Tutorialbeschreibung

Sportfotografie - Teil 2 - Vorbereitungen

Sportfotografie - Teil 2 - Vorbereitungen

Rechte:

Vor dem Veröffentlichen seiner Bilder sollte man sich die Rechtslage klarmachen, um einer kostspieligen Abmahnung zu entgehen. Wer die Fotos lediglich für sich und seine Familie macht oder um ein Portfolio zu erstellen, der darf das im Normalfall fast immer ohne zusätzliche Genehmigung. Bei größeren Veranstaltungen findet man die AGB auf der Internetseite des Veranstalters oder auf der Rückseite seiner Eintrittskarte. Wer vor hat seine Bilder zu veröffentlichen, muss dafür eine Genehmigung des Veranstalters haben. Die Weitergabe der Bilder an die Presse ist von kleinen Vereinen oft erwünscht, da sie sich über jede zusätzliche Aufmerksamkeit freuen. Das sollte durch eine kleines Gespräch oder eine E-Mail im Vorfeld aber unbedingt abgesprochen werden. Die Kontaktperson sollte man sich gut merken, um späteren Missverständnissen und Beschwerden vorzubeugen.

Auch das Zeigen der Bilder auf seiner privaten Internetseite oder in einem Internetforum bedeuten eine Veröffentlichung!

Wer eine Veröffentlichung vorhat, sollte sich unbedingt das komplette Fotorecht einmal durchlesen. Die wichtigsten Auszüge findet man zum Beispiel hier:

www.law-blog.de/category/fotorecht/

Wer vorhat, die Fotos für Werbezwecke, zum Beispiel für den Sportladen eines Freundes, zu verwenden, sollte sich der gesonderten Rechtslage klar sein, welche ich hier aber nicht weiter ausführen möchte. Wer weitere Fragen hat, sollte sich an einen Rechtsanwalt wenden und nicht einen Freund oder ein Internetforum befragen, da die Antworten in solchen Fällen oft lediglich auf gefährlichem Halbwissen beruhen.


 

Vorbereitungen:

Um sicherzustellen, dass man bei einem Spiel nicht abgelenkt wird und unnötig Zeit verliert, sollte man einige Vorbereitungen treffen. Die Einstellungen an der Kamera sollte man nach jedem Fotografieren wieder in die gleichen Ausgangspositionen bringen. Die Speicherkarte sollte nach dem Auslesen sofort wieder in die Kamera gesteckt werden und man sollte die Einstellung aktivieren, die eine Auflösung ohne Karte verhindert, damit man das Vergessen auch sofort bemerkt. Eine kurze Überprüfung der beiden Enden der Objektive und ein Ausblasen mit einem Blasebalg sollte vor jedem Fotografieren zu Routine gehören.

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Wann, wer, wo und wie:

Alle Daten des Spiels sollte man bereits vorher kennen. Das Datum und die genaue Uhrzeit des Spielanfangs, die beiden Mannschaften mit der jeweiligen aktuellen Aufstellung (mit Trikotnummer und Trainernamen), den genauen Spielort (z. B. welche Halle im Sportkomplex der Stadt) und den Weg und Dauer zum Spielort, sollten einwandfrei klar sein.

Alle wichtigen Informationen kann man besonders einfach auf der Internetseite der jeweiligen Mannschaften finden. Falls noch Fragen offen sind, gibt einem die Pressestelle bei einem freundlichen Anruf alle weiteren Antworten. Bei vielen Spielen wird die Mannschaftsaufstellung vor dem Spiel an die Presse verteilt. Diese Liste sollte man unbedingt ergattern, da Trikotnummern oft doppelt verteilt oder kurzfristig geändert werden. Diese Informationen kann man somit im Vorfeld bereits als IPTC-Daten vorbereiten.

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Last Minute Check:

Wer einmal den langen Weg zu einem Stadion mit seiner Ausrüstung umsonst gemacht hat, weil das Spiel kurzfristig abgesagt oder verlegt worden ist (zum Beispiel wegen Unspielbarkeit des Feldes o. Ä.), wird vor dem Verlassen der Wohnung noch einmal einen Blick ins Internet riskieren, ob das Spiel auch wirklich noch am gleichen Ort und um die gleiche Uhrzeit stattfindet. Auch ein letzter Blick auf die Akkus und die Vollzähligkeit der Ausrüstung sollte nicht fehlen.


