Tutorialbeschreibung

Sportfotografie - Teil 3 - Fußball und Basketball

Sportfotografie - Teil 3 - Fußball und Basketball

Nachdem man alle Vorbereitungen abgeschlossen hat, zu einer Veranstaltung Zugang bekommen hat und nun am Spielfeldrand steht oder sitzt, muss man sich auf die speziellen Gegebenheiten des Sportes einlassen.


Fußball:

Die benötigten Brennweiten beim Fußball liegen irgendwo zwischen 100 und 400mm. Das hängt aber auch von der Liga ab, bei der man ist. In unteren Ligen geschehen die interessanten Zweikämpfe oft näher am Torraum als in der Bundesliga.

ZweikampfBilder



 
Während man also bei unteren Ligen mit einem 70-200-mm-Objektiv gut auskommen kann, ist die Ausbeute bei einem Bundesligaspiel mit einem 300er oder gar 400er-Objekt am höchsten.

Luca ToniBilder



 
Für Anfänger eignet sich ein 70-200-mm-Objektiv mit einem 1,4x-Telekonverter am besten für Fußball. Diese Kombination ist flexibel und ermöglicht auch große Brennweiten, ohne dass man sehr viel Geld ausgeben muss. Durch die Benutzung eines 1,4x-Telekonverters sinkt die Lichtstärke eines F2,8-Objektivs auf F4 (von F4 auf F6,5), was aber tagsüber immer noch ausreichend sein sollte.

ZweikampfBilder



 
Dass bei kleineren Ligen oft mittags gespielt wird, kommt besonders Anfängern mit weniger lichtstarken Objektiven zugute und macht den Einstieg etwas einfacher und billiger.

SchweißBilder



 
Bei rennenden Personen und bei einer Brennweite um die 200mm sollte man auf eine Belichtungszeit von etwa 1/500sek (eher 1/640sek) kommen, um sich keine Gedanken über Bewegungsunschärfe machen zu müssen. Bei Flutlichtspielen am Abend kann man aber auch versuchen, mit einer längeren Belichtungszeit auszukommen. Bei langsameren Aktionen oder geringerer Brennweite reichen oft auch bereits 1/400sek aus.

ZweikampfBilder



 
Wie bereits im ersten Teil beschrieben, sollte man sich in Bewegungsrichtung der Fußballspieler stellen, was bedeutet entweder hinter die Torauslinie in ca. 10 Meter Abstand zur Eckfahne oder in der gleichen Entfernung an der Seitenauslinie. Dabei sollte man darauf achten, ob der Linienschiedsrichter vor einem laufen wird. Sollte das der Fall sein, muss man genug Abstand zum Spielfeld einhalten.

SpielerBilder



 
Von der Position hinter der Torauslinie sind die Zweikampfaktionen sehr frontal, und auch andere Strafraumszenen bekommt man gut. Der emotionale Torjubel geht meistens leider in Richtung Eckfahne oder Seitenauslinie und ist damit leider von dieser Position nur seitlich zu fotografieren. Eine Remotekamera mit Weitwinkelobjektiv oder Fischauge direkt hinter dem Tor an einem langen Fernauslöserkabel kann man von dieser Position gut bedienen und man bekommt damit sehr spektakuläre Fotos. So ein langes Auslöserkabel bekommt man günstig im Zubehörhandel. Mit einer längeren Brennweite bekommt man auch Fotos vom Trainer, wie er wild gestikuliert oder den Spielern Anweisungen zuruft.

TrainerBilder



 
Auch die Position an der Seitenauslinie hat Vor- und Nachteile. Angriffe, Mittelfeldduelle und Kopfballannahmen bekommt man von dort sehr gut vor die Linse, genauso wie Eckbälle. Die meisten Torsituationen bekommt man von dieser Position, genauso wie die meisten der darauf folgenden Torjubelszenen.

JubelBilder



Sollte man die Freiheit haben, selber entscheiden zu können, wo man sich hinstellt (z. B. bei sehr niedrigen Ligen), sollte man versuchen, die Sonne im Rücken zu haben.

