in diesem Moment auf den Auslöser drückt und noch viel mehr: warum er es nicht lässt. Vieles muss gar nicht festgehalten werden. In der heutigen medialisierten Welt mit Speicherkarten und Löschfunktion ist es logisch, dass dieser Fotografiewahn ausgebrochen ist, und ich kann es auch gut verstehen.

Wenn man aber über professionelle Fotografie sprechen möchte und es über einfaches Festhalten hinausgehen soll, hilft es, das Ganze wirklich zu hinterfragen. Ob man wirklich nur knipsen will oder ob man an seine eigene Fotografie hohe Ansprüche stellt, ist jedem selbst überlassen. In den von mir geschriebenen Tutorials gehe ich davon aus, dass man viel Motivation und Ehrgeiz hat, neue Methoden auszuprobieren.


 

Autodidakt und Kreativität

Ich bin bekennender Autodidakt, damit will ich sagen: Das, was ich mache, kann man auch ohne Studium schaffen. Um die These zu unterstreichen: Ich habe (bis auf die in meinen Workshops) noch nie einen anderen Fotografen fotografieren sehen (bis dato, auch wenn ich noch nicht weiß, ob das gut oder schlecht ist). Ich wurde von meiner Mutter gelehrt, genau zu überlegen, was mein Traum ist und dann alles dafür zu tun, um ihn wahr werden zu lassen. Es gibt genug Wege, um das Ziel zu erreichen, man muss nur wirklich was machen und zwar nicht morgen oder nächstes Jahr, sondern sofort.

Das gilt allgemein und ist meine Lebenseinstellung. In der Fotografie aber geht es mir darum, sich nicht mit "funktionierenden" Methoden zufriedenzugeben, sondern immer wieder Neues machen zu wollen. Das klingt schwer, ist es aber nicht. In meinen Workshops habe ich festgestellt, dass sich gerne an dem, was man kann und kennt, festgekrallt wird und versucht wird, es wieder genauso zu machen. Fotografie ist eben nicht wie Vokabeln lernen. Ein ausgebildeter oder studierter Fotograf muss nicht unbedingt fotografieren können. Er kann vielleicht mit der Technik umgehen, die Kreativität kommt aber nicht mit dem Fachwissen, sondern aus dem EIGENEN Kopf.

Damit sind wir an einem Punkt, der mir sehr wichtig ist: Technik ist in meiner Fotografie drittrangig. Zunächst gilt die intensive theoretische Auseinandersetzung mit der Aufgabe, die Ideenfindung, die Konzeption, Organisation (bei allen Bereichen die Akribie); dann kommt die Technik zur Geltung und danach die Verarbeitung, Präsentation und Kommunikation. Denn eine gute Ausstellung lohnt nur dann, wenn es Leute gibt, die sich die Ausstellung auch ansehen.

Selbst mit schlechter Technik und katastrophalem Licht lassen sich super Ergebnisse erzielen. (Ich rede nicht von passablen, sondern tollen Fotos).


 

Peoplefotografie

Ist es einfach, jemanden zu fragen, ob man mit demjenigen Fotos machen kann?

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Ich denke, es erscheint schwerer, sich mit der Person zu befassen.

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Aber ich sage euch: Erstens macht es viel Spaß und zweitens kommt wesentlich mehr dabei raus.

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Es geht nicht zwangsläufig darum, die Person so darzustellen, wie sie ist, was auch sehr reizvoll sein kann, sondern sie zu erkennen und damit umzugehen.

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Ein Schauspieler beispielsweise hat nicht nur den Vorteil, dass er tatsächlich schauspielern kann, sondern er ist auch in der Situation, in diesem Bereich der Profi zu sein und gibt zwangsläufig schon einiges mehr, wenn er vor der Kamera steht. Er hat im Kopf "Ich bin die Show, ich bin der Profi, ich muss zeigen, wie es geht". Eine Privatperson muss dieses Gefühl erst bekommen, um richtig loslegen zu können. (Das muss man sich vorab bewusst machen, dazu mehr, wenn es um Modelltraining geht).

