Anzeige
Tutorialbeschreibung

Landschaftsfotografie - Teil 04: Besondere Lichtstimmungen

Landschaftsfotografie - Teil 04: Besondere Lichtstimmungen

Jeder Landschaftsfotograf weiß besondere Lichtstimmungen zu schätzen, die eine „gewöhnliche“ Landschaft plötzlich „außergewöhnlich“ erscheinen lassen. Meistens sind es die „ungewohnten“ Zeiten, die uns besondere Stimmungen bescheren und uns immer wieder staunen lassen. Aber dafür müssen wir oft früh aufstehen und manchmal beschwerliche Wege und Mühen auf uns nehmen.


Jeder von uns hat schon besondere oder gar einmalige Lichtstimmungen erlebt und hatte damit einfach das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen zu sein. Aber solch außergewöhnliche Stimmungen sind in der Regel besonders kurzlebig, weshalb auf Reisen eine aufnahmebereite Kamera dringend empfehlenswert ist.

Waipawa River, Neuseeland:

Bilder



Wie schnell entsteht ein Regenbogen, und wie schnell ist er wieder verschwunden! Wenn ich erst jetzt meine Kameraausrüstung zusammenbaue, dann ist es oftmals zu spät, und bis ich dann den Finger am Auslöser habe, kann die Farbenpracht bereits wieder verschwunden sein. Ein Polarisationsfilter hat die Intensität des Regenbogens noch erhöht, und die freie Sicht hatte ich von einer Brücke.

 
Glaciar Perito Moreno, Argentinien:

Bilder



Es gibt keine allgemeingültigen Regeln für Aufnahmen bei „außergewöhnlichen Stimmungen“. Wichtige Grundlagen sind auf jeden Fall Schnelligkeit und eine bereits aufnahmebereite Kamera. Ein schneller Zugriff in einer gut organisierten Fototasche bzw. Fotorucksack ist hierbei ein Segen. Außerdem kann eine Schnellkupplung zwischen Kamera und Stativkopf ein enormer Zeitgewinn sein. Die Wetterlage für das obige Foto war sehr wechselhaft und ich erinnere mich, dass ich die Kameraausrüstung etliche Male vor den niedergehenden Regenschauern abdecken musste. Aber dann öffnete sich die Wolkendecke für Sekunden …

 
Flora Saddle, Mt. Arthur, Neuseeland:

Bilder



Viele ungewöhnliche Stimmungen sind schon bei Tagesanbruch zu sehen. So lohnt es sich „früh aufzustehen“, und auf jeden Fall ist es ein schönes Erlebnis, den ersten Lichtschimmer vor Sonnenaufgang am Horizont miterleben zu können. Gerade bei so schnell wechselnden Stimmungen heißt es „Ruhe bewahren“ und ihr solltet euch auf das Wesentliche konzentrieren, anstatt überall sein zu wollen!

 
Hoher Freschen, Österreich:

Bilder



Das Farbspektakel unmittelbar vor Sonnenaufgang kann schon atemberaubend sein, wie hier in den österreichischen Alpen im frühen Winter. Bei solchen Motiven ist natürlich belichtungstechnisch zu beachten, dass die „Lichter“ (die hellsten Stellen des Motivs) noch „Zeichnung“ haben, also nicht überbelichtet werden. Im Zweifelsfall lieber mehrere Belichtungen machen! Es ist leicht möglich, dunklere Bildpartien nachträglich mit Bildbearbeitungsprogrammen „heller“ zu machen, aber überbelichtete Stellen kann ich leider nicht dunkler machen.

 
Hoher Freschen, Österreich (aufgehellt):

Bilder



Hier habe ich die dunkleren Bildpartien mit der „Tiefen-Lichter-Funktion“ bei Photoshop leicht aufgehellt, die „Lichter“ sind nahezu unverändert. An dieser Stelle möchte ich nur kurz erwähnen, dass ich nur Einfluss auf die Tonwerte, Lichter und Schatten und die Gradation nehme. Ich füge nichts hinzu oder entferne etwas aus den Bildern!

 
Forgotten World Highway, Neuseeland:

Bilder



Schon Minuten, nachdem die Sonne über dem Horizont aufgegangen ist, verändert sich die spektrale Zusammensetzung des Lichts extrem, und der überwiegende Rotanteil des Lichts wechselt ins fast neutrale Tageslicht, wie an den Nebelschwaden dieses Bildes zu sehen ist. Hierbei ist eine fixe Einstellung der Farbtemperatur an der Kamera empfehlenswert (nicht: Automatisch!), da sonst ungewollte „Korrekturen“ durch die Kamera selbst getätigt werden könnten. Manchmal kann ein neutraler (grauer) Verlaufsfilter, der den Himmel etwas abdunkelt, ein zusätzliches Gestaltungsmittel sein. Ich benutze keinen, da ich den Himmel bei Bedarf später im Fotolabor durch „Nachbelichten“ dunkler mache.

