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Tutorialbeschreibung

Studiofotografie im Heimstudio Teil 08: Natürliches Licht im Heimstudio einsetzen

Studiofotografie im Heimstudio Teil 08: Natürliches Licht im Heimstudio einsetzen

Natürliches Licht ist, richtig eingesetzt, eine sehr preiswerte Beleuchtungsform, mit der viel, wenn auch nicht alles möglich ist. Wo sich natürliches Licht sehr gut einsetzen lässt und wo Sie an Grenzen stoßen, erfahren Sie in diesem Teil der Tutorialserie. Die Tutorial-Serie richtet sich an Einsteiger, die mit minimalem Aufwand (technisch und finanziell) erste Erfahrungen in der Studiofotografie machen möchten.

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Möglichkeiten und Grenzen von natürlichem Licht

Natürliches Licht meint vorhandenes Tageslicht, also kein Kunstlicht. Das Problem dabei ist: Tageslicht kann diffus oder hart sein, abhängig vom Wetter, der Ausrichtung der Fenster, der Tages- und Jahreszeit. Daher kann man natürliches Licht nicht einheitlich betrachten, man muss eben auch die Qualität des Lichtes berücksichtigen, und die richtig einzuschätzen, ist natürlich auch davon abhängig, was Sie fotografieren möchten.

Für Porträts oder Bilder von Tieren ist im Prinzip helles Licht nicht schlecht, aber helles, natürliches Licht, bedeutet in der Regel auch, dass es sich um hartes Sonnenlicht handelt, da diffuses Tageslicht in Innenräumen meist auch weniger hell ist. Zu wenig Licht führt aber bei bewegten Motiven wie Menschen und Tieren auch schnell zu Bewegungsunschärfe.

Tipp: Sie könnten natürlich den ISO-Wert hinaufsetzen, um die Belichtungszeiten auch bei diffusem Licht kurzzuhalten. Ob das sinnvoll ist, hängt aber natürlich auch von den Fähigkeiten Ihrer Kamera und davon ab, welche Qualitätsanforderungen Sie an die Bilder haben. Gerade viele Kompaktkameras erzeugen schon ab ISO 200 ein starkes Rauschen, sodass hier die Möglichkeit, den ISO-Wert hinaufzusetzen, doch erheblich eingeschränkt ist.

 
Hartes Licht ist für Porträts nur in Ausnahmefällen sinnvoll, müsste also abgemildert werden.

Bei hellem aber hartem Licht können Sie kurze Verschlusszeiten auch mit geschlossener Blende, hier Blende 8 erreichen. Der Nebeneffekt sind aber harte Kontraste und Schatten, wie hier vor allem rechts von der Nase und in der rechten Gesichtshälfte.Bilder

Bild 1: Bei hellem, aber hartem Licht können Sie kurze Verschlusszeiten auch mit geschlossener Blende (hier Blende 8) erreichen. Der Nebeneffekt sind aber harte Kontraste und Schatten, wie hier vor allem rechts von der Nase und in der rechten Gesichtshälfte.


 
Weiches diffuses Licht, bspw. am Nordfenster oder an trüben Tagen ist aber häufig schon zu dunkel. Sie benötigen dafür dann ein sehr lichtstarkes Objektiv und müssen mit weit geöffneter Blende fotografieren, um ausreichend kurze Belichtungszeiten zu erreichen.

Diffuses Tageslicht sorgt für eine weichere Ausleuchtung. Wenn Sie aber nicht die Möglichkeit haben den ISO-Wert heraufzusetzen müssen Sie die Blende weiter öffnen, und erhalten so eine sehr knappe Schärfentiefe, die hier schon sehr knapp ist.Bilder

Bild 2: Diffuses Tageslicht sorgt für eine weichere Ausleuchtung. Wenn Sie aber nicht die Möglichkeit haben, den ISO-Wert hinaufzusetzen, müssen Sie die Blende weiter öffnen und erhalten so eine knappe Schärfentiefe, die hier schon sehr knapp ist.


 
Bei diffusem Tageslicht spielt auch die Richtung, aus der das Licht kommt, eine untergeordnete Rolle; nur Gegenlicht ist natürlich wenig optimal, es sei denn, Sie nutzen zusätzlich einen Aufhellblitz.

Für Produktfotos und Stillleben ist natürliches Licht (ohne weitere künstliche Beleuchtung) in der Regel nur geeignet, wenn Sie keinen weißen Hintergrund benötigen. Bei farbigen Hintergründen oder Stillleben ist natürliches Licht durchaus geeignet. Dies gilt sowohl für hartes wie für diffuses Licht.

Hartes Licht wirft zwar harte Schatten, abhängig von der Art des Motivs muss das aber natürlich nicht von Nachteil sein. Auch Schatten können richtig in ein Bild integriert durchaus Teil der Bildwirkung sein.

 
Bild 3: Bei diesem Bild dient der Schatten dazu, nicht nur Leben ins Bild zu bringen, sondern auch die Sonne hervorzuheben, denn wo Schatten und warmes Licht zusammentreffen, wird Sonne und Sommer suggeriert.

