Tutorialbeschreibung

Faszination Indien - Teil 07: Kumbh Mela

Faszination Indien - Teil 07: Kumbh Mela

Das große "Fest des Kruges“ (Maha Kumbh Mela) ist das größte religiöse Fest des Hinduismus und gilt auch weltweit als die größte Veranstaltung. Zur diesjährigen Kumbh Mela in Haridwar waren über 50 Millionen Pilger aus aller Welt gekommen. Eine organisatorische Herausforderung, die nicht nur die Sicherheitsbehörden vor eine nahezu unlösbare Aufgabe stellt.


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Vorsicht: Diese Reihe verfolgt nicht den Ansatz der klassischen Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern ist eher im Erzählstil gehalten ;-).

Linktipp: http://www.digitaletiefe.com


Ende März bin ich von meiner letzten Indienreise zurückgekehrt. Dabei reiste ich von Delhi aus über Ajmer, Amritsar und Chandighar zu meinem eigentlichen Ziel, der Kumbh Mela in Haridwar. Den aufgezeichneten Blog dazu stelle ich gerade stückchenweise auf meiner Website ein. Wer möchte, kann dort noch mehr über Indien lesen und sehen.

Aktuelle inhaltliche Übersicht der geplanten Tutorials:
Teil 1: Vor der Reise (Planung, Ausrüstung und Gesundheit)
Teil 2: Der Norden I (Himalaya und die Grenzgebiete)
Teil 3: Der Norden II (Himalaya und die Grenzgebiete)
Teil 4: Rajasthan (Farbenfroher Wüstenstaat)
Teil 5: Das Hindu-Kernland (Heilige Stätten und religiöse Feste)
Teil 6: Der Süden (Tempelanlagen und Strände)
Teil 7: Kumbh Mela (Das größte Fest auf Erden)
Teil 8: Mega-Citys (Kolkata, Delhi, Mumbay und Chennai)
Teil 9: Nach der Reise (Auswertung und Weiterverarbeitung)

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Teil 7: Das größte Fest auf Erden

Vier Orte, alle zwölf Jahre

Dieses Jahr (2010) war wieder Haridwar, im Bundesstaat Uttarakhand, an der Reihe. Die Stadt liegt am Fuße des Himalaya und gehört zu den vier heiligen Pilgerorten, in denen die Kumbh Mela stattfindet. In jedem der vier Orte, zu denen noch Allahabad (2013), Nasik (2015) und Ujjain (2016) gehören, findet alle zwölf Jahre das größte religiöse Fest auf Erden statt. Das Fest selbst hat eine Jahrtausend alte Tradition. Der Mythologie nach haben himmlische Wesen den Krug mit dem Nektar der Unsterblichkeit aus dem Ozean geholt. In einem Streit zwischen Göttern und Dämonen wurden vier Tropfen des Nektars auf die Erde verschüttet. Dort entstanden die heiligen Orte an den Flüssen Yamuna, Ganges, Shipra und Godavari. Im Glauben der Menschen verwandeln sich an astrologisch besonderen Tagen, die Flüsse selbst in den Nektar der Unsterblichkeit. Ein Bad im Fluss, während dieser Tage, reinigt von allen Sünden und erlöst aus dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Also, der direkte Weg ins Moksha, dem abschließenden Lebensziel und der Erlösung. Soweit zur Mythologie, in wenigen Sätzen.

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Pilger, Sadhus und selbsternannte Heilige

Meine erste Fotoreise zur Kumbh Mela unternahm ich 2001, nach Allahabad. Trotz jahrelanger Indienerfahrung war diese Reise eine besondere Herausforderung und ich wollte vorbereitet sein. Von der Ausrüstung bis zur Zimmerreservierung plante ich, ausnahmsweise mal, detailliert. Was die Unterkunft anging, hätte ich mir das sparen können. Trotz Briefwechsel war kein Zimmer für mich reserviert, weil die postalische Vorauszahlung, in bar, nicht angekommen sei. Indien ist bekannt für seine aufgeblasene Bürokratie. Bis da ein Brief an der richtigen Adresse angekommen ist, geht er durch viele Hände. Dass da mal was hängen bleibt, ist auch kein Geheimnis. Wie durch ein Wunder wurde dann doch ein Zimmer frei, was ich natürlich (noch mal) zahlen musste. Da das Preisniveau in Indien weit unter unserem liegt und selbst bei der Kumbh Mela noch bezahlbar ist, war das zu verkraften und allemal besser, als mit dem gesamten Gepäck in einer der riesigen Zeltstädte zu campieren. Ich blieb damals drei Tage und plante so, dass ich am zweiten Tag einen der Hauptbadetage erleben konnte.