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In der allgemeinen Herangehensweise geht es darum, sich auch Gedanken zu machen, ob man einfach in ein Studio reinspazieren und Fotos machen will, oder ob man sich etwas überlegt, das dazu führt, dass die Leute nach Hause gehen und sagen: "Es war ein absolut geniales Erlebnis."

Warum nicht 5 Shootings, deren Investitionen (für Modelle, Studio, Location, Technik, etc.) zusammennehmen und ein großes Shooting daraus machen? Warum sollte man nicht mehr Zeit in ein größeres Projekt stecken? Ich kann euch so viel sagen: Wenn man das macht, bekommt man ganz anderes Feedback, man bekommt andere Anfragen, man bekommt Lust auf mehr, man hat viel Spaß und letztlich kann man richtig stolz auf seine Arbeit und das, was man geschafft hat, sein.


 

Fashionfotografie

Die Fashionfotografie ist eigentlich eine reine Zweckfotografie. Es geht darum, die Mode zu verkaufen. Das Image der entsprechenden Modefirma ist natürlich ausschlaggebend dafür, deswegen werden häufig auch Imagekampagnen geschaltet.

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Für die Fotografie haben sich damit Imagefotografie und Produktfotografie am menschlichen Körper herauskristallisiert. Im Hinterkopf sollte man den eigentlichen Sinn des Ganzen nicht vergessen, gleichzeitig aber viel Mühe, vor allem aber Liebe in die Arbeit stecken.

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Fashionfotografie gibt es im Privatbereich also nicht. Der Unterschied ist, dass im Hobbybereich das Modell als Vorgabe gilt, im professionellen Bereich die Mode und das Konzept, danach wird das Modell ausgewählt. Im privaten Fall sollte man sich natürlich überlegen, was zu der Person passt. Sexy ist übrigens weder eine Idee noch ein Konzept. Das heißt Ideenfindungsphase und Konzeption sind wichtige Schritte zu professionellen Fotos.

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In der Fashion- und Beautyfotografie geht es auch viel darum, das Modell in eine gewisse Stimmung zu bekommen. Denn man sieht immer, was das Modell denkt. Der Gesichtsausdruck wird meines Erachtens viel zu oft vernachlässigt. Leidenschaft ist nicht nur "lecker aussehen". Leidenschaft kracht, sprüht, funkt, leuchtet, ist groß, einnehmend, lässt einen zerplatzen, brennt, schreit, .... Leidenschaft gehört zu einem der schönsten Superlative und genauso sollte dieses Sujet auch behandelt werden.

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Kommerzielle Fotografie

In der kommerziellen Fotografie ist einiges vorgegeben.

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Man muss sich hier mit der Zielgruppe und dem Unternehmen auseinandersetzen.

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Außerdem ist oft das Modell und die Location vorgegeben. Wenn man jedoch frei ist, sollte man sich wirklich fragen, ob man nicht etwas Eigenes kreieren will.

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Sich selbst verändern, um andere Fotos zu bekommen

Um sich selbst zu konditionieren, habe ich mich ständig in ungewöhnliche Situationen gebracht. So finde ich auch heute noch zu besonders kreativen Ideen. Man muss sich trauen. Ein Beispiel: Um mich auf das Shooting mit einem Schauspieler vorzubereiten, bei dem das Thema an die Geschichte von Johnny Cash angelehnt war, habe ich mich ein Abend davor in der Öffentlichkeit besoffen gestellt und bin entsprechend mit den Leuten umgegangen. Die Reaktionen der Leute und das Feeling hat mir geholfen, das Konzept zu schreiben, die Idee gut zu definieren und mit dem Protagonisten umzugehen. In dem Fall ist der Schauspieler auch super eingestiegen, sodass die Fotos auch so geworden sind, wie ich sie mir vorgestellt hatte.

