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Tutorialbeschreibung

Der Einstieg in die People-Fotografie 06 - Bildaufbau

Der Einstieg in die People-Fotografie 06 - Bildaufbau

Goldener Schnitt? Drittelregel? Blickrichtung des Models? In diesem Tutorial gebe ich euch einen kleinen Einblick in verschiedene Arten, ein Bild gestalterisch aufzubauen. Viel Spaß dabei, reckordzeitstudio


Bildaufbau

Der Bildaufbau ist eines der elementaren Stilmittel in der Fotografie. Er geht auf viele Jahre der Kunstgeschichte zurück und wurde schon vor langer Zeit von sehr bekannten Malern gekonnt eingesetzt. In diesem Beitrag gehe ich auf die wichtigsten Regeln ein.


Goldener Schnitt oder Drittel-Regel

Der Goldene Schnitt ist eine Bildaufbauregel, von der sehr viele schon mal gehört haben. Doch was es genau ist, das ist immer so die große Frage … Beim Goldenen Schnitt wird das Bild in sechs Teile aufgeteilt, ähnlich wie bei der Drittelregel. Und um das Bild dann interessant wirken zu lassen, ist es sinnvoll, die Hauptmotive auf die Linien des Schnittes zu setzen oder - im Optimalfall - in die Schnittpunkte. Für die Drittelregel dient der gleiche Grundsatz, hier ist das Bild jedoch symmetrisch aufgeteilt, in sechs gleich große Abschnitte.

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Fluchtpunkte

Fluchtpunkte werden häufig eingesetzt, um Tiefe ins Bild zu bringen. Jedes Foto, das mehr zeigt als eine einfache Wand (mit Model davor), birgt einen Fluchtpunkt. Sei es ein Haus auf der Seite, dessen unterer Rand diagonal nach hinten verläuft in Kombination mit der Regenrinne am Dach, das auch in die Ferne zeigt. An der Stelle, wo sich (imaginär) diese Linien treffen, ist ein Fluchtpunkt. Und genau an diesem Punkt ist auch die Horizontlinie, auf die ich weiter unten noch näher eingehen werde.


Diagonalen

Diagonalen bieten eine tolle Grundlage, einem Bild Spannung und Tiefe zu verleihen. Auch der Blick des Betrachters kann durch den gekonnten Einsatz von Diagonalen gelenkt werden. Typische Diagonalen sind zum Beispiel Straßen, Hauswände (schräg fotografiert), Bahngleise, ein schräg fotografierter Strand oder Ähnliches.

Wenn sich diagonale Linien treffen, ist es häufig wirkungsvoll, wenn sich an diesem Schnittpunkt das Hauptmotiv befindet. Und die Linien müssen sich auch nicht in der Bildmitte treffen oder aus einer Ecke beginnen.

 
Es kann große Spannung erzeugen, wenn eine Linie neben einer Ecke beginnt oder endet, da der Blick dann nicht aus dem Bild gezogen wird, sondern in der Ecke "umkehren" kann.

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Horizontlinie

Die Horizontlinie ist eine "echte" oder gedachte Linie im Hintergrund des Bildes. Bei Aufnahmen in der Natur, zum Beispiel am Strand oder auf einer Wiese (ohne Wald im Hintergrund), ist diese Linie sichtbar. Im Studio, an Wänden, im Wald oder Ähnlichem, ist die Horizontlinie hingegen nur zu erahnen. Es ist, besonders dann, wenn die Linie sichtbar ist, ratsam, sie wie oben erwähnt, in das untere oder obere Drittel des Bildes zu setzen. Je nach Motiv und allgemeinem Aufbau kann sie aber auch mittig angeordnet sein. Die Horizontlinie ist immer dort, wo sich die natürlichen Diagonalen im Bild treffen. Beim Erlernen der Grundlagen sollte man auch darauf achten, dass der Horizont nicht "kippt", was man in der Regel in der Nacharbeit beim Zuschneiden des Bildes korrigieren kann. Manche Kameras verfügen auch über digitale Wasserwaagen und Stative besitzen auch häufig kleine Wasserwaagen oder man besorgt sich einen kleinen Wasserwaagen-Würfel für den Blitzschuh.


