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Tutorialbeschreibung

Reisefotografie: Teil 05 - Menschen allgemein

Reisefotografie: Teil 05 - Menschen allgemein

Dieses Tutorial beschäftigt sich mit der Herangehensweise an das Fotografieren von fremden Menschen. Ich werde in diesem Tutorial Tipps geben, wie man am besten auf Menschen zugehen kann, sich die Angst nimmt, zu fragen, ob ein Foto gemacht werden darf und andere Tipps.

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Das Schwierigste für die meisten Menschen ist sicherlich das Zugehen auf Menschen, um sie zu fragen, ob man ein Foto machen darf. Gerade in Ländern, in denen wir die Sprache nicht sprechen und uns mit Händen und Füßen verständigen müssen, fällt es schwer, sich zu nähern und die alles entscheidende Frage zu stellen: "Dürfte ich Sie fotografieren?"

Wenn man diese Hürde überwunden hat und Menschen mit seiner Kamera gegenübersteht und fotografiert und die Menschen das sogar mögen und nach mehr Bildern fragen, fragt man sich, warum man so lange gezögert hat.

Insofern kann ich hier den Fotografen nur ermutigen zu fragen. Schlechter als ein "Nein" wird die Antwort nicht ausfallen. Eine andere Herangehensweise, die ich ebenfalls oft benutze: Ich unterhalte mich mit den Leuten erst mal eine geraume Zeit und gewinne dadurch ein gewisses Vertrauen. Je mehr man mit den Leuten zusammen ist und sich persönlich mit ihnen beschäftigt, desto fasst der andere Vertrauen zu einem. Die Kamera wird mehr und mehr zur Nebensache.

Sich hinter seiner Kamera zu verstecken und Konversationen nicht stattfinden zu lassen, führt auch dazu, dass diejenigen, die Sie fotografieren, nicht verstehen, warum Sie sie fotografieren wollen. Oft kann eine kleine Bemerkung wie: "Ihr Hut gefällt mir gut", "Ihr Kleid passt prima zum heutigen Wetter", oder so etwas in der Richtung die Stimmung auflockern und ein Thema vorgeben, über das man sich unterhalten kann.

 
Varanassi, Indien; ein Sadu, der meinen Weg kreuzte. Ich zeigte ihm meine Kamera, deutete darauf und zeigte anschließend auf ihn. Er stimmte zu und ich nutzte die Chance, nicht nur ein Bild zu machen, sondern mehrere. Das Glück bei diesen Menschen ist, dass sie sich nicht verstellen wollen (nicht eine Pose einnehmen) und deshalb oft ihren natürlichen Gesichtsausdruck beibehalten.

Bilder

Verschlusszeit: 1/800 ƒ: 2.0 ISO: 200.


 
Wir kennen es zu oft aus unseren Regionen, den entwickelten Teilen dieser Erde, in der die Digitalkamera nichts Besonderes mehr ist und jeder weiß, was diese Kamera kann und macht. Sie macht ein Abbild von uns, und in unserer Eitelkeit sehen wir uns auf einmal von außen. Wir korrigieren unser Haar, lächeln, sagen vielleicht sogar Nein, weil man sich nicht schön genug fühlt oder schneiden Grimassen, um uns vollends zu entstellen.

Dieser Mechanismus, der dort ausgelöst wird, ist ebenso faszinierend wie auch meiner Ansicht nach störend. Denn sehen wir jemanden auf der Straße, weil wir ihn in seiner Körpersprache und in seiner Gestik interessant finden, dann gehen wir zu demjenigen hin und fragen um Erlaubnis. Doch nach Gestattung ist all der Zauber fort und wir können auf dem Rückteil unserer heutzutage meist digitalen Kamera nicht die Faszination wiederentdecken, die wir davor noch (vor dem Fragen) spürten. Der Fotografierte scheint nun auf dem Bild ein anderer zu sein, als der, dem wir gegenüberstehen.

Was also machen? Nicht fragen, einfach drauf losfotografieren und das festhalten, was interessant erscheint! Dann aber sind wir wieder der Rüpel, der sich um die Gefühle und Bedürfnisse anderer nicht kümmert und einfach skrupellos drauflosfotografiert. Gibt es also einen Mittelweg?

Ich denke schon, auch wenn dieser sehr schwierig und grundsätzlich nicht auf alle Situationen anwendbar ist. Manche Situationen erfordern eben, dass man schnell reagiert und das Foto macht, ohne zu fragen. Denn wer immer fragt, wird schnell merken, dass er zwar immer mit den Personen in Übereinkunft getreten ist, aber immer die gleiche Art und Weise von Foto erhalten wird. Stellen Sie sich den Kriegsfotografen vor, der immer fragt, bevor er ein Bild macht - einfach nicht machbar.

Andere Fotografen wieder machen es anders, sie machen sich in ihrer Nachbarschaft oder an bestimmten Orten bekannt, als diejenigen, die eben immer fotografieren.

