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Tutorialbeschreibung

Teil 06 - Shootingablauf

Teil 06 - Shootingablauf

Hier schreibe ich weder vor, wie ein Shooting abzulaufen hat, noch wie man es machen sollte. Ich beschreibe hier, wie es bei mir abläuft, und vielleicht kann der ein oder andere praktische Tipps herauslesen. Ich gehe hier von einem Privat-Shooting im Studio aus (Person die fotografiert werden soll, möchte Fotos für sich haben), damit man es als Hobbyfotograf dennoch nachvollziehen kann.

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Um gut vorbereitet in ein Shooting zu gehen, macht man ein vernünftiges Konzept (siehe vorherige Kapitel). Wenn das gemacht ist, sind viele Probleme oder Fragen schon aus dem Weg geräumt. Unter anderem die Zeitplanung, Kostenplanung, Locationfrage, etc.

Das Ganze muss aber auch genau auf den Punkt organisiert werden. Alles, was einen bei einem Shooting behindern könnte, schafft man also aus dem Weg.

Nach dem Konzept suche ich dann auch das Modell. Ich arbeite meistens mit Modellen aus Agenturen zusammen; wer Hobbymodelle aussucht, sollte bei der Wahl SEHR kritisch sein. Genauso wie die Locations, nur, dass ich mir vorher diverse Locations peinlich detailliert notiere (mit Anschrift, Fotos, Kontaktperson & Rufnummer, Kosten, Anmeldung, Genehmigung, ... etc.)

Ich habe mir eine Kartei aufgebaut, so kann ich mir immer leichter Locations suchen. Auch für Locations gibt's Agenturen, allerdings ist das sehr teuer. Wenn ich mir also die Location ausgesucht habe, muss ich die dann auch dingfest machen, sodass mir da nichts dazwischenkommt (Wetter beachten).

Hier ein Beispiel, wie ich mir Locations notiere.

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Ich gehe heute von einem Studioshooting aus; da ich ein eigenes Studio habe, brauche ich keins zu mieten. Wer keins hat, mietet einfach meins. ;-)

Dem Visagisten schickt ihr natürlich vorab nicht nur die Uhrzeit, sondern auch Scribbles und/oder Ausschnitte aus Magazinen, um das Styling zu verdeutlichen. Dazu noch Fotos vom Modell, so kann sie/er sich besser ein Bild machen.

Das Wichtigste vor dem Shooting ist der Vertrag. Es gibt immer diverse Diskussionen um den Vertrag - wer was wie darf oder nicht. Ich mache es ganz einfach so: Alle Rechte werden übertragen; wer das nicht möchte, muss auch kein Shooting machen. Das liegt daran, dass ich es beruflich betreibe, sodass ich keine Lust habe, bei eigenen Projekten auch ständig irgendeine Erlaubnis einholen zu müssen. Dafür haben die Modelle auch Verständnis. Wenn man mit einer Agentur zusammenarbeitet, muss man die Verwendung der Fotos klar definieren. Das sogenannte Testshooting oder in Hobbykreisen auch "tfp" genannt, dient zur beiderseitigen Portfolioerweiterung und nicht zum Verkauf oder kommerziellen Einsatz der Bilder. Für etwas anderes braucht man die Bilder als Hobbyfotograf in der Regel auch nicht.

Tipp: Hier findet man eine Vorlage dazu www.stack.de/modelvertrag-tfp.pdf.

Der Vertrag sollte mindestens eine Woche vorher unterschrieben auf eurem Tisch liegen. Vertrauen ist gut, aber der Job macht auf Dauer keinen Spaß, wenn man doch ab und an versetzt wird. (Mit der Methode hat mich noch nie ein Modell versetzt).

Wichtig ist auch, dass man von dem Modell alle wichtigen Infos wie: Sedcarddaten, Telefonnummer und E-Mail hat. Die Sedcarddaten braucht man, falls ein Designer oder Fashionstylist nach der Kleidergröße fragt. Die Telefonnummer, damit man das Modell schnell erreichen kann, sollte das Modell tatsächlich zu spät kommen, oder noch etwas mitbringen, o.Ä.

