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Tutorialbeschreibung

Teil 04 - Technik - Kamera, Licht, Computer

Teil 04 - Technik - Kamera, Licht, Computer

Die Relevanz der Technik ist ein wichtiges Thema in meinen Workshops.

Selbstverständlich kann man hier viele Tricks und Kniffe vermitteln; was aber den meisten Teilnehmern unerwartet mehr geholfen hatte, ist die Demonstration, dass es nicht auf die Technik ankommt, sondern, dass es etwas mit der Denkweise und Herangehensweise zu tun hat, die man vor und während des Shootings aufbringt. Nach guter Ideenfindung und Konzeption (siehe Tutorial 2 und 3) erklärt sich die Technik oft schon fast von selbst.

... übrigens findest du die komplette Serie hier: Der große Fotografie-Workshop - Schnapp sie dir in unserem Shop oder in der Kreativ-Flatrate!


1. Kamera:

"Mit welcher Kamera arbeitest du?", wurde ich kurioserweise sehr oft gefragt. Diese Frage zeigt mir oft (da es zumeist die erste Frage ist), dass sich viele lieber mit der Technik, als mit der Entstehung eines Fotos befassen. Wenn man meine Workshops verfolgt oder die ersten Kapitel dieser Workshopreihe gelesen hat, merkt man, dass obwohl Technik und Photoshop ein großes Thema ist, diese jedoch in Relation mit Ideenfindung, Konzeption und Organisation bei einem Shooting den kleinsten Teil ausmachen.

Ich arbeite prinzipiell mit einer professionellen Kleinbildkamera und bei manchen Aufträgen mit digitalen Mittelformatkameras. Dabei ist NUR das Foto und das Ziel des Fotos wichtig. Ich möchte meinen Kunden ein optimales Ergebnis liefern. Dabei bin ich schon pedantisch. Allerdings ist oftmals das Licht noch viel wichtiger.


2. Licht:

"Welche Lichttechnik verwendest du?", wurde ich bisher kaum gefragt. Dabei ist das doch interessanter, oder? Aber hierbei arbeite ich auch immer wieder mit verschiedener Technik. Dadurch, dass ich oftmals in anderen Studios bin, habe ich auch immer wieder andere Technik vor der Nase. Es geht allerdings primär hier nicht um die Technik, sondern vielmehr um das Know-how.

Ausschließlich künstliches Licht ist dabei natürlich einfacher zu analysieren.


Wichtig bei der Lichtanalyse ist:

• Art des Lichtes (Kunst, Natur)
• Art der Lichtquelle bzw. Lichtbrechungen (gestreut, direkt, reflektierend, ...)
• Entfernung der Lichtquelle
• Farbe des Lichtes
• Absorption des beleuchteten Materials (10 Zonen System)
• Reflektierende Flächen und absorbierende Flächen im Umfeld
• Lichteinfallswinkel

 
Ich merke mir viele Lichtsituationen in Zusammenhang mit der entsprechenden Stimmung, denn mit Licht kann man Stimmungen unterstreichen und/oder manipulieren (das alleine reicht mir allerdings nicht, wie gesagt, ich setze auf das Konzept). Um sich selbst in dem Bereich zu trainieren, kann man sich immer wieder neue Situationen im Alltag aussuchen und versuchen, sie im Studio nachzustellen. So lernt man sehr viel und kann später auch schneller neue Lichtsituationen generieren, ohne von Standardsituationen ausgehen zu müssen. Das kontinuierliche Lichtstudium ist wie das, was man in der Kunst oder im Grafikbereich "Kopf-Hand-Koordination" nennt. Je mehr man es übt, desto exakter wird man bei der Ausführung.

Einem Musiker hilft es auch nicht, dem Meister nur auf die Finger zu sehen und die Tasten in derselben Reihenfolge zu drücken; er muss schon ein eigenes Gehör für Melodien und Musik entwickeln.

