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Tutorialbeschreibung

Reisefotografie: Teil 04 - Das Beste aus Schnappschüssen herausholen

Reisefotografie: Teil 04 - Das Beste aus Schnappschüssen herausholen

Dieses Tutorial informiert mehr über die Möglichkeiten in Photoshop als über die Herangehensweise an Schnappschüsse. Offensichtlich. Vielleicht interessiert einige, dass der Begriff Schnappschuss ursprünglich aus dem Jägerjargon stammt. So wurden etwa Schüsse genannt, die ohne genaues Zielen abgegeben worden sind. Sicherlich können Sie sich vorstellen, dass es Schnappschüsse gibt, die eben einfach nur Schnappschuss bleiben. Sprich: nicht verwertbar. Allerdings gibt es eben auch die Art Schnappschuss, bei der man merkt, dass das Bild mehr zu bieten hat. Wie man diese entsprechend in Szene setzt, zeige ich heute an einem Beispiel.

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Ich werde nun Schritt für Schritt erklären, was ich in Photoshop gemacht habe. Ich hoffe, Sie kommen mit und verstehen alles. Gewisse Grundkenntnisse in Photoshop bei Ihnen setze ich mal voraus, sonst wird dieses Tutorial zu umfangreich und lenkt zu sehr vom Thema ab. Die jeweiligen Aktionen sind mit Shortcuts gekennzeichnet.

Junge mit Zigarette auf dem Land, bei Don Det, Laos:

Bilder

Verschlusszeit: 1/400 ƒ: 11 ISO: 200 Dateiformat: RAW CR2.


Das Originalbild. Dieses Bild ist aus einem echten Schnappschuss entstanden. Ich habe den Jungen gesehen und den Auslöser gedrückt. Kurz darauf nahm er die Zigarette aus dem Mund und ich hatte keine Zeit mehr, mich um den Jungen zu drehen, mit ihm vielleicht zu kommunizieren oder das Licht zu checken. Da ich nun mit diesem Bild zurechtkommen musste, zeige ich Ihnen, was ich in Photoshop soweit verändert habe, dass der Eindruck, den ich beim Machen des Bildes hatte, auch deutlicher rüberkommt. Ich werde hier in der Ausführung der einzelnen Schritte in manchen Fällen deutlich übertreiben, damit die Unterschiede besser sichtbar werden.


 
Das Originalbild:

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Das RAW-Bild habe ich zweimal geöffnet. Einmal mit einer Belichtungskorrektur, die den Jungen mehr ausleuchtet, und dann mit einer, die den Himmel besser hervorhebt.

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Diese beiden Bilder lege ich übereinander und verändere das dunklere noch mal in seinen Gradationskurven (Strg+M).

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Mit dem einfachen Maskenprinzip lege ich mir eine Maske über das dunklere (obere) Bild und zeichne mit dem Pinsel (B) die Stellen weg, die ich hell haben möchte. Bitte denken Sie daran, dass es eben nicht nur Schwarz und Weiß gibt im Maskenmodus, sondern noch sehr viele unterschiedliche Grautöne dazwischen. Spielen Sie also ruhig ein wenig mit der Deckkraft des Pinsels und gestalten Sie es nach Ihren Wünschen. Anschließend werden die Ebenen zusammengefügt (Strg+E).

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Das Bild, also die Ebene, kopieren und bitte wieder einfügen. Dieser Schritt - die Ebenen zusammenfügen und wieder neu kopieren, aufeinanderlegen und mit einer Maske nur gewisse Bereiche der Veränderung zeigen - wiederholt sich übrigens in fast jedem Schritt. Bei dem dunkleren Bild drehe ich die Sättigung (Strg+U) etwas raus, um das Grün weniger in den Vordergrund zu holen.

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Allerdings achte ich immer darauf, dass, wenn ich die Umgebung (Gras und Bäume) in ihren Farben entsättige, dabei nicht die Gesichtstöne ebenfalls ins Grau gehen, sondern dass diese eben eine gesunde Farbe behalten. Hierzu lege ich mir wieder eine Maske an und stelle den Jungen mit dem Pinsel frei.

