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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 03 - Brennweiten, Verschlusszeiten, Blende, ISO-Zahl

Unterwasserfotografie - Teil 03 - Brennweiten, Verschlusszeiten, Blende, ISO-Zahl

Was den funktionellen Weg anbelangt, unterscheiden sich UW- Aufnahmen nicht von den an Land gemachten. Sehenswerte Bilder entstehen neben einem guten Bildaufbau und interessanten Motiven immer durch die richtige Belichtung. Diese wird, um welche Kamera es sich auch handelt, durch die Parameter Verschlusszeit und Blende erzeugt. Das Belichtungsprogramm spielt dabei keine Rolle. Deshalb gibt es im technischen Ablauf der Belichtung auch keinen Unterschied zwischen Landfotografie und UW-Fotografie. Wenn Sie für Ihre Kamera - Hersteller bzw. Typ spielen keine Rolle - ein geeignetes UW-Gehäuse finden, können Sie damit unter Wasser fotografieren.

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Brennweiten

Welche Brennweite ein Objektiv hat, steht immer auf der Fassung. Salopp gesagt kann man die Brennweite ermitteln, indem man die Optik in die Sonne hält und den Abstand misst, bei dem die gebündelten Lichtstrahlen ein Feuer entfachen. Das wäre aber sehr ungenau. Deshalb werden die exakten Brennweiten beim Objektivhersteller mittels komplizierter Formeln ermittelt.

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Bild 1: Seeigelstruktur; Brennweiten müssen unter Wasser so gewählt werden, dass der Bildwinkel zum Motiv passt. Man muss das natürlich vor dem Tauchgang entscheiden. Olympus E-410 im Original-Olympus-Gehäuse.


Weil bei den Digicams unterschiedliche Kamerakonzepte angeboten werden (Kompaktkameras, APS-H, APS-C, Four-Thirds und Vollformat), haben wir es auch mit den unterschiedlichsten Brennweiten zu tun. Je kleiner der Bildsensor, desto kürzer sind die Brennweiten. Große Bildsensoren besitzen ergo längere Brennweiten. Trotzdem können bei unterschiedlichen Brennweiten die Bildwinkel unterschiedlich großer Bildsensoren gleich groß sein. Dies ist wichtig zu wissen, wenn man mit einem Objektiv unter Wasser fotografiert.

Bezugsgröße bei den Brennweiten ist immer das Kleinbild bzw. das Vollformat. Nur mit diesem Referenz-Bildsensor kann man eindeutige Aussagen über die Verwendung eines an der Digicam verwendeten Objektives machen. In allen Fotomagazinen, wie immer sie auch heißen mögen, werden nach einer stillen Übereinkunft die Brennweiten aller Digitalkameras auf Kleinbild bezogen. Auch in den Tutorials zur UW-Fotografie wollen wir es so halten. Zusätzlich kommt auch der Bildwinkel ins Spiel, denn dieser spielt unter Wasser zusammen mit der Naheinstellung der Optik eine zentrale Rolle.

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Bild 02: Taucherin hinter Fächerkoralle; große Motive bedingen große Bildwinkel. Die Handlampe bringt etwas Pep ins Bild, darf aber nicht zu stark sein. Fuji FinePix S2 Pro im Seacam-Gehäuse.


 
Im nassen Element verwendet man Brennweiten zwischen 8 mm und 200 mm, bezogen auf Kleinbild oder Vollformat. Der Bildsensor besitzt hier eine Fläche von 24 mm x 36 mm. Ein 8 mm wäre ein rund zeichnendes Fisheye, das 200 mm ein sog. Tele-Makroobjektiv.

Zwischen diesen Extremen bewegen sich die Brennweiten von Hobby- oder Urlaubsfotografen im Bereich von 20 mm und 100 mm. Das 20er ist ein Weitwinkelobjektiv mit einem Bildwinkel von 94°. Das 100er ein Makroobjektiv mit einem Bildwinkel von 24°. Der Großteil aller UW-Fotografen, insbesondere die mit digitalen Kompaktkameras, arbeitet aber mit einem Zoomobjektiv, weil man damit wesentlich flexibler auf wechselnde Motive reagieren kann.

