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Tutorialbeschreibung

Faszination Indien - Teil 05: Das Hindu-Kernland

Faszination Indien - Teil 05: Das Hindu-Kernland

Indien steht für Religiosität und Spiritualität wie kaum ein anderes Land. Wer nach Indien reist,  wird sich dem nicht entziehen können. Mehr als 80 % der Inder sind gläubige Hindus. Uttar Pradesh und zum Teil die angrenzenden Bundesstaaten werden als Hindu-Kernland bezeichnet. Nicht zuletzt, weil der Ganges durch diese Bundesstaaten fließt und viele heilige Stätten entlang der Mutter Ganga zu finden sind.


Vorsicht: Diese Reihe verfolgt nicht den Ansatz der klassischen Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern ist eher im Erzählstil gehalten ;-).

Linktipp: http://www.digitaletiefe.com.

Ende März bin ich von meiner letzten Indienreise zurückgekehrt. Dabei reiste ich von Delhi aus über Ajmer, Amritsar und Chandighar zu meinem eigentlichen Ziel, der Kumbh Mela in Haridwar. Den aufgezeichneten Blog dazu stelle ich gerade stückchenweise auf meiner Website ein. Wer möchte, kann dort noch mehr über Indien lesen und sehen.

Aktuelle inhaltliche Übersicht der geplanten Tutorials:
Teil 1: Vor der Reise (Planung, Ausrüstung und Gesundheit)
Teil 2: Der Norden I (Himalaya und die Grenzgebiete)
Teil 3: Der Norden II (Himalaya und die Grenzgebiete)
Teil 4: Rajasthan (Farbenfroher Wüstenstaat)
Teil 5: Das Hindu-Kernland (Heilige Stätten und religiöse Feste)
Teil 6: Der Süden (Tempelanlagen und Strände)
Teil 7: Kumbh Mela (Das größte Fest auf Erden)
Teil 8: Mega-Citys (Kolkata, Delhi, Mumbay und Chennai)
Teil 9: Nach der Reise (Auswertung und Weiterverarbeitung)


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Teil 5: Heilige Stätten und religiöse Feste

Wer sich nicht für Religion interessiert, sollte auf keinen Fall eine Reise nach Indien unternehmen. Der Glaube durchdringt das Leben und den Alltag der Menschen wie nirgendwo sonst auf der Welt. Von der Geburt an über die Hochzeit bis hin zum Tod und die Wiedergeburt ist alles von der Religion und den dazugehörigen Regeln bestimmt. Der Grundgedanke ist es, über zahllose Wiedergeburten (Reinkarnationen) bis zur Erlösung der Seele aus dem Geburtenkreislauf (Moksha) die Verbindung mit der Weltseele (Brahman) zu erreichen. Auf dem Weg zu diesem anspruchsvollen Ziel gibt es eine Reihe von möglichen Abkürzungen, aber auch Umwege.  Eine der schnellsten Abkürzungen aus dem Geburtenkreislauf ist die ewige Stadt Varanasi, von der im Laufe des Tutorials die Rede sein wird.

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Ein Gott für jeden Fall

Fragen Sie einen Inder, wie viele Götter es im Hinduismus gibt, und Sie werden nicht mehr als ein verlegenes Lächeln erhalten. Er wird es nicht wissen, wenn überhaupt, kann er nur Vermutungen anstellen. In einem Reiseführer habe ich mal etwas von 330.000 Göttern und deren Reinkarnationen gelesen. Es gibt für alles und jeden Fall einen Gott. Das ist grundsätzlich sehr praktisch und spiegelt die Vielschichtigkeit der indischen Religion wieder. Dass diese Vielseitigkeit nicht ohne Widersprüche auskommt und oftmals grausame Varianten hervorgebracht hat, soll nicht verschwiegen werden.

Die Rede ist dabei von dem laut Gesetz verbotenen, aber immer noch praktizierten Kastensystem. Dem teilweise katastrophalen Geschlechterbild, bei dem beispielsweise die Geburt einer Tochter den finanziellen Ruin der Familie bedeuten kann. Die Rede ist auch von illegalen Schwangerschaftsabbrüchen und Witwenverbrennungen. Beispiele gibt es genug für die fatalen Auswüchse der Religion, und das hat nichts mit der ganzheitlichen Weltansicht und den gepredigten Tugenden zu tun. Schaut man sich die Auseinandersetzungen mit den Muslimen an, kann man sich auch bezüglich der Toleranz gegenüber anderen Religionen nicht mehr sicher sein. Inquisitionen oder Kreuzzüge im Namen des Hinduismus hat es jedoch nie gegeben. Grundsätzlich werden alle Religionen als legitime Wege zum ewigen Schöpfergott akzeptiert. Als Reisender wird einem dies positiv auffallen.

