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Tutorialbeschreibung

Studiofotografie im Heimstudio Teil 07: Metall und Glas fotografieren

Studiofotografie im Heimstudio Teil 07: Metall und Glas fotografieren

Metall und Glas zu fotografieren, ist technisch recht anspruchsvoll und führt daher oft zu herben Enttäuschungen, wenn man sich das Ergebnis hinterher ansieht. Das hat mehrere Gründe: Das Hauptproblem sind ungewollte Spiegelungen und Reflexionen in der glänzenden Oberfläche. Um die zu vermeiden, kommt es auf richtige Beleuchtung und den Einsatz der passenden Technik an. Die Tutorial-Serie richtet sich an Einsteiger, die mit minimalem Aufwand (technisch und finanziell) erste Erfahrungen in der Studiofotografie machen möchten.

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Grundlegende Probleme bei Metall und Glas

Problematisch bei Metallen und Glas ist generell, dass sich auf der Oberfläche Spiegelungen bilden, die deutlich zu sehen sind und in der Regel sehr unschön wirken. Was sich in der Oberfläche spiegelt, ist abhängig von der Form der Objekte und dem vorhandenen Licht.

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Bild 1: Hier spiegelt sich links der Durchlichtschirm des linken Blitzes und durchgängig im ganzen Glas die Umgebung. Das sieht sehr unschön aus.


 
Wie stark die Spiegelungen sind, hängt von der Richtung und der Polarisation des Lichts ab. Daher können Sie Spiegelungen mithilfe eines zirkularen Polfilters sowohl verstärken als auch abschwächen. Nur selten bekommen Sie Spiegelungen im Glas jedoch ganz weg. Auf metallischen Oberflächen ist ein Polfilter gänzlich unwirksam. Sie sollten also von vornherein anstreben, Spiegelungen zu vermeiden.

Ein zweites Problem sind extrem helle und ungewollte Lichtreflexe, vor allem auf polierten hochglänzenden Metalloberflächen.

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Bild 2: Hier stören nicht nur die extremen Spiegelungen, sondern auch die überstrahlten Bereiche durch den Einsatz des Blitzes von rechts.


Ungewollte Lichtreflexe kriegen Sie nur weg, indem Sie für weiches Licht sorgen oder aber hartes Licht wie bei Lowkey-Aufnahmen explizit auf die gewünschten Stellen verteilen.

Speziell bei Glas gibt es noch ein drittes Problemfeld, vor allem, wenn es sich um transparentes Glas handelt. Dieses Glas ist nun mal durchsichtig. Möchten Sie aber dessen Konturen hervorheben, ist das ein kleines Problem. Dazu müssen Sie das Glas so beleuchten, dass die Konturen dunkel rüberkommen, ohne dass das Bild im Ganzen unterbelichtet wirkt.

 
Die Alternative wäre, die Kanten des Glases durch helle Lichtreflexe zu betonen. Das wirkt dann aber nur bei dunklem Hintergrund wirklich optimal. Eine Beleuchtung mit extrem weichem Licht ist hier denkbar ungeeignet.

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Bild 3: Hier wurde der Hintergrund mit recht hartem Licht von seitlich rechts beleuchtet, von vorne links wurde das Motiv mit einer Softbox mit weichem Licht beleuchtet.


 
Bild 4: So sah der Aufbau für dieses Bild aus.

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Spiegelungen auf Glas vermeiden und reduzieren

Spiegelungen entstehen durch Licht, das die umliegenden Gegenstände reflektieren. Ohne Licht gibt es also auch keine Spiegelungen. Die erste und einfachste Maßnahme, um Spiegelungen der Umgebung zu eliminieren, ist also, den Raum abzudunkeln. Je weniger Licht vorhanden ist, desto besser.

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Bild 5: Diese Aufnahme entstand vor schwarzem Hintergrund in einem abgedunkelten Raum. Hier sind zwar Lichtreflexe und Spiegelungen zu sehen, diese sind allerdings eher großflächig und weich.


 
Bild 6: Diese Aufnahme entstand bei Tageslicht, beleuchtet mit Studioblitz. Im Glas sind zahlreiche kleine Spiegelungen und Lichtreflexe zu sehen, die sehr stören.