Um dem Modell anschließend die Bilder senden zu können, braucht man die email-Adresse. Natürlich kann es sein, dass das Modell alles schon einmal per Mail geschickt hat. Aber was ist, wenn ihr eine Anfrage habt von einem Käufer und ihr erreicht das Modell nicht, weil die E-Mail weg ist?

Verträge werden schön ordentlich weggeheftet und sichern einem nicht nur das Recht an den Bildern, sondern auch alle Infos zu dem Shooting.

Noch ein wichtiger Punkt vor dem Shooting ist die zeitliche Organisation. Das heißt, man sollte alles so organisieren, dass alle auch zur richtigen Zeit kommen und keiner warten muss. Um sicherzugehen, dass ein Modell auch wirklich kommt, empfehle ich jedem, in den Vertrag mit aufzunehmen, dass das Modell bei nicht eingereichtem ärztlichen Attest für die Kosten des Shootings aufkommen muss.

 
Bevor ein Shooting gemacht wird, bekommen nochmals alle Beteiligten ein paar Tage vorab eine Mail mit allen wichtigen Eckdaten.

• Wer wann kommt
• Wo das Studio/Location ist (inkl. Anfahrt)
• Was gemacht wird und worauf es beim Shooting ankommt (Stimmung)
• Infos fürs Modell (weiblich), bei Männern eben gekürzt:
• Welche Kleidung, Accessoires etc. sie mitbringen soll ...
• Wann sie kommen soll
• Sie kann ein sanftes Peeling am Tag vorher machen
• Sie sollte keine engen oder schnürenden Klamotten anhaben, Schlabberlook ist angesagt
• Ungeschminkt kommen und Haare gewaschen (keine Spülung verwenden).

Am Vortag wird gecheckt, ob alle Technik da ist und ob die Akkus geladen sind. Ggf. sollte hier spätestens der Aufbau der Requisiten fertig sein; wenn es ein größerer Aufwand ist, macht es mehr Spaß, frisch in ein fertiges Set zu gehen, als neu aufbauen zu müssen und k.o. anzufangen.

Selbstverständlich kommt der Fotograf oder zumindest jemand vom Fotografenteam vor allen anderen und achtet noch drauf, dass das Studio ordentlich und sauber ist. Besorgt vorher noch was zu trinken, und wenn es lange geht, was zu essen, sonst wird es anstrengend ...

Jetzt kann es losgehen. Ich achte immer darauf, dass der Make-up-Artist und Fashionstylist früher kommt als der Kunde oder das Modell. So habe ich Zeit, den Ablauf, das Make-up und das Styling zu besprechen. Da wir von einem Privatshooting ausgehen, stelle ich die technischen Sachen nicht vor der Ankunft des Kunden auf, sondern nutze die Zeit, die das Modell in der Maske sitzt.

 
Wenn das Modell eintrifft, biete ich ihr und dem Make-up-Artist etwas zu trinken an.

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Anschließend hängen wir alle Sachen auf den Ständer, damit wir eine Übersicht haben.

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So kann ich nun die Sets zusammensuchen, die fotografiert werden. Da darf man sich schon mal Zeit lassen. Natürlich gebe ich dem Modell vorab Bescheid, was sie alles mitbringen sollte. Und/oder ich habe auch noch Outfits von Designern hier, die dann als Kombination bereitstehen. Ich lege also noch die Reihenfolge fest, wie die Outfits geshootet werden.

 
Je nachdem, was man machen möchte, sollte das Modell schnellstmöglich alle engen und einschnürenden Sachen ausziehen (vor allem BH, Socken, enge Jeans, ... Bequeme Kleidung, die schnell und einfach wechselbar ist, ist dafür genau das Richtige, so zerstört man auch nicht das Make-up und die Frisur. Sollte man mit ausgewählter Mode arbeiten, die relativ eng ist, muss sich das Modell vorher umziehen. Ein wenig Acht drauf geben, dass nicht alles zerknittert. Ein gut sortiertes Mietstudio hat auch ein Bügelbrett und ein Bügeleisen da, was auch genutzt werden sollte, sonst ärgert man sich hinterher.

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Während das Modell geschminkt wird, kann man ruhig schon dem Shooting entsprechende Musik anmachen und das Team darauf einstimmen.

