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Tutorialbeschreibung

Der Einstieg in die People-Fotografie 08 - Verschlusszeit und Aufnahmemodi

Der Einstieg in die People-Fotografie 08 - Verschlusszeit und Aufnahmemodi

Was ist beim Blitzen zum Thema Verschlusszeit zu beachten? Und was machen die einzelnen Aufnahmemodi Auto, P, AV, TV, M in der Kamera? Wann nutzt man was? Einen Überblick dazu lest ihr in diesem Beitrag. Viel Spaß damit, euer reckordzeitstudio.



Bei der Wahl der Verschlusszeit gilt es die Faustformel zu beachten, welche ich im letzten Beitrag beschrieben habe. (Weiter unten in diesem Bericht wird die Faustformel nochmals erklärt). Wenn man mit Studio- oder Systemblitzen arbeitet, gibt es weitere Punkte bei der Verschlusszeit zu beachten. Diese benötigen, sofern sie nicht Highspeed-fähig sind und mit HSS-Auslösern gesteuert werden, eine kürzeste Verschlusszeit von 1/125 – 1/250 Sekunden.

Diese Tatsache bedeutet aber auch, dass man bei Shootings in der freien Natur mit hellem Umgebungslicht viel Power aus dem Blitz herausholen (unter Umständen volle Leistung) und die Blende etwas schließen muss, da sonst der Hintergrund ausfressen kann. „Ausfressen“ bedeutet, er wird überbelichtet und man erkennt unter Umständen keine Farben oder Strukturen mehr.

Wenn man outdoor mit Systemblitzen oder Studio-Blitzen und einem Porty (einem großen Zusatz-Akku) arbeitet und die Verschlusszeit zu kurz einstellt, kann es passieren, dass an einer Seite des Bildes ein schwarzer Rand entsteht oder sogar das gesamte Bild schwarz ist. Das ist dadurch bedingt, dass der Blitz nicht schnell genug reagiert.

Die Geschwindigkeit des Kameraverschlusses sorgt dafür, dass der Blitz "zu langsam" wirken kann. Das heißt, das Bild ist schon "im Kasten" bevor der Blitz seinen Zweck - nämlich das korrekte Ausleuchten eures Models / Motivs - erfüllen kann.  

 
Daten Bild 1: Brennweite: 48mm - Blende f/4.5 - ISO 100 - Verschlusszeit 1/800 Sek - Blitz Manuell 1/4 Leistung

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Daten Bild 2: Brennweite: 48mm - Blende f/4.5 - ISO 100 - Verschlusszeit 1/400 Sek - Blitz Manuell 1/4 Leistung

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Daten Bild 3: Brennweite: 48mm - Blende f/4.5 - ISO 100 - Verschlusszeit 1/200 Sek - Blitz Manuell 1/4 Leistung

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Beim Einsatz von Blitzen bei geringem Umgebungslicht und/oder geschlossener Blende ist es machbar, die Verschlusszeit zu verlängern. So kann man zum Beispiel abends in der Stadt die Lichter in den Schaufenstern nutzen und das Model dennoch „einfrieren“, indem man einen Blitz einsetzt.

 
Die Belichtungszeit des Blitzes kann bei geringer Leistung eine Dauer von bis zu 1/10.000 Sekunde betragen. „Einfrieren“ bedeutet, dass das Model scharf (bzw. ohne Bewegungsunschärfe) abgebildet wird, selbst wenn es sich minimal bewegt, was normalerweise der Fall ist. Weitere Beispiele, Dinge „einzufrieren“, sind Personen beim Springen, beim Ballspielen oder auch wenn eine Wasserbombe zerplatzt. Da Systemblitze häufig noch schneller sind als die Kamera, kann es Sinn machen, das Umgebungslicht durch eine niedrige ISO (der Sensor ist weniger lichtempfindlich) und eine geschlossene Blende (weniger Licht fällt durch das Objektiv) auszublenden und die Person mit dem Blitz aufzuhellen.