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Wie ein breiter Fluss wirkten die Millionen Pilger, die sich Richtung Ganges bewegten. Tag und Nacht, ohne Pause. Menschen jeden Alters, gleich welchen Standes, von überall auf der Welt, machten sich auf unterschiedlichste Art auf den Weg. Manche kamen zu Fuß und hatten einen wochenlangen Marsch hinter sich. Andere kamen mit Traktoren und Anhängern, auf denen das ganze Dorf transportiert wurde. Die Wohlhabenden kamen in Luxus-Karossen oder ließen sich auf Sänften tragen. Die unterschiedlichen Gruppen der Sadhus verbrachten die ganze Kumbh Mela in eigens angelegten Lagern und wurden von den Pilgern hofiert.

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Insgesamt eine logistische Höchstleistung. Vor allem das Bad im Ganges an den Haupttagen und die Reihenfolge der Gruppen musste akribisch organisiert werden. Verfeindete Clans durften nicht zusammentreffen um Ausschreitungen zu verhindern. Immer wieder gab es Streit, welche Gruppe die wichtigste ist und als erstes ins Wasser darf. Die Anhänger Shivas sind mit Dreizack und Schwertern ausgestattet. An den Hauptbadetagen wird auch gerne mal davon Gebrauch gemacht, sollte sich dem ekstatischen Marsch irgendetwas in den Weg stellen. Waren 2001 schon Heerscharen von Soldaten, Polizisten, Ordnungskräften und Helfern im Einsatz, um den Massenandrang zu bewältigen, kam 2010 noch eine weitere große Sorge hinzu.

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Kumbh Mela 2010 in Haridwar

Die Angst vor Terroranschlägen bereitet den indischen Behörden schlaflose Nächte. Wer sich an die großen Anschläge in Delhi und Mumbay erinnert, kann dies gut nachvollziehen. Es gibt immer wieder kleinere Anschläge, die wir oftmals nur als kleine Notiz in unseren Tageszeitungen lesen können. Indien lebt damit. Die Grenze zu Pakistan ist an vielen Stellen löchrig und laut den indischen Medien kommen von dort die Terroristen. Ganz konkret hatten islamistische Terrorgruppen Anschläge auf die Kumbh Mela angekündigt. Wer im Frühjahr nach Haridwar kam, hatte den Eindruck einer Belagerung. Die Stadt war komplett umgeben von Militär und Polizei. Kein Fahrzeug, weder Busse noch PKWs, durften in die Innenstadt fahren. In den Vororten wurden riesige Parkplätze ausgewiesen. Bis in die Stadt ging es dann per Fuß oder Fahrradrikscha.

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Ich kam mit einem klapprigen Bus von Chantighar, nach etwa 6 Stunden Fahrzeit, in Haridwar an. Trotz des Gepäcks und der Ausrüstung nahm ich den Weg in die Innenstadt zu Fuß. Je näher ich der Innenstadt und zum Fluss kam, desto häufiger gab es Kontrollen und Absperrungen, die dafür sorgten, dass der Strom der Pilger in geregelten Bahnen verlief.


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Ab einem bestimmten Punkt war es mir nur noch möglich, mit dem Hinweis auf mein gebuchtes Hotel weiter ins Zentrum vorzustoßen. Natürlich war das Zimmer mäßig, dafür um ein Vielfaches teurer als außerhalb der Kumbh Mela Zeit. Es hätte aber durchaus schlimmer kommen können. Meine Reservierung war eingebucht, das Zimmer zumutbar und meiner Bitte um frische Bettwäsche wurde sofort nachgekommen.

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Asketen und indische Soaps

Den ersten Tag verbrachte ich mit der Dokumentation des Ankommens. Ich war am Bahnhof, beobachtete die einfahrenden Züge, die Tausende von Menschen ausspuckten, dann entleert aus dem Bahnhof ruckelten, um dem nächsten Pilgerzug Platz zu machen. Ich machte Hunderte von Aufnahmen, für sogenannte Tilt/Shift-Filme (wird später im Tutorial zur Nachbearbeitung genauer beschrieben). Ich fotografierte Familien und Gruppen, die glückselig in Haridwar angekommen waren, um am nächsten Tag einen der wichtigsten Badetage zu erleben.