Beim Einzug der Mannschaften kann man sich den Zuschauern widmen, die Ihre Schals und Flaggen hochhalten, Konfetti werfen oder Leuchtkörper zünden. Nach einem Tor machen sie zwar das Gleiche, aber dann sollte man sich auf den Torjubel der Spieler konzentrieren, da dort die Emotionen des Spiels am besten zu sehen sind.

Wer nicht ständig stehen will und damit vielleicht sogar anderen die Sicht versperrt oder auf dem Rasen sitzen will, sollte sich einen Campingsitz o.Ä. mitnehmen. Diese gibt es bereits für sehr wenig Geld im Campingladen oder Motorradzubehör. Ein einfaches und leichtes Einbein erleichtert die Arbeit, durch das man nicht ständig die Kamera mit Objektiv konzentriert hochhalten muss.

 
Wer mit einem Zoomobjektiv arbeitet, sollte wie bereits im ersten Teil in „Kameraeinstellungen“ beschrieben, Platz genug lassen für den Ball und den heranstürmenden Verteidiger. Einzelporträts der dribbelnden Spieler sind zwar nett, zeigen aber wenig von der Spannung und der Faszination des Fußballsports.

ZwseikampfBilder



 
Ziel ist es, einen spannenden Zweikampf zu fotografieren, bei dem keine weiteren unbeteiligten Mitspieler im Bild von der Aktion ablenken. Eine hohe Brennweite und eine große Lichtstärke helfen beim Erreichen dieses Ziels, da der Hintergrund stark unscharf wird und die Zuschauer oder Mitspieler dadurch nicht mehr so stark stören.

ZweikampfBilder



 
Durch die eingeschränkte Sichtweise durch ein Teleobjektiv hat man nicht immer den Überblick über die Spielsituation. Man sollte mit dem Fokuspunkt nicht dem Ball folgen, sondern den Spielern. Sollten die einen langen Pass machen, kann man anhand der Blickrichtung und des Verhaltens der Spieler erkennen, wohin der Ball kommt und ist bereit, das kommende Kopfballduell zu fotografieren.

KopfballBilder



 
Man kann aber auch versuchen, beide Augen offen zu lassen, um die Gesamtsituation zu erkennen, was aber etwas Übung erfordert. Wenn ein Angreifer auf das Tor zu stürmt, sollte man noch weiter wegzoomen, um die gesamte Torsituation fotografieren zu können. Wer geübt ist, stellt schnell auf einen Fokuspunkt am Rand und fixiert damit entweder den Torwart/das Tor oder den Stürmer. Nur so kann das Foto bei einem Schuss die Torsituation erfassen und nicht nur einen schießenden Stürmer.

TorszeneBilder



 
Bei einem Sieg folgt nach dem Spiel der Jubel der Mannschaft zusammen mit den Fans. Dabei kann man mit einem Weitwinkel (z. B. 12-24mm) nah an die Spieler rankommen und schöne Jubelbilder des/der Torschützen machen.

VoroniBilder



 
Dabei sollte man auch versuchen, die feiernden Fans deutlich mit aufs Bild zu bekommen.

LucaBilder



Basketball:

Da beim Basketball das Spielfeld kleiner ist und die Spieler näher an den Spielfeldrand kommen, benötigt man nur die Brennweiten von 70mm-200mm. Ähnlich wie beim Fußball sollte die Belichtungszeit beim Dribbeln bei 1/500sek (eher bei 1/640sek) liegen. Bei Situationen am Korb kann man manchmal auch etwas darunter gehen. Da das Spiel hauptsächlich unter den Körben stattfindet, ist die Seitenlinie als Standpunkt nicht zu empfehlen. Die Spieler machen keine großen Seitenbewegungen, sondern passen den Ball schnell nach vorne.

 
Für mich haben sich die Ecken als bester Standpunkt herausgestellt. Zusätzlich kann man sich noch direkt unter den Korb stellen.

DunkBilder



 
Wenn man kann, sollte man sich an eine der Spielecken auf den Boden setzen, da die hochspringenden Spieler so noch dramatischer aussehen. Ein kleines Sitzkissen macht das Ganze noch bequemer und schützt die Hose vor dem Schutz auf dem Boden. Von dort kann man mit einem 70-200-mm-Objektiv die meisten interessanten Szenen fotografieren.