Auch ohne Blitz sollte man auf die Verschlusszeiten achten. Die Faustformel, welche Belichtungszeit man noch freihand fotografieren kann, habe ich im letzten Teil schon genannt, darf hier aber auch nicht fehlen. Sie lautet: Freihand kann man die Brennweite als Sekundenbruchteil fotografieren. Was bedeutet das? Bei einer Brennweite von 50mm lässt sich, wenn man nicht sehr zittrig ist, ein Bild bei einer Belichtungszeit von 1/50 Sekunde ohne Stativ fotografieren. Der sogenannte Crop-Faktor muss dabei berücksichtigt werden. Das heißt, dass bei einer Crop-Kamera (kleinerer Sensor als Voll-/Mittelformat) umgerechnet werden muss. Dieser Faktor lässt sich übers Internet herausfinden, in den meisten Fällen liegt er zwischen 1,5 und 2. (Rechenbeispiel: Brennweite 50mm x Faktor 1,5 = 75mm => 1/75 Sekunde)

Wie kurz man belichten kann, hängt davon ab, was man tun will. Grundsätzlich gilt (beim Fotografieren ohne Blitz) – je kürzer die Belichtungszeit, desto verwacklungsfreier die Aufnahme. Um die korrekte Belichtungszeit zu ermitteln, sollten die Brennweite (wie schon erwähnt), die Blende und die ISO berücksichtigt werden. Je weiter die Blende geöffnet ist, desto kürzer kann die Belichtungszeit gewählt werden, da in kürzerer Zeit mehr Licht durch das Objektiv auf den Sensor fallen kann.

Und: Die Kürze der Belichtungszeit kann auch durch die ISO-Zahl beeinflusst werden. Wenn man die Belichtungszeit verkürzen möchte, lässt sich die ISO (Empfindlichkeit des Sensors) erhöhen. Das hat allerdings den Nachteil, dass die Bildqualität leidet bzw. das Bildrauschen verstärkt wird. Je nach Sensorgröße und dessen Qualität kann das Bild bereits bei ISO 400 ein deutliches Rauschen aufweisen oder auch erst ab 12.800. Die Technik entwickelt sich da sehr schnell. Am besten, ihr testet einige ISO-Werte mit eurer Kamera aus und prüft, welches Rauschen für euch vertretbar ist.

Das Bildrauschen lässt sich in der digitalen Nachbearbeitung, sofern man in RAW fotografiert, auch sehr gut minimieren. In Lightroom oder Photoshop gibt es entsprechende Regler, aber auch Plug-Ins wie NIK oder Topaz leisten gute Dienste.

Meine persönliche Meinung lautet: Lieber ein wenig mehr Rauschen als ein verwackeltes Bild. Selbst Verwacklungen lassen sich heute mit z. B. Photoshop reduzieren, allerdings leidet hier die Bildqualität mehr als beim „Entrauschen“.

 
Brennweite 23mm - Blende: f/9 - Verschlusszeit 1/30 Sek - ISO 100

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Brennweite 23mm - Blende: f/9 - Verschlusszeit 1/2000Sek - ISO 6400

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Nachdem ich euch nun einiges über Brennweite, Blende, Belichtungszeiten und ISO erzählt habe, möchte ich noch auf die verschiedenen Modi der Kamera eingehen. Ich schreibe aus Sicht eines Canon-Nutzers, bei Nikon, Sony und Co. gibt es aber entsprechende Alternativ-Bezeichnungen.


 

Automatik-Modus:

Der Automatik-Modus liefert oft, sagen wir, passable Ergebnisse. Was tut er denn? Dieser Modus möchte das Bild immer „optimal“ belichten. Dazu bedient er sich der Möglichkeiten, die ich bisher beschrieben habe, mit Ausnahme der Brennweite, welche vom Objektiv vorgegeben wird (Brennweitenbereich oder Festbrennweite). Die Automatik regelt die Belichtungszeit, häufig wird ein Wert von 1/60 Sekunde als „Standard“ angesetzt, öffnet oder schließt die Blende, in der Regel wird eine mittlere Blende von f/8 gewählt, und dass die ISO nicht zu hoch aufgedreht werden soll, ist der Automatik auch egal.

Das Ergebnis ist ein Bild, das von vorne bis hinten scharf ist, rauscht und (bei längerer Brennweite) verwackelt. Sollte das Licht nicht sehr hell sein, springt gerne auch mal der interne Blitz auf und belichtet mit.