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Bei Zeremonien wie Hochzeiten oder Opferfesten bis hin zu den rituellen Beerdigungen war es nie ein Problem, als Ausländer und Christ teilzunehmen. Und auch das Fotografieren hat nie ein Problem dargestellt. Im Gegenteil, oftmals bin ich eingeladen worden, zu fotografieren, habe einen besonderen Platz gezeigt bekommen oder wurde herumgeführt, um nichts zu verpassen. Dort, wo es aus verständlichen Gründen nicht gestattet ist, wird man darauf hingewiesen. Beispielsweise in einigen Tempeln oder an Verbrennungsplätzen. Trotz der Toleranz habe ich immer wieder Ausländer gesehen, die selbst die wenigen Einschränkungen missachten und drauflosfotografieren und -filmen. Man stelle sich nur einmal vor, ausländische Touristen marschieren in die Kirche, stellen sich vor das Brautpaar und fangen an, Aufnahmen zu machen. Schlimmer noch, die Touristen gehen auf eine Beerdigung, fotografieren in den Sarg und lichten die weinenden Angehörigen ab.

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Das ganze Jahr wird gefeiert

Selbst wenn man nur die Hauptgötter aufzählt und deren Inkarnationen, kommt man leicht auf mehr als 50 Götter. Für jeden gibt es mindestens einen Tempel in der näheren Region und dazu zahllose Schreine. Natürlich gibt es auch eine Reihe großer Feste zu Ehren der unterschiedlichen Götter. Wer nach Indien reist, sollte sich vergewissern, dass wenigstens eines der Feste in der Region und der geplanten Reisezeit stattfindet. Meist farbenprächtig, mit Umzügen, Elefanten, herrlich schrägen Kapellen und Künstlern, bieten die Feste eine Fülle an Motiven. Das größte aller Feste ist die Kumbh Mela. Dafür  habe ich einen eigenen Beitrag vorgesehen. In diesem Beitrag möchte Mahashivaratri, das Fest zu Ehren Shivas, beschreiben. Mahashivaratri wird an vielen Orten gefeiert, aber am intensivsten in Varanasi, der ewigen Stadt.

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Mahashivaratri in Varanasi

Fangen wir mit der schlechten Nachricht an: Varanasi, auch Benares genannt, gehört ebenfalls zu den Städten, die wahnsinnig anstrengend sind. Es sind wieder die Hotel-Schlepper, zwielichtigen Händler und Kleinganoven, die dem Reisenden das Leben schwer machen. Hinzu kommen ein chaotisches Verkehrsaufkommen und eine Infrastruktur, die freundlich bezeichnet als überlastet beschrieben werden muss. Stromausfälle sind an der Tagesordnung, Taschenlampe und Kerze sollten im Gepäck nicht fehlen. Des Weiteren empfehle ich eine angemessene Eingewöhnungszeit, da Varanasi, auch ohne Fest, als intensivste Indienerfahrung angesehen werden kann. Ich kenne keinen Ort, dessen Atmosphäre so konzentriert und geballt die Vielfalt und Widersprüchlichkeit der hinduistischen Religion widerspiegelt.

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Varanasis Altstadt ist laut, bunt und schmutzig. Die Enge, die Gerüche und Geräusche sind für viele Ankömmlinge erst mal schwer zu ertragen. Zwischen völlig heruntergekommen Maharadscha-Palästen finden sich prachtvolle Tempel mit goldenen Kuppeln. Alles richtet sich zum Fluss aus, der heiligen Mutter Ganges. Dabei interessiert es die Gläubigen wenig, dass der Fluss an dieser Stelle völlig verschmutzt ist. Wer in Varanasi am Ganges seine letzte Ruhe findet, dort verbrannt wird und dessen Asche dem Fluss übergeben wird, hat gute Chancen, dem Kreislauf der Wiedergeburten zu entrinnen. Entsprechend viel Arbeit haben die Verbrennungsplätze. Ein Bild, mit dem nicht jeder Reisende klarkommt. Ganz wichtig: Dort ist das Fotografieren strengstens verboten. Selbst wenn schmierige Vermittler dies möglich machen wollen, gegen einen hohen Betrag, versteht sich, ist davon unbedingt abzuraten. Abgesehen davon, dass dieses Verbot selbstverständlich zu respektieren ist, wird durch ein Zuwiderhandeln die Zeremonie empfindlich gestört, wenn nicht sogar zerstört, und das kann richtig Ärger geben.

