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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 01 - Dichte, Lichtverhältnisse, Farbveränderungen

Unterwasserfotografie - Teil 01 - Dichte, Lichtverhältnisse, Farbveränderungen

Die Unterwasserfotografie ist ein Spezialgebiet innerhalb der allgemeinen Fotografie. Zwar sind Kameras und Objektive dieselben wie an Land, aber die optischen und physikalischen Unterschiede sind erheblich. Etwas Theorie zur Erklärung muss deshalb sein.

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Einführung

Die Unterwasserfotografie ist ein Spezialgebiet innerhalb der allgemeinen Fotografie. Zwar sind Kameras und Objektive dieselben wie an Land, aber die optischen und physikalischen Unterschiede sind erheblich. Außerdem benötigt man - bis auf wenige Ausnahmen (wasserdichte Kompaktkameras) – immer ein wasserdichtes bzw. druckfestes UW-Gehäuse. Hinzu kommen bei entsprechend ausgeprägten fotografischen Vorlieben und Wünschen noch externe Blitzgeräte, Weitwinkelkonverter, Halteschienen und wasserfeste Synchronkabel. Aus dieser kleinen Aufstellung können Sie erkennen, dass die UW-Fotografie, wenn man sie ernsthaft betreibt, eine umfangreiche, komplexe und auch aufwendige Angelegenheit sein kann. Kann, muss aber nicht! Denn der Einstieg in dieses faszinierende Hobby kann auch preiswert erfolgen. In den noch folgenden Beiträgen wird dieses Thema deshalb ausführlich behandelt. Und auch etwas Theorie muss sein. In den Beiträgen wird aber nach Möglichkeit auf Formeldarstellungen verzichtet.

Bilder

Bilderklärung: Meeresschildkröte, Malaysia. Digitalkameras belichten mit dem automatischen Weißabgleich selbst in blaufarbenen Meeren oftmals mit einem Grünstich, wenn man ohne Kunstlicht fotografiert. Das Bild wurde ohne Blitzlicht in etwa 5 m Tiefe gemacht. Leuchtende Farben kann man so nicht bekommen.


 
Bilderklärung: Doktorfisch, Philippinen. Eine Verblauung der Bilder gibt es immer in größeren Tiefen, wenn entweder das Motiv keine dominanten Farben aufweist oder der Weißabgleich auf Tageslicht eingestellt ist. Das kann man auch absichtlich herbeiführen, wenn man solche Effekte wünscht. Die Hintergrundfarbe des Wassers tendiert dann gelegentlich ins Violette.

Bilder



 
Bilderklärung: Anemonenfisch, Indonesien. Rot ist eine leuchtende und dominierende Farbe, wenn sie von Kunstlicht (Lampe oder Blitz) aufgehellt wird. Rote Motive im Meer sprechen Menschen besonders an. Beim Belichten ist darauf zu achten, dass das Rot gesättigt rüberkommt.

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Bilderklärung: Röhrenwürmer, Nordsulawesi. Gelbe Motive sind im Meer häufig anzutreffen. Man kann sie wegen des hellen Farbtons auch jenseits von 10 m noch gut erkennen. Durch Aufhellen mit Kunstlicht beginnen die Motive zu leuchten. Allerdings besteht immer die Gefahr von leichter Überbelichtung.

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Mediumseigenschaften und Dichte

Wasser dämpft bzw. bremst das Licht. Ursache sind die Wasserdichte und die Wasserverschmutzung. Zusätzlich treten Reflexionen und Absorptions-Erscheinungen der Lichtteilchen an den Wassermolekülen auf, sodass die Lichtintensität mit zunehmender Wassertiefe rapide abnimmt.

Absorption entsteht durch Energieverteilung der spezifischen Wellenlängen des Lichtes, durch die die Wassermoleküle zum Schwingen gebracht werden. Hierdurch wird die Lichtenergie infolge des molekularen Schwingungsvorgangs in Form von Wärme an das Wasser abgegeben. Nun ist auch erklärbar, weshalb es in den oberen Wasserschichten immer wärmer und heller ist als in den unteren. Das Licht verliert auf dem Weg in die Tiefe immer mehr an Energie. Der Oberbegriff Extinktion bedeutet deshalb Auslöschung oder Abschwächung der Wellenbewegung bzw. der Strahlung beim Durchgang durch ein dichteres Medium als Luft.

Denselben Vorgang könnten wir beobachten, wenn wir in Öl oder Benzin tauchen würden. Das Maß für die Extinktion ist der Extinktionskoeffizient, dessen Größe von Gewässer zu Gewässer schwankt. Im Salzwasser mit seiner höheren Dichte ist er geringfügig höher als im Süßwasser. Die Abschwächung der Extinktion erfolgt nach einer e-Funktion. In den oberen Wasserschichten ist die Energieabnahme deshalb überproportional hoch. Mit steigender Tiefe tritt eine Verflachung ein.