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Das verbleibende Licht sollte aus Ihrer mit Absicht platzierten Studiobeleuchtung bestehen und das Licht exakt dahin leiten, wo Sie es brauchen. Vermeiden Sie daher allzu weiches Streulicht, das wieder zu viel der Umgebung beleuchtet. Je präziser und exakter Sie nur Ihr Motiv beleuchten, desto besser.

Was sich allerdings kaum vermeiden lässt, ist die Spiegelung der Lampen im Glas, denn Sie müssen das Motiv ja beleuchten. Leider zeichnen sich dabei die verwendeten Vorsätze sehr häufig sehr deutlich in den Spiegelungen ab, wie bspw. die gut erkennbaren Durchlichtschirme. Das wirkt in aller Regel wenig schön.

Vermeiden können Sie das nur, indem Sie Lichtformer verwenden, die weiches Licht mit undeutlichen Konturen erzeugen, wie bspw. Softboxen. Diese gibt es in verschiedenen Formen und Größen und sie bewirken einen gleichmäßig hellen Lichtreflex.

 
Bild 7: Eine solche Softbox ist ideal zum Fotografieren von spiegelnden Oberflächen. Sie erzeugt einen schönen geraden, gleichmäßig hellen, strukturlosen Lichtreflex.

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Bild 8: Hier ein Vergleich. Im linken Ausschnitt wurde die Flasche von links mit einer Softbox beleuchtet, die einen gleichmäßigen, langen Lichtreflex erzeugt. Im rechten Ausschnitt wurde ein Durchlichtschirm verwendet, dessen Spiegelung hier deutlich zu sehen ist.

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Immer wieder ist zu hören und zu lesen, dass Polfilter das Allheilmittel für solche Fälle sind. Das ist allerdings nur bedingt richtig. Zum einen wirken sie nur auf nichtmetallischen Oberflächen, zum anderen können sie nur unter optimalen Bedingungen auch Spiegelungen ganz wegfiltern. Unter nicht optimalen Bedingungen können sie diese nur abschwächen. Im Fall von Glas, das Sie fotografieren, ist aber ein Lichtreflex an sich gewünscht, denn nur mit Licht und Schatten können Sie transparenten Motiven Konturen entlocken. Es ist also in der Regel nicht Sinn der Sache, Spiegelungen von Lichtern der Beleuchtung mit dem Polfilter komplett wegzufiltern.

Hinweis: Besser, aber deutlich teurer als ein Polfilter an der Kamera ist die Verwendung von polarisiertem Licht für die Beleuchtung. Dazu können Sie Polfilterfolie vor Ihren Studiolampen befestigen und damit Ihr Objekt gleich mit polarisiertem Licht beleuchten. Allerdings setzt das voraus, dass Ihre Studiolampen oder Studioblitze Folienfilterhalter haben und auch die Polfilterfolie ist nicht sonderlich preiswert.


Lichtreflexe steuern

Glas und auch metallische Gegenstände sehen in der Regel nur wirklich gut auf einem Bild aus, wenn es Licht und Schatten gibt, denn Licht bringt Leben in das Bild und bringt Farben zum Leuchten. Das Wechselspiel von Licht und Schatten, eventuell kombiniert mit erwünschten Spiegelungen, macht aus einem einfachen Bild von einem Wasserglas schnell ein kleines Kunstwerk.

Dazu ist es aber wichtig, die erwünschten Lichtreflexe in einer Form auf das Motiv zu lenken, die Ihre Bildaussage unterstützt und nicht irgendwie das Bild beleuchtet.

Zunächst sollten Sie sich die Frage stellen, ob Sie eher hart abgegrenzte Lichtreflexe möchten oder sehr weiches Licht, denn davon ist Ihre Art der Beleuchtung abhängig. Mit einer Softbox erreichen Sie scharf abgegrenzte Spiegelungen.

Sie sehen sie in Bild 9 auf der linken Seite der Flaschen. Weiche Lichtreflexe erreichen Sie, indem sie zwischen Licht und Motiv einen Diffusor platzieren. In diesem Fall habe ich einen weißen Falthintergrund seitlich rechts vom Motiv platziert und diesen von hinten beleuchtet. Die entsprechenden weichen Reflexe finden Sie rechts an den Flaschen.