Zugang/Akkreditierung:

Welchen Zugang man erhält und welche Regel es auf dem Feld gibt, entscheidet jeder Verein selbst und manchmal sehr unterschiedlich.

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Während zum letzten Spiel und zur Pokalübergabe bei der Fraueneishockey-Bundesliga jeder kostenlos rein durfte und ich zur Feier sogar mit auf das Eis, musste ich mir bei einem Fußball-Regionalliga-Spiel von mehrere Leuten anhören, wo ich stehen dürfe und wo nicht, obwohl gerade mal ein paar Dutzend Zuschauer gekommen waren. Der entscheidende Faktor ist dabei, für wie wichtig der Verein sich hält. Bei Randsportarten wie Rugby hat es gereicht, mit meiner Fotoausrüstung aufzutauchen und zu erwähnen, dass ich für die Presse Fotos machen will, um kostenlos zum Spiel gelassen zu werden.

Wenn so etwas nicht reicht, kann man dem Verein die Bilder kostenlos als Gegenleistung anbieten. Schließlich haben heutzutage auch kleinere Vereine eine Internetseite oder ein Vereinsblatt und können sich einen teuren Fotografen nicht leisten. Eine Namensnennung und ein Belegexemplar sollte man aber auf jeden Fall trotzdem fordern. Sollte die Heimmannschaft bereits einen Fotografen haben, sollte man sich an die Gastmannschaft wenden, da es für die kleineren Vereine oft zu teuer ist, auch noch einen Fotografen im Teambus mitzubringen.

Bei größeren Vereinen, bei denen eine Akkreditierung erforderlich ist, sollte man ein Anfrage an die Geschäftsstelle bereits im Vorfeld richten.

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Stellung beziehen und Perspektiven suchen:

Am Spielfeld angekommen, sollte man sich bewusst machen, wo man als Fotograf hin darf und wo nicht (z. B. direkt hinter den Mannschaften) und auf unbekanntem Terrain eine kleine Runde laufen.

Da man auf den Fotos die Gesichter der Sportler erkennen soll, sollte man sich in Bewegungsrichtung stellen. Auch auf den Hintergrund sollte man achten, da er einen hohen Anteil an einem guten Sportfoto ausmacht. Viele Anfänger machen den Fehler, sich auf einen Platz zu stellen, auf dem man zwar das ganze Spielfeld überblicken kann, aber die Spielszenen nur von der Seite oder gar von hinten fotografieren kann. Denn viel wichtiger als Aktionen zu erwischen ist es, die richtige Perspektive bei den Aktionen zu haben. Dadurch wirkt das Bild viel besser.

Lieber auf Qualität setzen als auf Quantität! Ziel ist es, gute Aktionen formatfüllend und mit guter Perspektive zu fotografieren und keine langweilige Dokumentation des Spiels herzustellen. Die Fotos sollen andere Menschen begeistern und nicht nur das reine Spielgeschehen zeigen. Also lieber nur 5 gute Aktionen pro Spiel fotografieren, als 30 mittelmäßige Bilder produzieren.

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Wo man sich am besten hinstellt, braucht man nicht unbedingt bei jeder Sportart neu zu suchen. Bei Profispielen gibt es einige Stellen, auf denen viele Fotografen stehen. Daran kann man sich besonders am Anfang gut orientieren. Mit einer wachsenden Erfahrung kann man natürlich weitere Perspektiven ausprobieren.

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Knigge für Sportfotografen:

Am Spielfeldrand sollte man nie vergessen, dass die Hauptpersonen nicht die Fotografen sind, sondern die Spieler und der Sport. Das Letzte, was man machen sollte, ist, Einfluss auf das Spiel auszuüben, indem man Spielern und Schiedsrichtern im Weg steht. Im Großen und Ganzen sollte man nicht als Fotograf auffallen.

Ebenso wenig sollte man das Trikot einer der Mannschaften oder eine andere auffällige Kleidung tragen, wie sich zu nahe an die Laufwege des Linienrichters im Fußball setzen. Einen Abstand sollte man auch zu den Spielerbänken halten. Zum Sicherheitspersonal sollte man freundlich sein, damit man die maximale Bewegungsfreiheit hat und nicht an jeder Ecke nach der Akkreditierung gefragt wird. So kann man auch an besondere Orte, um außergewöhnliche Fotos machen zu können. Die Ausrüstung sollte immer in einem Bereich sein, zu dem keine Fans Zugang haben und am besten in der Nähe vom Sicherheitspersonal.