 
Mt. Arthur, Neuseeland:

Bilder



Bei Schwarz-Weiß Aufnahmen habe ich mit der Farbtemperatur keine Probleme, nur muss hierbei aber das Licht zum Motiv passen. Aber nicht nur die Tageszeit ist für unterschiedliche Stimmungen zuständig, sondern auch die gegenwärtige Wettersituation.

 
Wie schon im Tutorial „Licht“ erwähnt, gibt es kein „gutes“ oder „schlechtes“ Wetter für Fotoaufnahmen, und selbst der heftigste Regen hat fotografisch noch was zu bieten.

Schloss Balzers, Liechtenstein:

Bilder



So ist die Aufnahme vom Schloss Balzers im Regen (mit Regenschirm über der Kamera!) entstanden. Gerade bei schlechtem Wetter ist eine Motivsuche oft lohnenswert. Ein absoluter Gestaltungshelfer bei Landschaftsaufnahmen, welcher unglaubliche Stimmungen parat hält, ist „Nebel“.

 
Fuente el Fresno, Spanien:

Bilder



Hierbei löst sich der „Hintergrund“ buchstäblich im Nichts auf und die bildwichtigen Komponenten, in diesem Fall die Bäume, treten in unterschiedlichen Dichten auf. Aber, je nach Dichte des Nebels, könnt ihr nur mit Stativ arbeiten, da für die Schärfentiefe weit abgeblendet werden muss, weshalb lange Belichtungszeiten entstehen können.

 
Federsee Oberschwaben, Deutschland:

Bilder



Ebenso verliert sich der Holzsteg über dem zugefrorenen See im Nebel und der Horizont geht langsam ins Weiß über, ohne dass weiter entfernt liegende Bildelemente stören könnten.

 
Winter in Oberschwaben, Deutschland:

Bilder



Aber Achtung: Bei Nebel und Frost kann sich leicht ein Niederschlag auf dem Objektiv absetzen und unter Umständen wie ein „Weichzeichner“ auf die Aufnahme wirken. Deshalb decke ich das Objektiv immer mit dem Objektivdeckel ab und entferne diesen erst unmittelbar vor der Aufnahme. Gerade extreme Wettersituationen wie z. B. „Frost“ lassen eine Landschaft „außergewöhnlich“ erscheinen.

Ich erinnere mich noch sehr gut an die steif gefrorenen Finger bei -18 Grad, als ich endlich meinen Kamerastandpunkt an den Athabasca Falls in Kanada gefunden hatte und die Belichtung tätigen konnte.

Athabasca Falls Alberta, Kanada:

Bilder



Die Beleuchtungsgegensätze zwischen dem im Schatten liegenden Wasserfall und dem von der Sonne angestrahlten Hintergrund waren enorm, und da ich immer noch auf Film belichte, musste ich natürlich auf die „Schatten“ belichten. So wurde der helle Hintergrund stark überbelichtet, was ich beim Vergrößern durch „Nachbelichten“ im Fotolabor wieder korrigieren musste. Aber darauf komme ich in einem anderen Tutorial noch ausführlich zu sprechen.


Meine wichtigsten Gestaltungshelfer sind mir aber die Wolken.

Himmel über China:

Bilder



Was sich manchmal am Himmel abspielt, ist genauso wichtig wie das Landschaftsmotiv selbst.

 
Sammelplatz Appenzell, Schweiz:

Bilder



So schön ein blauer Himmel auch ist, für mich ist er fotografisch einfach langweilig. Ich habe schon Stunden lesend neben der Kamera verbracht und auf die passenden Wolken gewartet, und viele meiner Aufnahmen haben erst durch die Wolken ihre Aussagekraft bekommen.

 
Corriaca, Argentinien:

Bilder



Was wäre die Landschaft ohne diese Wolkenformation am Himmel? Nur halb soviel, wenn überhaupt!

 
Calahuen, Argentinien:

Bilder



Und dieser Landschaft würde ohne diesen Himmel jede Dramatik fehlen!