Digitale Kompaktkameras haben das Zoom ohnehin fest eingebaut. Man kann das Objektiv oftmals bis 1 cm nah einstellen. Das kann man mit digitalen Spiegelreflexkameras nicht machen. Dafür lassen sich an diesen Geräten die Objektive wechseln, weshalb man auch exotische Brennweiten für dramatische Bildansichten und ausgefallene Perspektiven in die Bildgestaltung mit einbeziehen kann.

Im Weitwinkelbereich wird dies unter Wasser häufiger gemacht als an Land. Im Weiteren heißt das Credo der guten und brillanten UW-Fotografie: Geh so nah ran wie möglich! Denn nur damit reduziert man den Lichtweg und die zwischen UW-Gehäuse und Motiv befindliche Wassermasse.

 
Bild 03: UW-Fotografin in einem Auwaldsee. Stimmung kommt nur rüber, wenn man kurze Brennweiten respektive große Bildwinkel verwendet. Man muss solche Situationen aber erkennen und dann fotografisch umsetzen. Canon EOS 5D im Seacam-Gehäuse.

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Im Gegensatz zur Landfotografie verwendet man unter Wasser keine Teleobjektive. Auch, wenn die Sichtweite noch so gut ist. Tele-Makroobjektive von 180 mm bis 200 mm sind gelegentliche Ausnahmen, weil sie sich nah einstellen lassen und der Abbildungsmaßstab bis 1:1 geht. Lange Brennweiten ohne Makroeinstellung sind schon deshalb nicht sinnvoll, weil die Extinktionseigenschaft des Wassers bereits wenige Meter vor dem Bildsensor alle warmen Farben auslöscht und die Dichte des Mediums die Aufnahmen konturenschwach, kontrastarm und verwaschen wiedergibt.

Weit entfernte Objekte mit langen Brennweiten oder extremen Zoom-Objektiven optisch näher zu holen, ist zwar möglich, wird aber immer mit einer grauenhaften Bildqualität quittiert. Insbesondere Details verlieren sich im Blaugrün der Wasserfarbe.

Daran ändert auch der Einsatz von Kunstlicht nicht viel, weil auch dessen Spektralfarben auf dem Weg zum Motiv und von dort zurück zum Bildsensor abgeschwächt bzw. ausgelöscht werden.

 
Bild 04: Man kann es nicht gleich sehen, aber hier wurde ein Fisheye verwendet. Die Problematik liegt bei hochformatigen Aufnahmen mit großem Bildwinkel darin, Sonne und Vordergrund belichtungstechnisch so aufeinander abzustimmen, dass Über- oder Unterbelichtungen vermieden werden. Fuji FinePix S2Pro im Seacam-Gehäuse.

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Merke
• Die Angaben von Brennweiten sind bei Digitalkameras relativ. Beziehen Sie diese immer auf das Kleinbild- oder Vollformat (24 mm x 36 mm). Wichtigstes Kriterium ist für Sie als UW-Fotograf grundsätzlich der Bildwinkel und die Naheinstellung.
• Digitale Kompaktkameras besitzen aufgrund der kleinen Bildsensoren auch kurze Brennweiten, die aber keinen größeren Bildwinkel aufweisen als entsprechende Optiken für das APS-C oder Vollformat-Kameras.
• Entscheidend ist die Diagonale des Bildsensors. Wenn diese nur 1/6 der Diagonale des Vollformates misst, dann ist bei gleichem Bildwinkel die Brennweite auch nur 1/6 so lang. Beispiel: Ein für das Vollformat gerechnetes 28-mm-Weitwinkel besitzt einen Bildwinkel von 75°. Das Äquivalent bei einer digitalen Kompaktkamera mit Zoomobjektiv und einer Sensordiagonalen, die nur 1/6 des Vollformates misst, hat demnach eine kürzeste Zoom-Brennweite von 4,6 mm. Der Bildwinkel ist aber derselbe wie bei einem 28-mm-Objektiv für den Vollformatsensor.
• Objektive können unter Wasser nicht gewechselt werden. Wer mit Festbrennweiten arbeitet, muss sich vor dem Tauch- oder Schnorchelgang entscheiden, welche Brennweite er mit nach unten nimmt. Oder er wählt ein passendes Zoom.
• Die Naheinstellung einer Optik hat oberste Priorität, weil man damit die Aufnahmeentfernung verkürzen kann. Das wiederum hebt die Bildqualität hinsichtlich Brillanz und Schärfe.


