Anzeige
Tutorialbeschreibung

Studiofotografie im Heimstudio Teil 09: Hintergrundgestaltung für große Motive

Studiofotografie im Heimstudio Teil 09: Hintergrundgestaltung für große Motive

In Teil 6 ging es um die Hintergrundgestaltung für kleine Motive wie Stillleben und Produktfotos. Wenn Sie aber lieber große Motive fotografieren, ist das Problem der Hintergrundgestaltung auch schon viel größer, denn da reicht eine Pappe oder ein Tischtuch nicht mehr aus. Wie Sie dennoch recht preisgünstig auch Hintergründe für große Motive gestalten, zeigt Ihnen dieser Teil der Tutorialserie. Die Tutorialserie richtet sich an Einsteiger, die mit minimalem Aufwand (technisch und finanziell) erste Erfahrungen in der Studiofotografie machen möchten.

... übrigens findest du die komplette Serie hier: Fotografie-Workshop-DVD - Schnapp sie dir in unserem Shop oder in der Kreativ-Flatrate!


Mögliche Hintergrundsysteme im Überblick

Möchten Sie Porträts, Gruppenaufnahmen, größere Produkte für Shops oder Studioaufnahmen von Tieren machen, benötigen Sie entsprechende Hintergründe für solche Aufnahmen. Dieser Hintergrund sollte für Porträts und Ganzkörperaufnahmen sowie für Bilder von größeren Tieren wie Hunde und große Katzen eine Breite von mindestens 1,20m haben. Besser sind noch breitere Hintergründe. 1,20m sind wirklich sehr knapp bemessen und schon zu wenig, wenn Sie eine Person mit abgespreizten Ellenbogen auf das Bild bekommen möchten.

Im einfachsten Fall kann das natürlich eine weiße oder einfarbige Wand sein, vor der Sie Ihr Motiv ablichten. Probleme gibt es dann allerdings, wenn Sie Ganzkörperaufnahmen machen möchten und der Fußboden dann nicht die gleiche Farbe wie die Wand hat, was natürlich selten der Fall ist. Dann müssen Sie sich aber damit abfinden, dass der Übergang zwischen Wand und Fußboden optisch durch Ihr Motiv verläuft. Das kann unter Umständen stören.

Bilder
Bild 1: Hier diente eine weiß Wand als Hintergrund. Der Nachteil: Die Fußleiste ist rechts zu sehen.


 
Ein weiterer Nachteil einer einfarbigen Wand kann die sichtbare Struktur sein, gerade bei Strukturtapeten. Um das zu vermeiden, müssen Sie ausreichend Abstand zur Wand einhalten, damit die Strukturen in Unschärfe verschwimmen.

Bilder
Bild 2: Durch die Nähe der weißen Wand im Hintergrund und die für das Motiv notwendige Schärfentiefe ist leider auch die Struktur der Tapete deutlich sichtbar.


 
Tipp: Wenn Sie eine einfarbige Wand nutzen möchten, sollten Sie mindestens einen Meter oder mehr Abstand zwischen Motiv und Wand bringen. Wie viel genau notwendig ist, hängt natürlich auch davon ab, wie Sie den Hintergrund ausleuchten, welche Blende und welche Kamera Sie verwenden.

Benötigen Sie aufgrund der Tiefe des Motivs eine hohe Blendenzahl für die notwendige Schärfentiefe, müssen Sie oft noch mehr als einen Meter Abstand einkalkulieren. Dies gilt auch, wenn Sie eine Kompaktkamera mit einem großen Verlängerungsfaktor nutzen oder wenn Sie allgemein kleine Brennweiten verwenden. Eine Lösung gerade bei weißen Hintergründen kann jedoch die separate Ausleuchtung des Hintergrundes sein, wenn Sie Freisteller erzeugen möchten. Wenn Sie den Hintergrund hell genug ausleuchten, ist auch keine Struktur mehr sichtbar.

Alternativ zu einer einfarbigen Wand können Sie professionelle Hintergrundsysteme, Stoffe oder Papier bzw. Pappe verwenden.

Pappe gibt es in der notwendigen Größe in der Regel nur als professionelle Hintergrundpappe für Studio-Hintergrundsysteme. Die ist recht teuer und eignet sich kaum, wenn Sie Ihre Studioausstattung regelmäßig auf- und abbauen möchten, denn mit einer Breite von an die 3m benötigen Sie natürlich auch den Platz, um die Rolle zu verstauen. Alternativ können Sie Papiertischdecken verwenden. Diese gibt es in verschiedenen Qualitäten und Stärken. Besonders gut eignen sich Vlies-Tischdecken, denn die sind strukturlos und reißen nicht so schnell wie einfache Papiertischdecken, die auch oft eine Struktur oder ein Muster haben.