 
Hier möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass ein Polarisationsfilter für Farbaufnahmen und ein starker Rotfilter für Schwarz-Weiß Aufnahmen ein sehr sinnvolles Zubehör sind! Über die Wirkung und Anwendung werde ich ebenfalls in einem anderen Tutorial zu sprechen kommen.

Taseko Lake, British Columbia, Kanada:

Bilder



 
Wie schon erwähnt, sind die „Randzeiten“ eines Tages oftmals die „Stimmungsbringer“. So hat sich kurz vor Sonnenuntergang der stark bedeckte Himmel für ein paar Sekunden geöffnet und ich hatte das Glück, eine „schussbereite“ Kamera neben mir zu haben. Solche Lichtsituationen können aber eine Herausforderung für eine korrekte Belichtungsmessung sein. Hierbei ist eine „Spotmessung“ auf die bildwichtigen Teile des Motivs von großem Vorteil!

Coloradobrücke bei Ehrenberg, Arizona, USA:

Bilder



Das letzte Streiflicht des Tages gibt der Brücke bei Ehrenberg und dem Abendhimmel diese außergewöhnliche Stimmung.

 
Bowron Lakes, British Columbia, Kanada:

Bilder



Wie ein Spotlicht hat die Sonne die Bäume am gegenüberliegenden Ufer beleuchtet, und da es nahezu windstill war, konnte sich die ganze Szene auf der Wasseroberfläche spiegeln.

 
Nordsee, Deutschland:

Bilder



Bei dieser Aufnahme war mir hauptsächlich das „Gold“ am Himmel und als Spiegelung zwischen dem Sand wichtig. Dass der Krabbenkutter mit ins Bild kam und die Möven trotz meiner Annäherung sitzen geblieben sind, war ein zusätzlicher Bonus.

 
Fiz Roy, Argentinien, Mondlicht:

Bilder



Wie unterschiedlich Stimmungen sein können, zeigen die 3 Aufnahmen. So ist das obige Bild mitten in der Nacht im Mondschein entstanden. Die Belichtungszeit von 30 Sekunden mit meiner Digitalkamera lässt die Wolken zart und in Bewegung erscheinen, und das Mondlicht sorgt für diese eigenartige Stimmung. Hätte ich diese Aufnahme auf Film belichtet, wäre bedingt durch das „Schwarzschildverhalten“ eine viel längere Belichtungszeit notwendig gewesen. Kurz gesagt: Film verliert bei langen Belichtungszeiten an Allgemeinempfindlichkeit, weshalb die gemessene Belichtungszeit nach Herstellerangaben verlängert werden muss!

 
Fiz Roy, Argentinien - bei Sonnenaufgang:

Bilder



Unmittelbar nach Sonnenaufgang entstand diese Aufnahme. Da die Sonne noch sehr tief stand, wurden Teile des Vordergrunds noch nicht beleuchtet und geben dem Bild damit mehr Ruhe.


 
Fiz Roy - nach Sonnenaufgang:

Bilder



Deutlich hat sich der Farbcharakter der Beleuchtung verändert. Der Vordergrund ist nun schon mehr beleuchtet und die Wolke ist nicht mehr so plastisch dargestellt wie kurz nach Sonnenaufgang. Das Bild strahlt nicht mehr die Ruhe aus wie die vorherige Aufnahme.

Fazit: Beizeiten das warme Bett verlassen und evtl. einen schon vorher festgelegten Aufnahmestandort für das „erste Licht“ aufsuchen und alles für die Belichtung vorbereiten.

 
Wer lieber ausschläft, kann es dann z.B. bei der „Blue Hour“ nach Sonnenuntergang versuchen.

Patagonien, Argentinien:

Bilder



Während der Belichtungszeit von 30 Sekunden habe ich mit einer Taschenlampe die Steine im Vordergrund und ein paar Äste„nachbelichtet“, wobei dieser partielle Beleuchtungscharakter entstand. Das Blau des Hintergrundes wurde durch die Farbtemperatureinstellung auf "Kunstlicht" an der Kamera erreicht!


 
Patagonien, Argentinien:

Bilder



Ähnlich wie bei der letzten Aufnahme, habe ich den toten Baum mit der Taschenlampe beleuchtet. Wie schnell Sterne eine Lichtspur ziehen, könnt ihr links oben im Bild sehen. Innerhalb von 30 Sekunden ist aus dem Lichtpunkt eines Sterns bereits ein heller Strich geworden.

Deshalb heißt es acht geben, wenn ihr den Mond mit im Bild habt. Langzeitbelichtungen über 1 Sekunde lassen diesen schon unscharf erscheinen.