Blickrichtung der fotografierten Person

"Aber ich positioniere doch das Hauptmotiv in der Mitte, die Mitte nicht zu treffen ist doch keine Kunst". Das war eine Aussage eines Workshop-Teilnehmers bei einem meiner Grundlagen-Workshops. Ich fand diesen Spruch sehr spannend und habe ihm dann erklärt, was ich mit der "Blickrichtung des Motivs bzw. des Models" meine. Viele, die mit der Fotografie beginnen oder auch nur hin und wieder einige Schnappschüsse erstellen, positionieren das Motiv klassisch in die Mitte des Bildes. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen gehen sie davon aus, dass das Objekt in der Mitte das zentrale Element des Bildes darstellt (im wahrsten Sinne des Wortes stimmt das ja auch), und zum anderen ist es bei Kompaktkameras oder auch bei DSLR-Kameras mit automatischem Fokus-Sucher so, dass der Schärfebereich im Mittelpunkt des Sensors fokussiert wird.


 

Blickrichtung des Betrachters

Da wir uns in Europa befinden und meine Beiträge auf Deutsch geschrieben sind, richte ich mich auch an euch. Wir lesen in unseren Breitengraden bekanntermaßen von links nach rechts und von oben nach unten. Und genauso schauen wir auch Bilder an. Haben wir zum Beispiel abstrakte Kunst vor uns, dann "lesen" wir das Bild in unserer gewohnten Richtung. Haben wir Porträts vor uns oder andere Bilder, auf denen etwas konkret zu erkennen ist, dann können wir entweder den Blick des Betrachters steuern oder wir nutzen seine bewohnte Blickrichtung aus.


Schärfeverlauf

Mit dem Schärfeverlauf zu spielen ist ein hilfreicher Tipp, um dem Bild Tiefe zu verleihen. Im Optimalfall baut man ein Bild mit einem Vorder-, Mittel- und Hintergrund auf. Mit einer weit offenen Blende (Anm.: kleine Blendenzahl) lassen sich tolle Effekte erzielen. Wenn man sich zum Beispiel zwischen die Blätter eines Baumes stellt oder sich ins Gras legt oder hinter eine Mauer setzt, lässt sich ein toller Vordergrund erzeugen.

Diese Dinge (Blätter, Gras, Mauer) sind dabei sehr nah an der Kamera, sodass sie vollständig in der Unschärfe liegen und nicht mehr erkennbar sind, sie dienen lediglich dem Bildaufbau durch ihre Farben oder groben Strukturen. Das Model wird entsprechend des gewünschten Schnittes im Mittelgrund platziert und scharf abgebildet. Der Hintergrund versinkt dann aufgrund der offenen Blende wieder in der Unschärfe. Der Blick des Betrachters wird also bewusst auf das einzig scharfe Motiv im Bild - das Model - gelenkt.

 
Wenn man keinen Vordergrund hat, ist es aber dennoch häufig von Vorteil, die Blende weit zu öffnen, um das Model durch die entstehende Tiefenunschärfe vom Hintergrund freizustellen. Genaueres dazu in einem weiteren Teil dieser Serie.

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Farben / Sättigung / Helligkeit

Bei Fotos in der Natur kann man das gut erkennen: Alles, was näher an der Kamera ist, hat knackige Farben, rote Farben leuchten besonders stark. Der Hintergrund, z.B. Berge, ist eher flau, die Farben sind entsättigt, die Kontraste nehmen stark ab und das Ganze ist eher heller. Auch der Himmel ist am Horizont heller als oben im Bild. Das erkennt man auch, wenn man einfach so in die Ferne schaut. (Anm.: Für die Photoshopper unter euch - achtet bitte bei euren Compositings darauf ;) ) Ob der Hintergrund hell ist oder dunkel, hängt von eurem Motiv und der Umgebung ab, in der ihr fotografiert. Steht das Model im Schatten, der Hintergrund wird aber von der Sonne angestrahlt, leuchtet dieser sehr stark und man muss sich gut überlegen, ob das Model nicht zusätzlich ausgeleuchtet werden sollte. Mit einem Reflektor oder Blitzen. Ist im Hintergrund eher eine dunkle Wand, so hebt sich das Model in der Regel besser ab, da es eher hell erscheint und durch die räumliche Nähe zur Kamera farblich stärker zur Geltung kommt. Aber auch hier - bei dunkelhaarigen Models oder dunkler Kleidung - ist zu überlegen, ob man nicht eine künstliche Lichtquelle einsetzen sollte, um eine Abgrenzung zum Hintergrund zu schaffen.