Verschlusszeiten

Wie schnell oder wie langsam die Verschlusszeit in einer Kamera abläuft, kann von entscheidender Bedeutung sein, wie eine UW-Aufnahme auf den Betrachter wirkt. Die Verschlusszeiten sind international genormt und unterscheiden sich hinsichtlich des Lichteinfalls auf den Bildsensor immer um einen Blendenwert. Wenn 1/60 s für die korrekte Belichtung angenommen wird, dann bekommt der Bildsensor nur die Hälfte des einfallenden Lichtes ab, wenn die Verschlusszeit 1/125 s beträgt. Und er wird mit der doppelten Lichtmenge beaufschlagt, wenn die Verschlusszeit auf 1/30 s verlängert wird. Digitalkameras beherrschen in den Belichtungsprogrammen wie Programmautomatik und Zeitautomatik auch Zwischenzeiten.

 
Bild 05: Im Prinzip spielt die Verschlusszeit bei solchen Objekten (Füßchen eines Seeigels) eine untergeordnete Rolle, aber man muss immer bedenken, dass man unter Wasser immer eine leichte Eigenbewegung wegen der Schwerelosigkeit besitzt. 1/60 s sollte es schon sein.

Eine weitere Schwierigkeit liegt darin, die unregelmäßig stehenden Füßchen bis in die Ecken scharf zu bekommen. Blende möglichst ganz schließen! Fuji FinePix S2Pro im Seacam-Gehäuse.

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Die üblichen Verschlusszeiten, die man unter Wasser verwendet, liegen zwischen 1/15 s und 1/250 s. Nur bei Gegenlichtaufnahmen mit Silhouettencharakter, also ohne Blitzlicht, erreicht man auch mal Verschlusszeiten von 1/1000 s oder mehr in Abhängigkeit der Blende und der ISO-Einstellung. Längere Verschlusszeiten als 1/60 s sind immer mit einer Verwacklungsgefahr verbunden, denn unter Wasser schwebt man für gewöhnlich, weil man selten festen Boden unter den Füßen hat und sich auch nicht immer festhalten kann. Was man in einem tropischen Meer ohnehin tunlichst vermeiden sollte, um keine Korallen abzubrechen.

Nur festhalten oder knien, wenn man sicher ist, nichts dabei zu beschädigen. Andere, die nach Ihnen kommen, wollen die Unterwasserwelt auch noch so genießen, wie sie die Vorgänger angetroffen haben. Als Schnorchler dümpeln Sie für gewöhnlich an der Wasseroberfläche, wo die Verwackler vom Wellengang herrühren. In dieser Lage ist mindestens eine Verschlusszeit von 1/125 s angebracht, eventuell sogar 1/250 s. Lange Verschlusszeiten (1/60 s oder 1/30 s) ohne Blitzlichtunterstützung bergen immer auch die Gefahr, dass schwimmende Fische oder sich schnell bewegende Motive unscharf abgebildet werden. Für das Mitziehen der Kamera mit der Eigenbewegung des Objektes ist viel Erfahrung erforderlich, die zumindest ein Gelegenheitsfotograf oder Einsteiger nicht mitbringt.

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Bild 06: Es muss nicht immer eine Profikamera sein. Dieser Drachenkopf wurde mit einer Nikon D50 bei ISO 200 und Blende 16 im BS-Kinetics-Gehäuse abgelichtet. Verwendet wurde ein 60 mm Micro-Nikkor. Diese Fische sind wegen ihrer Tarnung nicht so leicht zu entdecken.


 
Verkürzungen der Verschlusszeit sind im Prinzip nur bis zu dem Punkt sinnvoll, wo die Blende noch keinen Wert erreicht, mit dem man eine inakzeptable Schärfentiefe zu erwarten hat. Zu empfehlen ist dann, die ISO-Einstellung so weit zu erhöhen, dass das Bildrauschen noch nicht störend wirkt. Spiegelreflexkameras sind hier qualitativ gegenüber den digitalen Kompaktkameras im Vorteil.