Sie fotografieren ihre Umgebung oder begleiten Leute für ein Stück deren Lebens und das eben als Fotograf. Die Menschen gewöhnen sich an die Kamera und der Fotograf hat somit eben sehr viel mehr Chancen, Fotos zu machen, die nicht gestellt sind, sondern eben natürlich rüberkommen. Dass für diese Art der "Reportagefotografie" oder auch Dokumentation eine gewisse Zeitspanne erforderlich ist, macht Sinn. Denn je länger wir eben anwesend sind und fotografieren, desto mehr wächst auch die Beziehung zwischen uns und den Fotografierten. Das Festhalten von wahren Gesichtsausdrücken und Emotionen ist somit viel einfacher.

Ich denke aber auch, dass, je mehr man bereits fotografiert hat und je mehr Erfahrungen man bereits gesammelt hat, sich also immer wieder auf neue Situationen einzustellen gelernt hat, es umso einfacher wird, sich den "wahren" Gesichtsausdrücken zu nähern, ohne eine lange Zeit mit den Fotografierten zu verbringen.

 
Ich kann in dieser Hinsicht nur empfehlen, damit anzufangen, Familie und Freunde viel zu fotografieren. Wir persönlich finden Bilder von Freunden und Familie wahrscheinlich eher weniger spannend, weil es nach unserer Ansicht nicht mehr viel zu entdecken gibt oder weil wir das Erscheinungsbild schon gewohnt sind. Andere kennen Ihre Freunde und Familie aber nicht, und somit wird der Betrachter Ihres Bilder eben wieder das Fremde und Unbekannte, da er die Personen nicht kennt, und zugleich das Vertraute in Ihren Fotografien wiederfinden.

Ein junger Bäckermeister in Calcutta.

Bilder

Verschlusszeit: 1/400 ƒ: 2.0 ISO: 200.


In dieser Bäckerei wurde mir freie Hand gelassen zu fotografieren. Selbstverständlich werden Sie manchmal nicht darum herumkommen, alle Personen nacheinander zu fotografieren und ihnen die Fotos dann per Email zukommen zu lassen.

 
Zwei junge Herren, die mich um ein Foto baten.

Bilder

Verschlusszeit: 1/30 ƒ: 1.8 ISO: 400.


 
Ein Verkäufer auf dem Markt in Kashi (Kaschgar) im Westen Chinas.

Bilder

Verschlusszeit: 1/125 ƒ: 8.0 ISO: 200.


 
Sadu rund um die Verbrennungsanlage in Varanassi.

Bilder

Verschlusszeit: 1/30 ƒ: 2.0 ISO: 400.


 
Eine Frau in Kalkutta zwischen 2 Häuserzeilen in den Slums.

Bilder

Verschlusszeit: 1/60 ƒ: 2.8 ISO: 200.


 
Ein Cowboy (angeblich der Neffe von John Wayne) an der Westküste der USA.

Bilder

Verschlusszeit: 1/160 ƒ: 8.0 ISO: 200.


Als ich anfing, ihn zu fotografieren, kam er auf mich zu, gab mir 20 Dollar und bat um weitere Fotos, die ich von ihm mache und die ich ihm dann schicken sollte. Manchmal werden Sie eben abgewiesen und manchmal nutzen die Leute Ihr Interesse, und dies ist eine gute Gelegenheit, das auch für sich zu nutzen.

 
Ein Junge in einem kleinen Dorf in Laos bei Luang Prabang.

Bilder

Verschlusszeit: 1/250 ƒ: 8.0 ISO: 800.


 
Ich würde gerne noch mal festhalten:

Je länger Sie sich mit einer Person beschäftigen, je länger Sie sich Zeit nehmen für eine Person oder Landschaft oder Auto was auch immer, desto größer hinter her die Auswahl bei Ihrem Motiv.

Sie werden viel mehr für sich lernen, wenn Sie sich mit den Menschen beschäftigen und länger zusammen sind. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass es zu den Bildern eben mehr zu erzählen gibt als nur den Ort und die Uhrzeit. Eine gemeinsam länger verbrachte Zeit lässt ihre Fotografien automatisch persönlich wertvoller werden, da Sie mit den Personen eben wirklich in Kontakt standen und nicht einfach drauflosgeknipst haben.

Bilder

Verschlusszeit: 1/100 ƒ: 4.0 ISO: 400.


 
Wanderarbeiter in den Vororten von Kalkutta. Meist kommen diese aus Bangladesch und verdienen in Indien besseres Geld als in ihrer Heimat.

Bilder

Verschlusszeit: 1/100 ƒ: 4.0 ISO: 400.


 
Eine Frau in Kashgar nimmt einem der Kinder eine Spielzeugpistole ab, damit dieses einen besseren Eindruck auf dem Foto hinterlässt.

Bilder

Verschlusszeit: 1/100 ƒ: 4.0 ISO: 400.


 
Harry. In Brooklyn NYC lebend, besuchte ich ihn mehrere Male, um ihn zu fotografieren. Ich habe mich etwa 2 Monate davor gedrückt, ihn zu fragen, ob ich ein Bild von ihm machen könnte. Eine meiner ersten Arbeiten. Als ich es endlich übers Herz gebracht habe, war ich schneller in seinem kleinen Zimmer, als ich schauen konnte. Ein warmherziger Mensch mit einer interessanten Vergangenheit. (www.pflock.com/harry)

Bilder

Verschlusszeit: 1/40 ƒ: 2.0 ISO: 400.


