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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 04 - Mit digitalen Kompaktkameras auf Tauchstation

Unterwasserfotografie - Teil 04 - Mit digitalen Kompaktkameras auf Tauchstation

Man schätzt, dass etwa 90% aller UW-Aufnahmen mit digitalen Kompaktkameras gemacht werden. Die Gründe liegen auf der Hand. Auch Normalverdiener können sich die kleinen und leichten Fotogeräte leisten. Die zugehörigen UW-Gehäuse sind erschwinglich und einfach zu bedienen. Mittlerweile sind auch die Bildsensoren so gut geworden, dass passable UW-Aufnahmen selbst für größere Abdrucke möglich sind. Und auf die Speicherkarten lassen sich mehr Bilder übertragen, als der kleine Akku verkraften kann.

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Bild 01: Wasserdichte Kompaktkameras besitzen unterschiedliche Dichtheitsmerkmale. Manche sind nur dicht bis 3 m Wassertiefe, mit anderen kann man ohne Schutzgehäuse 10 m abtauchen, ohne befürchten zu müssen, dass Wasser eindringt. Für Schnappschüsse mit Kindern sind sie ideal.

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Die UW-Fotografie ist hoffähig geworden. Kamerafirmen wie Canon, Fuji, Nikon, Olympus und Pentax stellen eigene UW-Gehäuse für Großteile ihrer digitalen Kompaktkameras her. Hier entsteht ein gigantischer Markt, der nicht nur Taucher anspricht, sondern auch Schnorchler, Segler, Surfer, Strandwanderer, Trekking-Freaks und Wüstenfüchse mit einbezieht.

Alle diese Freizeitaktiven eint der Wunsch nach einer wasser-, sand- und staubdichten Kamera bzw. nach einem Schutzgehäuse. Und das liefern sowohl Kamerafirmen als auch Fremdhersteller. Digitale Kompaktkameras sind mitnahmefreundlich, weil sie nicht viel wiegen. Unterschätzen Sie diesen Part nicht. Am Flughafen kommt das große Zittern, wenn Handgepäckstücke gewogen oder vermessen werden. Dann sind kleine Fotogerätschaften die Favoriten.

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Bild 02: Soldatenfisch! Erstaunlich ist die Bildqualität der kleinen Bildsensoren. Man sollte aber nach Möglichkeit mit ISO 100 fotografieren, dann ist das Rauschen so gut wie nicht zu sehen.


 

Bildsensoren

Schon aufgrund der geringen Abmessungen der installierten Bildsensoren sind den Pixelzahlen eigentlich physikalische und auch optische Grenzen gesetzt. Dass man mit einer raffinierten Software nachträglich einiges verbessern bzw. retuschieren kann, ist bekannt. Bekannt ist aber auch, dass das nicht immer der Bildqualität förderlich ist. Prinzipiell reichen für die UW-Fotografie mit digitalen Kompaktkameras 6 Megapixel voll aus. Wenn die Kamera 8 oder 10 MP besitzt, ist das nicht schlimm.

Mehr ist aber nicht erforderlich. Schielen Sie deshalb nicht nach der maximalen Pixelzahl in dieser Kameraklasse, sondern richten Sie Ihr Augenmerk auf die Bildqualität. Die wird nämlich durch eine geringe Kompression im JPEG-Format, eine gut funktionierende Software, flächenmäßig vernünftig große Bildsensoren und hochwertig gefertigte Pixel erreicht. Klug ist es deshalb, eine digitale Kompaktkamera mit möglichst großem Bildsensor zu kaufen.

Natürlich sollte man vorher Informationen einholen, ob es für diesen Kameratyp auch ein UW-Gehäuse gibt. Sonst beginnt eventuell eine aufreibende Suche nach der passenden Schutzhülle. Digitale Kompaktkameras mit APS-C-Bildsensoren oder Bildsensoren im Four-Thirds-System (Olympus, Panasonic) sind allen anderen vorzuziehen. Sie können damit Bilder machen, die denen einer D-SLR in nichts nachstehen.

 
Bild 03: Buckeldrachenkopf (sehr giftig)! Schwierigkeiten haben digitale Kompaktkameras manchmal beim Ablichten von kontrastreichen Motiven. Man kann das in der Kamera-Software untergebrachte UW-Fotoprogramm bemühen und erzielt dann mitunter recht gute Ergebnisse.

