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Tutorialbeschreibung

Porträt- und Aktfotografie: 10 - ... auch das ist wichtig für ein gelungenes Foto

Porträt- und Aktfotografie: 10 - ... auch das ist wichtig für ein gelungenes Foto

Neben allen direkten technischen Tipps und Anleitungen zum Thema „Porträt und Aktfotografie“ gibt es noch „allgemein gehaltene Überlegungen“, die zu einem gelungenen Foto beitragen.

Dazu gehören Hinweise zum aktuellen „Trend und Schönheitsideal“ sowie die Frage: „Sind wir alle schön?“ Auch Ihre Einstellung zur digitalen Bildbearbeitung ist für das Ergebnisfoto von großer Bedeutung.


Fotograf: Leoncool

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Bewahren Sie sich den Blick für die Realität

Als ambitionierter Amateurfotograf sind Sie völlig frei von Zwängen, Stilen, Richtungen und müssen sich auch nicht dem geltenden Schönheitsideal beugen. Sie bestimmen ganz allein, wen, was und wie Sie fotografieren. Gilt das auch uneingeschränkt für die Porträt- und Aktfotografie? Eindeutig ja, wenn Sie Ihre Fotos im Fotoalbum aufbewahren, oder am heimischen PC betrachten.

Etwas anders sieht es schon aus, wenn Sie Ihre Aufnahmen präsentieren oder ausstellen, wie z.B. auf einer eigenen Webseite.

Ganz gleich, ob beabsichtigt oder nicht, Sie stellen sich einem Wettbewerb mit allen anderen Fotografen, die im Web und den Printmedien Bilder veröffentlichen. Denn bewusst oder unbewusst wird der Betrachter Ihre Bilder damit vergleichen.

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Fotograf: Melancholie


 
Visuelle Umsetzung einer Bildidee – Fotograf: Günter Hagedorn

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Er weiß nicht, ob Sie Amateur oder Profi sind, er kennt nicht Ihre Ausstattung, noch wird er Ihr persönliches fotografisches Können in eine Klasse einstufen. Fußballer, die in der Bundesliga spielen und dort einen „Starstatus“ genießen, haben es da schon etwas einfacher. In der Fotografie gibt es bekanntermaßen keine Klassen oder sonstige Aufteilungen. Unterschieden werden nur Stilrichtungen, und es zählt ausschließlich das veröffentlichte Bild.

 
Eventuell sagen Sie: „Fein, aber an solch einem Wettbewerb möchte ich nicht teilnehmen. Ich mache lieber Bilder ganz nach meinen eigenen Vorstellungen und hechle keinem Trend hinterher.“ Das ist dann eine ganz persönliche Entscheidung, die nicht kommentiert werden muss. Vielleicht haben Sie Glück dabei und entdecken eine Nische für Ihre Bilder.


Trend und Schönheitsideal

Bevor Sie beabsichtigen, aktuelle Trends und das geltende Schönheitsideal völlig zu ignorieren, hier noch ein klein wenig Aufklärung.

Was gerade als „schön“ gilt, unterliegt einem ständigen Wandel. Waren in der Antike vollbusige Frauen mit ausladenden Hüften das Nonplusultra, mussten Frauen in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts spindeldürr sein, um dem Trend zu entsprechen.

Sicherlich kann man gut leben, ohne sich an diese ungeschriebenen Vorgaben zu halten. Wenn Sie aber künstlerisch tätig sind, und dazu gehört auch die Fotografie, lohnt es doch, darüber nachzudenken.

Einige Besuche in verschiedenen Museen helfen Ihnen weiter. Sehr schnell erkennen Sie, die großen Meister der Malerei haben sich an dem geltenden Schönheitsideal ihrer Zeit orientiert. Trotz persönlichen Malstils weisen die Porträt- und die Aktmalerei der jeweiligen Epochen in dieser Hinsicht große Ähnlichkeiten auf.

 
Erst wenn Sie Werke der Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts mit der Malerei im Barockstil des 17. Jahrhunderts oder den folgenden Bildern des Klassizismus des 18. Jahrhunderts vergleichen, treten auffällige Unterschiede bei der Gestaltung zu Tage.

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Im Stil der heutigen Beauty-Fotografie – Fotograf: Melancholie


 
Eine außergewöhnliche Bildidee perfekt in Szene gesetzt – Fotograf: Stefan Gesell

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Ganz einfach und platt ausgedrückt, heißt das, große und erfolgreiche Maler und Bildhauer folgten dem jeweiligen Trend ihrer Zeit. Da kann es doch eigentlich gar nicht so verkehrt sein, wenn auch Sie Ihre Fotos dem heutigen Zeitgeschmack anpassen.

