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Tutorialbeschreibung

Digitaler Workflow in der Peoplefotografie

Digitaler Workflow in der Peoplefotografie

Im folgenden Artikel zeige ich, wie ich meine Postproduction durchführe. Dabei werde ich Schritte weglassen, die bei jedem Bild individuell verschieden sind (aber ich werde erwähnen, wo diese Schritte wären).

Nach einem Shooting ist mir erst einmal wichtig, dass das Studio wieder in den Ursprungszustand versetzt wird, und ich brauche immer einen sauberen Schreibtisch, sonst geht bei mir gar nichts.

Im Studio arbeite ich häufig mit dem sogenannten "Tethering". Das bedeutet, ich fotografiere in den Rechner hinein. Da ich da mein MacBook Pro verwende, muss ich die Bilder zunächst auf meinen MacPro (Hauptrechner) importieren. Da alle Rechner in meinem Studio miteinander vernetzt sind, ist das ganz schnell geschehen.

Damit ich die Übersicht behalte, werden meine Bilder, die aktuell bearbeitet werden müssen, im Bilderordner mit Datum und Name gespeichert (z. B. "2011_06_27 PSD-TUT Shooting"). Wenn die Postproduction für ein Shooting abgeschlossen wurde, wird der Ordner in ein Raidgesichertes Festplattenarchiv verschoben und mit einer Ordnerstruktur (Jahr/Monat/Shooting) sortiert: Das sieht dann so aus:

Bilder



 
Ich arbeite mit Bridge, CameraRAW und Photoshop. In Bridge ist die Ordnerstruktur des Finders (bzw. Explorers) so integriert, dass ich direkt auf die Bilder, die auf der Festplatte liegen, zugreifen kann, ohne sie extra importieren zu müssen.

Wenn sich die Bilder allerdings noch auf der Speicherkarte befinden, brauche ich selbige mit dem Card-Reader lediglich anzuschließen und der Import-client von Bridge springt gleich auf. Den nutze ich dann auch für die Importeinstellungen.

Bilder



 
Nachdem ich die (im Bild rot markierten Feder) mit dem entsprechenden Namen ausgefüllt habe, werden alle Bilder in Bridge importiert. Dort habe ich jetzt einige Möglichkeiten zur Verwaltung der Bilder. Zunächst kann ich mit den Filtern wunderbar Bilder zur Ansicht trennen, wie Hoch- und Querformat, verschiedene Brennweiten, ISO-Einstellungen, etc. Somit kann ich sehr schnell Bilder herausfiltern (im Video gut sichtbar).

Bilder



 
Eine wichtige Funktion während des "Tetherings" ist zur Kontrolle der Bilder die Vollbildansicht. Wenn ich ein Bild ausgewählt habe und die Leertaste drücke und danach nochmals auf das Bild klicke, kann ich das komplette Foto in der 100-%-Ansicht auf Schärfe kontrollieren.

Damit ich und/oder der Kunde sich die Endergebnisse gut vorstellen kann, konvertiere ich mir die Bilder grob vor. Das mache ich, indem ich ein Bild in Camera RAW öffne, grob meine Einstellungen vornehme und auf Fertig klicke. Anschließend wähle ich in Bridge alle Bilder, die ich genauso konvertiert haben möchte, aus, führe den Rechtsklick aus und kann unter Einstellungen entwickeln>Vorherige Konvertierung diesen Bildern die vorher vorgenommene Konvertierung zuweisen.

Bilder



 
Jetzt kann ich anfangen, alle Bilder zu bewerten. Dazu kann ich 5 Sterne vergeben, wobei die sehr guten Bilder 5 Sterne bekommen und passable Ergebnisse 2 Sterne. Einen Stern bekommen Making-of-Fotos oder Ähnliches. Das funktioniert u.a. mit "Apfel+1,2,3,4,5" oder "Strg+1,2,3,4,5".

Wenn ich alle Bilder durchmarkiert habe, kann ich mir durch die Filter schnell nur die besten Fotos anzeigen lassen. Diese Markierungen werden in den (in Bridge nicht zu sehenden) .XMP-Dateien gespeichert. Wenn ich also die Shootings archiviere, kann ich auch in einem Jahr meine Markierungen und Voreinstellungen noch genauso sehen und muss nicht immer das gesamte Shooting durchsehen, was mir sehr viel Zeit erspart.

Jetzt markiere ich noch die Fotos, die meine Assistenten "vorretuschieren" sollen. Dafür benutze ich die Farbmarkierungen. Indem ich Apfel+6 drücke, markiere ich ein Foto rot. So können meine Assistenten am anderen Rechner sehen, welche Bilder sie nehmen sollen. Sobald sie das Bild "vorretuschiert" haben, markieren sie es mit einer anderen Farbe (Apfel+7,8,9), die wir vereinbart haben. So sehe ich, mit welchen Bildern ich die weiteren Schritte gehen kann.