 
Bild 9: Der linke, harte Lichtreflex wurde von der Softbox erzeugt, der weiche rechts mit einem Blitz hinter einem weißen Falthintergrund.

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Bild 10: So sah der Aufbau aus:

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Tipp: Die Stärke der Lichtreflexe können Sie mit einem Polfilter gut steuern. Wenn Sie von zwei Seiten beleuchten, können Sie sogar mit dem Polfilter nur einen von beiden Lichtreflexen wegfiltern und den anderen nicht.

Sie brauchen aber nicht zwingend Licht von zwei Seiten; auch seitlich beleuchtet können Sie gerade transparentes Glas sehr gut ausleuchten und so auch die Lichtreflexe kontrollieren. Von der gegenüberliegenden Seite können Sie dann mit einem Reflektor etwas aufhellen, wenn Sie möchten.

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Bild 11: Hier wird das Motiv links von der Seite beleuchtet und von rechts mit einem Reflektor aufgehellt. Dies ist hier ein einfaches weißes Stück Styropor.


 
Bild 12: So sieht dann das Ergebnis aus. Sie haben einen kontrollierten Lichtreflex auf der linken Seite vom Glas und eine aufgehellte rechte Seite sowie einen gleichmäßig ausgeleuchteten Hintergrund.

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Konturen betonen

Konturen von transparenten Motiven können Sie am besten mit Gegenlicht betonen. Direktes Gegenlicht führt natürlich zu sehr flauen Farben und genau das soll das Gegenlicht bei durchleuchtetem Glas natürlich eben nicht bewirken. Vielmehr soll es die Farben zum Leuchten bringen. Wichtig ist dabei, dass das Licht von hinten nicht direkt in die Kamera leuchtet. Wie Sie dazu die Lampe ausrichten müssen, hängt natürlich davon ab, aus welcher Höhe und mit welcher Neigung der Kamera Sie das Bild machen.

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Bild 13: Die Flaschen werden von links vorne mit einem Blitz auf niedrigster Stufe ausgeleuchtet. Der zweite Blitz leuchtet den weißen Hintergrund mit einem Hintergrundreflektor aus und ist etwas heller eingestellt. Die Spiegelung des Durchlichtschirms konnte bei dieser Konstellation mit einem Polfilter eliminiert werden.


 
Bild 14: Das Ergebnis dieses Aufbaus.

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Tipp: Gerade bei Glas, das lediglich durch seine Konturen wirkt, ist die Blende und damit Schärfentiefe doch sehr wichtig. Je mehr Schärfentiefe das Bild aufweist, desto klarer wirkt das Bild, weil Lichtreflexe und Konturen schärfer sind.

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Bild 15: Die linke Aufnahme wurde mit Blende 5, die rechte mit Blende 10 gemacht. Obwohl in beiden Bildern der vordere Glasrand scharf ist, hat die rechte Aufnahme deutlich mehr Brillanz.


Hinweis: Wie Sie solche Lowkey-Aufnahmen realisieren, ist Thema von Teil 10 der Tutorialserie.


 

Problemfall: metallische Oberflächen

Metallische Oberflächen sind ein besonderer Problemfall, weil hier nicht mal ein Polfilter hilft. Unerwünschte Spiegelungen lassen sich daher kaum wegfiltern und sie zu vermeiden, ist abhängig von der Form des Motivs auch ein großes Problem.

Infrage käme hier natürlich ein Lichtzelt, aber das hat den Nachteil, dass sich abhängig von der Form des Motivs auch das ganze Lichtzelt darin spiegeln wird.

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Bild 16: Diese Aufnahme entstand im Lichtzelt, das leider als Spiegelung deutlich sichtbar ist. Durch die Öffnung des Lichtzeltes ist außerdem noch der halbe Raum zu sehen und der Fotograf dazu.


 
Stellt sich also die Frage, wie Sie bei solchen Motiven ein besseres Ergebnis erreichen.

