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Tutorialbeschreibung

Faszination Indien - Teil 06: Der Süden

Faszination Indien - Teil 06: Der Süden

Die Sommerpause ist zu Ende, und weiter geht es mit der Reisefotografie in Indien. Dabei werde ich in diesem Beitrag das Sommergefühl noch etwas festhalten und über den Süden Indiens berichten und für einige Leser vielleicht sogar eine Anregung für die anstehende Winterzeit geben.


Vorsicht: Diese Reihe verfolgt nicht den Ansatz der klassischen Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern ist eher im Erzählstil gehalten ;-).

Linktipp:  http://www.digitaletiefe.com.

Ende März bin ich von meiner letzten Indienreise zurückgekehrt. Dabei reiste ich von Delhi aus über Ajmer, Amritsar und Chandighar zu meinem eigentlichen Ziel, der Kumbh Mela in Haridwar. Den aufgezeichneten Blog dazu stelle ich gerade stückchenweise auf meiner Website ein. Wer möchte, kann dort noch mehr über Indien lesen und sehen.

Aktuelle inhaltliche Übersicht der geplanten Tutorials:
Teil 1: Vor der Reise (Planung, Ausrüstung und Gesundheit)
Teil 2: Der Norden I (Himalaya und die Grenzgebiete)
Teil 3: Der Norden II (Himalaya und die Grenzgebiete)
Teil 4: Rajasthan (Farbenfroher Wüstenstaat)
Teil 5: Das Hindu-Kernland (Heilige Stätten und religiöse Feste)
Teil 6: Der Süden (Tempelanlagen und Strände)
Teil 7: Kumbh Mela (Das größte Fest auf Erden)
Teil 8: Mega-Citys (Kolkata, Delhi, Mumbai und Chennai)
Teil 9: Nach der Reise (Auswertung und Weiterverarbeitung)

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Teil 6: Tempelanlagen und Strände

Wer Kultur mit Strandleben verbinden will und dabei eine preiswerte Region zum Überwintern sucht, sollte sich einmal mit Südindien auseinandersetzen. Ob spektakuläre Tempel und Tempelfeste oder spannende Naturerlebnisse - Südindien ist ein Paradies für Fotografen. Die beste Reisezeit für Südindien ist zwischen Oktober und Februar. Das Wetter ist gut und die Sonne noch erträglich. In vielen Orten werden Tempelfeste gefeiert und in Goa, dem Strandparadies Indiens, lassen sich leckere Fischgerichte direkt im Strandlokal genießen. Wer dem Weihnachtstrubel und der Kälte in unseren Gefilden entfliehen will, kann von Deutschland aus sogar direkt nach Goa fliegen und hat dann noch eine halbe Stunde Fahrtzeit direkt zum Strand. Noch weiter südlich, in Kerala, gibt es auch wunderschöne Strände, die das Überwintern versüßen.

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TIPP: Wer das Kultur- und Fotografieprogramm mit dem Strandurlaub verbinden will, sollte gegen den Strom schwimmen. Viele (Rucksack-) Reisende möchten Weihachten und Neujahr in Goa oder Kerala am Strand verbringen. Dann wird es richtig voll und die Unterkunfts-Preise steigen erheblich. Manche der beliebten Orte werden sogar richtig ungemütlich.

Ständige Partys und dazu der billige Alkohol (in Goa) lassen ziemlich bald die ruhige Atmosphäre verfliegen. Ab dem 02. Januar wird es dann schlagartig ruhiger. Die ersten Besucher ziehen ab, und bis Mitte Januar hat sich alles wieder beruhigt. Die Städte und Orte außerhalb der Strandregionen zeigen ein anderes Bild. Es erinnert kaum etwas an Weihnachten und Reisende sind auch nur wenige zu sehen.


Exkurs Monsun-Traveling

Ab März wird es so langsam unerträglich heiß, bevor dann der Monsun einsetzt. Was bedeutet: überflutete Straßen und Orte und eine Infrastruktur, die zeitweise komplett zusammenbricht.  Wer das einmal erlebt hat, hat eine neue Definition für Dampfbad kennengelernt. Temperaturen über 45 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, die nichts trocknen lässt, machen das Reisen zu einer echten Belastungsprobe.