Hinweis: Leichte Strukturen sind jedoch kein Problem, vor allem nicht, wenn Sie bei weißen Hintergründen den Hintergrund von hinten oder vorne gut ausleuchten.

Eine weitere Alternative als Hintergrund ist Stoff. Außer bei sehr dunklen Farben, Schwarz und dunkelblau, hat Stoff jedoch ein großes Problem: Er lässt sich nur extrem schwer faltenfrei aufhängen, und so haben Sie immer mit Falten und Wellen im Hintergrund zu kämpfen. Das ist vor allem dann ein Problem, wenn Sie den Hintergrund nicht separat ausleuchten möchten oder wenn die Falten und Wellen sich nah am Motiv befinden, beispielsweise auf dem Teil des Hintergrundstoffes, der auf dem Boden liegt und auf dem das Modell bzw. Motiv steht.

 
Dort lassen sich Falten und Wellen dann kaum noch wegretuschieren.

Bilder
Bild 3: Hier sind deutlich die Wellen vom Hintergrundstoff zu sehen. Eine Retusche wäre möglich, ist aber sehr aufwendig.


 
Hinweis: Bei dunklen Hintergrundstoffen, die Sie in der Regel für Lowkey-Aufnahmen benötigen, ist das Problem geringer, denn hier leuchten Sie den Hintergrund eben nicht aus, sodass er extrem dunkel bis komplett schwarz ist. Dann sind auch keine Falten und Wellen mehr zu sehen.

Die letzte Möglichkeit, die sich vor allem für Porträts und ähnliche Aufnahmen anbietet, sind Falthintergründe, die Sie in verschiedenen Farben bekommen. Diese Hintergründe lassen sich platzsparend verstauen, schnell aufbauen und auch von hinten beleuchten. Weiße Falthintergründe können Sie darüber hinaus auch gut als Diffusor verwenden.

Problematisch sind solche Hintergründe bei Ganzkörperaufnahmen, denn sie enden natürlich am Boden und lassen sich anders als Papier, Pappe und Stoff nicht in Hohlkehle auch auf den Boden legen. Darüber hinaus sind die Falthintergründe in der Größe begrenzt und sind daher nicht so flexibel einsetzbar wie Stoffe oder Papphintergründe.


Hintergrund Marke Eigenbau

Die preiswerteste Möglichkeit gerade für weiße Hintergründe sind Papiertischdecken. Allerdings stellt sich natürlich die Frage, wie Sie diese drapieren bzw. befestigen. Dazu gibt es generell zwei Möglichkeiten. Sie verwenden ein Hintergrundsystem, auf dem Sie dann die Rolle mit der Papiertischdecke aufschieben und diese abrollen können. Mobile Hintergrundsysteme haben den Vorteil, dass sie sich aus mehreren Querstreben (3 sollten es mindestens sein) zusammenstecken lassen. Durch Weglassen einzelner Querstreben können Sie so auch die Breite reduzieren, denn nicht immer hat man ja in der Breite 3m Platz, und 3m Breite haben fast alle diese Hintergrundsysteme.

 
Bild 4: Eine Rolle mit einer hellblauen Vliestischdecke wurde hier auf einem mobilen Hintergrundgestell befestigt und dient als Hintergrund.

Bilder


 
Verfügen Sie nicht über ein Hintergrundsystem, müssen Sie den Hintergrund natürlich anderweitig befestigen. Sie können dazu das Papier an eine Wand kleben oder noch besser innerhalb eines Türrahmens mit entsprechender Breite mit Klebeband befestigen.

Die Verwendung eines Türrahmens ermöglicht Ihnen auch die Beleuchtung von hinten; befestigen Sie das Papier aber an einer Wand, können Sie den Hintergrund nur von vorne beleuchten.

Achtung: Wenn Sie einen Türrahmen verwenden und von hinten beleuchten möchten, müssen Sie natürlich unbedingt darauf achten, dass Sie eine Tür zu einem Raum verwenden, der über eine zweite Türe verfügt. Denn haben Sie die Türe einmal zugeklebt, können Sie den Blitz nicht mehr verstellen, einstellen und regeln.

 
Bild 5: Im einfachsten Fall können Sie Papiertischdecken einfach im Türrahmen festkleben. Dann haben Sie die Möglichkeit, den Hintergrund auch von hinten zu beleuchten.