Bei der notwendigen und machbaren Verkürzung der Verschlusszeit spielt auch der Bildwinkel und die in Verbindung mit der eingestellten Blende daraus resultierende Schärfentiefe eine nicht unerhebliche Rolle. Mit einem Superweitwinkel oder Fisheye-Objektiv an einer D-SLR bekommt man selbst bei nahezu offener Blende noch akzeptable Schärfentiefen, was mit dem eingebauten Kamerazoom einer digitalen Kompaktkamera nicht möglich ist.

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Bild 07: Frei schwimmende Fische ohne Blitz zu fotografieren, heißt, eine schnelle Verschlusszeit einzustellen. Die Blende ist weniger wichtig, weil es hier nicht auf Schärfentiefe ankommt. Die ISO-Zahl wird so gewählt, dass auf der Wasserfläche kein Rauschen erkennbar ist. Fuji FinePix S2Pro in Seacam-Gehäuse.


 
Schnelle Verschlusszeiten sind oftmals wichtig bei Schnappschüssen. Immer aber dann, wenn Bewegungsunschärfen zu erwarten sind. Wenn Ihnen beim Schnorcheln oder Tauchen ein Manta oder ein Walhai (ist harmlos) begegnet, immer den Kamerablitz der Digi-Kompakten ausschalten und eine Mindestverschlusszeit von 1/60 s, besser noch 1/125 s vorwählen.

Besitzer von digitalen Kompaktkameras, die nur eine Programmautomatik besitzen, in deren Belichtungsverlauf man nicht eingreifen kann, sollten dann die ISO-Einstellung (max. ISO 400) moderat erhöhen. Dann verkürzt sich auch die Verschlusszeit während des Programmablaufes. Und die Chancen, ein unverwackeltes und scharfes Bild zu bekommen, steigen erheblich an.

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Bild 08: Mantas werden riesengroß, bis 7 m Spannweite und 1,5 Tonnen schwer. Erforderlich sind ein großer Bildwinkel und eine Verschlusszeit, die gewährleisten, dass die Flügel nicht verwischt werden und der Fisch auch ganz erfasst werden kann. Mantas sind harmlos, sie fressen Plankton und auch mal kleine Fische, wenn die eingesaugt werden. Sony A-100 im BS-Kinetics-Gehäuse.


 
Merke
• Verschlusszeiten sind variabel. In Verbindung mit der Blende müssen sie so vorgewählt werden, dass die Belichtung korrekt erfolgen kann. Belichtungsautomatiken regeln das über die Software.
• Bei der Programmautomatik hat man normalerweise keinen Einfluss auf die Parameter Zeit und Blende. Die Kamerasoftware entscheidet nach vorgegebenen Kriterien. Häufig werden auch im Kameracomputer niedergelegte Bildbeispiele als Äquivalent herangezogen und die Belichtung darauf abgestimmt. Den Modus Programmautomatik gibt es in jeder Digicam. Viele digitale Kompaktkameras arbeiten ausschließlich mit der Programmautomatik, was für Gelegenheitsfotografen kein Nachteil sein muss.
• Im Modus Zeitautomatik wählt man die Blende vor und die Verschlusszeit stellt sich automatisch ein. Das hat zwar den Vorteil, dass man die Schärfentiefe über die vorwählbare Blende selbst bestimmen kann, birgt aber immer das Risiko, dass sich die Verschlusszeit bei einer Änderung des Umgebungslichtes (Wolke vor der Sonne) automatisch verlängert und man das unter Umständen nicht merkt. Dann produziert man verwackelte Bilder oder unscharfe, weil mobile Motive (Fische) mit den verlängerten Zeiten nicht bewegungsscharf erfasst werden können.
• Mit der Blendenautomatik kann man, was Bewegungsschärfe und Verwackler angeht, besser arbeiten. Allerdings kann man auf die Schärfentiefe nur Einfluss nehmen, wenn man die Zeit variabel einsetzt, denn die richtige Blende stellt sich immer nach der vorgegebenen Verschlusszeit ein. Mit einer vernünftig schnellen Verschlusszeit (z.B. 1/60 s bis 1/125 s) kann man allerdings sorgenfrei seine Bilder gestalten. Wenn kein Blitzlicht verwendet wird, kann sich die Blendenautomatik als das ideale Belichtungswerkzeug bei schwimmenden Fischen im Flachwasser entpuppen.
• Wer manuell Verschlusszeit und Blende einstellt, kann jeden dieser Parameter frei wählen. Für schnelle Entscheidungen oder Schnappschüsse ist dieser Modus aber nicht geeignet. Fische verhalten sich anders als Gänseblümchen. Mal stehen sie still, dann wiederum flitzen sie unorthodox im Riff umher. An vielen digitalen Kompaktkameras fehlt der Modus M, weil mit diesen Geräten sowohl an Land als auch unter Wasser meistens mit der Programmautomatik fotografiert wird.