Nun ist das fotografisch natürlich hochinteressant und spannend. Wer hat nicht schon die tollen Bilder bekannter Fotografen gesehen, die das Leben während des Monsuns dokumentiert haben? Dabei ist der Aufwand jedoch nicht zu unterschätzen. Die Kameraausstattung wird extrem beansprucht. Feuchtigkeit und Hitze machen den elektronischen Bauteilen zu schaffen. Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit sind Unterkünfte mit Klimaanlage zu buchen, um die Ausrüstung und das Gepäck trocken zu bekommen. Was die Reisekasse natürlich zusätzlich belastet. Schutzhüllen für Kamera und Zubehör sind zwingend notwendig. Wer von einem klimatisiertem Raum nach draußen kommt, kann sich erst mal eine halbe Stunde gedulden, bis der Beschlag von den Objektiven verschwunden ist.

Ich empfehle jedem, eine Ersatzkamera dabeizuhaben. Mir ist in diesem Jahr die Kamera kaputtgegangen, und wer Canon benutzt, weiß auch, dass die Fehlermeldung Err99 nichts Gutes bedeutet.


Mumbai, chaotischer Schmelztiegel

Die meisten Reisenden kommen über Mumbai, früher Bombay, in den Süden. Mumbai liegt an der Westküste, dem arabischen Meer. Alternativ bietet sich Chennai, früher Madras, an. Das liegt an der Oststküste, dem Golf von Bengalen, und eignet sich ideal als Ausgangspunkt zur Erkundung der größten Tempelorte Indiens. Mumbai ist die wichtigste Hafenstadt und das industrielle Zentrum Indiens. Neben moderner Infrastruktur, Fortschritt und Wohlstand lebt jedoch mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter ärmlichsten Verhältnissen und bekommt vom Aufstieg der Megametropole nichts ab. Fotografisch ist Mumbai nahezu unerschöpflich. Historische Bauwerke aus der Zeit der Kolonialzeit und Tempelanlagen gehören selbstverständlich zu den Standardmotiven. Mumbai eignet sich aber auch vorzüglich, um besondere Bildreportagen zu erstellen. Beispielsweise ist der Fischerei-Hafen Sasson Dock ein lohnendes Ziel. Vor allem dann, wenn die Fischer am frühen Morgen vom Meer kommen und ihre Fracht verladen und verkaufen. Wichtig: Vorher eine Fotografier-Genehmigung beim Mumbai Port Trust einholen.

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Ein spannendes Thema für eine Fotoreportage sind auch die Dhobi Ghats, ein in Steine gehauenes Waschviertel. Dort wird von etwa 10.000 Menschen die Wäsche aus den Privathaushalten, Hotels, Restaurants und Krankenhäusern gewaschen. Alles in Handarbeit, und gebügelt wird mit Bügeleisen, die von glühender Kohle beheizt werden. Wichtig: Die zu fotografierenden Menschen um Einverständnis fragen. Meist gibt es keine Vorbehalte und wenn man erst mal im Gespräch mit den Leuten ist, werden die Bilder auch besser, wenn nicht sogar besonders.

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Tempel, Strände und Ruinen

Südindien hat so viel Kultur zu bieten, dass es unmöglich ist, alles aufzuzählen. Ich habe einige Highlights ausgewählt, die vor allem für Fotografen sehr interessant und auch verhältnismäßig gut mit Zug und Bus zu erreichen sind.

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Vijayanagar ist eine faszinierende Ruinenstadt aus dem 15. Jahrhundert, nahe dem Dorf Hampi, im Bundesstaat Karnataka. Vijayanagar war einst hinduistisches Zentrum, und auf den riesigen Basaren boten Händler aus aller Welt ihre Waren an.

Die Stadt ist seit 1986 Weltkulturerbe. Fotografisch interessant ist dabei nicht nur die Ruinenstadt und deren Tempel, sondern auch die außergewöhnliche Landschaft. Riesige Granitfelsen, interessante Felsformationen, üppige Reisfelder und Bananenplantagen geben zusammen mit den Ruinen eine perfekte Stimmung ab. Praktisch für Aufnahmen bei Sonnenauf- und Untergang ist die Möglichkeit, direkt in Hampi-Bazaar, bei den Ruinen, zu übernachten.

Die relativ einfachen Unterkünfte haben sich längst auf die Bedürfnisse der Reisenden eingestellt. Mittlerweile gibt es auch schon einige Mittelklasse-Hotels. Als Fortbewegungsmittel können Fahrräder ausgeliehen werden. Ein Tipp noch zur Sicherheit: Leider hat es in den letzten Jahren einige gewaltsame Überfälle in den Ruinen gegeben. Deshalb ist es ratsam, keine Nachtausflüge in die Ruinen zu unternehmen.

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Mysore
ist eine sympathische Stadt im Süden Karnatakas, die eine Menge zu bieten hat. Da ist beispielsweise der prunkvolle Maharaja Palast, der jeden Sonntag von 19 – 20 Uhr mit 96.000 Glühbirnen beleuchtet wird. Vom Tempel, auf dem Chamundi Hill, hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt.