Wasser ist abhängig von seiner Temperatur etwa 760 mal dichter als Luft. Licht wird deshalb beim Übergang von Luft in Wasser stark abgebremst. Licht hat nach der Einsteinschen Definition gleichzeitig Wellen-, Strahlen- und Teilchencharakter. Lichtteilchen werden Photonen genannt. Bei Erklärungen dazu, wie sich Licht im Wasser verhält, geht man normalerweise von Lichtstrahlen aus, denn nur die können wir als Lichtbündel tatsächlich sehen, wenn sie sich den Weg in die Tiefe bahnen. Die Wasserdichte ist das Hauptübel der UW-Fotografie. Sie verhindert, dass man in großen Tiefen ohne Kunstlicht fotografieren kann und sie ist ursächlich auch an der eingeschränkten Sichtweite beteiligt.

 
Bilderklärung: Nacktschnecke, Indonesien. Insbesondere in den tropischen Meeren findet man geradezu surrealistische Motive mit extremen Farben. Ob Meeresbewohner diese Farben erkennen oder erfühlen können, wissen wir nicht. Das schrille Aussehen soll aber Feinde abschrecken und Artgenossen anziehen.

Bilder



 
Bilderklärung: Wasser schluckt Licht und damit auch Farben. Nur die Weichkorallen, die vom Blitzlicht aufgehellt wurden, leuchten in ihren Eigenfarben. Die links hinter der Taucherin befindlichen roten Weichkorallen sind braun und farblos, weil sie vom Blitzlicht nicht mehr erreicht wurden und deshalb von der Eigenfarbe des Wassers überdeckt werden.

Bilder



 
Bilderklärung: Wels in einem Baggersee. In heimischen Gewässern überwiegt Grün als Eigenfarbe der Gewässer. Die Fische sind dementsprechend farblich angepasst. Rote Faunisten gibt es nicht. Es sei denn, ausgesetzte Goldfische beleben den See. Wegen ihrer Signalfarbe haben sie aber kaum Überlebenschancen.

Bilder



 

Lichtverhältnisse

Wäre die Sicht an Land so schlecht wie unter Wasser, würden wir ständig mit Abblendlicht Auto fahren. Oder müssten an vielen Tagen sogar das Fahrzeug stehen lassen. Die normalen Sichtweiten liegen im Meer bei etwa 20 bis 30 m. Eine Transparenz von 50 m wäre ein Traumtag zum Tauchen. Übertragen auf die Überwasserwelt käme das einer Situation mit starkem Nebel gleich. Interessant ist, dass der Mensch das aber gefühlsmäßig völlig anders sieht. Während wir uns an Land bei 50 m Sicht weder im Auto noch zu Fuß sonderlich wohl fühlen würden, hätten wir beim Tauchen Glücksgefühle ohne Ende. Denn eine Transparenz von 50 m würde einem UW-Fotografen traumhafte Belichtungsverhältnisse bescheren. Endlich könnte er ohne die Gefahr von Trübstoffreflexionen auf den Bildern seine Motive belichten. Und er wäre in der Lage, sein Umfeld bestens nach fotografischen Highlights abzuchecken.

Leider sind 50 m Sicht auch im Meer nicht alle Tage zu erleben. Meistens ist es weniger, nicht selten sogar viel weniger. Die Transparenz von Salzwasser kann sehr unterschiedlich sein und ist von vielen Unwägbarkeiten abhängig. Regen, hoher Wellengang, Einleitung von Süßwasser (Flüsse, Bäche etc.) und Kläranlagen, verflüssigte Fäkalien (kommt häufig an Urlauberinseln vor), Wind (Sandkörner), Meeresströmungen, Algenbildung, Müll und sonstiger Unrat.

Kluge UW-Fotografen buchen beispielsweise ihren Tauchurlaub nicht unbedingt in der Regenzeit, denn Regen reißt mit den fallenden Wassertropfen auch den ganzen Staub in der Luft mit nach unten. Sie kennen das: die Luft ist nach einem Gewitter oft extrem klar und man kann dadurch sehr weit sehen. Nicht aber unter Wasser, denn hier treibt nach Regen der Staub in Form von Millionen Schwebeteilchen umher und dämpft die Sicht. Die beste Sicht hat man unter Wasser immer, wenn es Tage oder Wochen nicht geregnet hat.

Dies gilt auch für heimische Gewässer, deren Transparenz in der Regel weit unter der im Meer liegt. Quelltöpfe und Bergseen besitzen meistens eine akzeptable Sichtweite. Anders als in Baggerseen, Kiesgruben und natürlichen Seen, die normalerweise nicht über Sichtweiten von 5 bis 8 m horizontal hinauskommen. Es gibt aber Ausnahmen, die auf topografische Ursachen zurückzuführen sind.