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Varanasi ist die Stadt des Gottes Shiva, dem Zerstörer und Erneuerer. Shiva ist wohl der bedeutendste aller Götter im Hinduismus. Mahashivaratri ist die Nacht Shivas und wird entsprechend ausgelassen gefeiert. Schon am Vortag drängen Tausende von Pilgern in die Stadt, um das rituelle Bad im Ganges zu nehmen. In der eigentlichen Festnacht findet ein Umzug statt, der kaum skurriler sein könnte.

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Ich machte mich schon am frühen Nachmittag auf den Weg, um die Atmosphäre und Stimmung an den Badestellen (Ghats) einzufangen. Bei meinem Weg durch die Altstadt fiel mir auf, dass in jedem Lokal Unmengen von Marihuana verarbeitet werden. Der Grund dafür liegt bei Shiva. Der war nämlich ein leidenschaftlicher „Kiffer“ und nutzte das Ganja zur Meditation. In seiner Ehrennacht gibt es in jedem Lokal kostenlose Mariuhana-Kugeln und Bangh-Lassis. Die Kugeln bestehen aus aufgeweichten Hanfblüten und Lassis sind indische Joghurt-Getränke. Zu Bangh-Lassis werden sie, nachdem die Marihuana-Kugeln eingerührt sind. Für alle Ausländer, die an dem kollektiven Rausch teilnehmen wollen, sind zwei Dinge dringendst zu beachten: 1. Die Kugeln sind mit dem Wasser aus der heiligen Mutter Ganges gerollt. Neben den offensichtlichen Verschmutzungen, den Tier-Kadavern und den nicht vollständig verbrannten Leichen im Wasser, gibt es Untersuchungen, die auch im Internet abrufbar sind. Nach einem Blick auf die Ergebnisse werden ängstliche Personen nicht mal mehr die Hand ins Wasser strecken. 2. Die Dosis ist unkontrollierbar. Die indische Qualität ist ausgezeichnet. Ich habe geübte Nutzer erlebt, die nicht mehr in der Lage waren, aufzustehen. Wer dann auch noch die Fotoausrüstung oder andere Wertgegenstände dabeihat, ist selbst schuld.

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Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt das eigentliche Fest. Es wird überall musiziert und getanzt, viele  Menschen sind berauscht, um nicht zu sagen völlig stoned. Der Höhepunkt ist der Umzug. Elefanten, Sadhus, Schlangenbeschwörer, grotesk geschminkte Kinder, Männer in Frauenkleidern, Explosionen und überhaupt ein unglaublicher Lärm. Der Umzug geht bis spät in die Nacht. Immer wieder reißt er ab, und nach einer Weile kommen neue Formationen und zusammengezimmerte Fahrzeuge aus den Gassen. Ein unglaubliches Erlebnis, ob man als Fotograf oder als staunender Besucher dabei ist.

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Tipps fürs Fotografieren:

- Alle Bilder in diesem Tutorial sind mit einer analogen Spiegelreflexkamera gemacht und anschließend eingescannt. Das würde ich heute nicht mehr so machen. Mittlerweile sind die Ergebnisse einer digitalen Kamera erheblich besser. Der Aufwand, den ich für das Einscannen der Dias und das Nachbearbeiten betrieben habe, ist erheblich. Seit 2008 fotografiere ich ausschließlich digital und kann es jedem nur empfehlen.

- Weniger ist mehr, was die Ausrüstung angeht. Es ist eng und teilweise ruppig. Ein großes Gepäckstück stört nur. Für solche Veranstaltungen nehme ich eine Kamera mit einem Zoomobjektiv mit. Das Zoom sollte im Weitwinkelbereich beginnen, weil man immer sehr nah am Motiv ist. Aus der Entfernung zu fotografieren ist wegen der Menschenmasse und natürlich aufgrund der Nachtveranstaltung kaum möglich. Festes Schuhwerk, bequeme Kleidung und das sichere Verstauen der Wertsachen sind selbstverständlich.