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Manchmal kann es helfen, das obere Bild zu invertieren (Strg+I). Somit sehe ich besser, wo ich mit dem Pinsel schon war und wo nicht. Sicherlich kann man hier auch die rote Maskenansicht benutzen. Ich persönlich bevorzuge die Variante des Invertierens mehr, da die Kontraste von hell und dunkel deutlicher zeigen, wo man schon gearbeitet hat.

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Nachdem ich nun die Auswahl mit dem Pinsel in der Maske getroffen habe und ich mir sicherlich vorstellen kann, dass ich den Umriss des Jungen noch mal gebrauchen kann, wähle ich mir diese Auswahl aus, indem ich mit dem Cursor auf die Maske gehe, diese per Strg+Klick markiere, eine neue Ebene erstelle (Shift+Alt+Strg+N) und mit dem Farbeimer-Werkzeug (G) weiß fülle.

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Nun ist es an der Zeit, das Bild ein wenig nachzuschärfen. Meistens mache ich dies über den Unscharf maskieren-Filter. Dort kann ich am besten regeln, inwieweit ich das Bild schärfen möchte.

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Mit Strg+Klick auf die oberste Ebene (nämlich unsere vorher ausgewählten Umrisse des Jungen) füge ich mit dem Maskensymbol-Button unten im Ebenenfenster der mittleren Ebene eben genau wieder diese Maske hinzu und ...

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... bearbeite diese weiterhin noch etwas mit dem Pinsel (B). Mit dem Pinsel werde ich jetzt noch mal meine hellen und dunklen Bereiche ausarbeiten. Die obere Ebene mit dem weißen Jungen werde ich nun nicht mehr brauchen und befördere sie in den Papierkorb.

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Nun wird das alte Spiel für eine kleine Gradationskurvenänderung noch mal wiederholt: Ebenen zusammenfügen, alles auswählen, kopieren und wieder einfügen (Strg+E+A+C+V). Die Strg-Taste kann dabei wirklich gedrückt gehalten werden und muss nicht bei jedem einzelnen neuem Shortcut losgelassen und erneut gedrückt werden. Das mal so als Tipp.

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Mit der Maskenfunktion und dem Pinsel hebe ich mir noch mal die Teile heller hervor, die das Motiv am meisten ausmachen: Die Steine und den Jungen mit Motorrad.

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Strg+E+A+C+V. Nun kommt noch eine kleine Besonderheit, die dem Bild noch etwas mehr Glanz verleihen wird, auch wenn diese Funktion das Bild oft etwas fleckig werden lassen kann. Unter den Filterfunktionen finden Sie fast ganz unten unter dem Reiter Andere (Other) den Filter Hochpass (High Pass). Mit diesem Filter kann man wunderbar Kanten mehr zum Leuchten bringen. Je nach Ausgangsgröße des Bildes muss hier der Regler verschoben werden.

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Diese erstellte Ebene setze ich im Ebenenmodus auf Strahlendes Licht (Vivid Light).

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Und wieder arbeite ich mir mit dem Pinsel eben nur die Teile heraus, die ich gerne in den Kanten noch etwas betont haben möchte. In dem Fall hier sind es die Steine, den Jungen und die Häuser.

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Einen Schritt habe ich nun weggelassen, da der sich immer wieder wiederholt. Strg+E+A+C+V und die Anwendung von Gradationskurven, die obere Ebene etwas dunkler und mit der Maskenfunktion und dem Pinsel herausarbeiten. Nun gefällt mir das Bild schon ganz gut. Ich hätte die Stimmung allerdings gerne ein bisschen wärmer. Ich erstelle eine neue Ebene und fülle sie mit dem Füllwerkzeug (G) mit einem kräftigen Gelb.

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Diese wird dann im Ebenenmodus auf Multiplizieren (Multiply) gesetzt und ...

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... anschließend auf eine Ebenendeckkraft von etwa 40% gebracht.

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Wie viel das genau ist, ist wieder Geschmackssache.

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Und auch hier arbeite ich wieder mit dem Pinsel eben nur die Teile heraus, die ich evtl. etwas weniger gelb haben möchte.