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Sucher

Die meisten digitalen Kompaktkameras besitzen keinen optischen Sucher mehr. In der Vergangenheit gab es damit vielfach Probleme, weil die User damit auch Nahaufnahmen machten und die dann auftretende Parallaxe (Bildausschnitt vom Objektiv ist nicht identisch mit dem Sucherbild) nicht beachteten. Was wieder kommen wird, beim Micro-Four-Thirds-System von Olympus und Panasonic ist es bereits Serie, sind elektronische Sucher in den High-End-Kompakten.

In der Vergangenheit waren sie fast immer mangelhaft, weil das Sucherbild grieselig, unscharf und häufig verwackelt war. Inzwischen sind die elektronischen Sucher aus dem Dornröschenschlaf erwacht, besitzen akzeptable Pixelzahlen und sind absolut UW-tauglich geworden. Optische und elektronische Sucher machen unter Wasser aber nur Sinn, wenn man das Sucherbild mit der Tauchmaske einsehen und beurteilen kann.

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Bild 04: Optische Sucher findet man an digitalen Kompaktkameras nicht mehr. Sie sind auch überflüssig, weil die Parallaxe im Nahbereich keine Übereinstimmung von Sucher- und Sensorbild gewährleistet. Elektronische Sucher gibt es, aber das Sucherbild ist für die UW-Fotografie fast immer zu klein. Der Monitor ist deshalb im Prinzip die einzige vernünftige Vorschau für Bildgestaltungen.


 

Monitore

Bei den Monitoren der digitalen Kompaktkameras sind große Fortschritte erzielt worden. Teilweise nehmen sie die ganze Kamerarückseite ein. Eine 3-Zoll-Diagonale ist fast normal geworden, selbst auf der kleinsten Kamera. Schwenkbare Monitore bringen unter Wasser nicht das, was man an Land damit machen kann. In manchen UW-Gehäusen (meistens von Fremdherstellern) lassen sie sich kippen. Dann kann man das Sucherbild bequem in der Schwimmlage einsehen.

Moderne Monitore lassen sich bis zu einem Bildbetrachtungswinkel von 170° von der Seite bzw. von oben oder unten einsehen, ohne dass das Bild kippt und dunkler oder heller wird. Unter Wasser herrschen aber andere Lichtverhältnisse als an Land. Außerdem ist die Kamera meistens in einem UW-Gehäuse eingebaut, weshalb der direkte Blick auf den Bildschirm ohne Sehwinkelabweichung zur Belichtungsbeurteilung erforderlich ist. Auch wenn in der Werbung immer steht, dass die Monitore auch im Sonnenlicht gut beurteilt werden können, trifft das zumindest unter Wasser nicht zu.

Bei Nah- und Makroaufnahmen, wo die Kamera oft senkrecht nach unten gehalten werden muss und die Sonne darum ungehindert auf den Monitor scheinen kann, ist das Bild nur schlecht zu beurteilen. Manchmal sogar überhaupt nicht. Wichtigstes Accessoire ist deshalb ein Blend- bzw. Streulichtschutz für den Monitor. Nicht immer ist er erhältlich, insbesondere nicht für wasserdichte Digicams.

Manchmal hilft es, den Monitor mit dem eigenen Körper (Ellenbogen nach außen!) abzuschatten, damit das Sonnenlicht die Konturen der Bilder nicht zerfließen lässt. Übrigens: Sonnenlicht, das von hinten auf die digitale Kompaktkamera scheint, kann die Bilder nicht negativ beeinflussen. Der Monitor ist lichtundurchlässig. Er kann nur Bilder erzeugen, die er vom Licht über das Objektiv erhalten hat.

 
Bild 05: Federstern auf einer Koralle! Mit den großen Monitoren kann man bei etwas Übung recht passable Bildgestaltungen vornehmen. Man sieht hier, dass die digitalen Kompakten mit der Farbe Weiß nicht immer perfekt zurechtkommen. Als Hobbyfotograf kann man aber mit diesem Manko normalerweise leben.

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Wichtig: Kontrollieren Sie beim Fotografieren immer ihre Finger an der Kamera bzw. am UW-Gehäuse. Während des Tauchens oder auch beim Schnorcheln merkt man nicht immer, ob sich ein Finger über das Objektiv gelegt hat. Insbesondere dann nicht, wenn man Handschuhe trägt. Auf diese Weise können ganze Bildserien verhunzt werden, bis man erkennt, dass der Schatten auf den Bildern durch den eigenen Zeige- oder Mittelfinger verursacht wurde. In diesem Zusammenhang ist auch wichtig, die Bildschirmhelligkeit auf einen vernünftigen Mittelwert einzustellen, damit vermieden wird, dass die Bilder letztendlich zu stark über- oder unterbelichtet werden. Eben weil man durch das Monitorbild getäuscht worden ist.