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P-Modus:

Das „P“ steht, entgegen der Vermutung, nicht für „Profi“ sondern für „Programmautomatik“. Dieser Modus ähnelt der Vollautomatik mit einigen Einstellungsmöglichkeiten. Die ISO lässt sich voreinstellen oder – je nach Firmware der Kamera – begrenzen. Die Zeit oder Blende lässt sich steuern und regelt direkt den entsprechenden Gegenpart dazu. Beispiel: Wird die Blende manuell weiter geöffnet, errechnet die Programmautomatik die entsprechend verkürzte Belichtungszeit. Ein entscheidender Vorteil der Programmautomatik: Der Blitz springt nur auf, wenn man das möchte.

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AV:

Av (Aperture Value) ist die sogenannte Zeitautomatik. Um Verwirrung zu stiften, kann man sie auch Blendenvorwahl nennen. Was kann dieser Halbautomatikmodus? Man gibt hier der Kamera die Blende vor. Im Gegenzug dazu errechnet die Kamera die passende Belichtungszeit. Der ISO-Wert wird entweder manuell eingestellt oder über die Automatik gesteuert. Dieser Modus ist besonders dann von Vorteil, wenn genügend Licht vorhanden ist und man sich speziell auf die Blende, zum Beispiel, um eine Person vom Hintergrund freizustellen, konzentrieren möchte. Ist es nicht hell genug, kann man mit einer ISO-Automatik oder einer manuellen Erhöhung des ISO-Werts dagegensteuern, um die Belichtungszeit nicht zu lang werden zu lassen.

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TV:

TV (Time Value) ist die Blendenautomatik oder Zeitvorwahl. Bei diesem Modus wird die Zeit vorgegeben und die Automatik errechnet den entsprechenden Blendenwert dazu. Genau wie beim AV-Modus ist es möglich, der Kamera die Entscheidung über die ISO zu überlassen oder sie manuell zu steuern. Dieser Modus ist beispielsweise dann interessant, wenn man wechselnde Lichtverhältnisse hat und die Belichtungszeit nicht unter einen bestimmten Wert kommen sollte aufgrund der Möglichkeit des Verwackelns. Konzerte oder Shootings im Freien bei Wetter mit Sonnen-Wolken-Mix.

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M:

M (Manueller Modus). Wie der Name schon sagt, hier wird alles selbst eingestellt. Man kann sich jedoch beim ISO-Wert von der Kamera unterstützen lassen. Wenn man mit der ISO-Automatik arbeitet, lässt sich zudem auch noch eine Belichtungskorrektur durchführen (bei den Halbautomatik-Modi immer), mithilfe derer eine bewusste Unter- oder Überbelichtung erzeugt werden kann. Der manuelle Modus ist immer dann sinnvoll, wenn man genau weiß, was man möchte, bzw. die Kamera in den Automatik- oder Halbautomatikmodi nicht das Ergebnis liefert, das man möchte. Beim Einsatz mit Blitzen ist der Modus notwendig, da das Bild sonst falsch belichtet wird.

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Sonstige Modi:

Kompaktkameras und (Einsteiger-/semiprofessionelle DSLRs) verfügen über diverse Automatik-Modi. Sport-, Porträt-, Nacht- und Landschaftsmodi, um nur einige zu nennen. Diese Automatiken können, im Gegensatz zur allgemeinen Meinung, nicht mehr als AV, TV oder M. Im Gegenteil: Die Automatiken können in der Regel nur in JPG aufnehmen, wohingegen Halbautomatiken und der manuelle Modus RAW aufnehmen. Ob eure Kamera das RAW-Format unterstützt, könnt ihr in eurer Bedienungsanleitung nachlesen.

Warum gibt es solche Automatiken? Anfängern der Fotografie oder Personen, die nur hin und wieder ein wenig knipsen, erleichtern diese Modi die Arbeit. Es sind diverse Voreinstellungen hinterlegt, die die bekannten Parameter Blende, ISO, Zeit unterschiedlich priorisieren. Bei Landschaftsaufnahmen wird die Blende weiter geschlossen, damit alles durchgängig scharf abgebildet wird. Der Sportmodus liefert eine möglichst kurze Verschlusszeit (auf Kosten der ISO) und im Porträtmodus wird die Blende recht weit geöffnet. Zudem haben die Bilder, bedingt durch das JPG-Format, verschiedene Farb-Einstellungen hinterlegt, sodass zum Beispiel bei Landschaftsaufnahmen die Blau- und Grüntöne verstärkt werden.