DreikampfBilder



 
Beim Aufbauspiel oder bei schnellen Gegenangriffen stehen nicht so viele Spieler im Weg und bieten damit eine gute Gelegenheit, Zweikämpfe zwischen den Körben zu fotografieren.

AufprallBilder



 
Besonders gut kann man aber von dort die Spielszenen unter dem Korb fotografieren. Seitlich angelaufene Korbleger und Dunks genauso wie Spieler, die sich mit dem Rücken zum Verteidiger zum Korb hin kämpfen. Wenn man an der richtigen Ecke sitzt, hat man auch die rufenden, gestikulierenden und mit dem Schiedsrichter diskutierenden Trainer als Bildmöglichkeit.

TrainerBilder



 
Wer darf und sich traut, kann sich auch unter den Korb setzen oder zumindest so nahe wie möglich dran. Von dort reicht dann auch die Brennweite zwischen 24-70mm.

Beim Zoomen sollte man bedenken, dass die Spieler, die zu einem Korbleger oder Dunk ansetzen, die Füße anziehen und daher sollte man eine Brennweite um die 50mm wählen, damit das Bild auch eng genug wird und man nicht zu viel beschneiden muss. Je niedriger man sich an dieser Position befindet, desto besser und wirkungsvoller wirken auch hier die Bilder der hoch springenden Basketballspieler.

Auch die Kämpfe um den Rebound kann man von dort gut fotografieren. Von dort kann man auch Spieler fotografieren, die aus der Distanz werfen. Diese Bilder wirken aber schnell langweilig und machen nur Sinn, wenn es der entscheidende Dreier ist oder der Spieler so die wichtigsten Punkte im Spiel gemacht hat.

Sollte ein Spieler wegen Vereinswechsel oder längerer Verletzungspause interessant sein, kann es sich auch noch lohnen, solche Bilder zu machen.

 
Da man oft in Bodennähe sitzt und schnell in alle Richtungen, auch hoch und runter, schwenken muss, lohnt sich der Einsatz eines Einbeins nicht.

TipoffBilder



 
Von der Eckposition ist es nicht weit zum Korb, wo man eine mit einem langen Kabel versehene Remotekamera auf ein Dreibein stellen kann. So kann man beide beschriebenen Positionen abdecken.

Von den Ecken aus sollte man am Anfang eines Spielzugs auf den Aufbauspieler und seinen Verteidiger achten. Dabei braucht man nicht immer die Beine mit zu fotografieren. Wenn der Zweikampf nur mit den Händen und dem Oberkörper geführt wird, dann braucht man sich auch nur darauf zu konzentrieren. Wenn die Spieler sich dann langsam auf den Korbwurf vorbereiten, schwenkt man ins Hochformat. So passen die folgenden Aktionen, wie Korbleger oder Dunking, besser ins Bildformat.

DunkBilder



 
Danach nicht gleich vom Spieler weg schwenken, damit man nicht seinen Jubel verpasst. Wenn man schon auf das Hochformat geschwenkt hat, kann man auch auf den Trainer achten, wie er Anweisungen ruft oder Freude und Ärger zeigt, je nachdem wie der Spielzug ausgeht.

Wer ein langes Teleobjektiv hat (300mm oder 400mm) kann sich auch mal auf die Tribünen begeben. In Höhe der Backline (kurze Seite) kann man von oben gute Bilder von den seitlichen Korblegern machen, da man die Gesichter frontal aufs Bild bekommt.

KorblegerBilder



 
Durch die hohe Position wird der Hintergrund frei von störenden Sachen und kein Spieler läuft einem ins Bild.

KorblegerBilder


Kommentare
Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
Portrait von Markus_Hammes
  • 23.04.2009 - 14:34

"bei Startszenen aden AF-Punkt in die Laufrichtung an den Rand verschieben ist auch nicht verkehrt" - Was? Ich verstehe dich nicht ganz. Was für Startszenen?

Portrait von tholler
  • 23.04.2009 - 14:25

Jetzt freue ich mich schon auf die nächsten Sportarten; wie wäre es z.B. mit Laufsport oder Triathlon? Die Einblendung von Brennweite, Blende und Verschlußzeit ist ok, aber die ISO- und andere Einstellungswerte (AF, Blitz, ...) sollten auch angezeigt werden.