Wenn mir ein Kunde die Bildnummern bereits nennen kann, die bearbeitet werden sollen, kann ich auch dafür eine Farbe benutzen und so ganz schnell die Bilder auswählen, die bearbeitet werden sollen und sehe auch in einem Jahr noch, welche Bilder mein Kunde bereits gewählt hatte. Auch das erspart viel Zeit.

Bilder



 
Nun weiß ich also, welche Bilder ich bearbeiten kann und öffne mir diese in Camera RAW. Hier nehme ich jetzt diverse Farbeinstellungen vor, korrigiere die Belichtung, Helligkeit, Kontrast etc. Das Ganze passiert bei jedem Bild sehr individuell, sodass ich beim Workflow nicht tiefer darauf eingehe.

Meine Assistenten gehen aber zu Beginn schon einmal die Retusche durch. Dafür arbeiten sie logischerweise mit dem Retuschewerkzeug. Allerdings kann es gut sein, dass bei hellen oder dunklen Aufnahmen nicht alles gut sichtbar ist. Hier behelfen wir uns einem kleinen Trick. Da wir die Retusche vor allem anderen machen, können wir die Belichtung so variieren, wie wir wollen, da sie ja danach sowieso wieder korrigiert wird. So können wir helle Stellen temporär dunkler machen oder dunkle heller, um die Hautunreinheiten besser zu beseitigen.

Wenn alles retuschiert ist, wird die Belichtung wieder auf den Ursprungszustand gebracht, auf Fertig geklickt und das Bild als "vorretuschiert" markiert.

Jetzt fange ich also mit der eigentlichen Bearbeitung an. Ich öffne mir die zu bearbeitenden Bilder. Jetzt nehme ich Licht, Helligkeit, Tonwertkorrektur, Primärwert, Teiltonung, Kontrast, Gradationskurve, Schärfe (auf 100-%-Ansicht) und die nötigen Einstellungen vor. Diese Bearbeitung (bzw. Konvertierung) hängt ganz von meinen persönlichen Vorstellungen des Endergebnisses ab. Ich bin ein großer Gegner von Pauschalisierungen im kreativen Bereich. Alles, was das Bild manipulieren könnte, sollte man sich vorher überlegen und sich nicht lediglich an Regeln halten. Das wäre unkreativ.

Jetzt öffne ich das Bild in Photoshop (mit Bild öffnen).

Hier bearbeite ich das Bild entsprechend meinen Vorstellungen. Wenn ich fertig bin, speichere ich das Bild in voller Größe ab. Dazu erstelle ich in dem Ordner des Shootings einen neuen Ordner, der da heißt "_FERTIGE". Mit dem Unterstrich erscheint dieser Ordner immer an erster Stelle und ich kann immer schnell auf die bearbeiteten Bilder zugreifen.

An der Stelle wird oft gemeint "Felix, du hast doch schon einen gewissen Arbeitsablauf in Photoshop, wie du die Bilder bearbeitest, oder?"

 
NEIN, habe ich nicht. Jedes Bild wird komplett einzeln behandelt.

Bilder



Für die anschließenden Schritte habe ich mir einige Aktionen geschrieben. Beispielsweise kann ich mit dem Abspielen einer Aktion das Bild klein rechnen und mit einem Wasserzeichen abspeichern, sodass mein Kunde eine bearbeitete Variante schon mal ansehen kann. Damit er es nicht versehentlich direkt verwendet, oder es zu Verwechslungen führt, habe ich immer ein Wasserzeichen mit auf dem Bild positioniert, was bei jedem Foto immer an derselben Stelle erscheint. So habe ich eine Einheit in der Präsentation geschaffen und die Arbeitszeit erheblich verkürzt.

 
Hier sieht man ein Foto, wie es der Kunde bekäme, um schnell die Bearbeitung zu sehen.

Bilder



 
Wenn ich die Bilder für meine eigenen Zwecke im Internet verwende, habe ich mir vor langer Zeit ein Corporate Design entwickelt. Damit die Bilder immer in derselben Art und Weise im Web präsentiert werden, habe ich auch hierfür eine (bzw. mehrere) Aktionen angelegt. So kann ich die Bilder in Hoch- und Querformat schnell in meinem Corporate Design entweder schwarz oder weiß abspeichern

So sieht das dann aus.

Bilder



 
Wenn ich ca 5 Bilder bearbeitet habe und diese Fotos gespeichert habe, muss ich noch Kontaktabzüge von allen Fotos anfertigen. So kann mein Kunde die Bilder schnell sichten und mir dann die entsprechenden Nummern der Fotos durchgeben, die er haben möchte. In Photoshop CS3 muss man die Bilder einzeln als JPG speichern, etc.