Blende

Die Blende gehört zu den wichtigsten Bildgestaltungsmitteln der UW-Fotografie. Zusammen mit dem Abbildungsmaßstab steht sie sowohl für die totale als auch partielle Schärfenlegung in einem Bild. Unter der Blende versteht man einen im Objektiv vorhandenen Lichtbegrenzer, der mit einem lamellenartigen Fächer je nach Blendenwert ein großes oder kleines Loch für den Durchgang der Lichtstrahlen auf dem Bildsensor erzeugt. Große Blenden sind solche mit einem kleinen Loch (z.B. Blende 16), kleine Blenden sind solche mit großem Loch (z. B. Blende 2,8).

 
Ursache dieser nicht immer ganz einfach zu verstehenden Tatsache ist die Berechnung der Blende, die sich ergibt, wenn man die Brennweite durch den Lochdurchmesser teilt. Da Blenden Verhältniszahlen sind, lassen gleiche Blenden an unterschiedlichen Objektiven bei identischer Verschlusszeit und gleicher ISO-Zahl auch immer dieselbe Lichtmenge auf den Bildsensor fallen. Blende 5,6 im Zoom einer digitalen Kompaktkamera ist deshalb derselbe Verhältniswert wie Blende 5,6 in einem Makroobjektiv an einer D-SLR.

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Bild 09: Pygmäenseepferdchen sind winzig klein. Wenn man sie frontal ablichtet, muss die Blende ganz geschlossen werden. Diese oft nur daumennagelgroßen Tiere zu finden, ist eine Kunst. Spiegelreflexkameras mit Four-Thirds-Bildsensor sind wegen ihrer doppelt so großen Schärfentiefe wie das Vollformat bestens dafür geeignet. Olympus E-300 im Original-Olympus-Gehäuse.


Die Blendenzahlen sind international genormt und unterscheiden sich in ganzen Werten voneinander durch den Faktor aus Wurzel 2 = 1,414. Wenn man Blende 5,6 mit 1,414 multipliziert, erhält man Blende 8. Teilt man Blende 16 durch 1,414, wird daraus Blende 11. In Digitalkameras lassen sich auch Zwischenwerte anwählen, beispielsweise zwischen 8 und 11 die Werte 9 und 10.

Die Zwischenwerte kann man entweder im manuellen Modus oder mit der Zeitautomatik vorwählen, um korrekt belichten zu können bzw. um eine bestimmte Schärfentiefe zu erhalten. In Belichtungsprogrammen wie Blendenautomatik oder Programmautomatik macht das die Software der Kamera. Normalerweise reichen Drittelwerte von Blenden gut aus, um Bilder exakt zu belichten.

 
Bild 10: Kofferfisch! Mit der Blende kann und soll man spielen. Sie sollte aber so gewählt werden, dass bei frontalen Fischaufnahmen möglichst Maul und Augen scharf sind. Nach hinten kann man das Bild in die Unschärfe abgleiten lassen. Das fördert die Isolierung des Objektes. Sigma SD 14 im BS-Kinetics-Gehäuse.