Auf die moderne Fotografie übertragen, bedeutet es, Sie sollten sich vielleicht doch an Porträtfotografien und Aktaufnahmen in den Printmedien oder aktuellen Bildern von anderen Fotografen im Internet orientieren. Dabei sollten Sie aber nur Anregungen einholen und nicht die Szene komplett abkupfern.

Andererseits kann Anfängern das „Kopieren“ von erfolgreichen Fotografen ausschließlich zu Übungszwecken empfohlen werden. Es ist eine mögliche Basis für die Entwicklung eines eigenen Stils. Möchten Sie bei Ihren Porträt- und Aktaufnahmen den aktuellen Trend berücksichtigen, dann werden Sie schnell feststellen, es ist gar nicht so einfach, ihn zu finden und zu erkennen.

 
Ob Beauty-, Lowkey- oder Highkey-Aufnahmen, ob im Studio, in freier Natur oder vor besonderen Werken der Architektur, Sie finden jede Stilrichtung in den Printmedien und im Internet auf den Seiten von etablierten Fotografen. Es stehen Ihnen also nahezu alle Möglichkeiten offen, und Sie liegen trotzdem voll im Trend.

Aktuelle Porträt- und Aktfotografie haben eines gemeinsam, die Models sind fast alle auffällig und stark geschminkt. Hairstylisten mit ihrem Können sind ebenfalls unverzichtbar. Außerdem gelangen die Fotos erst zur Veröffentlichung, wenn ein Fotodesigner mit Photoshop, sichtbar oder unsichtbar, am Werk war.

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Muskeln im Spiel von Licht und Schatten – Fotograf: Stefan Gesell


 
Ein weiteres auffälliges Merkmal heutiger weiblicher Models ist eine maximale Konfektionsgröße von 36. Bei den männlichen Models ist der Waschbrettbauch ein absolutes Muss, aber auch an anderen Stellen sind Muskeln erwünscht.

Es ist völlig ausreichend, wenn Sie diese Erscheinungen als Realität akzeptieren. Was Sie davon umsetzen können oder wollen, entscheiden Sie ganz allein.

Die in diesem Kapitel gezeigten Fotos sind sehr gute Beispiele für den aktuellen Trend in der Porträt- und Akt- fotografie. Vielleicht geben Sie Ihnen die eine oder andere Anregung für Ihre eigenen Aufnahmen.

Nichts spricht dagegen, wenn Sie Ihre Fotos gegen den aktuellen Trend gestalten. Nur sollten Sie dieses bewusst tun, erst dann wirken Ihre Bilder glaubhaft und können den Betrachter überzeugen.

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Einfach faszinierend die Verwandlung von „vorher“ in „nachher“ – Fotograf: Dirk Schönfeldt


 

Sind wir alle schön?

Vielleicht sollte die Frage besser lauten: „Sind wir alle fotogen?“ Wir dürfen als Autoren diese Frage zumindest für uns selbst beantworten: Nein, von uns muss es nicht unbedingt Fotos geben, weder Porträtaufnahmen und schon gar keine Aktaufnahmen.

Erwartungsgemäß wird jeder Mensch diese Frage, im Angesicht seines Spiegelbildes, recht unterschiedlich beantworten. Die Spanne reicht von realistischer Einschätzung bis hin zu totalem Realitätsverlust.

Als Fotograf müssen Sie sich diese Frage jedoch überhaupt nicht stellen, besser Sie fragen sich: „Was ist machbar?“

Ihre Digitalkamera, Visagist, Hairstylist, Ihr fotografisches Können und die digitale Bildbearbeitung ermöglichen es Ihnen, fast jeden Menschen „attraktiv“ in Szene zu setzen.

Dafür finden Sie sehr gutes Anschauungsmaterial in den verschiedensten Zeitschriften und Magazinen. Sie kennen die beliebten Gegenüberstellungen von Prominentenfotos. Gezeigt wird eine perfekte Porträtaufnahme des Stars, und daneben erscheint das Paparazzi-Foto in ungeschminkten Zustand.

Mag die Motivation für die Veröffentlichung solcher Bilder wohl eher im Bereich der Häme liegen, können Sie als ambitionierter Amateurfotograf dennoch sehr gut den Vergleich anstellen zwischen ungeschminkt und der inszenierten Aufnahme im Fotostudio.

Ein weiteres Lehrbeispiel sind die „Vorher“- und „Nachher“-Produktionen, die vorzugsweise in den bekannten Frauenzeitschriften veröffentlicht werden. Hier können Sie die teilweise dramatischen Änderungen, ausschließlich durch neues Make-up und veränderten Haarschnitt ermöglicht, begutachten.