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Am Abend besuchte ich das Camp der Sadhus. Dort hielten die heiligen Männer Audienz und bereiteten sich auf den nächsten großen Badetag vor. Überall waberte mir der Haschisch-Duft entgegen. Die heiligen Männer, die gerade keinen Gast hatten, winkten mir zu, um mich in ihr Zelt zu locken. Nicht ohne Grund: Die ausländischen Touristen sind doch meist am zahlungskräftigsten. In manchen Zelten beobachtete ich verzückte Rucksackreisende, die vor lauter Spiritualität und Kiffen kaum noch geradeaus schauen konnten. In manchen Zelten saßen nackte Sadhus, vollständig mit Asche eingerieben, vor einem modernen Fernsehgerät und schauten sich indische Soaps oder Kricket an.

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Nicht alle Sadhus sind so freundlich wie Baba Amar Barati, der seit 25 Jahren seinen Arm nicht mehr gesenkt hat. Manche der heiligen Männer sind ziemlich aggressiv, wenn nicht vor dem Fotografieren eine bestimmte Summe abgeliefert wird. Baba Amar hingegen strahlt eine Spiritualität und Ruhe aus, die jeden in seiner Umgebung in den Bann zieht. Sicher, er gehört zu den Superstars der heiligen Männer, wird weltweit verehrt und muss sich um seinen Unterhalt keine Sorgen machen. Ihm jedenfalls kauft man die Erleuchtung uneingeschränkt ab.


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In einer Warteschlange stehen die Pilger, um seinen Segen zu erhalten. Wer kann (und es können fast alle), legt etwas in die Schale, und diese muss häufig gelehrt werden. Ich bin fasziniert von der Atmosphäre, den Gerüchen, den Geräuschen und Klängen.


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Der Fotografenalbtraum wird wahr

Mit dem Finger am Auslöser besuchte ich ein großes Zelt, in dem gerade eine Puja (religiöse Ehrerweisung) abgehalten wurde, als es passierte: Err99. Die Kamera löst aus und bricht zusammen. Akku raus und wieder rein, Speicherkarte wechseln, sämtliche Programm-Automatiken ausprobieren. Alles manuell einstellen, Objektivwechsel... nichts hilft, die Kamera ist hin. Morgen ist der große Badetag und ich bekomme einen leichten Panikanflug. Ich eile ins Internetcafe, in der Hoffnung, dass es keinen Stromausfall gibt, lade mir die aktuelle Firmware runter. Zurück ins Zimmer, Software updaten, hilft auch nichts. Die Kamera ist kaputt. Langsam stelle ich mich darauf ein, dass ich am nächsten Tag mit meiner Notreserve fotografieren muss, einer 350D.

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Was soll ich jammern; nützt ja nichts, in zwölf Jahren ist wieder Kumbh Mela, in Haridwar. Nein, eine 350D ist nicht schlecht und letztendlich wird mir das Fest immer positiv in Erinnerung bleiben. Auch wenn technisch mehr drin gewesen wäre, sind mir die Bilder von der Kumbh Mela 2010 und besonders der Hauptbadetag eine faszinierende und wertvolle Dokumentation.

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Kommentare
Portrait von opika
  • 12.12.2010 - 17:27

Tolle Fotos, könnte ein bisschen mehr Geschichte sein... Vielen vielen dank.

Portrait von thedeepblue
  • 06.12.2010 - 11:05

Tolle Serie!!
Ich hoffe Teil 8 und 9 folgen bald noch?!?

Portrait von leopold_brix
  • 07.11.2010 - 18:39

Eindrucksvolle Fotos, locker und informativ erzählt, kein wirklicher Workshop, macht aber Lust auf mehr davon! Insgesamt ein faszinierender Reisebericht.

Portrait von centipete
  • 05.11.2010 - 15:39

ich würds zwar nicht tutorial nennen, abers sind klasse fotos :) dankeschön!

Portrait von lexip
  • 05.11.2010 - 15:17

sehr beeindruckende Bilder - Danke!

Portrait von freuter
  • 05.11.2010 - 09:59

Tief beeindruckt von diesen Bildern und der absolut gelungenen Chance seine Betrachter in eine andere Welt zu entführen sage ich gerne (m)ein "herzliches Dankeschön"!