 
Bilder können unter Wasser auf dem Monitor nur überschlägig beurteilt werden. Das gilt sowohl für die Farben als auch für die Bildschärfe. Einerseits sind die Monitore nicht immer farbecht, andererseits beeinflusst auch die spektrale Farbauslöschung des Wassers in gewisser Weise das Monitorbild. Gleiches gilt für die Bildschärfe.

Es ist nicht möglich, mittels Tauchmaske, in der eventuell noch Wassertropfen auf der Innenseite der Scheibe haften, im schwebenden Zustand und das möglicherweise bei Strömung und Wellengang, geringe bis mittlere Unschärfen auf den Monitorbildern festzustellen. Deshalb sollten Sie nie unter Wasser Bilder löschen, von denen Sie nicht 100%ig sicher sind, dass sie auch wirklich nicht zu gebrauchen sind.

Das gilt auch für zu helle oder zu dunkle Aufnahmen, die man eventuell mit einer nachträglichen Bildbearbeitung noch retten kann. Beurteilen Sie Ihre UW-Aufnahmen grundsätzlich nur auf dem Laptop oder am PC. Verwenden Sie eine hochkapazitive Speicherkarte mit einigen GB (mindestens 1-2 GB), dann kommt es nicht auf ein paar verunglückte Bilder an. Denken Sie immer daran: unter Wasser kann man die Speicherkarte nicht wechseln. Reserven sind wichtig. Bilder kosten nichts außer Strom. Aber der Tauchgang kostet Geld und dauert in der Regel maximal eine Stunde.

 
Bild 06: Die geringen Abmessungen der digitalen Kompaktkameras sind auch unter Wasser von Vorteil, weil man wendig ist und schnell reagieren kann. Der große Becherschwamm im Vordergrund kann aber wegen der geringen Weitwinkelfähigkeit nur vollständig abgelichtet werden, wenn man etwas Motivabstand einplant.

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Objektive

In digitalen Kompaktkameras ist üblicherweise immer ein Zoomobjektiv installiert. Es ist fest eingebaut, lässt sich deshalb nicht wechseln. Achten Sie darauf, dass der Weitwinkelbereich mindestens 28 mm (auf Kleinbild bezogen) beträgt. Damit halten Sie sich den Weg frei, größere Objekte wie Haie, Barrakudas, Zackenbarsche, Hechte oder Schwämme abzulichten. Der absolute Telebereich ist unter Wasser nicht relevant, kann aber natürlich für den Einsatz an Land auch wichtig sein.

Zoomen ist im nassen Element so eine Sache. Weit entfernt befindliche Objekte kann man zwar optisch näher heranholen, aber man erkauft sich das mit farblosen und flauen Bildern. Setzen Sie das Zoom sparsam ein. Wenn, dann nur im Nahbereich, um Ausschnitte zu setzen. Jenseits von 1 m Motivdistanz wird es kritisch. Den fotografisch besten Erfolg erzielen Sie, wenn Sie das Zoom auf die kürzeste Brennweite stellen und sich damit an die Objekte so nah wie möglich heranpirschen. Damit verringern Sie den Wasserraum vor der Kamera, was mit brillanteren Farben und einer knackigeren Schärfe beantwortet wird.

 
Bild 07: Wenn Muränen bedrängt werden, dann drohen sie mit offenem Maul. Sie greifen aber nicht an. Was in der Eile oft vergessen wird, sind hochformatige Aufnahmen, weil man beim Live-View die Kamera meistens quer hält. Das Zoom ist für solche Situationen ideal, um den Bildausschnitt schnell und zielsicher bestimmen zu können.

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Digitale Kompaktkameras sind wegen ihrer kleinen Bildsensoren prädestiniert für den Nah- bzw. Makrobereich. Die meisten Modelle lassen sich extrem nah einstellen, manchmal bis 1 cm vor die Frontlinse. Auch hier ist darauf zu achten, dass die Naheinstellgrenze des Zoomobjektives mindestens 10 bis 15 cm betragen sollte. Meistens ist es so, dass man den Makrobereich (echte Makroaufnahmen sind es allerdings nicht!) mit dem Blumen- bzw. Tulpensymbol anwählen muss.