Vielleicht dienen Ihnen solche Aufnahmen als Ansporn und Anregung für die „Gestaltung“ der eigenen Models, deren Bilder Sie in Zukunft auf den Speicher Ihrer Kamera bringen möchten. Fazit: Bei der Porträt- und Aktfotografie sollten Sie unter Nutzung aller verfügbaren Hilfsmittel das Model so attraktiv wie möglich dem Betrachter Ihrer Bilder präsentieren. Die einfache Ablichtung der Realität ist das höchste Ziel für jeden Pressefotografen, für einen Porträtfotografen ist es sicherlich nicht die geeignete Zielsetzung, zumindest ist sie fragwürdig.

Naturgemäß gibt es da auch andere Sichtweisen. Anfang des Jahres entdeckten wir auf einer der zahlreichen Plattformen im Internet einen Aufruf zur Einsendung von Porträtaufnahmen.

 
Akt- oder Teilaktaufnahmen waren nicht erwünscht. Soweit sicherlich ein ganz normaler, nicht weiter erwähnenswerter Vorgang, wenn da nicht noch einige bemerkenswerte Zeilen folgten.

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Attraktiv in Szene gesetzt, ein Eyecatcher und ein gutes Beispiel für eine Präsentation des Fotos im Internet – Fotograf: Günter Hagedorn


Wir dürfen hier ganz frei, nur sinngemäß in Stichwortenzitieren: „Ganz allein das Auge des Betrachters bestimmt die Schönheit des Models – Sie sollen nicht Werbefotos zur Definierung von Schönheit heranziehen – Glückliche Menschen, unabhängig vom jeweiligen Typ, sind alle schön – Augen und Mund müssen lachen, sowie eine Zufriedenheit ausstrahlen.“

Außerdem sollte jeder Fotograf, der seine Fotos einsendet, auf jegliche digitale Bildbearbeitung verzichten.

Natürlich können Sie einem solchen Aufruf folgen, aber ob Sie das auf dem Weg zu besseren Porträtfotos weiterbringt, darf stark bezweifelt werden. An solchen Aufnahmen dürfen sich die fotografierten Menschen erfreuen, oder auch nicht, aber mehr erreichen Sie damit ganz sicher nicht.

Porträtfotos von ungeschminkten Menschen, mit Falten, großen Hautporen und all den weiteren Hautunreinheiten, die Ihre digitale Kamera gnadenlos einfängt, mögen durchaus ihren Reiz haben. Schon allein deswegen, weil Sie uns in den Printmedien kaum noch begegnen. Damit sind sie Randerscheinungen im Bereich der Porträt- und Aktfotografie, sie entsprechen nicht dem Mainstream.

Selbstverständlich müssen Sie, wie bereits mehrfach erwähnt, dem Trend und dem geltenden Schönheitsideal nicht unbedingt folgen. Die Fotografen, deren Bilder Sie in diesem Buch sehen, haben schon mehrere ihrer trendgerechten Fotos an Zeitschriften und Magazine verkauft. Beurteilen Sie doch bitte selbst Ihre Chancen für den möglichen Verkauf eines Bildes, das nicht voll im Trend liegt.


Digitale Bildbearbeitung ja oder nein?

Gestatten Sie mir an dieser Stelle eine klare und unmissverständliche Aussage: Wer digital fotografiert und eine digitale Nachbearbeitung ablehnt, verschenkt eine Menge Möglichkeiten.

Wer „ohne EBV“ als Qualitätsmerkmal einführen möchte, oder vor sich herträgt, hat wirklich den Boden der Realität bereits verlassen.

Selbst bei Top-Fotografen aus der analogen Zeit, wie dem leider verstorbenen Helmut Newton, gehörte nachträgliche Bildbearbeitung zum täglichen Geschäft.

Im eigenen Fotolabor arbeiteten Spezialisten an den einzelnen Aufnahmen, bis der Meister sein Okay gegeben hatte. Papierwahl, Belichtungszeit, Mehrfachbelichtung und Vignettierung waren die Zutaten für die weltbekannten Fotos von Helmut Newton.

Heute hat die digitale Bildbearbeitung die Rolle der Dunkelkammer übernommen. Gleichzeitig erhöhten sich die Möglichkeiten der nachträglichen Bearbeitung um ein Vielfaches. Es reicht von der einfachen Bildoptimierung über Bildretusche bis hin zur experimentellen Gestaltung.