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Bei Privatshootings würde ich jetzt anfangen, das erste Set aufzubauen. Dabei beachte ich, dass ich auch für die nächsten Sets alles griffbereit, evtl. auch schon vorinstalliert habe. Wenn alles zügig geht, ist es für das ganze Team, vor allem aber für das Modell, wesentlich angenehmer. Denn man sollte sich beim Shooting nicht auf die Technik, sondern auf das Modell konzentrieren.


 

Ein "standardisierter" Studioaufbau ...

..., den es gestalterisch nicht gibt, jedoch aber in den Grundzügen technisch sehr wohl, sieht bei mir folgendermaßen aus:

• Hintergrund ausrollen und befestigen.

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• Blitze auf die entsprechend gebrauchten Stative setzen und Lichtformer und/oder Boxen bereitlegen und montieren.

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• Blitze an Generator anschließen.

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• Funkauslöser anstecken, anstellen und alles testen.
• Stativ aufstellen (auch wenn man keins braucht, kann man die Kamera schnell sicher "parken").

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• Speicherkarte formatieren nicht vergessen.
• MacBook Pro + Kontrollmonitor aufstellen (darauf achten, dass das Modell nicht auf den Monitor sehen kann, das lenkt ab).

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• Kamera für Tethering anschließen (so kann ich in den Rechner hinein fotografieren und schnell besser kontrollieren).

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• Licht einstellen, Kamera einstellen, Assistenten positionieren, Testschüsse machen, auf dem Monitor kontrollieren.
• Bearbeitung kurz testen, wenn alles passt, kann es losgehen.

Zwischendurch schaue ich, was die Maske macht, da ich gerne genau sage, wie ich das Styling haben möchte.

Nach dem Make-up wird das Outfit angezogen und zurechtgezuppelt. Das machen wir am besten direkt vor Ort. Achtung: Bevor das Modell auf den Hintergrund rennt, sollten die Sohlen noch mal gereinigt werden, sonst habt ihr ziemlich schnell den Hintergrund eingesaut. (Fensterreinigungsmittel und Küchentücher reichen da).

So, jetzt viel Spaß haben, dem Modell einheizen (hier gilt wieder Kapitel 5, Modelumgang). Während des Shootings sollte man ab und an kontrollieren, ob alles sitzt oder ob der Make-up-Artist nochmals nachhelfen muss.

Praktischerweise kann beim "Tethering-Shooting" die Visagistin direkt sehen, was ich fotografiere und auf das Make-up und die Haare achten. Meine Assistenten sind eingewiesen und geben mir auch Bescheid, sollte irgendetwas nicht funktionieren. Ich selbst checke nämlich selten den in die Kamera integrierten Monitor, es sei denn, ich wechsle die Einstellungen, aber selbst da schau ich lieber auf den Kontrollmonitor.

 
Auch wenn man mit einem Kunden arbeitet, ist der Kontrollmonitor sehr praktisch, denn er kann auch sehen, was gearbeitet wird. Bei Privatshootings kommt es durchaus vor, dass Begleitpersonen mitgebracht werden. Sie würden beim Shooting viel zu sehr ablenken und hemmen, auch hier ist das Tethering praktisch, denn sie können auch im Nebenzimmer zusehen, was für Fotos entstehen.

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Ehrlich gesagt kann ich bei einem Shooting die Zeit selbst nicht einschätzen, deswegen sollte man einfach drauf achten, dass einem das Modell nicht aus den Latschen kippt. Bei längeren Shootings sollte man Pausen einlegen und auch mal etwas essen. Auch sollte man darauf achten, dass man das Studio ordentlich hält, sonst verheddert man sich schnell und die Atmosphäre leidet drunter.

Am Ende des Shootings packen Make-up-Artist, Modell und Fotograf zusammen. Wenn alles fertig in den Koffern ist, tut dem Modell den Gefallen und schaut im Bad nach, ob sie nicht ihre Ringe oder Ähnliches vergessen hat.

Anschließend zeige ich immer dem Kunden (in dem Fall dem Modell), wie das Modell erwarten kann, die Bilder zu erhalten. Zunächst bekommt sie ein paar Fotos kleingerechnet mit Wasserzeichen, so kann sie sich vorstellen, wie die Bilder am Ende aussehen (und gleichzeitig gelten die bearbeiteten Fotos als meine Empfehlung). Dazu bekommt sie alle Bilder als Kontaktabzug, um eine Übersicht über alle Fotos zu haben, die gemacht wurden. So kann das Modell sehr einfach und schnell ihre Fotos aussuchen. Wie das geht, zeige ich im Kapitel "Photoshop Workflow".