Normalerweise gibt es neben dem üblichen Tulpensymbol noch eine S-Tulpe. Die steht für den Supermakrobereich, also Naheinstellung bis 1 oder 2 cm vor das Frontglas. Leider funktioniert in diesem Modus der integrierte Kamerablitz meistens nicht, weil er aufgrund seiner Anordnung (üblicherweise links neben dem Objektiv) den Bereich unmittelbar vor dem Frontglas nicht zufriedenstellend ausleuchten kann.

Auch wenn der Kamerablitz als Pop-up-Blitz (herausklappbar auf dem Kameradach) angeordnet ist, geht es nicht, weil man ihn nicht funktionsgerecht nach vorne herunter klappen kann. Hier helfen dann nur externe Blitzgeräte oder Dauerlicht in Form von LED- oder Halogenlampen.

 
Bild 08: Dieser Bildausschnitt eines Korallenstocks ist das Maximale, was man mit dem Zoom an digitalen Kompaktkameras erfassen kann. Man sollte nämlich nur so weit vom Motiv entfernt sein, dass das Licht vom Kamerablitz es noch schattenfrei ausleuchten kann. Die Programmautomatik ist in solchen Fällen ein adäquates Mittel für die korrekte Belichtung.

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Nur wenige Kompaktkameras besitzen ein fest eingebautes Objektiv mit Festbrennweite. Meistens sind es hochwertige Reportagekameras (z. B. Sigma DP 2), für die es aber UW-Gehäuse geben kann. Mit diesen Kameras – meistens verfügen sie über relativ große Bildsensoren – lassen sich hochwertige UW-Aufnahmen herstellen. Häufig fehlt allerdings die Flexibilität im Nahbereich, weil die Festbrennweiten weitwinkelig (24 mm bis 40 mm bezogen auf Kleinbild) konzipiert sind.

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Bild 09: Der Autofokus zieht umso schneller in die Schärfe, je heller das Umgebungslicht ist. Er ist aber langsamer als die automatische Scharfeinstellung in digitalen Spiegelreflexkameras.


Micro-Four-Thirds

Initiiert wurde diese Kameraklasse von Olympus und Panasonic. Es handelt sich hierbei um digitale Kompaktkameras mit Wechselobjektiven. Weil der Spiegelkasten fehlt und das Auflagemaß nur noch die Hälfte einer D-SLR beträgt, sind die Kameras sehr klein und handlich. Also kaum größer als normale Kompaktkameras.

 
Auch die Objektive können sehr kompakt gehalten werden. Vorteil dieses Kamerakonzeptes ist ein Bildsensor, wie er auch in digitalen Spiegelreflexkameras zu finden ist. Deshalb ist die Bildqualität von Micro-Four-Thirds-Kameras in der Kompaktklasse überragend.

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Bild 10: Flughahn! Wenn Fische nicht allzu schnell schwimmen, kommt der AF noch mit. Am sichersten reagiert er, wenn sich die Motive langsam bewegen oder festgewachsen sind.


 
Ein optischer Sucher fehlt, dafür besitzen diese Fotogeräte einen elektronischen Sucher mit hoher Auflösung und einem stabilen Bild. Auch bei einem Kameraschwenk kommt es nicht zu großen Verzögerungen beim Bildaufbau.

Zusätzlich besitzen diese Kameras einen Live-View-Monitor mit Echtzeitbild. Der UW-Einsatz von Micro-Four-Thirds ist geradezu ideal, weil man hier eine hochwertige Bildqualität mit Wechselobjektiven koppeln kann und trotzdem ein äußerst kompaktes Kamerasystem bedient.

Entsprechend klein und leicht können die UW-Gehäuse gebaut werden. Dass diese Kameras etwas teurer sind als gewöhnliche Kompaktkameras, ist eine Folge der hochwertigen Komponenten. Sie sind aber auch wesentlich flexibler einzusetzen, weil man Wechselobjektive vom Fisheye bis zum Telemakro verwenden kann. 2009 wird es die ersten UW-Gehäuse dafür geben.

 
Bild 11: Mördermuschel! Hohe Kontraste und Muster begünstigen die automatische Scharfeinstellung. Man beachte: Die Diagonale gehört unter Wasser zu den wichtigsten Bildgestaltungen.

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Autofokus

Unter Wasser funktioniert die automatische Scharfeinstellung der digitalen Kompaktkameras ebenso wie an Land. Allerdings nur, solange das AF-System passiv arbeitet, also auf dem Phasendetektionsprinzip oder der Kontrastmessung basiert. Infrarot und Ultraschall gehören zu den aktiven Entfernungsmesssystemen und sind deshalb unbrauchbar, weil deren Signalwellen vom Wasser spätestens nach 1 m Entfernung ausgefiltert werden.