Wenn man sich den Übungen aussetzt, hat man im Prinzip automatisch immer wieder neue und interessante Lichtsituationen, die man später auch gut variieren kann. Ich bin der Meinung, wenn man genau hinsieht, kann man jeder Lichtsituation etwas Geniales für Fotos abgewinnen. Das zeige ich auch gerne in den Workshops.

Wichtig ist, wenn man mit Blitzen arbeitet: Nicht die Verschlusszeit der Kamera bestimmt die Dauer der Motivbeleuchtung, sondern die Abbrennzeit der Blitze. Die wird mit guten Generatoren und Blitzen erhöht. Dazu kann man sich bei den Herstellern erkundigen. Wird aber schnell feststellen, dass für gute (professionelle) High-Speed-Fotografie auch nur professionelle Technik zu empfehlen ist.

Mit professioneller Technik kann man also die Ergebnisse technisch verfeinern. Allerdings ist zu bedenken: Solange man nicht weiß, warum man genau das teurere Gerät braucht, würde ich selbiges auch nicht empfehlen. Erst, wenn man so an seine Grenzen stößt, dass die eigene Technik einem ein Klotz am Bein ist, würde ich empfehlen, über eine Technik-Miete oder Kauf nachzudenken.

Wenn ich wenig Licht brauche, nutze ich nur einen Teil meiner Technik; wenn ich ein besonders großes Outdoorshooting habe, leihe ich mir die passende Technik dazu. Es zählt das Bild, nicht die Technik, die wird dann eben individuell zusammengestellt (Konzept). Das Gleiche gilt bei der Kamera. Prinzipiell würde ich hier für Gebrauchsfotografie (Fashion, Advertising, Businessporträts ...) empfehlen, bei der Optik nicht zu sparen. Qualitativ hochwertige Objektive sind teuer, lohnen sich aber für die Fotos.

 
Oft leiden allerdings die Bilder nicht an der Qualität der Technik, sondern an dem Einsatz selbiger. Man sollte vielleicht mal versuchen, die Blitze NICHT so hinzustellen wie auf irgendeiner Messe, sodass man das Licht noch besser lenken bzw. zurückwerfen kann.


"Wie hast du mit Licht umzugehen gelernt?"
Da ich nie in einer Fotoschule oder Uni war oder irgendeinen Mentor hatte und ich nicht viel von pauschalisierenden Lehrbüchern halte, musste ich mir die Lichtführung selbst beibringen. Ein wirklich waches Auge hilft dabei. So habe ich mir die Lichtbegebenheiten in diversen Alltagssituationen genau angesehen und analysiert.

Wenn mir ein besonderes Licht gefällt, habe ich genau hingesehen, woher das Licht kommt, was für ein Licht es ist und wie ich es nachstellen und verändern könnte. So lernt man auch, Licht aus Bildern zu lesen. Dabei sollte man sehr gut aufpassen, wie sich Licht bricht, und sollte das Tageslicht nicht zu schnell interpretieren. Später kommt es drauf an, dass man sich genau überlegt, warum man welches Licht für das Konzept verwendet.

Wenn man überlegt, wo die Situation stattfindet oder woher das Thema und/oder die Idee rührt, kann man sich das Licht (und damit auch die Technik) ableiten. Man kann mit Licht sehr kreativ werden, wenn man logisch denkt. Dabei sollte man sich von der LichtTECHNIK an sich zunächst lösen.


 

Hier eine kleine Lichtanalyse vom Tageslicht in meinem Studio-Büro.

Bild 1: So wird das meistens flüchtig analysiert: "Das Licht kommt von draußen und scheint hinein." (Falsch, bzw. nicht ganz korrekt).

Bilder



 
Bild 2: So wird auch analysiert: "Der Sonnenstrahl trifft schräg durchs Fenster in das Zimmer ein." (Falsch, bzw. nicht ganz korrekt).

Bilder


 
Bild 3: So ist es korrekt: "Direktes, hartes Licht trifft schräg in das Zimmer ein. Diffuses Licht trifft durch das allgemeine Tageslicht in das Zimmer gestreut ein. Reflexionen der Flächen hellen das Zimmer zusätzlich auf."