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Und für die Fotografen, die das pulsierende Leben einfangen wollen, empfiehlt sich der Dvaraja Market. Einer der farbenfrohsten Märkte in ganz Indien. Der große Basar bietet Bereiche für Gemüse, Früchte, Blumen, lebende Tiere, Fleisch und Fisch. Hier werden sämtliche Sinne auf eine exotische Reise geschickt. Die Stimmung einzufangen, ist fotografisch natürlich eine spannende Herausforderung.

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Die Tempelanlagen in Tamil Nadu sind ein absolutes Muss für (Foto-) Reisende in Südindien. Davon gibt es eine ganze Reihe. Mein Favorit ist der Sri-Meenakshi-Tempel in Madurai. Die riesige Tempelanlage ist ein hervorragendes Beispiel drawidischer Architektur. Die Tempeltürmchen sind farbenfroh und aufwendig verziert.

Was für uns Fotografen jedoch am wichtigsten ist: Es darf, gegen eine kleine Gebühr, auch im Tempelinnersten fotografiert werden. Mein Tipp: Mehrere Tage einplanen und den Tempel zu unterschiedlichen Zeiten besuchen. Oftmals gibt es irgendwo in dem kaum zu überschaubaren Komplex klassische Tanzaufführungen oder besondere Pujas (religiöse Ehrerweisungen).

Alleine schon der Pilgerort Madurai ist ein lohnendes Ziel für Fotografen. Ein unaufhörlicher Strom von Menschen, Ochsenkarren und Fahrradrikschas bewegt sich auf der Hauptstraße zum und vom Tempel. Der Tempel verzeichnet am Tag bis zu 10.000 Besucher.

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Die Backwaters sind die Hauptattraktion im Bundesstaat Kerala. Dabei handelt es sich um ein 900 Km langes Netz von Wasserstraßen längs der Westküste. Je nach Budget und Anspruch lassen sich die Wasserstraßen in Form einfacher Bootstouren bis hin zum eigenen Hausboot mit Koch und Personal befahren.

Zu sehen und fotografieren gibt es dicht bewachsene Kanäle, wo Kokosprodukte und Nüsse verladen werden sowie palmengesäumte Seen, an deren Ufern chinesische Fischernetze aufgehängt sind. Man kommt an Dörfern und Siedlungen mit kleinen Tempeln, Moscheen und Kirchen vorbei. Sieht den Menschen bei Arbeit zu und kann Kinder in die Kanäle springen sehen.

Nicht spektakulär genug? Nach einer Reise durch das sonst hektische Indien eine wahre Abwechslung. Vor allem gewinnt man einen Einblick in das einfache Leben fernab der touristischen Metropolen. Wer das noch fotografisch umsetzen kann, wird bleibende Eindrücke und Erinnerungen mit nach Hause nehmen.

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Tipp für eine Fotoreportage: Kerala ist bekannt für seine Kathakali-Aufführungen. Das sind aufwendige Tanzdramen, die die ganz großen Themen der Menschheit behandeln: Das Gute gegen das Böse, Arm und Reich, Krieg und Frieden. Sämtliche Bewegungen der Schauspieler, bis hin zur Mimik, sind präzise einstudiert, und die Ausbildung dauert Jahre.

Auch die Prozedur des Schminkens und Ankleidens unterliegt festen Regeln. Eine Veranstaltung geht normalerweise von 20 Uhr bis in die Morgendämmerung. Es gibt jedoch auch kürzere Versionen der Dramen.

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Goa ist toll und Goa ist schlimm. Kommt ganz darauf an, worauf der Fokus liegt. Ja, es gibt sie, die Techno-Hochburgen, wo es zu unschönen Konfrontationen zwischen westlicher Partylaune und indischer Tradition kommt. Ich bin überzeugt davon, dass es nicht wirklich zusammenpasst und es durchaus geeignetere Orte zum Feiern gibt. Was auch gleichzeitig mein Tipp für die Party-Gemeinde ist. Es gibt aber auch die ruhigen Gegenden mit traumhaften, kilometerlangen Stränden, an denen man nach ein paar Gehminuten fast völlig alleine ist.

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Und wer dazwischen etwas Kultur und Geschichte fotografieren möchte, findet in jedem Ort und jeder Stadt Spuren der portugiesischen Kolonialzeit. Manchmal verwittert, manchmal in alter Pracht erhalten. Vor allem Alt-Goa mit seinen Kirchen ist einen Besuch wert. Ebenfalls fotografisch interessant ist der legendäre Flohmarkt jeden Mittwoch in Anjuna. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Von traditionellem Kunsthandwerk, Schmuck über moderne Kunst bis hin zu bedruckten Textilien lassen sich hier die Mitbringsel für zu Hause erstehen. Handeln ist natürlich Voraussetzung.