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Auch anderen Fotografen sollte man nicht umsonst im Weg stehen und ein zu aggressives Verhalten wie am roten Teppich ist ebenfalls völlig unnötig. Es ist schließlich genug Platz am Spielfeldrand. Wenn man Zugang zum Pressebereich hat, in dem es Informationen und Snacks gibt, sollte man das Angebot nicht unnötig ausnutzen, da es ein freiwilliges Angebot der Vereine ist.

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Versuchen Sie sich also professionell ...

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... und unauffällig zu benehmen!

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Presseausweis:

Die Presse in Deutschland wird nicht zentral gesteuert. Es gibt also keinerlei Behörde oder Amt, welches einen staatlichen Presseausweis ausstellt. Jeder darf behaupten, als Presse zu arbeiten, auch wenn er lediglich einen Blog führt. Das ist eine Grundidee der Demokratie und soll eine Steuerung durch die Regierung verhindern, die entscheiden könnte, wer Presse ist und wer nicht. Es gibt also keinen „amtlichen“ Presseausweis.

Es hat sich aber eingebürgert, dass Verbände Presseausweise herausgeben, die ihre Inhaber als Angehörige der Presse ausweisen. Diesen Zustand nutzen kleinere, profitorientierte Verbände aus und verkaufen ihre Ausweise an jeden, der bereit ist, den Jahresbeitrag zu bezahlen. Dies sind natürlich auch Presseausweise, genauso wie die der großen Verbände wie Ver.di etc.

Deutliche Unterschiede gibt es aber in ihrer Anerkennung!

Die Zugänge oder Vergünstigungen, die man mit eine Presseausweis bekommt, hängen von der Entscheidung des Veranstalters ab. Ein kleiner Ortsverein kann vielleicht die unterschiedlichen Presseausweise nicht unterscheiden, aber die Bundesligavereine können das sehr wohl.

Es gibt einen Ausweis, der von jedem anerkannt wird. Dieser Ausweis wird aktuell ausgestellt von:

• Ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
• DJV – Deutscher Journalisten Verband
• VDZ – Verband Deutscher Zeitschriftenverleger
• BDZV - Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger
• VDS - Verband Deutscher Sportjournalisten
• Freelens

Diese Verbände haben einen gemeinsamen Standard. Sie verlangen von den Antragstellern einen Nachweis für eine hauptberufliche Tätigkeit. Mitglied in einem der Verbände muss man dafür nicht unbedingt sein. Von den Beiträgen und Gebühren für eine Mitgliedschaft oder dem Presseausweis leben diese Verbände sehr gut. Daher kann man verstehen, dass die Verbände an ihrem Monopol festhalten wollen.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.presseausweis.org.

Ein solcher Ausweis ist nicht unbedingt immer notwendig. Wer im Auftrag einer Zeitung, Agentur oder eines Vereines fotografiert, braucht keinen solchen Ausweis. Eine Anfrage des Auftragsgeber reicht normalerweise für eine Akkreditierung aus.

Als Regel gilt: Den Presseausweis bekommt man erst, wenn man ihn nicht mehr braucht.

Kommentare
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Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 01.04.2009 - 21:40

Danke für die Informationen. Da ich schon eine Weile überlege, mich in der Sportfotografie zu versuchen finde ich diesen Beitrag sehr nützlich. Vielen Dank.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 28.03.2009 - 15:55

Sehr interessant, Danke!

Portrait von lalicaro
  • 27.03.2009 - 02:17

Wow, das war sehr interessant und nützlich. Vielen Dank!

Portrait von pr0xic
  • 27.03.2009 - 00:51

abgespeichert, danke!

Portrait von schandor
  • 26.03.2009 - 16:28

Sehr gute Einführung in die Sportfotografie.

Portrait von eyedeal
  • 26.03.2009 - 11:18

Sehr interessant mal aus dieser Perspektive zu sehen! Vielen Dank

Portrait von kaesepapst
  • 26.03.2009 - 10:27

Ganz interessante Einführung. Ich stelle aber fest, dass ich so ein ambitionierter Sportfotograf nicht bin, für mich also nur mäßig interessant. Die Zicken/Allüren von Schiedsrichtern (Baseball, Softball) habe ich allerdings auch schon kennengelernt.