Außerdem können aktive AF-Systeme nicht zwischen realer und scheinbarer Entfernung unterscheiden. In digitalen Kompaktkameras, die beide AF-Systeme in sich vereinigen, kann deshalb nur das passive System zur automatischen Scharfeinstellung genutzt werden.

Der AF in digitalen Kompaktkameras funktioniert wegen des Live-View-Monitors wie in einer Videokamera. Das Bild wird ständig aufgebaut und nachgeschärft, bis der höchste Kontrast erreicht ist. Leider fokussieren digitale Kompaktkameras, was die exakte Positionierung Scharfeinstellung anbelangt, nicht immer korrekt. Es kommt dann zum sog. Back- oder Frontfokus. Das heißt, dass die automatische Scharfeinstellung die Schärfeebene mal etwas zu weit nach hinten oder auch zu weit nach vorne legt.

Einfluss kann man auf diese Diskrepanz eigentlich nicht nehmen, zumal man beim Fotografieren von Fischen oftmals nur einen Schuss hat. Zum Glück verfügen die digitalen Kompaktkameras selbst im extremen Nahbereich über große Schärfentiefen, die solche Unwägbarkeiten meistens wieder ausgleichen. Als UW-Fotograf wird einem das deshalb nur gelegentlich auffallen. Nichtsdestotrotz produzieren digitale Kompaktkameras hin und wieder total unscharfe Bilder, was aber eigentlich nicht vorkommen dürfte. Deshalb sollten Sie sich angewöhnen, von allen Motiven nach Möglichkeit mehrere Bilder zu machen, sofern sich das realisieren lässt.

 
Bild 12: Nur in High-End-Kompakten findet man das Speicherformat RAW. Man muss aber als Urlaubsfotograf wissen, ob man sich nach dem Urlaub der Umwandlungsprozedur stellen will.

Der Canon-RAW-Konverter ist allerdings nicht schwierig zu bedienen, und in den meisten Bildbearbeitungsprogrammen sind RAW-Konverter integriert. Zur Information: mit Ausnahme der Produktbilder sind alle hier gezeigten Bilder mit digitalen Kompaktkameras im JPEG-Format fotografiert.

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Achtung: Viele unscharfe Bilder entstehen, weil sich der Taucher oder der Schnorchler während des Auslösens bewegt hat (Wellengang, Strömung) und die Verschlusszeit für die Eigenbewegung zu lang war. Nicht selten löst aber auch die digitale Kompaktkamera aus, bevor das Bild scharf eingestellt war.

 
Bild 13: Koi in einer Kiesgrube, etwa 2 m tief, ohne Blitzlicht fotografiert. Im Prinzip kann man sich in heimischen Gewässern auf den automatischen Weißabgleich verlassen. Es ist aber entscheidend, wie groß das Motiv ist und wie tief man sich befindet. Wenn die Kamera ungenau arbeitet, kann man den Weißabgleich auch gefühlsmäßig manuell verändern. Größere Probleme kann es allerdings bei der Belichtung geben. Häufig werden weißliche Motive etwas zu hell.

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Speicherformate

In digitalen Kompaktkameras wird zur Bildspeicherung grundsätzlich das JPEG-Format herangezogen. Es ist die Standardspeicherung für nahezu alle Motive und Situationen. In den meisten Digi-Kompakten ist es das einzige Speicherformat. TIFF-Bilder lassen sich nur selten realisieren, weil dieses Speicherformat in digitalen Kompaktkameras so gut wie nicht mehr angeboten wird. Nur in älteren Olympus-Modellen (vor 2007) kann man es noch finden.

Da solche Kameras als Second-Hand-Geräte samt UW-Gehäuse im Internet angeboten werden, kann man diesbezüglich preiswert zu einem Schnäppchen kommen. Sollten Sie eine solche Kamera unter Wasser einsetzen, ist vom Gebrauch der TIFF-Dateien abzuraten, weil deren Speicherung viel zu lange dauert, als dass man flott damit fotografieren könnte.

Sie müssten von Bild zu Bild fast eine halbe Minute warten, bis wieder ausgelöst werden könnte. Auf Dauer nervt das, weil einem die schönsten Motive während der Wartezeit entgehen können.