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Wer genug vom Shoppen hat, kann sich im Meer abkühlen und anschließend frisch gebackenen Kuchen essen. Noch ein Tipp zur Modelfotografie: In Indien ist es nicht gestattet „Oben ohne“ oder gar nackt zu baden. Alleine schon, dass Touristen sich in Badehose und Bikini an den Strand legen, ist eine solche Attraktion, dass immer noch Ausflugsbusse von Mumbai aus starten, um die schamlosen Westler zu begutachten. Abgesehen davon, dass Mann/Frau sich mit allzu knapper Kleidung im günstigsten Fall lächerlich macht, kann es auch vorkommen, dass eine Polizeistreife auftaucht, und dann kann es teuer werden. Sogar zu einem unangenehmen Verhör auf dem Revier kann es kommen. Auch wenn man glaubt, weit genug vom Ort und alleine am Strand zu sein. Wirklich unbeobachtet ist man in Indien nie. Die Goaner selbst sind an die Badekultur der Westler längst gewohnt. Halten das Verhalten zwar für unanständig, tolerieren es jedoch.

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Kommentare
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Portrait von Gladiole
  • 14.09.2013 - 08:46

Tolle Bilder und interessante Berichte, wenn Zeit genug ist, dann mal hin

Portrait von Chrischan22
  • 06.11.2011 - 01:10

impulsante Eindrücke. Immer wieder aufs Neue ein Erlebnis deine Bilder anzuschauen.

Portrait von opika
  • 16.10.2010 - 13:25

Nach der lange Pause wieder sehr schöne Bilder und Kommentare. Danke

Portrait von juppwedeh
  • 05.10.2010 - 02:03

traumhafte bilder, komme mir vor, als hörte ich sitarklänge, tamburas und tablas, wenn ich deine bilder betrachte - wundervoll eingefangen, mein kompliment!!

Portrait von sitaara
  • 04.10.2010 - 13:45

wow tolle Bilder, ich war auch schon mehrfach in Indien und ich finde es immer wieder faszinierend mir Fotos davon anzuschauen

Portrait von centipete
  • 03.10.2010 - 16:33

klasse fotos! die 3 punkte waren gut investiert :)

Portrait von moika111
  • 03.10.2010 - 08:09

Unbekanntes Indien danke für den Einblick un die Wunderschönene Bilder

Portrait von erijak
  • 02.10.2010 - 08:04

Fantastische Bilder... Freue mich schon auf meinen Indientrip im November... Und auf die nächsten Folgen.

Portrait von derdeppausmweb
  • 29.09.2010 - 12:55

sehr spannende eindrücke, machen wirklich lust auf eine reise dorthin

Portrait von nobody32
  • 29.09.2010 - 09:24

Super schön, ich will auch unbedingt nach Indien :(

Portrait von JerryRTB
  • 28.09.2010 - 17:12

....uhi, du hast mir ein Stück Erinnerung an meinen Urlaub in Indien Anfang des Jahres wiedergegeben. Gerade das erste Foto ist mir gleich ins Auge gestochen, weil ich auch Ballons dabei hatte und die Kinder haben sich um mich gescharrt während ich Ihnen Pudel, Blumen etc aus Lufballons gemacht habe ;-).
Danke dir , bin auf den nächsten teil gespannt :-)

Portrait von selinaperu
  • 28.09.2010 - 11:23

wunderbare Bilder, die die Reiselust wecken

Portrait von werNER560615
  • 27.09.2010 - 23:19

Da kommen Erinnerungen auf. Schöne Fotos.

Portrait von Lakshmi
  • 27.09.2010 - 18:54

Ich warte schon die ganze Zeit auf Teil 6:die Bilder sind toll, ich freue mich
echt wenn ich es anschaue,ist Dir wieder super gelungen.

Portrait von HochseeMichel
  • 27.09.2010 - 11:21

Tolle Tips, toller Bericht. Wollte schon immer Mal nach Indien. Dieser Bericht macht es mir immer schmackhafter. Vielen Dank

Portrait von Taya
  • 27.09.2010 - 09:31

Ohne Worte - die Bilder sprechen für sich.

Portrait von fotohexe69
  • 27.09.2010 - 08:49

Super!!! Schöne wie immer!!! Da bekommt man fernweh!!!

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