Portrait von maribor
  • 02.11.2010 - 17:29

schöne Fotos. Vielen Dank.

Portrait von patrick_l
  • 01.11.2010 - 05:37

Ich habe schon viele Dokumentationen gesehen. Ich selber konnte leider noch nicht nach Indien reisen. Umso mehr erfreut es mich hier etwas darüber zu finden. Top!

Portrait von Lakshmi
  • 31.10.2010 - 19:49

Das selbst hautnah erleben und so tolle Bilder machen,ist einfach einmalig,
Du überrascht immer aufs Neue

Portrait von sunriser
  • 31.10.2010 - 10:26

Servus,
toller Bericht und schöne Fotos. Mich würde mal interessieren, ob Du bei den Portraits die Menschen immer fragst, ob Du sie fotografieren darfst oder macht man das "heimlich"? Wie geht man da vor? Bin da immer unsicher. Gerade durch solche Bilder erhält man schöne Erinnerungen und lernt ein Land kennen.
Grüße aus Nürnberg

Portrait von Juergen_Held
  • 31.10.2010 - 19:39

Hallo sunriser, die Frage bekomme ich häufig gestellt. Ja, es ist wichtig die Menschen vorher um Erlaubnis zu fragen. Meist reicht ein Fingerzeig auf die Kamera, um eine Zustimmung oder ganz selten eine Ablehnung zu erhalten. Zum einen gebietet es natürlich der Anstand und zum anderen ist man als Ausländer in Indien, nie unbeobachtet. Heimlich fotografieren ist somit kaum möglich. In der nächsten Folge der Tutorial-Reihe werde ich die wichtigsten "Do's and Dont's" beim Fotografieren in Indien zusammenfassen. Gruß Jürgen

Portrait von peps
  • 30.10.2010 - 20:27

Einfach genial! Hoffe, dass ich bei meiner Indien-Reise auch so tolle Fotos machen kann.

Portrait von rknappe
  • 30.10.2010 - 19:51

Traumhafte Bilder und ein sicher unvergessliches Erlebnis. Spitzenreport und
Spitzenfotos.
Danke
Reiner

Portrait von Stipsle
  • 30.10.2010 - 18:30

Danke für die tollen Bilder, egal mit welcher Technik, ich finde sie einfach super.

Portrait von BigJohnson
  • 30.10.2010 - 15:23

Namaste!

Schöner Eindruck der exotischen Atmosphäre des Festes. Tolle und farbenfrohe Bilder! Schade, dass die Technik nicht mitgespielt hat. Das Bild vom Sadu mit Neurofibromatose ist grenzwertig ... ich bin mir nicht sicher ob ich das Bild zur Veröffentlichung selbst - als Fotograf und als portraitierte Mensch - es frei gegeben hätte!

Wie immer, gespannt auf die nächste Folge!

Portrait von Juergen_Held
  • 31.10.2010 - 20:48

Ja, da hast Du mal wieder den Punkt getroffen ;-). Ich habe tatsächlich hin- und her überlegt, ob ich das Bild einsetzen kann. Jedoch nicht, wegen des Sadhus, sondern wegen der sensiblen Leser. Ich denke, die Hautwüchse sind eine Form der Elefantenkrankheit, die therapierbar ist!? Am Geld sollte es dem Sadhu dabei nicht fehlen. Er gehört zu denjenigen, die von vielen Pilgern um Rat gebeten werden und ein entsprechend gutes Einkommen hat. Nicht zuletzt wegen seiner Krankheit. Hinzu kommt, dass er mich freundlich zum Fotografieren eingeladen hat. Ich habe Dir auf Dein Profil ein Bild geschickt, auf dem Du ihn bei einer seiner Audienzen siehst. Gruß Jürgen

Portrait von fotohexe69
  • 30.10.2010 - 11:12

Super toll! Wie schon die letzten Berichte!

Portrait von Tschiffel
  • 30.10.2010 - 10:27

Namaste Baba,

wie schon die letzten Berichte, SUUUPER !!!
Bekomme immer Fernweh wenn ich Deine Bilder sehe.

In dieser Region Indiens bin ich leider noch nicht gewesen, aber ich kann mir das Touwabou in etwa vorstellen.

Weiterhin alles Gute bei Deinen Reisen wünscht
Thomas


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