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Mit der Blende wird die Schärfentiefe geregelt. Große Schärfentiefen, wie man sie bei Nah- und Makroaufnahmen benötigt, bedingen kleine Blenden. Also 11, 16 oder 22. Große bzw. mittlere Blenden in Bereich von 5,6 bis 8 werden normalerweise bei Weitwinkelaufnahmen vorgewählt. Allerdings darf man das nicht verallgemeinern.

An digitalen Kompaktkameras lassen sich selten Blendenwerte von 8 oder 11 einstellen. Meistens enden die Blendenzahlen bei einer maximalen Blende 5,6, häufig sogar schon bei 4,5. Ursache sind die kleinen Bildsensoren dieser Kameras, weswegen es zu Lichtbeugungen an den winzigen Blendenlöchern kommen würde, wenn die Blendenwerte numerisch größere Zahlen (z.B. Blende 8) annehmen würden. Wir wollen das hier aber nicht mathematisch und physikalisch erläutern. Sie sollten aber wissen, dass es mit digitalen Kompaktkameras üblicherweise nicht möglich ist, kleine Blenden vorzuwählen.

Hinsichtlich der Schärfentiefe ist das nicht schlimm, denn Digi-Kompaktkameras besitzen eben wegen der kleinen Bildsensoren enorme Schärfentiefen. Selbst mit einer Kompakten, deren einzige und deshalb maximale Blende nur 2,8 beträgt, erreicht man bei identischer Monitormotivgröße dieselbe Schärfentiefe wie mit einer Vollformat-D-SLR und Blende 16, sofern die Diagonale des Bildsensors der Kompaktkamera mindestens 6-mal in die Sensordiagonale des Vollformates passt.

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Bild 11: Um Fische vom Hintergrund zu lösen, muss die Blende etwas geöffnet werden. Bei seitlich schwimmenden und nicht allzu großen Fischen ist das kein großes Problem. Auch mit relativ offener Blende kommt das Motiv noch so rüber, dass es zur Gänze scharf abgebildet werden kann. Olympus E-410 im Original-Olympus-Gehäuse.


UW-Fotografen können deshalb unbesorgt mit einer digitalen Kompaktkamera nahezu alle Makromotive wie Nacktschnecken, Zwergseepferdchen oder Korallenpolypen fotografieren. Die eigentliche Ursache dafür ist der relativ kleine Abbildungsmaßstab, den die Digi-Kompakten naturgemäß besitzen, eben aufgrund des kleinen Bildsensors. Kleine Abbildungsmaßstäbe ergeben immer große Schärfentiefen. Große Abbildungsmaßstäbe entsprechend kleine Schärfentiefen.

Deshalb kann man mit digitalen Kompaktkameras nur sehr schlecht partielle Schärfen realisieren. Meistens ist das Bild scharf von vorne bis hinten. Nur im Nah- bzw. Makrobereich wird die Schärfenausdehnung kleiner. Ist aber gemessen am Blendenwert immer noch sehr hoch. Sie können ergo mit einer digitalen Kompaktkamera die oftmals bis 1 cm vor die Frontlinse gehende Naheinstellung konsequent ausnutzen. Ein Problem könnte höchstens die Ausleuchtung der unmittelbar vor dem Frontglas des UW-Gehäuses befindlichen Motive sein.

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Bild 12: Bei dieser Motivanordnung müssen Blende und Standort so gewählt werden, dass beide Nacktschnecken in die Schärfe fallen. Das geht aber oft nur, wenn leicht von oben herab fotografiert wird. Belichtet wurde das Bild mit einer Fuji FinePix im Seacam-Gehäuse.


 
Objektive an digitalen Spiegelreflexkameras lassen sich generell bis Blende 16, 22 oder gar 32 schließen. Damit hat man dann selbst bei ISO-Einstellungen von 400 oder 800 keine oder wenig blitztechnische Probleme. Anders bei einer digitalen Kompaktkamera mit Blende 4,0. Hier muss man das Blitzlicht bei höheren ISO-Einstellungen unter Umständen erheblich drosseln (Milchglasscheibe, Minuskorrektur), damit es nicht zu ungewollten Überbelichtungen kommt. Starke externe Blitzgeräte sind in einem solchen Fall im Nahbereich nur noch zu gebrauchen, wenn man den Blitz vom Motiv etwas entfernt.