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Bild 17: Bei dieser Aufnahme wurde das Motiv von links hinten mit einer Softbox beleuchtet und in einem komplett dunklen Raum fotografiert. Eine große Blendenöffnung von 4,5 sorgt für extrem geringe, kaum sichtbare und unscharfe Spiegelungen, die kaum stören.


 
Bild 18: Ganz anders sieht das hier aus. Mit Blende 22 sind die Spiegelungen extrem scharf und damit sehr störend, obwohl alle anderen Aufnahmebedingungen die gleichen waren.

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Bild 19: Der Aufbau der Szene sah wie hier gezeigt aus, wobei dann bei komplett abgedunkeltem Raum fotografiert wurde.

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Hinweis: Mattspray (bspw. von Hama) ist zwar eine gute Lösung, um Spiegelungen komplett zu eliminieren. Der Glanz des Motivs ist damit allerdings auch weg, denn wie der Name schon sagt, sorgt das Spray für ein mattes Aussehen.

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Bild 20: Mit Mattspray haben Sie zwar auch keine Spiegelungen mehr, aber die Wirkung des glänzenden Silbers ist natürlich auch dahin.


Fazit

Im Ergebnis lässt sich zusammenfassen: Um Spiegelungen zu minimieren, sollten Sie in einem dunklen Raum fotografieren und das Motiv möglichst exakt beleuchten, ohne zu viel Streulicht in der Umgebung zu verursachen. Auf Glas lassen sich verbleibende Spiegelungen mit einem Polfilter abschwächen oder eliminieren. Für metallische Oberflächen hilft nur, mit wenig Schärfentiefe zu fotografieren, damit verbleibende Spiegelungen zumindest weich und unscharf sind. Reste können dann bei Bedarf mit einer Bildbearbeitung retuschiert werden.

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Kommentare
Portrait von Norbert233315
  • 21.01.2014- 15:52

Ganze Serie einfach erklärt und sehr lehrreich. Danke.

Portrait von sund
  • 11.01.2014- 23:23

von mir 10 von 10 Punkten ;-)

Portrait von sund
  • 11.01.2014- 23:23

vielen dank gut erklärt gefällt mir

Portrait von vaha
  • 28.11.2013- 17:15

Herzlichen Dank für das Tutorial. Ich hätte mir etwas mehr Informationen oder Vorschläge für die Beleuchtung von metallischen/verchromten Modellen gewünscht.

Portrait von Senta2006
  • 21.08.2013- 10:38

Klasse Tutorial mit guten Tipps

Portrait von zwenka
  • 06.06.2013- 11:17

wirklich alles sehr gut erklärt, Danke!

Portrait von Götschy
  • 31.05.2013- 17:19

Werde gleich mal einiges umsetzten.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 05.03.2013- 18:55

Klasse! Vielen Dank!

Portrait von vischnie
  • 08.01.2013- 15:34

Klasse erklärt. Ich muss oft metallische Gegenstände fotografieren - jetzt wird es bestimmt einfacher!

Portrait von Herbstrose
  • 04.01.2013- 12:47

Vielen Dank für das Tutorial. So etwas habe ich gesucht.

Portrait von NewGuy
  • 10.11.2012- 07:44

Sehr hilfreich geschrieben. Genau was ich gesucht habe.

Portrait von schwarzwaldhase
  • 07.10.2012- 18:21

Prima und noch ein lehrreiches Tutorial

Portrait von swet123
  • 24.08.2012- 13:47

Danke, sehr nützliches Tutorial

Portrait von Erward
  • 11.06.2012- 09:25

Vielen Dank für das hilfreiche Tutorial

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 13.05.2012- 17:04

Danke für das Tutorial!!!

Portrait von iTopf
  • 27.04.2012- 12:08

Genau das was ich DRINGEND gebaucht habe ! Vielen Dank =)

Portrait von bo_passi
  • 13.04.2012- 12:54

Sehr Hilfreich, Dankeschön

Portrait von widder60
  • 28.02.2012- 13:07

Vielen Dank, sehr hilfreich!!!

Portrait von Jake23
  • 24.02.2012- 17:55

jup super sache. hatte so meine probleme mit glas...

Portrait von Platsch74
  • 25.01.2012- 19:52

Prima Workshop - vielen Dank!



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