In der Menschenfotografie gibt es für mich verschiedene Herangehensweisen. Das liegt an dem, was mir bereits vorgegeben wird (Personen, Mode, etc.) und an dem Ziel. An eine Werbekampagne gehe ich anders heran als an dokumentarische Porträts und wieder anders ist es bei Schauspieler- oder Musikerporträts. Dann ist die Frage, ob die Personen authentisch dargestellt werden sollen, ob es eine Inszenierung werden soll, oder ob ich die Leute in ihrer gewohnten Umgebung fotografieren soll.

Bevor ich mich aber der Ideenfindung widme, schaue ich mir natürlich die Personen, die ich fotografieren soll, gut an.


Kreativität in der Konzeption ist für mich das Wichtigste in der Fotografie und beansprucht am meisten Zeit.

Fragen, die man sich stellen kann/sollte: 1. Warum fotografiere ich überhaupt?
2. Warum drücke ich genau in dem Moment auf den Auslöser? Warum genieße ich nicht den Moment ohne Kamera?
3. Was möchte ich mit dem Foto, das ich mache, erreichen?
4. Möchte ich probieren oder etwas auf die Beine stellen?

Kommentare
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Portrait von Luke_250281
  • 09.03.2016 - 13:00

Sehr schöne Einführung zum Thema Fotografie !

Portrait von greX
  • 03.12.2014 - 17:37

Echt toll erklärt! Danke :-)

Portrait von susisnaomi
  • 10.11.2014 - 20:22

Vielen Dank für ein paar schöne Einblicke!!!

Portrait von f4bi4n89
  • 31.07.2014 - 08:22

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Portrait von Rimek
  • 18.03.2014 - 13:18

Vielen Dank für das Tutorial. Ich finde es super, dass hier viele Denkanstöße gegeben werden, aber einem genügen freiheiten zur eigenen Interpretation gelassen werden.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 19.11.2013 - 22:23

Echt gute Einführung in die Peoplefotografie, kurz und knackig. :)

Portrait von redom
  • 20.08.2013 - 13:51

Als Einleitung in diesen Bereich ein wirklich gutes Tut.

Portrait von Alesa
  • 22.04.2013 - 21:33

Meister der Stimmung und des Lichts - erstklassige Bilder und interessante inputs ... Danke!

Portrait von Schnappi65
  • 27.03.2013 - 07:08

Danke für diese Reihe! Die Hinweise haben mir den Einstieg in die Personenfotografie leichter gemacht!

Portrait von depavoga
  • 12.03.2013 - 21:01

Guter Start- weiter geht´s!

Portrait von klickklick
  • 15.02.2013 - 15:08

Als Einleitung sehr interessant.

Portrait von Elevenfourteen
Portrait von jochen_muc
  • 16.01.2013 - 20:27

Danke für dieses Tutorial

Portrait von KlickfischPB
  • 16.01.2013 - 09:06

Ganz hübscher Einstieg.
Dass Engagement, Kreativität, eigene Ideen usw. wichtige Parameter sind hatte ich allerdings schon vorher geahnt.
Fazit: Augen auf und durch!

Portrait von RelaxT
  • 10.01.2013 - 15:53

Als Einleitung in diesen Bereich ganz ok. Die gezeigten Bilder aber super :)

Portrait von spuellana
  • 27.10.2012 - 14:21

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 30.06.2012 - 18:30

suppi! Hat mir echt geholfen :)

Portrait von Raider89
  • 26.06.2012 - 22:46

klasse :)
sehr guter anfang :D

Portrait von Gismo77
  • 12.06.2012 - 00:28

Super geschrieben, Danke

Portrait von sevi94
  • 30.04.2012 - 21:01

Vielen Dank! Jetzt möchte ich allerdings wissen wie's weitergeht! :)

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