 
Bild 14: Bei dieser Bachforelle im Flachwasser einer Schüttquelle hat der automatische Weißabgleich im Großen und Ganzen zufriedenstellend gearbeitet und auch der Bildsensor hat das weißliche Maul nicht zu hell wiedergegeben. Eine leichte Grüntendenz ist aber nicht zu übersehen. Wichtig ist, dass in den hellen und dunklen Stellen noch Zeichnung zu erkennen ist. Das ist unter Wasser nicht immer einfach.

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Nur in den High-End-Geräten (Preisklasse jenseits von 500,- Euro) findet man das Speicherformat RAW. Es ist ein Rohdatenformat, dessen damit gemachte Bilder am PC nachbearbeitet werden müssen. Die Bildbearbeitung besteht dabei aus mindestens 6 Schritten, mit denen man den Weißabgleich, die Schärfe, den Farbton, die Farbsättigung, die Gradation und die Helligkeit beeinflussen kann.

In den Kamerafirmen ist man der einhelligen Meinung, dass nur die wenigsten Digi-Kompaktfotografen diese Arbeit mit Freude und Hingabe ausüben wollen. Denn dafür benötigt man Zeit und auch Erfahrung, weil man das Bild auch so gestalten kann, dass es mit der Wirklichkeit nichts mehr gemein hat. Hobby- und Gelegenheitsfotografen, die mehr als 1000 RAW-Bilder aus dem Tauchurlaub mit nach Hause bringen, wissen, was sie in ihrer Freizeit zu tun haben.

Diese logischen und praktischen Überlegungen in den Chefetagen und Entwicklungsabteilungen der Kamerafirmen haben letztendlich dazu geführt, dass in den meisten digitalen Kompaktkameras nur das JPEG-Format vorhanden ist. Dieses ist mittlerweile so gut geworden, dass man damit problemlos auch Poster anfertigen kann.


Hinweis

Fotografieren Sie im JPEG-Format immer mit der kleinsten Kompression (höchste Bildqualität) und maximaler Pixelzahl. Nur dann erhalten Sie UW-Bilder in maximaler Auflösung und optimaler Qualität. Wenn Sie zu Hause keine Bildbearbeitung vornehmen wollen, können Sie in der Kamera bereits vor dem Auslösen die Farben etwas anheben, den Kontrast forcieren und die Bildschärfe anziehen. Übertreiben Sie dabei aber nicht, denn zu viel Schärfe, ein zu hoher Kontrast und eine zu starke Farbsättigung lassen die UW-Bilder überbearbeitet und unnatürlich erscheinen.


Weißabgleich

An Land ist der richtige Weißabgleich meistens keine Sache großer Überlegungen. In der Automatikstellung (WBA) stimmt er normalerweise in den meisten Fällen. Unter Wasser ist das nicht der Fall, weil mit zunehmender Tiefe wegen der selektiven Farbauslöschung eine Verblauung oder Vergrünung der Umgebung einhergeht. Das bewältigt der automatische Weißabgleich zumindest in digitalen Kompaktkameras nicht immer zufriedenstellend. Dies ist z.B. der Fall, wenn nicht geblitzt wird. Im Flachwasser kann man aber mit den geringen Farbabweichungen leben.

 
Bild 15: Die Auslöseverzögerung spielt bei fest angewachsenen Motiven keine Rolle. Man sollte aber nicht zu stark verwackeln, denn die Bildstabilisierung hat Grenzen. Insbesondere, wenn das Meer bewegt ist oder Strömung herrscht. Dann kann die Eigenbewegung zu groß sein für die Stabilisierungsautomatik.

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Das ständige Verändern des Weißabgleichs kann unter Wasser stressig werden. Sie müssen, wenn es halbwegs exakt ablaufen soll, eigentlich bei jedem Tiefenunterschied, der größer als 2 - 3 m ist, den Weißabgleich korrigieren. Damit kann man dem Blau- oder Grünstich etwas entgehen, der sich bei nicht geblitzten Aufnahmen über das gesamte Bild zieht.

Der automatische Weißabgleich verändert die Farben jenseits der 5-m-Marke auch in tropischen Meeren meistens etwas ins Grünliche. Neutrale Farben gibt es aber unter sowieso Wasser nicht. Was richtig ist und was als falsch empfunden wird, ist oftmals auch eine Sache der persönlichen Beurteilung. Grünlich eingefärbte Bilder sind in tropischen Meeren allerdings etwas unnatürlich, denn hier überwiegt meistens Blau.