Portrait von quoniam
  • 24.03.2009 - 10:41

Ich finde die Serie gut- habe da auch so meine Erfahrungen in Sachen "Presseausweis". Die digitale Technik machts möglich- auch im Negativen! Jede sekretärin eines jeden Blättchens ist auf einmal "Presse" und man kann nur staunen was das bewirkt! Bei Veranstaltungen mit kleinerem Platzangebot (Reitsport) steht dann durchaus mal sogenannte "Presse" mit digitalen Kompaktkameras (!) im eng begrenzten Raum. Da stehen dann irgendwelche pferdebegeisterte Mädchen, knipsen vor sich hin und blockieren einen total bei der Arbeit...

Gibt es von den Fans-Zuschauern einen Model-Release? Was ist, wenn dieses Bild z.B. auf dem Titel einer Zeitschrift auftaucht und einer klagt? sie sind noch nicht einmal "Beiwerk", sondern bildbestimmendes Motiv! Das kann teuer werden! was macht man da?

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 01.04.2009 - 23:47

Hallo,<br>
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Markus schrieb:<br>
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»Als Regel gilt: Den Presseausweis bekommt man erst, wenn man ihn nicht mehr braucht.«<br>
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Das mag für den Regionalen Sport stimmen, aber das gilt sicher nicht für z.B. Bundesliga oder intern. Tennisveranstaltung, Leichtathletik wie ISTAF usw. da kommt man selber nur an eine Akkreditierung wenn man einen VDS-Ausweis hat und diesen bekommt man auch nicht weil man mal Sportfotografiert hat.<br>
Den bekommt man erst wenn 2 Sportfotografen bürgen, und diese sollten einige Jahre selbst anerkannt sein.<br>
Wenn man einen VDS-Ausweis hat kommt man auch nicht überall rein, man muss sozusagen von klein anfangen, für die ChampionsLeagueSpiele muss man viele Bundesligaspiele durch haben usw.<br>
<br>
Ohne einen solchen Ausweis (VDS) ist es so gut wie nicht möglich sich im Innenraum zu bewegen und zu fotografieren<br>
<br>
Gruß<br>
Antonio<br>

Portrait von FLEIGULR
  • 22.03.2009 - 14:25

War für mich zuviel Theorie, muss man aber als Pressefotograph sicherlich wissen

Portrait von Markus_Hammes
  • 22.03.2009 - 14:53

Theorie gehört immer dazu. :-)
Im nächsten Teil werde ich dann auf die einzelnen Sportarten eingehen, was etwas praktischer sein sollte.

Portrait von tomatito
  • 22.03.2009 - 00:06

tolles tut freu mich auf den nächsten teil

Portrait von DerPhiL
  • 21.03.2009 - 10:19

nicht schlecht, Danke! ;)
ich hätte mir aber noch andere Sportarten gewünscht, die nicht im Stadion o.ä. sind, sondern draußen im Wald oder Feld. (Rad-, Lauf-, Schwimmsportarten etc.)

Portrait von Karl
  • 20.03.2009 - 19:29

sehr schön, wieder etwas gelernt

Portrait von roman2
  • 20.03.2009 - 16:10

Vielen Dank für das Tutorial

Portrait von bluelord
  • 20.03.2009 - 15:19

Schließt sich schön an Teil 1 an.
Gut finde ich den Knigge für Sportfotografen. Den sollten einige Leute, die man so in "freier Fotolaufbahn" antrifft beherzigen. Der Punkte Rechte ist auch gut, da viele Hobby-Fotografen einfach wild fremde Leute knipsen und die Fotos dann oft im Internet, in Foren oder der eigenen Webseite, veröffentlicht werden.

Portrait von norram
  • 20.03.2009 - 10:34

Auch Teil 2 ist super. In der Regel gehen viele einfach auf Fototour ohne vorher darüber - vor allem rechtlich - nachzudenken. Auch das Benehmen ist so eine Sache. Leider beobachte ich immer wieder "Möchte-gerne-Fotografen", die noch nicht viel von Anstand gehört haben.

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