Portrait von tholler
  • 23.04.2009 - 14:29

Uops, war blind, den Kommentar 3 Threats weiter, hatte ich nicht gelesen.

AF-Punkt in der Mitte is ja ok, aber z.B. bei Startszenen aden AF-Punkt in die Laufrichtung an den Rand verschieben ist auch nicht verkehrt.

Portrait von kaesepapst
  • 23.04.2009 - 12:12

bisher waren meine Basketballfotos ziemlich furchtbar, ich saß auch wirklich falsch. Mal sehen ob ich es auch besser kann. Ich vermute, die Beleuchtung in normalen Sporthallen ist aber nicht so gut wie hier in der Bundesliga gezeigt. Ich fand die Fotoserie klasse!

Portrait von philip
  • 23.04.2009 - 09:29

Isowerte wie auch AF-Messfeld und AF (Servo oder nicht) würden auch mich sehr interessieren

Portrait von Markus_Hammes
  • 23.04.2009 - 10:18

Die Einstellungen an der Kamera habe ich bereits im ersten Teil ausführlich beschrieben: "..stellt man den Autofokus auf „Nachführend“ (AI-Servo / Continuous-Servo). Den Autofokuspunkt sollte man selber bestimmen in dem man am häufigsten den mittleren Punkt nimmt." Die ISO-Werte sind immer so gewählt, dass das Bild richtig belichtet wird. Einen Informationsgewinn sehe ich durch diese Information nicht. Das Rauschen bei hohen ISO-Werten ist auch immer abhängig vom Kameramodell. Da ich 3 Modelle habe wollte ich nicht noch mehr Werte ins Bild schreiben.

Portrait von webrunner
  • 23.04.2009 - 07:56

Noch interessant wären für mich:
Autofokus auf AF-C?
Aktive AF-Meßfelder (nur mittigen Sensor verwenden?)
Verwendung der ISO-Automatik?

Portrait von Markus_Hammes
  • 23.04.2009 - 10:17

Die Einstellungen an der Kamera habe ich bereits im ersten Teil ausführlich beschrieben: "..stellt man den Autofokus auf „Nachführend“ (AI-Servo / Continuous-Servo). Den Autofokuspunkt sollte man selber bestimmen in dem man am häufigsten den mittleren Punkt nimmt."

Portrait von mw199
  • 23.04.2009 - 01:40

super photos!!!!!!!!!

Portrait von Janda
  • 22.04.2009 - 22:41

Mich würden die Isowerte interessieren. Ansonsten hilfreich. Danke!

Portrait von Markus_Hammes
  • 23.04.2009 - 10:15

Die ISO-Werte sind immer so gewählt, dass das Bild richtig belichtet wird. Einen Informationsgewinn sehe ich durch diese Information nicht. Das Rauschen bei hohen ISO-Werten ist auch immer abhängig vom Kameramodell. Da ich 3 Modelle habe wollte ich nicht noch mehr Werte ins Bild schreiben.

Portrait von Pepeperez
  • 22.04.2009 - 13:03

Wirklich gut und klar erklärt! Danke für die tollen Tips und die guten Bilder. Sehr eindrücklich...

Portrait von Rage2008
  • 22.04.2009 - 09:17

echt gut geschrieben, un seeeh geile bilder^^

Portrait von FLEIGULR
  • 22.04.2009 - 07:57

Gut beschrieben, vor allem echt tolle Aufnahmen

Portrait von bubu306
  • 22.04.2009 - 07:21

super klasse und hilfreich, werd ich demnächst gleich mal anwenden......

Portrait von monilugano
  • 21.04.2009 - 21:24

Hilfreich. Gute Tips. Danke. Gruss, Moni

Portrait von maribor
  • 21.04.2009 - 15:33

echt spitze !!!!!!!!!!!

Portrait von jb70
  • 21.04.2009 - 14:16

Super Bilder, so macht es spaß zu fotografieren. Danke für das Tutorial

Portrait von norram
  • 21.04.2009 - 11:00

Schöne Aufnahmen. Hoffe der nächste Teil kommt etwas schneller :-) Vielen Dank

Portrait von Markus_Hammes
  • 21.04.2009 - 14:26

Der nächste Teil ist schon in der Mache.

Mehr anzeigen

x
×
×