Bei diesem Bild dient der Schatten dazu, nicht nur Leben ins Bild zu bringen, sondern auch die Sonne hervorzuheben, denn wo Schatten und warmes Licht zusammen treffen, wird Sonne und Sommer suggeriert.Bilder



 
Bild 4: Der Aufbau für dieses Bild war ganz einfach. Sonnenlicht von rechts, ohne sonstige Aufheller oder Beleuchtung.

Der Aufbau für dieses Bild war ganz einfach. Sonnenlicht von rechts, ohne sonstige Aufheller oder Beleuchtung.Bilder



 
Diffuses Tageslicht können Sie fast immer für Stillleben und Produktfotos einsetzen. Gerade in der Food-Fotografie ist diffuses Tageslicht als Teil der Bildgestaltung sehr beliebt. Vor allem leichtes Gegenlicht bringt hier oft die Oberflächenstruktur von Speisen sehr gut zur Geltung.

Hier wurde bei diffusem Tageslicht von links hinten fotografiert und so eine weiche, aber natürliche Ausleuchtung erzielt.Bilder

Bild 5: Hier wurde bei diffusem Tageslicht von links hinten fotografiert und so eine weiche, aber natürliche Ausleuchtung erzielt.


Tipp: Wenn Sie hartes Licht vermeiden möchten, auch an sonnigen Tagen, fotografieren Sie an einem Fenster zur Nord- oder Westseite. Dort habe Sie fast den ganzen Tag diffuses Tageslicht, weil die Sonne nicht direkt durch das Fenster scheint.


 

Hartes Sonnenlicht abmildern

Da natürliches Licht eben so ist, wie es ist, haben Sie nur die Möglichkeit, zu hartes Sonnenlicht abzumildern, wenn Sie es nicht vermeiden können. Dazu gibt es generell drei Möglichkeiten:

• Sie nutzen einen Diffusor zwischen Licht und Motiv.
• Sie entfernen das Motiv ausreichend weit vom Licht.
• Sie finden sich mit dem Schattenwurf ab und hellen die Schatten gegebenenfalls mittels Reflektor auf.

Hinweis: Eher weniger geeignet sind Gardinen, um hartes Sonnenlicht abzumildern. Handelt es sich dabei um weitgehend strukturlose Vorhänge aus glattem Stoff, schlucken sie zu viel Licht, bei Gardinen mit transparenten Strukturen, Spitze, etc. werfen diese Strukturen Schattenmuster auf Ihr Motiv, was in der Regel auch unschön aussieht.

Hier fiel starkes Sonnenlicht durch die Scheibe. Der Versuch, das Licht mit einer Gardine etwas abzumildern, gelingt in der Regel nicht, wie dieses Beispiel zeigt.Bilder

Bild 6: Hier fiel starkes Sonnenlicht durch die Scheibe. Der Versuch, das Licht mit einer Gardine etwas abzumildern, gelingt in der Regel nicht, wie dieses Beispiel zeigt.


 
Möchten Sie grelles, hartes Sonnenlicht in diffuses Licht verwandeln, sollten Sie es mit einem Diffusor abmildern. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wenn es sich nur um kleine Flächen handelt, auf denen Sie diffuses Licht benötigen, wie in der Produkt- oder Food-Fotografie, können Sie den entsprechenden Teil des Fensters mit Pergamentpapier bekleben oder auch einen Faltdiffusor an der Scheibe befestigen.

Benötigen Sie für größere Motive diffuses Licht, eignet sich bspw. ein Falthintergrund, den Sie zwischen Motiv und Scheibe platzieren.

Ein weißer Falthintergrund vor der Scheibe ist sehr gut als Diffusor gegen hartes Sonnenlicht geeignet.Bilder

Bild 7: Ein weißer Falthintergrund vor der Scheibe ist sehr gut als Diffusor gegen hartes Sonnenlicht geeignet.


 
Bild 8: So könnte das Ergebnis aussehen:

So könnte das Ergebnis aussehenBilder



 

Schatten aufhellen

Wenn das vorhandene natürliche Licht recht hart ist, lassen sich Schatten in der Regel nicht vermeiden. Schatten stören aber in aller Regel nur dann, wenn sie sehr hart und dunkel sind. Mithilfe von Reflektoren können Sie bspw. Schatten deutlich aufhellen und damit abmildern.

Das linke Bild wurde mit Sonnenlicht von rechts aufgenommen, im rechten, wurde der Schatten mit einem weißen Reflektor von links aufgehellt.Bilder

Bild 9: Das linke Bild wurde mit Sonnenlicht von rechts aufgenommen, im rechten wurde der Schatten mit einem weißen Reflektor von links aufgehellt.


 
Bild 10: So sah der Aufbau für das rechte Bild aus. Links der Reflektor, von rechts Sonnenlicht.