Bilder



Obwohl nur die Sonne scheint und kein zusätzliches Licht verwendet wird haben wir verschiedene Lichtstärken und Richtungen. Die direkte Sonne ist so stark, dass selbst mit Reflexionen auf Flächen, wie dem Fußboden, gut gearbeitet werden kann. Man muss beachten, dass sich durch jede Reflexion das Licht abschwächt.

Sollte man in diesem Raum bei diesen Lichtverhältnissen beispielsweise ein Porträt machen wollen, hat man viele Möglichkeiten:

1. ein gut ausgeleuchtetes Porträt. Hierbei sollte die Person nicht mit dem direkten Licht in Berührung kommen. Man beachte auch die Reflexionen der Wände, die hier nicht mehr eingezeichnet sind.
2. ein knackiges, kontrastreiches Porträt. Dafür kann man das Modell in die direkte Sonne stellen (Achtung eine hohe Blende und/oder Verschlusszeit ist erforderlich). Einfach experimentieren!
3.ein Bild mit gemischtem Licht. Dafür kann man mit einem Reflektor, Laken oder Styroporplatte arbeiten.


Meine Tipps:

1. Trainiere zunächst nur mit 1 Blitz.
2. Überlege (bevor du den Blitz einschaltest), wie das Licht werden soll, und arbeite solange daran, bis es so stimmt. Nimm dir dazu genug Zeit.
3. Experimentiere viel mit Gegenlicht.
4. Versuche dich in extremen Lichtverhältnissen (hell-dunkel).
5. Versuche NICHT, alle Bilder zu "optimieren" wie es in Büchern steht, sondern versuche, deine Kreation VOR dem Shooting zu entwickeln.
6. Weniger auf Technik, dafür auf Qualität achten.
7. Technik mieten, bevor man sie kauft (oftmals braucht man Sachen nicht allzu oft).
8. Professionelle Mietstudios mieten, lohnt sich mehr als schlechte Technik kaufen! Ein gutes Mietstudio bringt auch schon einiges mit, sodass man sich nicht unbedingt alles selbst leisten muss.


 

3. Computer

Da ich jeden Tag mit großen Bilddateien zu tun habe und ich mich eben nicht großartig mit Technik befassen möchte, habe ich natürlich auch in einen guten Rechner (Mac Pro) investiert. Auch meine Mitarbeiter, und unterwegs ist stets gute Technik dabei. Das liegt einfach an der Zuverlässigkeit. Ich habe Spaß an meiner Arbeit und lasse mir den auch von Technik nicht gerne verderben.

"Wie viel machst du im Photoshop?" Meine absolute Lieblingsfrage. Auch hier geht es nicht darum, wie viel man macht, sondern was am Ende rauskommt. Die Effizienz der Bedienung der Bildbearbeitungsprogramme ist das Wichtige, denke ich. Leute, die sagen, sie mögen keine stark bearbeiten Fotos, kann ich nicht ganz verstehen, denn man könnte beweisen, dass ein stark bearbeitetes Foto weniger manipuliert aussehen kann als eines, welches nur wenig bearbeitet wurde. WIE man bearbeitet, ist die Frage. Hier kann jeder Fotograf auch einen gewissen Stil entwickeln. Vor einigen Jahren hat man auch in der Dunkelkammer so viel manipuliert, wie einem möglich war. Heute hat man einfachere Mittel, die auch entsprechend gebraucht werden.

Ich selbst würde empfehlen, man sollte viele Tutorials durchgehen, ob gut oder schlecht ist zunächst egal. Wenn man das eine Weile macht, entwickelt man ein Gespür für das Werkzeug "Photoshop". Es geht weit über die Bedienung der einzelnen Werkzeuge hinaus, vielmehr geht es um Schrittabfolgen und verschiedene Wirkungsweisen von Überlagerungen u.Ä.