Ab CS4 geht es weitaus einfacher. Dazu gehe ich wieder in Bridge und rufe mir die vierte Ansicht (Ausgabe oder Apfel+F4) auf. Damit ich die Auswahl eingrenzen kann, rufe ich mir mit Fenster>Filterfenster noch die Palette mit den Filtern auf. So kann ich jetzt die 3,4,5 Sterne-Bilder auswählen und diese als Kontaktabzug speichern (jetzt sieht der Kunde die Making-of und weniger guten Bilder nicht mehr).

Bilder



 
Nun kann ich die gewünschten Einstellungen vornehmen. Damit ich die Kontaktabzüge auch via Internet schnell verschicken kann, stelle ich die Größe immer auf 900x700px ein. So kann man sie auf einem kleinen Monitor (1024x768px) trotzdem noch problemlos in der 100-%-Ansicht betrachten. Bei Modeaufnahmen stelle ich es so ein, dass ich 3 Aufnahmen auf einem Kontaktabzug habe, so sind sie groß genug.

Bei Porträtaufnahmen kann man auch 6 Bilder auf einen Kontaktabzug nehmen. In diesem Fall reicht das auch:

Bilder



 
Die weiteren Einstellungen rechts sind selbsterklärend. Wenn man nach unten scrollt, kann man nun die Kontaktabzüge abspeichern (dazu wähle ich denselben Ordner wie die Voransichten für den Kunden). Jetzt packe ich die Kontakte und die Voransichten in ein Zip und lade sie zusammen auf meinen Server (dazu braucht man eine Website und Webspace).

Gegebenenfalls schafft man es sogar, die Kontaktabzüge so klein zu machen, dass man sie per Mail verschicken kann. Mit einer Mail an den Kunden kann ich ihm sagen, wo er die Zip-Datei downloaden kann und schreibe ihm noch, wie viele Bilder er sich nun auswählen kann.

So kann der Kunde in Ruhe die Bilder auswählen, mir anschließend die Nummern der gewünschten Bilder durchgeben und bekommt auf demselben Wege ziemlich fix die fertigen Fotos.

Ein Tipp für Mac-User: Wenn man diesen Arbeitsablauf etwas verkürzen will, kann man für den Upload der Zip-Dateien mit dem Programm DockDrop einiges an Zeit gewinnen.

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Kommentare
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Portrait von maria67
  • 09.06.2017 - 21:15

merci vielmals für das tutorial

Portrait von Rimek
  • 18.03.2014 - 13:21

Super Ansätze um seine Bilder zu organisieren. Habe bereits einiges davon beherzigt! Danke!

Portrait von AJDAN_xD
  • 29.05.2013 - 15:14

Ich hab glaub ich den Titel missverstanden...

Portrait von Chrismunich
  • 31.03.2013 - 15:40

Eine super Tutorial-Reihe! Finde besonders deine Vorbereitung auf die Shootings mega interessant.

Portrait von Elevenfourteen
Portrait von Senfkaninchen
  • 11.10.2012 - 15:35

Wow, sehr hilfreich!

ich finde zu Beginn einer "Fotokarriere" ist der Umgang mit gemachten Bildern sehr verwirrend!

Danke für den tollen Einblick!

Portrait von Oms
Oms
  • 25.08.2012 - 01:06

Hätte ich vor 3 Wochen benötigt =(
Wieder was dazugelernt : Schönes Tut

Portrait von klickklick
  • 25.06.2012 - 10:36

ist nix für anfänger :-(

Portrait von Gismo77
  • 13.06.2012 - 00:14

Danke für das Tutorial

Portrait von dermik
  • 07.04.2012 - 19:55

Tolles Tutorial mit schönen Bildern

Portrait von sam0206
  • 30.03.2012 - 00:10

Diesmal nicht das, was ich mir erhoffte hatte leider.

Portrait von Melly_maus
  • 12.03.2012 - 08:50

Vielen Dank. Hilft sehr gut. Werde es nun immer so machen.

Portrait von Sportsnaps
  • 29.01.2012 - 16:32

für anfänger geeignet. für leute, die sich schon einmal ein wenig mit bridge oder lightroom auseinander gesetzt haben uninteressant

Portrait von martin_t
  • 18.01.2012 - 15:54

insgesamt interessante Tutorialreihe, hatte aber mehr Tiefe erwartet.

Portrait von JennaZee
  • 08.12.2011 - 10:13

Danke, hat mir wirklich SEHR geholfen!

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 14.11.2011 - 08:39

Nettes Tutorial, schön wäre noch ein Vorher Nachher Vergleich.

Portrait von ella1966
  • 02.11.2011 - 20:18

suuuuuper tut danke

Portrait von klausdvk
  • 30.10.2011 - 10:33

gut gemacht und hilfreich,danke

lg klaus

Portrait von viola1987
  • 24.10.2011 - 11:23

genau so etwas hab ich gesucht! danke!

Portrait von 8lub
  • 10.09.2011 - 17:52

finde ich persönlich jetzt weniger hilfreich..

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