Bilder


 
Tipp: Reicht die Breite des Papiers nicht aus, um den Türrahmen ganz auszufüllen, können Sie auch zwei Bahnen aneinanderkleben. Allerdings könnte das beim Beleuchten von hinten dann Probleme machen, denn es wird an der Überlappung der Bahnen ein dunklerer Streifen im Hintergrund verbleiben. Bei sich überlappenden Bahnen sollen Sie daher von vorne beleuchten, und zwar von der Seite, auf der sich die unten liegende Bahn befindet. So bildet sich an der Überlappung kein Schatten an Stellen, wo die Bahnen nicht exakt aufeinanderliegen.

In jedem Fall müssen Sie darauf achten, dass Sie den Hintergrund auch bis auf den Boden ausdehnen und dort in Hohlkehle legen, ausgenommen natürlich, Sie benötigen ihn nur für Porträts. Bei Papier und einem glatten Boden wie Fliesen oder Holz bietet es sich an, das Papier auf dem Boden mit Klebeband zu fixieren, damit es nicht verrutscht. Auch bleibt dann die Hohlkehle schön weich, weil das Papier etwas auf Spannung gebracht werden kann.

Auch Stoff als Hintergrund müssen Sie natürlich aufhängen, und hier ist das Problem, dass er in der Regel zu schwer ist, um ihn anzukleben. Sie benötigen also ein Hintergrundsystem, um den Stoff aufzuhängen, ersatzweise eine gespannte Wäscheleine. Auch Wäscheklammern können Sie dann problemlos verwenden, um den Stoff zu befestigen.

Viel problematischer ist es aber, ihn faltenfrei aufgehängt zu bekommen, denn selbst frisch gebügelt haben die meisten Stoffe schon wieder die ersten Falten und Kniffe, wenn Sie sie aufgehängt haben. Mit guter Beleuchtung und ausreichend Abstand zum Motiv sind die Falten zwar nicht mehr zu sehen; können Sie den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund aber nicht realisieren, beispielsweise weil das Motiv auf dem Stoff steht und auch die Füße mit auf dem Bild sein sollen, ist das natürlich problematisch.

 
Bild 6: Wenn Sie Stoff als Hintergrund verwenden möchten, benötigen sie auf jeden Fall eine Halterung dafür, entweder ein Hintergrundsystem oder ersatzweise eine Wäscheleine.

Bilder


Hinweis: Professioneller Hintergrundstoff hat außerdem in der Regel eine Breite zwischen 2,50m und 3m. Wenn Sie die nicht zur Verfügung haben, bekommen Sie den Stoff ohnehin nicht faltenfrei aufgehängt.


 

Professionelle Falterhintergründe einsetzen

Falthintergründe sind auch im Heimstudio optimal. Sie benötigen verhältnismäßig wenig Platz bei der Aufbewahrung und sind schnell auf- und abgebaut. Sie können sie sowohl von hinten als auch von vorne beleuchten und bekommen sie in verschiedenen Farben. Aufgrund der begrenzten Größe dieser Falthintergründe sind diese jedoch für nur für Porträts oder Teilkörper-Aufnahmen geeignet.

Bilder
Bild 7: Falthintergründe könnten Sie für Porträts und Teilkörper-Aufnahmen sehr gut verwenden und entweder mit einem Hintergrundgestell aufhängen oder hinstellen.


 
Hinweis: Selbst wenn sich nach Aufspannen des Falthintergrundes kleine Fältchen am Rand zeigen, ist dies zumindest bei weißen Hintergründen kein Problem, denn bei korrekter separater Ausleuchtung des Hintergrundes mit einem Blitz oder eine Lampe sind diese auf dem Bild nicht mehr zu sehen.

Bilder
Bild 8: Das Ergebnis könnte so aussehen; beleuchtet wurde der Hintergrund von links mit einem Blitz mit Hintergrundreflektor und das Motiv mit einem Blitz von vorne rechts mit Durchlichtschirm.

DVD-Werbung

Passend zum Inhalt empfehlen wir: Lightroom für Einsteiger und Aufsteiger

Hier kommt das 1x1 für professionelle Bildverwaltung & -bearbeitung in Lightroom! Lerne in knapp 5 Stunden alles, was du zum Einstieg in die Bildbearbeitung mit Photoshop Lightroom wissen musst, und erhalte auch als Aufsteiger und Fortgeschrittener die Tipps und Tricks, die deine Arbeitsweise auf das nächste Level heben!