 
Das Bild unten rechts finde ich ein gutes Beispiel dafür, wenn Fotograf und Fotografierter sich nicht kennen. Der Blick ist so misstrauisch ... und ... dennoch, das Bild hat etwas Besonderes. Der Junge wusste nicht, was das genau war, dem er gegenübersteht. Ein Riesenapparat, der ihm ins Gesicht gehalten wurde. Nachdem ich dem Jungen das Bild gezeigt hatte, fotografierte ich ihn noch mal; da strahlte er über beide Ohren und machte eine Pose. Das zweite Bild wirkte somit künstlich und gestellt.

Bilder



 
Ein kleiner Junge im südlichsten Teil Indiens am Strand.

Bilder

Verschlusszeit: 1/600 ƒ: 1.8 ISO: 200.


 
Umgebung und Mensch: Oft kann man die Wirkung eines Bildes intensivieren, indem man die fotografierten Personen in ihrer Umgebung zeigt - also nicht nur das Gesicht fotografieren und den Hintergrund unkenntlich darstellen. Durch die Positionierung des Modells in der Szene kann die Lage der Person und somit der emotionale Ausdruck eines Bildes verstärkt werden. Denn wir wissen nun nicht nur, wie die Person aussieht, sondern auch, wie sie lebt, arbeitet und so weiter.

Zur technischen Ausstattung kann ich nur sagen, dass hier Festbrennweiten bei Porträts oft am besten kommen. Die machen schärfere Bilder als Zoom-Objektive und Sie konzentrieren sich darüber hinaus nur auf die Person und nicht um den Bildausschnitt durch Ran- und Wegzoomen. Ich verwende für Porträts sehr gerne mein 90$-ƒ:1.8-50-mm-Objektiv von Canon.

Viel Erfolg!


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Kommentare
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Portrait von Figib
  • 22.06.2014 - 20:37

Vielen Dank für das Tutorial!!!

Portrait von Yammy
  • 11.02.2014 - 08:05

vielen Dank für deine Arbeit

Portrait von Senta2006
  • 19.08.2013 - 18:13

Tolle Fotos und gute Tipps

Portrait von spuellana
  • 27.10.2012 - 13:54

danke für das hilfreiche tutorial ;)

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 17.08.2012 - 08:02

Danke für das Tutorial, ich hoffe ich kann einiges davon umsetzen!

Portrait von Xeledor
  • 16.08.2012 - 07:26

Gute Arbeit; vielen Dank dafür. :)

Portrait von binifada
  • 08.05.2012 - 10:50

EXIF-Daten in den Bildern wären auch sehr hilfreich.

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 11:11

tolle tipps ... vielen dank ...

Portrait von casseopaya
  • 27.08.2010 - 03:38

Super Fotos und wertvolle Tipps. Danke

Portrait von Guewi
  • 12.05.2010 - 14:09

Sehr sehr gut gemacht

Gruss
Günter

Portrait von _tnt_
  • 25.03.2010 - 00:13

danke für das super tutorial und nochmals danke für den link (http://pflock.com/)

Portrait von Marischa
  • 27.02.2010 - 23:59

Wundervolle Fotos und wertvolle Anregungen. Danke.

Portrait von Phylly
  • 05.02.2010 - 14:46

wirklich gute hinweise

Portrait von buddler
  • 06.11.2009 - 17:29

boa der helle wahnsinn...tolles tut...auch wenns wahrscheinlich echt schwer sein wird das anzuwenden...:-(

Portrait von berlinmicha
  • 20.10.2009 - 21:11

Werde bei meiner nächsten Reise mal versuchen das umzusetzen.
Danke. lg

Portrait von DieterFfm
  • 25.08.2009 - 09:30

Für mich der schwierigste Teil der Reisefotografie. Werde bei der nächsten Tour mal versuchen, das eine oder Andere umzusetzen.

Portrait von moika111
  • 08.07.2009 - 21:25

Sehr gute Fotos mit tollen Tipps.Ich freue mich auf weitere Tutorials.

Portrait von Nanamii
  • 25.06.2009 - 20:40

ich möchte auch die möglichkeit haben so viel zu reisen ^^

Portrait von chrislehm
  • 28.03.2009 - 21:43

grandiose bilder, bin sehr beeindruckt.
ein tutorial bei dem mal der technische kram weggelassen wird und etwas behandelt wird was keine technik der welt ersetzen kann.

p.s.
mich stört es nicht aber leerzeichen vor ausrufe- und fragezeichen sind vekehrt (plenken).

Portrait von HomerJSimpson
  • 28.03.2009 - 18:44

Danke, sehr schöner Bericht/Tutorial!
Bin Anfänger in der Menschenfotografie, und ich finde, das ist das schwierigste Gebiet.
Wenn man nur einfach die Leute fotografiert, kommt meistens kein gutes Bild heraus, da zuviel Misstrauen vorhanden ist. Ich habe mittlerweile angefangen, vorher zu fragen - der 1. Schritt zu besseren Bildern.

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