Eine Korrektur des Weißabgleichs ist unabdinglich, wenn mit UW-Filtern fotografiert wird. Macht man das nicht, werden die Bilder stark gelblich bzw. rötlich eingefärbt. Das kann man dann nur im RAW-Format beim Umwandeln und Bearbeiten am PC korrigieren. Der Weißabgleich muss dann so gewählt werden, dass die Aufnahmen sichtbar angenehme und gefühlsmäßig natürliche Farben aufweisen. Trotzdem bleibt immer ein Rest von Künstlichkeit zurück, denn so wie die Kamera die Unterwasserwelt mit dem UW-Filter sieht, können wir sie nicht wahrnehmen.

Die laufende Weißabgleichskorrektur kann im Übrigen nur mittels eines individuellen Weißabgleichs vorgenommen werden. Sie müssen ergo vor die digitale Kompaktkamera beim Wechsel der Tauchtiefe (von oben nach unten und auch umgekehrt) eine weiße Tafel halten und den von der Kamera ermittelten Weißabgleich speichern. Das ist umständlich, weil es vom Fotografieren abhält. Praktiker raten deshalb von der Verwendung von UW-Filtern, die es übrigens in unterschiedlicher Ausführung sowohl für blaue Meere als auch für grüne Gewässer gibt, zumindest an digitalen Kompaktkameras aus Handhabungsgründen ab.

Neue Techniken bei der Ermittlung des Weißabgleichs werden in Zukunft das Problem der Veränderung der Farbtemperatur eventuell lösen können. Die Kameras sollen unterschiedliche Lichtquellen automatisch korrekt erkennen können, vielleicht dann auch die richtige Farbtemperatur in tiefen Wasserschichten. Ein manueller Abgleich soll nicht mehr erforderlich sein.

 
Bild 16: Langsam schwimmende Fische sind kein Problem für die Auslöseverzögerung. Mittlerweile gibt es auch digitale Kompaktkameras (z. B. von Ricoh), die erstaunlich kurze Verzögerungszeiten haben. Die Auslöseverzögerung kann man bei schwimmenden Objekten etwas beeinflussen, wenn man vorfokussiert. Dann muss das Objektiv nur noch geringe Wege fokussieren.

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Auslöseverzögerung

Sie ist noch immer ein Thema. Insbesondere bei digitalen Kompaktkameras. Die meisten User, die in die UW-Fotografie einsteigen wollen, vernachlässigen diesen Part bzw. widmen ihm zu wenig Aufmerksamkeit. Beim Kauf einer digitalen Kompaktkamera sollten Sie kein Modell wählen, dessen Auslöseverzögerung länger ist als 0,5 s. Sie laufen sonst Gefahr, dass bewegte Motive abgeschnitten werden und es auch zu gravierenden Bewegungsunschärfen kommt. Praxisgerecht sind Auslöseverzögerungen bei digitalen Kompaktkameras im Bereich von 0,3 s. Unterhalb dieses Limits sind die Kameras dann auch schnappschusstauglich. Sehr kurze Auslöseverzögerungen besitzen UW-Kameras von Sea & Sea. Die von Ricoh stammende Kameratechnik gibt den Verschluss bereits nach 0,1 s frei. Damit sind diese Modelle auch für das Ablichten flinker Korallenfische geeignet.

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Kommentare
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Portrait von lumixfan
  • 11.03.2010 - 15:48

ich habe jetzt bereits den 5. oder 6. Workshop für Unterwasserfotografie durchgelesen und bin begeistert - gute Tipps - Weiter so.....

Portrait von friendofgermany
  • 12.02.2010 - 13:39

danke für diese Beiträge. Genau solche Anleitungen habe ich gesucht. Und die gezeigten Beispielbilder gefallen mir sehr gut.

Portrait von siegfriedmeyer
  • 28.11.2009 - 16:11

Ich komme von meinem PC nicht weg, weil die Workshops so spannend sind ;-)

Portrait von tomcat13
  • 04.08.2009 - 15:49

Wieder Bestens und Hochinformativ!

Portrait von tiensche
  • 14.05.2009 - 09:24

einfach nur wunderbar

Portrait von PudelDesTodes
  • 21.04.2009 - 13:08

gutes tutorial. hätte mir aber gerne noch ein paar infos zu den zu verwendeten gehäusen gewünnscht

Portrait von herbert_frei
  • 21.04.2009 - 20:10

Schreib mir einfach, was du über UW-Gehäuse wissen willst. Und vor allen Dingen, ob es sich um eine digitale Kompaktkamera oder eine D-SLR handelt. Die zugehörigen UW-gehäuse unterscheiden sich nämlich hinsichtlich Preis und Qualität erheblich.