Valle de la Luna, Argentinien (nächste Aufnahme):

Mit der Sonne habt ihr es daher viel einfacher. Belichtet die Aufnahme etwas „unter“, und schon habt ihr eine „Mondstimmung“, auch wenn diese am Nachmittag entstanden ist!

Westerhever, Deutschland (letzte Aufnahme):

Bilder



Bilder




Kommentare
Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
Portrait von Yammy
  • 11.02.2014 - 08:02

vielen Dank für deine Arbeit

Portrait von Gladiole
  • 22.08.2013 - 20:48

Echt gute Bilder und tolle Tipps

Portrait von Senta2006
  • 20.08.2013 - 10:58

Wahnsinnig tolle Fotos! Super Tutorial

Portrait von Zewa
  • 26.02.2013 - 17:52

gute arbeit.. sehr gelungen

Portrait von lichtbogen
  • 18.11.2012 - 09:21

Diese Tutorialreihe bietet viele gute Beispielbilder, wer mehr nach allgemeinen Hinweisen sucht, sollte sich den Teil über Landschaften in der Reisefotografiereihe ansehen.

Portrait von wieauchimmer
  • 14.11.2012 - 09:05

Tolle Anregungen, unglaubliche Bilder, wirklich ein außergewöhnliches Tutorial!!

Portrait von spuellana
  • 27.10.2012 - 13:28

danke..echt tolle bilder dabei ;)

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 17.08.2012 - 08:24

Jetzt ist es an der Zeit meinen A... etwas früher aus dem Bett zu kriegen. Motivation pur, danke dafür.

Portrait von triks
  • 21.07.2012 - 17:46

über geile Bilder, die hier zu sehen sind... und Recht hat er auch mit dem frühen aufstehen. Oft muss man die Bilder schon vorplannen, anstatt darauf zu warten, dass sie einem vor die Linse springen. Danke, für die schöne Inspiration.

Portrait von oionline
  • 03.04.2012 - 15:04

Wunderschöne Fotos, sehr beeindruckend!

Portrait von _Abadon_
  • 03.02.2012 - 10:40

Die Bilder in diesem Tutorial sind wirklich wunderschön und regen dazu an selbst raus zu gehen und zu versuchen ähnliche Bilder zu machen.

Portrait von DieterFfm
  • 18.10.2011 - 14:56

Genau solche Bilder sind das Ziel, oder ?

Portrait von Schnuppi8480
  • 21.06.2011 - 09:33

ich bin sprachlos ... was für bilder ... wow ...

Portrait von manu90
  • 14.04.2011 - 15:04

wow beeindruckend.. danke

Portrait von Pjotr
  • 21.01.2011 - 18:22

Wirklich tolle Bilder! Danke für die Erläuterungen zur Entstehung der Bilder. Ohne diese wäre es auch mehr ein Portfolio als ein Tutorial.

Portrait von fitschu
  • 16.01.2011 - 22:06

Wunderschöne Bilder, dieses Tut werde ich wohl noch ein paarmal bestaunen. Danke

Portrait von Bunny_Tsukino
  • 09.01.2011 - 15:16

auch sehr gutes tut. hätte mir aber mehr tipps zum sonnenaufgang gewünscht.

Portrait von dosenschreck
  • 08.01.2011 - 23:54

Super Bilder ohne Fragen, aber leider fehlen mir die Tips auf was man achten sollte, welche Filter, wann welche Belichtungszeiten und Blenden usw.,

Portrait von g90p
  • 09.01.2011 - 23:33

Dies ist ein Tutorial über "außergewöhnliche Lichtstimmungen" und über den Einsatz von Filtern werde ich in einem anderen Tutorial ausführlicher schreiben. Ich benütze keine "Effektfilter", sondern wie schon erwähnt, nur einen Polarisationsfilter für Farbaufnahmen und einen Rotfilter für Schwarz-Weiss Aufnahmen. Angaben über Belichtungszeit und Blende machen keinen Sinn, da jeder Fotografierende seine eigene Vorstellung von seinem Endprodukt hat und seine Parameter entsprechend messen und einstellen sollte. Im Klartext: Will ich alles scharf abbilden, dann muß ich eben weit abblenden und logischerweise länger belichten und umgekehrt! Learning by doing! - Die selbstgemachten Erfahrungen sind immer noch die Besten!!

Portrait von Amadeus62
  • 08.01.2011 - 07:25

Ausgesprochen schöne Bilder, wenngleich ich mir mehr Tipps für Photoshop erwartet hätte.

x
×
×