Je nach Kamera können auch Porträts weichgezeichnet werden, damit der Eindruck einer Retusche dadurch entsteht, dass Hautunreinheiten und Falten in der Unschärfe verschwinden. Für das Kamera-Display mag das nett sein, wenn man sich die Bilder aber auf dem Bildschirm des Computers anschaut, ist das nur noch eine strukturlose hautfarbene Fläche. Ich rate daher von den Modi ab und empfehle eine Halb-Automatik oder zumindest den Modus P.


Kommentare
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Portrait von Ostseefoto
  • 14.01.2016 - 19:39

Moin, wo ist eigentlich der Teil 7 geblieben?

Portrait von kw513143
  • 27.12.2015 - 11:53

Danke für die Serie.
Der Faux pas mit dem Vorhang hätte aber nicht passieren dürfen.
Lustig ist es allemal

Portrait von reckordzeitstudio
  • 14.12.2015 - 09:27

Es hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Natürlich ist die Synchronzeit des Blitzes auf den Verschluss der Kamera zurück zu führen und nicht auf einen Verschluss im System-/Studioblitz.

Danke für euer aufmerksames Lesen und die Info.

Ich habe es entsprechend angepasst.

Portrait von susisnaomi
  • 13.12.2015 - 21:16

Was soll ich sagen? Wie immer gut und hilfreich! Vielen Dank dafür!!!

Portrait von rocking_sid
  • 12.12.2015 - 20:45

Vielen Dank für das interessante Tutorial!

Portrait von kw513143
  • 12.12.2015 - 15:17

Danke für das Tutorial

Portrait von pallasathena
  • 12.12.2015 - 13:58

Vielen Dank! Ja, mir fehlt da auch etwas

Portrait von 78k100
  • 12.12.2015 - 12:49

Bei Systemblitzen zum Beispiel fährt ein kleiner Vorhang über die Blitzröhre und je nachdem....

Na, das sind Fachleute...
Soll man da noch weiter lesen? Was kann man denn da noch glauben?

Portrait von Digger Barnes
  • 12.12.2015 - 14:05

Bei mir müssen alle "Systemblitz-Vorhänge" gerade in der Reinigung sein. Oder gibt es noch einen Grund, warum ich, trotz intensiver Suche, keinen gefunden habe?

Portrait von psd_list
  • 12.12.2015 - 12:08

Sehr Gut! Danke!

Portrait von Schattenrabe
  • 12.12.2015 - 12:01

vielen Dank für das tolle Tutorial. Ich kann viel davon für mein liebstes Hobby verwenden.

Ein Problem habe ich allerdings: Ich habe eine Lücke zwischen Teil 6 + 8 weil ich Teil 7 nicht finden kann.

Portrait von pkub
  • 12.12.2015 - 11:38

Gut erklärt - danke sehr

Portrait von renate_C
  • 12.12.2015 - 11:15

Ich bedanke mich für dieses interessante Tutorial.

Portrait von herbiemaus
  • 12.12.2015 - 11:14

Vielen Dank! Man lernt doch immer noch dazu: Das mit dem kleinen Vorhang über der Blitzröhre beim Systemblitz scheint aber auch echtes Insiderwissen zu sein ...

Portrait von Caesarion2004
  • 12.12.2015 - 10:55

Vielen Dank für das informative Tutorial.

Portrait von arko2013
  • 12.12.2015 - 10:50

Vielen Dank für dieses interessante und lehrreiche Tutorial.

Portrait von Domingo
  • 12.12.2015 - 10:30

Vielen Dank.

Portrait von 01er
  • 12.12.2015 - 09:03

Danke für die Ausführungen.

"Bei Systemblitzen zum Beispiel fährt ein kleiner Vorhang über die Blitzröhre und je nachdem, wo diese gerade steht, kommt dort kein Licht heraus."

Systemblitze haben einen Vorhang? Das ist mir neu! Welchen Sinn soll das haben?

Portrait von KKris
  • 12.12.2015 - 10:29

Keinen! Systemblitze haben keinen Vorhang. Das schwarze Bild oder die schwarzen Streifen entstehen durch die Vorhänge des Verschlusses der Kamera. Wird auch im Forum in mehreren Threads thematisiert. Z.B.: https://www.psd-tutorials.de/forum/threads/mit-blitz-fotografieren-unter-1-200.137263/

Portrait von TorstenA
  • 12.12.2015 - 08:46

Danke, gut gemacht mit der richtigen Menge an Tiefe, Ausführlichkeit und Vokabular.

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