Regeln kennen und bewusst brechen

Wenn ihr die Regeln über den Bildaufbau gelernt und verinnerlicht habt, könnt ihr damit beginnen, sie bewusst zu brechen. Es ist aber wirklich wichtig, dass ihr euch mit den Grundlagen befasst. Schaut euch mal alte Gemälde an oder die Fotografien bekannter und berühmter Fotografen. Die meisten dieser Werke folgen den Regeln des Bildaufbaus. Es gibt noch einige weitere Regeln des Bildaufbaus, die aber den Rahmen dieses Beitrags um Längen sprengen würden. Wenn ihr bei den Künstlern, deren Bilder ihr zukünftig anschauen werdet, keine dieser Regeln finden könnt, dann hat das meist zwei Gründe: Zum einen kann es durchaus sein, dass sie den Bildaufbau anhand einer "weiteren" Regel vorgenommen haben, oder aber sie brechen aktiv mit den Regeln, da sie ein bestimmtes Ziel verfolgen. Ein klassisches Beispiel ist, dass die fotografierte Person "aus dem Bild hinausschaut". Bei Bildern, in denen die Person in einer traurigen Umgebung ist oder "Ferne" symbolisiert werden soll, passt dieser Regelbruch sehr gut.


Regeln befolgen und bessere Bilder erstellen

Vielen Menschen, die mit dem Hobby Fotografie beginnen, ist nicht bewusst, dass sie - auch mit günstiger Ausrüstung - viel mehr aus ihren Bildern herausholen können. Natürlich haben sie technisch gesehen nicht alle Möglichkeiten wie mit professionellem Equipment. Sei es das Bildrauschen durch einen schwachen Sensor, das geringe Freistellungspotenzial durch zu kleine "Offenblenden" oder die Schärfe durch das nicht perfekte Glas im Objektiv. Aber der Bildschnitt kann mit beinahe jeder Kamera individuell gesteuert und beeinflusst werden. Diese oben genannten Regeln sind nur ein paar der Gestaltungsmöglichkeiten, um die Bilder hochwertiger zu machen. Weitere Tipps zur Perspektive, den Merkmalen verschiedener Brennweiten, den Einsatz von höherer und niedrigerer ISO, Belichtungszeiten und mehr folgt im nächsten Teil dieser Serie - der Einstieg in die People-Fotografie.

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Kommentare
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Portrait von stevewalker
  • 14.09.2015 - 13:09

Vielen Dank! Ideal für Einsteiger

Portrait von Sauerkraut95
  • 14.09.2015 - 11:53

Sehr interessant Danke für das Tutorial

Portrait von Domingo
  • 11.09.2015 - 19:15

Vielen Dank.

Portrait von chipslette
  • 11.09.2015 - 15:41

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von BOPsWelt
  • 11.09.2015 - 14:10

Vielen Dank für das interessante Tutorial. :-)

Portrait von Pskarin
  • 11.09.2015 - 13:59

Danke für die wertvollen Tipps.

Portrait von rocking_sid
  • 11.09.2015 - 13:41

Vielen Dank für das weitere interessante Tutorial

Portrait von Steinegger
  • 11.09.2015 - 13:25

Wieder sehr informativ, danke

Portrait von aloh47
  • 11.09.2015 - 13:19

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von MARIA52
  • 11.09.2015 - 12:53

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von renate_C
  • 11.09.2015 - 12:33

Ich bedanke mich für dieses interessante Tutorial der Reihe.

Portrait von Caesarion2004
  • 11.09.2015 - 12:32

Vielen Dank für dieses Tutorial.

Portrait von wysiwyget
  • 11.09.2015 - 12:27

Danke, hätte mir zwar etaws mehr Details gewünscht. Ist aber eine gute Auffrischung.

Portrait von Haui76
  • 11.09.2015 - 12:24

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von kw513143
  • 11.09.2015 - 12:21

Danke für das Tutorial

Portrait von Ken_Barrow
  • 11.09.2015 - 12:15

Vielen Dank für das Tutorial.

Portrait von arko2013
  • 11.09.2015 - 12:15

Vielen Dank für das informative und interessante Tutorial.

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teststefan