ISO-Zahl

Bildsensoren müssen mittels der ISO-Einstellung auf das Umgebungslicht eingestellt werden. Digitale Kompaktkameras normalerweise auf ISO 100, digitale Spiegelreflexkameras auf ISO 100 oder ISO 200. Abhängig ist das aber auch von der Sensorgröße und dem Rauschverhalten der Kamera. Die richtige bzw. passende ISO-Zahl ergibt sich aus der Umgebungshelligkeit unter Wasser.

Dort ist es naturgemäß dunkler als an Land. Sie können deshalb im Flachwasser mit ISO 100 fotografieren, in 30 m Tiefe aber sicherer mit ISO 200 oder ISO 400. Damit bekommen Sie dann als Hintergrundfarbe das Blau des Wassers aufs Bild. Die ISO-Einstellung ist deshalb ein eminent wichtiger Parameter, den man bei Bedarf unter Wasser verändern sollte.

 
Bild 13: Becherschwamm in einer Tiefe von 30 m. Unterwasserlandschaften kann man mit rauscharmen (rauschfrei gibt es nicht!) Kameras durchaus mit höheren ISO-Werten belichten. Bis ISO 400 sind fast alle D-SLRs sehr gut zu gebrauchen. Olympus E3 im BS-Kinetics-Gehäuse.

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Mit der Anhebung der ISO-Zahl wird der Bildsensor lichtempfindlicher, aber auch anfällig für das Bildrauschen. Es äußert sich in grobkörnigen oder grieseligen Bildern, meistens auf großen Wasserflächen von Weitwinkel- und Fisheyeaufnahmen. Wenn die ISO-Zahl von 100 auf 400 angehoben wird, werden die Bilder bei unveränderter Blende und Verschlusszeit mit der vierfachen Lichtmenge belichtet.

Es käme dann zu einer erheblichen Überbelichtung, wenn Blende und Verschlusszeit nicht angepasst würden. Sie haben jetzt die Möglichkeit, die Blende um zwei volle Stufen zu schließen (z.B. von 8 auf 16) oder die Verschlusszeit entsprechend zu verkürzen (z.B.: von 1/60 s auf 1/250 s). Oder Sie kombinieren. Blende 11 und 1/125 s. Belichtungsautomatiken machen das selbstständig.

 
Bild 14: Man muss nicht immer künstlerische UW-Bilder machen. Solche Aufnahmen von Freunden oder Tauchpartnern halten die Erinnerungen wach. Fotografiert wurde mit einer Canon EOS 5D im Seacam-Gehäuse mit einem 16-mm-Sigma-Fisheye und einem Magic-Filter vor der Hinterlinse. Weil der Filter 2 Blenden Licht schluckt, zog der Fotograf die ISO-Zahl auf 400 hoch. Auf diese Weise konnte eine verwackelungsfreie Verschlusszeit für die Blendenautomatik vorgewählt werden.

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Merke
• Wenn die ISO-Zahl angehoben wird, kann man mit einer schnelleren Verschlusszeit fotografieren. Das kommt der Bewegungsschärfe zugute, wenn schwimmende Fische abgelichtet werden.
• Mit dem Anheben der ISO-Zahl kann man, wenn die Verschlusszeit nicht verändert wird, die Blende weiter schließen. Dadurch vergrößert sich die Schärfentiefe. Das kann im Makrobereich sinnvoll sein.
• Manche Digicams verfügen über eine ISO-Automatik. Diese stellt sicher, dass die Belichtungsdaten auch bei schlechtem Licht in einer vernünftigen Größenordnung liegen. Bei Nah- und Makroaufnahmen, wenn geblitzt wird, sollte man die ISO-Automatik abschalten.
• Hohe ISO-Werte (400 oder mehr) sollte man nur verwenden, wenn der Bildsensor kein sichtbares bzw. störendes Rauschen verursacht.
• Normalerweise werden die Bilder mit der niedrigsten ISO-Einstellung qualitativ am besten. Eine Garantie ist das aber nicht. Mit Sonderfunktionen lassen sich manche Digicams auch mit ISO 50 betreiben. Eigenartigerweise kann es dann vorkommen, dass das Rauschverhalten des Bildsensors schlechter ist als bei ISO 100.