Natürlich gibt es auch ein paar Tricks für verschiedene Arten von Bildern, die man aufgreifen kann. Allerdings denke ich, dass man sich jedem Foto individuell widmen sollte, um das Beste rauszuholen. In der modernen Fotografie gehört Photoshop definitiv dazu. Zur Gesamtheit eines Photoshootings gehört allerdings für mich dazu, dass man vor dem Shooting schon weiß, wie das Foto am Ende bearbeitet werden soll, denn diese Idee entwickelt man beim Konzept, welches bekannterweise vor dem Shooting gemacht wird.


 

Alles Geschwafel?

Hier eine umfangreiche Lichtanalyse eines meiner Bilder:

• Softbox 35x140cm von oben.
• Fertig.

Bilder



Und - geht es um Technik?

 
Noch eine Analyse meiner Bilder? Hier ein Shooting mit einer tollen Schauspielerin, ...

Bilder



 
... viel Emotion, einer Geschichte (dazu mehr im nächsten Kapitel) ...

Bilder



 
... und einem Blitz mit normalem Reflektoraufsatz.

Bilder



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Kommentare
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Portrait von greX
  • 03.12.2014 - 21:11

Tolles Tutorial! Gefällt mir sehr gut!

Portrait von f4bi4n89
  • 31.07.2014 - 08:22

Danke echtes Tutorial. Jetzt lese ich alle!!!

Portrait von Scarface1995
  • 01.06.2014 - 10:18

Gut erklärt, aber ich finde es fehlt so das Ziel! Nur "denk nach" ist mir nicht Praxis nah genug

Portrait von johann1979
  • 24.03.2014 - 15:18

Fazit: "Macht euch gedanken"...ich habe mir mehr Praxis/Beispiele erhofft

Portrait von DarthTwain
  • 23.12.2013 - 15:41

sehr schöne Bilder grundprizipien gut erklährt!

Portrait von Alesa
  • 23.04.2013 - 10:37

und wieder ein interessanter Beitrag mit fantastischen Bildern von Felix. Vielen Dank für die Tips!

Portrait von klickklick
  • 15.02.2013 - 15:24

Anschaulich und hilfreich erklärt, dankeschön!

Portrait von Elevenfourteen
Portrait von jochen_muc
  • 16.01.2013 - 20:31

Interessantes Tutorial

Portrait von RelaxT
  • 10.01.2013 - 16:29

Viele nützliche Tipps und denkanstöße.

Portrait von vadda_s
  • 02.01.2013 - 15:05

Sehr interessant und auch hilfreich Deinen Zeilen zu folgen. Danke!

Portrait von spuellana
  • 27.10.2012 - 14:17

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Portrait von BrixX
  • 02.10.2012 - 16:56

Ich bin beeindruckt was du mit einer einfachen Softbox aus den Bildern machst ;)

Aussagen wie "ich mag keine doll bearbeiteten Bilder" musste ich mir auch schon anhören. Aber PS ist tatsächlich nur ein Werkzeug wie dem Maler seine Pinsel.

Danke für das Tutorial ;) Ich werde mich ab sofort ans Lichtanalysieren machen

Portrait von Rimek
  • 16.07.2012 - 14:29

Sehr inspirierend! Danke!

Portrait von Gismo77
  • 12.06.2012 - 00:36

Tolles Tutorial, gefällt mir gut

Portrait von dermik
  • 07.04.2012 - 19:52

Tolles Tutorial mit schönen Bildern

Portrait von MDesigner
  • 22.03.2012 - 23:43

Gut erklärt - vielen Dank!

Portrait von martin_t
  • 10.01.2012 - 11:42

gut Bilder, regt zum reflektieren über Lichtverhältnisse an. teilweise zu oberflächlich.

Portrait von foexy
  • 31.10.2011 - 23:11

Wirklich sehr hilfreich !!

Portrait von friloo
  • 19.09.2011 - 15:21

Besonders gut gefällt mir, dass es in diesem gesamten Tutorial nicht um die Technik geht, sondern man auch mit nicht so anspruchsvoller Technik gute und gelungene Bilder machen kann!

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