- Für die Kamera ist eine unauffällige Tasche optimal. Die meisten Menschen sind freundlich und gut gelaunt, einige jedoch ekstatisch. Mir ist es schon ein paar Mal passiert, dass ich als Fotograf genötigt wurde, Aufnahmen einer Gruppe oder von Einzelpersonen zu machen, die völlig aus dem Häuschen waren. Dabei ging mir auch schon ein Objektiv zu Bruch. Gut, wenn man zum Durchatmen die Kamera unauffällig verstauen kann, um weniger aufzufallen.

- Immer mit offenen Augen fotografieren. Auch wenn es manchmal schwerfällt, mit eingeschränkter Konzentration beim Motiv zu sein: Ein Auge muss immer die Umgebung im Blick haben. Sicherheitsvorkehrungen gibt es so gut wie keine. Die Liste der möglichen Unglücksursachen beinhaltet außer Kontrolle geratene Fahrzeuge, ekstatische Tänzer mit Säbeln, herabstürzende Fahrzeugaufbauten, explodierende Feuerwerkskörper, aufgeregte Elefanten oder Angriffe völlig ausgeflippter Affen.

- Abschließend noch ein Tipp, den ich aus eigener misslicher Erfahrung heraus geben kann. Unbedingt den Betreibern der Unterkunft sagen, wo man hingeht und vor allem, dass man erst spät nachts zurückkommt. Ich habe direkt am Ganges in einer Unterkunft gewohnt, die man nur über einen Hof erreichen konnte. Ähnlich wie bei uns, werden auch in Varanasi bei solch ausgelassenen Festen sämtliche Türen und Tore verriegelt. Da hilft auch kein Rufen und Klopfen, das hört niemand. So sitzt man dann bis zum Morgengrauen auf den Stufen, die zum Ganges führen, und beobachtet die letzten Besucher des Mahashivaratri, der Festnacht zu Ehren Shivas.

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Kommentare
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Portrait von moika111
  • 03.10.2010 - 08:11

Danke für diese Tut. Einfach Toll

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 10.08.2010 - 14:27

Tolle Fotos - da will ich auch mal hin!

Portrait von Jolanta
  • 07.07.2010 - 01:44

bei den fotos habe ich Lust wieder hinzufahren!

Portrait von Lakshmi
  • 27.06.2010 - 10:22

Die Bilder sind toll, besonders wenn man Varanassi schon erlebt hat. Ich meine gerade ich rieche den Ganges und sehe die Menschen hautnah. Liebe Grüsse

Portrait von This_is_me3745
  • 26.06.2010 - 16:21

Wirklich nette Bilder und auch schön zu lesen, was du in Indien erlebt hast aber wo ist da der Workshop in diesem Blogbeitrag? Der letzte Absatz "Tipps fürs Fotografieren" kann es doch wohl nicht sein...

Portrait von Juergen_Held
  • 27.06.2010 - 10:29

http://www.psd-tutorials.de/modules.php?name=News&file=article&sid=3251
Mit freundlichen Grüßen

Portrait von dieliebeschlange
  • 25.06.2010 - 23:11

Deine Webseite und Dein Blog sind echt Spitze ! Tolle Bilder, da möchte man am liebsten gleich nach Indien reisen :)

Portrait von PeterSchlaufer
  • 25.06.2010 - 19:45

Tolle Photos, es macht mich an das nachzuahmen

Portrait von flash15
  • 25.06.2010 - 18:56

klasse Bilder; gut für Minutenferien mitten im Alltag

Portrait von opika
  • 25.06.2010 - 12:52

Super Aufnahmen. Ich werde auch Blog ansehen! Danke

Portrait von Amelinea
  • 25.06.2010 - 08:38

Tolle Fotos. Ich werde mir auf jeden Fall deinen Bloq ansehen.

Portrait von Lehmkuhler
  • 25.06.2010 - 07:16

Coole Story und die Fotos sind echt schön geworden!
Werd mir erstmal deinen Blog zur Brust nehmen ;-)

Portrait von bennekb
  • 22.06.2010 - 07:37

Klasse Fotos!!
Allerdings scheint bei dem PDF- Dokument etwas nicht mit der Nummerierung zu stimmen !?

Portrait von roman2
  • 21.06.2010 - 13:45

tolle Fotos !!!!!!!!!!!!!!!!!

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