Was Sie nachträglich alles an Ihren Fotos ändern können, zeigen Ihnen die folgenden Workshops in diesem Buch. Vornehmlich wird die digitale Bildbearbeitung zur Beautyretusche eingesetzt, hierüber erfahren Sie mehr in Kapitel 12, „Beautyretusche“, und 14, „Montage und Komposition“. Was Sie darüber hinaus visuell umgestalten, entscheidet Ihr Können und Ihr persönlicher Geschmack.

Wenn Sie in den Printmedien besonders die Werbeaufnahmen unter die Lupe nehmen, entdecken Sie mitunter die hohe Kunst der digitalen Bildbearbeitung. Da stehen Autos auf Straßen oder Plätzen, wo sie garantiert nicht fotografiert wurden. Bei ganz genauem Hinsehen erkennen Sie meistens auf der Karosserie Lichtspiegelungen, die nicht ganz mit der neuen Umgebung übereinstimmen. Gleiches gilt für Modelaufnahmen im Studio, die anschließend in einem völlig neuen Umfeld erscheinen. Diese Bildmanipulation entdecken Sie in vielen Fällen durch eine nicht immer 100%ige Freistellung im Bereich der Haare. Möchten Sie in Zukunft im Bereich der Porträt- und Aktfotografie semiprofessionell arbeiten, sind Sie gut beraten, wenn Sie digitale Fotografie mit digitaler Bildbearbeitung kombinieren.

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Vom Studio direkt in die Arkade, dank Bildbearbeitung – Fotograf: Silvia Kuhnlein


Hinweis zur Tutorialserie Porträt- und Aktfotografie

Das ist ein Auszug aus dem Buch Porträt- und Akttfotografie mit freundlicher Genehmigung der Autoren/Urheber: Kay Michael Kuhnlein (www.kad-digital.de) und Harald Heim (www.thepluginsite.com).

Eine ausführliche Auflistung aller beteiligten Fotografen und Models findest du hier: Quellen zu Porträt- und Aktfotografie


Kommentare
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Portrait von Der_w__
  • 09.02.2016 - 20:32

Danke für die vielen Tips

Portrait von Hefti128
  • 27.07.2015 - 21:49

Klasse. Vielen Dank für das Tutorial.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 12.07.2015 - 22:33

ja wo isn das tutorial???

Portrait von go_art
  • 28.06.2015 - 12:55

Ein sehr gut und anschaulich gemachtes Tutorial, ist nicht immer so.
Danke!

Portrait von ZainaPhoto
  • 28.03.2015 - 20:31

Das ist ja ein absolut gutes Tutorial.

Lg Zaina

Portrait von Tommy1.1
  • 14.03.2015 - 20:14

Besten Dank für die vielen Hinweise.

Portrait von PatrikW
  • 08.03.2015 - 15:58

Es werden gut die wichtigen Fragen aufgeworfen und der Weg zur individuellen Antwort aufgezeigt.
Sehr schönes Tutorial. Danke dafür.

Viele Grüße
Patrik

Portrait von Daddycool
  • 03.03.2015 - 15:57

Danke für die vielen Tips

Portrait von Metaller_H
  • 02.03.2015 - 23:14

tolle Serie, mit vielen Informationen

Danke

Portrait von chris843
  • 02.03.2015 - 22:30

Vielen dank. Die Serie ist wirklich toll

Portrait von renate_C
  • 02.03.2015 - 21:47

Ich bedanke mich für das informative und interessante Tutorial.

Portrait von arko2013
  • 02.03.2015 - 21:45

Vielen Dank für das weitere klasse Tutorial. Gut erklärt, schön illustriert und wertvolle Tipps.

Portrait von samtron
  • 02.03.2015 - 21:11

vielen Dank
MfG

Portrait von rocking_sid
  • 02.03.2015 - 20:28

Vielen Dank für den sehr informativen 10. Teil der Serie!

Portrait von susisnaomi
  • 02.03.2015 - 19:18

Ja ich freu mich immer über die Tipps. Darum ruhig weiter so und vielen Dank

Portrait von Domingo
  • 02.03.2015 - 18:41

Danke auch für Teil 10.

Portrait von Luther_Sloan
  • 02.03.2015 - 18:30

Vielen Dank für das informative und verständliche Tutorial mit den guten Bildern und Erklärungen.

Portrait von ICEMANN
  • 02.03.2015 - 18:28

recht herzlichen Dank

Portrait von kw513143
  • 02.03.2015 - 18:03

Danke, gut und mit der notwendigen "Laune" zum Thema erklärt

Portrait von xpbemo
  • 02.03.2015 - 17:33

Das sind ja ja absolut gute Fotos. Echt klasse!

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