Weitere Informationen findest du in meinen Büchern beim Kosmos-Verlag (je 19,95 Euro)

1. Digitale Unterwasserfotografie Kompaktkameras; ISBN 978-3-440-11860-3
2. Digitale Unterwasserfotografie-Spiegelreflexkameras; ISBN 978-3-440-10811-6
3. Digitale Unterwasserfotografie von A-Z; ISBN 978-3-440-11128-4
Viele Grüße Herbert

Portrait von julitsch
  • 27.02.2009 - 09:12

Einfach super...macht Spaß zu lesen :-)

Portrait von greenbull
  • 13.11.2008 - 16:59

Habe diese Jahr erstmals versucht UWAufnahmen zu machen....mit mäßigen Erfolg.
Der Bericht ist echt Klasse und mach mir Mut für nächstes mal.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 13.11.2008 - 13:11

Ein super Bericht mit ebenso brillianten Fotos! Eine echte Bereicherung für alle Foto Freunde :-)

Portrait von 666

666

  • 09.11.2008 - 10:28

Wirklich schöne Serie, Danke!

Portrait von AdinaT
  • 07.11.2008 - 09:59

Tolle, einzigartige Bilder!!!!

Portrait von jseuling
  • 07.11.2008 - 09:06

Schönes Tutorial!
Leider habe ich Probleme mit dem Ausdruck, auch bei der druckbaren Version.
Wäre schön, wenn es bald ein pdf geben würden.
lG
Joachim

Portrait von Tomdonna
  • 06.11.2008 - 21:08

Ech sehr wirkungsvoll!
Danke!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 06.11.2008 - 21:07

1A! Vielen Dank ;-)

5 Sterne...ist klar ;-)

Portrait von maribor
  • 06.11.2008 - 13:47

wie immer super Spitze

Portrait von Fotomanege
  • 06.11.2008 - 13:31

wieder mal ein klasse artikel, doch wo ist die pdf zu download?

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 06.11.2008 - 13:03

sehr schön geschrieben.

allerdings einige anmerkungen.

hatte eine fujifilm finepix f30 bei der mir in unzähligen berichten eine bilödqualität verpsrochen wurde, die einer dslr kaum nachstehen würde. allerdings kann ich diese versprechungen nicht nachvollziehen. ich habe sie nach 1 1/2 monaten verkauft und mir eine olympus e 410 zugelegt. von der qualität der fotos kein vergleich!! die olympus ist spitzenklasse, klein, sehr sehr günstig udn macht weitaus bessree fotos, als jede kompakte, die ich bisher hatte.

nun aber mein problem. unterwasser ist natürlich die olympus auch ein wengi groß und eine kompakte bestimmt angebrachter. aber wie sieht es da mit belichtungszeit aus. sollte diese unter wasser nicht enorm kurz sein, da man sich dauernd in bewebung befindet, genauso wie die motive?
und reicht dann eine kurze belichtungszeit überhaupt aus, um das motiv anständig aufnehmen zu können?

ansonsten ein wunderbar zu lesender artikel und einige sehr schöne fotos!! :)

liebe grüße

Portrait von herbert_frei
  • 23.11.2008 - 13:58

Man muss zwei Aspekte beachten.

1. Wenn nicht geblitzt wird, sollte die Verschlußzeit so kurz gewählt werden, dass Bewegungsunschärfen vermieden werden. Man kann davon ausgehen, dass 1/125 s ausreichend ist. Schnellere Zeiten bedingen wiederum höhere ISO-Werte oder eine größere Blende. Beides ist aber nicht ideal, weil sich Rauschen bemerkbar machen kann und die Schärfentiefe abnimmt.

2. Wenn geblitz wird, und man die Eigenfarbe des Wassers im Bildhintergrund abbilden möchte, muss die Verschlußzeit verlängert werden. Aber wiederum nicht so lang, dass sich Verwackelungen einstellen. 1/30 s ist meistens passend. Aber nicht immer bei schwimmenden Fischen. Hier sind im Durchschnitt 1/60 s erforderlich.
Mit der E-410 sind ohne weiteres Empfindlichkeitswerte von ISO 200 und gelegentlich ISO 400 auch bei filigranen Objekten möglich. Habe das selbst ausprobiert.

Herbert Frei

Portrait von reweiv
  • 06.11.2008 - 08:10

kurz gesagt, wieder mal klasse geschrieben

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