  • Rundum gut informiert: Vom Import über die Bearbeitung bis zum Export
  • Lerne die raffinierten Funktionen von Lightroom umfassend zu beherrschen
  • Wende Retuschetechniken an und beschleunige deinen Workflow

Photoshop-Künstler Michael Baierl entfacht mit und in dir die Leidenschaft. Lass dich begeistern und zeige der Welt, was in deinen Fotos steckt!

Erhältlich im Shop ... oder in der Kreativ-Flatrate

Kommentare
Portrait von MatzeVBoykott
Portrait von johann1979
  • 26.03.2014- 09:34

Ein großes weißes Bettlaken (2,3m x 1,5m ohne Spanngummi, 10.-), eine Wäscheleine(5.-) und Wäscheklammern(1.-).
Kann man in jedem Zimmer anbringen und möglichst gleichmäßig gespannt aufhängen.
Falten bekommt man schön mit dem Dampf eines Bügeleisens geglättet, während der Stoff schon hängt. Zusätzlich kann man den Teil, der auf dem Boden liegt mit einer weißen Holzleiste etwas fixieren.
Wichtig ist wirklich, viel Licht auf den Hintergrund zu bekommen.
Dann noch ein wenig überbelichten bei der Aufnahme (Faltenretusche out of the box) ergibt wirklich schöne HighKey aufnahmen...

Portrait von youmewe
  • 07.03.2014- 14:43

Schade, leider keine unbekannten Tipps dabei...

Portrait von Gladiole
  • 14.02.2014- 20:40

vielen Dank für die vielen Ratschläge

Portrait von Norbert233315
  • 22.01.2014- 14:36

Danke, sehr hilfreich wie die ganze Serie.

Portrait von zwenka
  • 06.06.2013- 10:55

alles sehr gut erklärt, danke!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 05.03.2013- 18:56

Klasse! Vielen Dank!

Portrait von Platsch74
  • 25.01.2012- 19:53

Prima Workshop - vielen Dank!

Portrait von jazie
  • 17.01.2012- 23:12

mit einer wasserspühflasche( z.b. für pflanzen) kann man falten im stoff besprühen, mit den händen glattstreichen und so viele falten verschwinden lassen/mildern.natürlich zeitig, damit der stoff beim shooting wieder trocken ist.

Portrait von Schuelli
  • 31.07.2011- 13:11

Ich würde vielleicht ergänzen: Wenn man sich eine Stoffbahn für einen Hintergrund sucht oder kauft, sollte man eben nicht auf weiße Baumwolle, Marke Tischdecke oder Betttuch zurückgreifen, eben wegen der Falten. Der Besuch in der Stoffabteilung eines Kaufhauses oder in einem speziellen Stoffgeschäft lohnt sich. Dort habe ich weißen Panne-Samt gekauft, der ist nicht teuer und bekommt überhaupt keine Falten, auch wenn ich die 3 man 3 Meter zursammengeknuddelt aufbewahre. Es gibt noch eine ganze Reihe von synthetischen Stoffen, die ebenso gut geeignet sind. Meinen schwarzen Molton-Hintergrund bügle ich, wenn er hängt nochmal nach.

Portrait von arnie
  • 22.05.2011- 11:04

schöne Übersicht, danke

Portrait von PanikSpatz
  • 10.03.2011- 08:57

Danke für diese Zusammenstellung. Dieses Tutorial hat meine ursprüngliche Idee ein Hintergrundsystem zu montieren nur bestätigt. :)

Portrait von Redgrisu
  • 26.02.2011- 17:43

Herzlichen Dank für das Zurverfügungstellen des Tutorials.

Portrait von littlefolks
  • 15.02.2011- 22:32

Ich habe nicht wirklich was neues gelernt. Und eine echte Lösung habe ich auch nicht gefunden.

Portrait von DerObis
  • 15.01.2011- 18:00

Vielen Dank für die Arbeit.

Portrait von nora1
  • 17.11.2010- 19:21

Sehr gut, vielen Dank

Portrait von darcio
  • 03.11.2010- 21:39

Gute Infos für Einsteiger

Portrait von JannisL
  • 02.11.2010- 15:33

leider sind die guten Varianten wieder teuer :(

Portrait von OlliX
  • 29.10.2010- 10:14

Gutes Tutorial. Vielen Dank.
Ich habe etliches gelernt was ich noch nicht wusste.

Portrait von PurzelMausi
  • 17.10.2010- 12:30

Toll erklärt sowas habe ich gesucht! Danke!!!



Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
x
×
×