So sah der Aufbau für das rechte Bild aus. Links der Reflektor, von rechts Sonnenlicht.Bilder



 

Gegenlicht zur Bildgestaltung nutzen

Gegenlicht sorgt im Extremfall zwar für flaue Farben und schlechte Kontraste sowie oftmals für unterbelichtete Bilder, aber dezentes Gegenlicht lässt sich gerade in der Food-Fotografie sehr gut nutzen, um bspw. Oberflächenstrukturen gut hervorzuheben. Auf glänzenden Oberflächen oder bspw. fettigen oder feuchten Speisen erzeugt leichtes Gegenlicht auch Lichtreflexe, die für Leben im Bild sorgen und daher sehr gut zur Bildgestaltung eingesetzt werden können.

Mit Licht von der Seite, hier von hinten links, erhalten Sie kräftige Farben, aber wenig Lichtreflexe und damit oftmals tot wirkende Bilder.Bilder

Bild 11: Mit Licht von der Seite, hier von hinten links, erhalten Sie kräftige Farben, aber wenig Lichtreflexe und damit oftmals tot wirkende Bilder.


 
Bild 12: Mit leichtem Gegenlicht, hier von rechts vorne, erhalten Sie Lichtreflexe, die für Leben im Bild sorgen.

Mit leichtem Gegenlicht, hier von rechts vorne, erhalten Sie Lichtreflexe, die für Leben im Bild sorgenBilder



 
Tipp: Mithilfe eines Polfilters können Sie die Lichtreflexe weiter abmildern oder auch verstärken, ganz wie Sie wünschen.

Möchten Sie Gegenlicht einsetzen, sollten Sie allerdings darauf achten, dass das Licht nicht zu flach direkt in das Objektiv scheint, denn dann erhalten Sie flaue Farben. Dies gilt vor allem für sehr helles Licht an sonnigen Tagen. In aller Regel sollten Sie dann die Mittagsstunden, an denen die Sonne sehr hoch steht, bevorzugen und auch ein Objektiv mit Streulichtblende verwenden.

Flaches Gegenlicht, dass direkt ins Objektiv scheint, führt zu flauen BildernBilder

Bild 13: Flaches Gegenlicht, das direkt ins Objektiv scheint, führt zu flauen Bildern.


Fazit: Natürliches Licht ist die preiswerteste Form der Beleuchtung, eignet sich aber leider nicht für alle Motive gleichermaßen bzw. schränkt Sie doch stark hinsichtlich der Wahl der Blende ein, wenn Sie kurze Belichtungszeiten bei niedrigen ISO-Werten realisieren möchten. Gerade für Stillleben und Foodaufnahmen ist natürliches Licht dennoch gut geeignet.

Kommentare
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Portrait von susisnaomi
  • 22.01.2016 - 11:59

Leicht verständlich und nachvollziehbar! Vielen lieben Dank

Portrait von Gladiole
  • 14.02.2014 - 21:24

Viele nützliche Tipps, vielen Dank.

Portrait von Norbert233315
  • 21.01.2014 - 15:38

Tolle Serie. Kann alles gut gebrauchen.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 08.10.2013 - 09:23

Jetzt heißt es nur noch umsetzen. Viele Tipp und Tricks, die getestet werden wollen.

Portrait von arlac
  • 09.03.2013 - 11:31

Gut geschrieben und sehr informativ.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 05.03.2013 - 18:54

Klasse! Vielen Dank!

Portrait von vischnie
  • 08.01.2013 - 15:21

Danke, war interessant

Portrait von flashlight_1966
Portrait von Pegasine
  • 28.07.2012 - 23:17

Sehr interessant, danke

Portrait von Jake23
  • 24.02.2012 - 18:01

wieder ein gutes einsteiger tut. danke

Portrait von Platsch74
  • 25.01.2012 - 19:52

Prima Workshop - vielen Dank!

Portrait von Flyleaf
  • 08.06.2011 - 00:31

Gut erklärtes Tutorial!

Portrait von Iyuko
  • 27.05.2011 - 14:42

Sehr geeignet für Anfänger, Danke viel mals

Portrait von Binuska2011
  • 06.02.2011 - 03:30

Gute Beispiele und gut erklärt... aber echt nur für Einsteiger.

Portrait von darcio
  • 03.11.2010 - 21:37

Gute Infos für Einsteiger

Portrait von OlliX
  • 29.10.2010 - 09:58

Tolles Tutorial. Vielen Dank.
Ich habe etliches gelernt was ich noch nicht wusste.

Portrait von black_chrysalis
  • 10.06.2010 - 11:35

Sehr interessant. Hat mir gut weitergeholfen

Portrait von Soph178
  • 05.05.2010 - 16:39

toll erklärt, gutwe anregung!

Portrait von eyepictures
  • 10.03.2010 - 13:00

Prima Anregungen, die relativ einfach umzusetzen sind - vielen Dank!

Portrait von dermeister
  • 04.02.2010 - 16:03

Ja, da ist einiges Interessantes drin aber ich glaube, ich will immer mehr

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