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Wir sind also am Ziel angelangt und haben aus einem Schnappschuss ein hübsches Werk gemacht. Ich denke, das Tutorial besteht im Grunde genommen nur aus ganz einfachen Grundfunktionen und erfordert meines Erachtens mehr Gefühl dafür, welche Teile heller gemacht werden und welche dunkler und in welchem Ausmaß. Das muss jeder selber für sich entscheiden und das ist bei jedem Bild natürlich auch wieder anders.

Wichtig ist allerdings, dass man wirklich alle digitalen Bilder grundsätzlich schärfen sollte. Wenn man dann nur die Teile schärft, die am meisten herausstechen sollen, dann ist der Effekt noch größer, wie bei den Augen zum Beispiel. Ich hoffe, Sie probieren jetzt mal Ihre eigenen Schnappschüsse aus.

Des Weiteren würde ich gerne noch hinzufügen, dass diese Art der Bearbeitung ein Bild vielleicht besser aussehen lässt, aber eben nicht das Bild an sich besser macht. Ich stelle beim Bearbeiten meiner Bilder also immer ganz gut fest, ob mir ein Bild wirklich gefällt, weil ich mich eben intensiv damit auseinandersetze. Mittlerweile bearbeite ich meine Bilder immer weniger.

Viel Erfolg!


Kommentare
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Portrait von Figib
  • 22.06.2014 - 20:38

Vielen Dank für das Tutorial!!!

Portrait von Yammy
  • 11.02.2014 - 08:05

vielen Dank für deine Arbeit

Portrait von spuellana
  • 27.10.2012 - 13:55

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 17.08.2012 - 08:36

Gutes tut. danke. Werde ich gleich einmal ausprobieren.

Portrait von Xeledor
  • 16.08.2012 - 07:26

Gute Arbeit; vielen Dank dafür. :)

Portrait von binifada
  • 08.05.2012 - 10:38

Bildmanipulation gehört meiner Meinung nach nicht in diese Serie!

Portrait von asteri
  • 27.11.2011 - 18:07

Gefällt mir sehr gut, vielen Dank. Können auch in jpg Bilder auf diese Weise bearbeitet werden?

Portrait von intaphaze
  • 05.10.2011 - 18:38

Super erklärt! Ein sehr schönes Ergebnis. Toller Look!

Portrait von Janey
  • 06.08.2011 - 12:17

Hat mir wirklich sehr geholfen. Danke!

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 11:13

sehr gut beschrieben ... ich werd gleich mal an meinen fotos noch was tun ...

Portrait von juliafox89
  • 03.01.2011 - 02:46

Für mich als Anfänger in ps kurz um ein gutes tutorial

Portrait von Didi88
  • 03.10.2010 - 20:20

Hast du sehr gut gemacht.

Portrait von hellraiser81
  • 09.07.2010 - 17:39

Leicht und verständlich auch für Photoshop Anfänger. Vielen Dank.

Portrait von pk_cologne
  • 06.07.2010 - 23:20

brauchbare anregungen, danke!

Portrait von casper_david
  • 13.03.2010 - 23:57

sehr gutes tut...verständliche erklärung!

Portrait von Phylly
  • 05.02.2010 - 14:45

gut verständlicher workflow

Portrait von Writersdream
  • 05.01.2010 - 21:10

Das nenne ich Profitricks! So weit bin ich mit meiner Photoshop-Erfahrung noch nicht, dass ich mich an eine solche Bildbearbeitung ranwagen würde, aber ich finde es sehr interessant zu sehen, wie es Profis machen. Und das Tutorial wird mir in Zukunft sicherlich noch gute Dienste leisten!

Portrait von gambia
  • 22.12.2009 - 05:09

hab wieder was dazugelernt tollt Idee, werde es demnächst ausprobieren
Danke schön lund liebe Grüsse aus Österreich

Portrait von buddler
  • 06.11.2009 - 16:54

super tut...wahnsinn:-)jedoch eher in die kategorie photoshop einzuordnen

Portrait von cermit22
  • 19.10.2009 - 20:04

Sehr gute Beschreibung, auch für Anfänger gut nachvollziehbar. Der Trick mit dem Hochpassfilter zum Betonen der Kanten hat mich überzeugt, diesem Filter auch in meinen Bildern einzusetzen.

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