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Bild 15: Schwarzspitzenhai auf den Bahamas. Fotografiert wurde er im nur 1,5 m tiefen Flachwasser. Er gilt als nicht sonderlich gefährlich. Es werden ihm aber viele Beißattacken auf Schwimmer und Badende zugeschrieben, die aber meistens glimpflich abgehen. Die erforderlich schnelle und fest eingestellte Verschlusszeit wurde mit ISO 400 und Blendenautomatik erreicht. Canon EOS 5D im Seacam-Gehäuse.


 
Bild 16: Weichkoralle. Die Unterwasserwelt ist oft rätselhaft farbig. Bei filigranen Motiven liegt man mit ISO 100 oder ISO 200 immer richtig. Die Schwierigkeit liegt bei zerklüfteten und ausladenden Objekten darin, die Bildschärfe so zu legen, dass möglichst auch die Ränder und Ecken erfasst werden. Nikon D50 im BS-Kinetics-Gehäuse.

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Kommentare
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Portrait von Storki
  • 14.01.2013 - 22:32

Sehr schönes Tutorial. Auch "über Wasser" sehr gut zu gebrauchen. Danke!

Portrait von cvfps
  • 24.08.2010 - 13:37

Top-Tutorial, sehr detailliert!

Portrait von Marroc
  • 14.04.2010 - 03:33

Das habe ich gesucht

Portrait von klaus81
  • 04.04.2010 - 15:55

Bessere Anleitungen als diese workshops gibt es nicht - dazu noch solche Hammerfotos - eigentlich sollte das in Buchform vorliegen. Schon die Fotos wären den Kauf wert.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 29.03.2010 - 21:02

super gute anleitung, weiter so

Portrait von friendofgermany
  • 12.02.2010 - 13:29

danke für diese Beiträge. Genau solche Anleitungen habe ich gesucht. Und die gezeigten Beispielbilder gefallen mir sehr gut.

Portrait von siegfriedmeyer
Portrait von tomcat13
  • 03.08.2009 - 10:17

Sehr informativ undtechnisch fundierte Infos. Werde mir wohl alle Deine Workshops "reinziehen" ;-))

Portrait von Nomad
  • 10.05.2009 - 22:13

Wie immer sehr lehrreich 5*

Portrait von Sibulan1
  • 16.04.2009 - 13:48

Sagenhafte Bilder, Artikel ist sehr lehrreich, Danke

Portrait von gbr

gbr

  • 13.03.2009 - 11:03

Vielen Dank für das Aufklären der Zusammenhänge der ISO-Werte mit der Hintergrundbelichtung! Ich habe bisher immer nur auf ISO 100 eingestellt wegen Vermeidung des Rauschens, werde das beim nächsten Tauchgang gleich als Bildgestaltungsmöglichkeit probieren.

Portrait von pest07
  • 10.03.2009 - 19:03

Super Bilder und guter Artikel

Portrait von julitsch
  • 27.02.2009 - 09:07

Die Bilder sind wirklich der Hammer...und die Erklärungen gut verständlich. Freu mich aufs testen ;-)

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 30.10.2008 - 17:28

wooow sehr schööne biilder

Portrait von poligonlu
  • 29.10.2008 - 19:37

tolle infos und saustarke Bilder

Portrait von reweiv
  • 28.10.2008 - 21:12

Sind wieder sehr schöne Praxistips dabei. Gibt 5 Seesterne ;-)

Portrait von Fotomanege
  • 28.10.2008 - 08:51

Super Artikel, klasse Bilder........
Freu mich schon auf den nächsten Teil

Portrait von Lastivka
  • 27.10.2008 - 17:16

Hammer Bilder!

Portrait von roman2
  • 27.10.2008 - 13:59

endlich geniale Fotos beim Tauchen

Portrait von Rawija
  • 27.10.2008 - 10:40

Sehr schöne Fotos, super. Klasse Serie.

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