Wenn alles soweit klar ist, darf man noch was zusammen trinken. Wenn alle Beteiligten aus dem Studio gegangen sind, gleich das Studio sauber machen und alle Spuren des Shootings beseitigen! So erspart man sich, dass sich Unordnung anhäuft, und man hat vor dem nächsten Shooting weniger zu tun.


 

Checklist:

• Location klar machen (Studio frühzeitig mieten)
• Allen Teilnehmern Termine und ca.-Ablauf zusenden
• Verträge aufsetzen und per E-Mail vorab den Beteiligten senden
• Verträge archivieren
• Ein paar Tage vorab: zusammenfassende E-Mail an alle Beteiligten (vor allem Modell)
• Am Vortag: Technik, Akkus, Verpflegung checken

• Empfang
• Styling besprechen
• Reihenfolge besprechen
• Sachen aufhängen
• Getränke anbieten
• Technik aufbauen
• Tethering installieren
• Shooten

• Pausen und Essen nicht vergessen
• Dem Kunden/Modell sagen, was er/sie nach dem Shooting zu erwarten hat (Kontaktabzüge, ...)


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Kommentare
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Portrait von maria67
  • 09.06.2017 - 21:12

merci vielmals für die infos

Portrait von Scarface1995
  • 01.06.2014 - 10:40

Gutes Tutorial. Sehr interessant und aufklärend!

Portrait von Rimek
  • 18.03.2014 - 13:20

Sehr hilfreich. Danke!

Portrait von AJDAN_xD
  • 03.07.2013 - 15:43

Danke für den Einblick hinter die Kulissen.

Portrait von AJDAN_xD
  • 06.06.2013 - 14:35

Ziemlich proffesionell und ausführlich beschreiben...alternativen für hobbyfotografen mit weniger ausstattung wären gut...

Portrait von vickiticki
  • 15.05.2013 - 12:22

war sehr interessant mal hinter die kulissen zu schauen...

Portrait von Lexi_
  • 05.03.2013 - 08:30

Hat mir sehr weitergeholfen. Danke!

Portrait von klickklick
  • 15.02.2013 - 15:30

Vielen Dank! Hat mir sehr geholfen.

Portrait von Elevenfourteen
Portrait von Gismo77
  • 13.06.2012 - 00:13

Super Tutorial, find ich sehr Informativ

Portrait von Fotolaborantin
  • 27.04.2012 - 08:20

Dankeschön für diese Informationen. Da kann man sich immer noch einiges abgucken und seinen eigen Ablauf optimieren

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 07.04.2012 - 20:12

klasse Tutorial, finde ich sehr informativ

Portrait von MDesigner
  • 22.03.2012 - 23:48

Interessant zu wissen, wie es bei anderen Fotografen abläuft.

Portrait von julix
  • 07.02.2012 - 18:04

Für Hobbyfotografen viel zu viel aber trotzdem hilfreich und interessant!
Für Leute die die Fotografie als 2. Standbein haben sicherlich auch interessant.
Danke!

Portrait von friloo
  • 19.09.2011 - 15:22

Super coole Tipps.... Zusätzlich würde mich interessieren, was so ein Beispiel-Shooting wie in diesem Kapitel demonstriert für einen Kostenfaktor hat. ;)

Portrait von 8lub
  • 10.09.2011 - 17:44

toll erklärt. dankeschön!

Portrait von hamsibone
  • 05.08.2011 - 23:11

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von darkvelvet
  • 25.07.2011 - 13:09

jede menge tipps,vielen dank dafür!

Portrait von oksanasfotogalerie
  • 12.06.2011 - 23:08

sehr informativ , bin anfänger und konnte mir einen einblick verschaffen

Portrait von Elle_cH
  • 18.05.2011 - 16:07

Hab einen ähnlichen Ablauf. Auch schön zu lesen, dass ich nicht die einzige bin, die kein Rohmaterial rausgibt und die Vorschauen mit Wasserzeichen versieht.

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