Extrem schlechte Sichtbedingungen liegen vor, wenn man an Flussmündungen taucht, wo Süßwasser ins Meer läuft. Vermischt sich Süß- mit Salzwasser, entsteht eine schlierige Konsistenz, die das Fotografieren weitgehend unmöglich macht. Selbst im Nahbereich ist man oft dermaßen eingeschränkt, weil die Scharfeinstellung durch das Mischwasser erheblich gestört wird. Manchmal funktioniert der AF minutenlang nicht und fährt pendelnd hin und her. Es gibt dann nur eine Möglichkeit, nämlich so tief abzutauchen, bis wieder reines Salzwasser vor der Kamera vorhanden ist.

Gleiches gilt bei starkem Regen. Dicht unter der Wasseroberfläche geht die Transparenz dann erheblich zurück. Außerdem gilt: Wenn sich ein tropischer Regen ins Meer ergießt, sollte man das Wasser nach Möglichkeit verlassen, insbesondere dann, wenn man an einem Riff im offenen Meer taucht. Die Regentropfen können so dicht fallen, dass man im offenen Meer an der Wasseroberfläche nicht mehr geortet werden kann.

Bilder

Bilderklärung: Salatkorallen im Sangihe-Talaut-Gebiet. Schön zu sehen, wie das Blitzlicht schon in geringer Entfernung vom Wasser aufgefressen wird. Bereits nach 2 bis 3 Metern gehen die Motive im Blau-Grün unter. Und das, obwohl die Wasseroberfläche nur wenige Meter entfernt ist.


 

Achtung

Tauchen oder Schnorcheln in und an Flussmündungen, die in ein tropisches Meer führen, kann lebensgefährlich sein. Hier muss man immer mit Haien rechnen, die unvermittelt aus dem Trüben auftauchen und den Taucher oder Schnorchler mit Beute verwechseln können. In Flüssen treiben oft tote Tiere, Fisch- und Fleischabfälle, und dieser ganze Unrat landet komplett in der Flussmündung. Außerdem wird dort auch häufig geangelt, was besonders gefährlich ist. Denn zappelnde Fische locken Haie magisch an.

Ein Paradies für Aasfresser, und das sind Haie allemal. Haie lauern dort aber nicht explizit auf badende oder tauchende Menschen, um diese gezielt zu fressen. Haie fressen im Prinzip keine Menschen, weil sie ihnen gar nicht schmecken. Wir sind ihnen schlicht zu knochig und passen zudem nicht in das natürliche Beuteschema. Sie beißen aber zu. Die Angriffe dieser großen Räuber sind deshalb aber eher auf Irrtümer beim Beutegreifen zurückzuführen. Oftmals sind es auch Probebisse, um festzustellen, ob es sich um Nahrung handelt. Bei großen Haien wie Bullenhai oder Tigerhai endet ein Fehl- oder Probebiss meistens mit schweren Verletzungen oder dem Tod des Gebissenen infolge von Schock und Blutverlust.

Bilder

Bilderklärung: Im Nah- und Makrobereich muss Kunstlicht verwendet werden. Besonders dann, wenn die Motivfarbe Rot ist. Die Brillanz der Farben wäre nicht mal zu bekommen, wenn der Korallenstock 50 cm unter der Wasseroberfläche wachsen würde.


 
Weil Wasser viel dichter ist als Luft, ändert sich im Wasser auch die Lichtgeschwindigkeit, denn Licht wird an den Wassermolekülen abgebremst. Teilt man die Lichtgeschwindigkeit in Luft durch die Lichtgeschwindigkeit im Wasser, so erhält man einen Faktor, den man Brechungsindex oder Übergangszahl nennt. Der Brechungsindex beträgt in Luft 1,0 und in Wasser 1,33. Geringe Unterschiede zwischen Salz- und Süßwasser kann man vernachlässigen. Die Lichtabnahme ist selbst in sehr klarem Wasser enorm.

Wenn man an der Wasseroberfläche mit ISO 100 und 1/60s Verschlusszeit mit Blende 16 fotografieren kann, muss man in 10 m Tiefe die Blende dann je nach Sonnenstand bis auf 8 oder 5,6 öffnen. Im Schatten von Korallenwänden oder Felsen sind die Lichtverhältnisse meistens so schlecht, dass ohne Kunstlicht keine Fotografie mehr möglich ist. Die Unterschiede zwischen Hell und Dunkel sind unter Wasser extrem ausgeprägt und zudem stark von der Tauchtiefe abhängig. Wenn Sie mit einem Superweitwinkelobjektiv oder einem Fisheye im Hochformat fotografieren, bekommen Sie zwischen Wasseroberfläche und Tiefenwasser gravierende Belichtungsunterschiede von mehreren Blenden, die auch mit einem sehr hohen Dynamikumfang (Kontrastumfang) ihrer Digicam kaum mehr ausgeglichen werden können. Die Belichtungsunterschiede sind deutlich größer als an Land, wo das Licht in klarer, wolkenloser Luft in seiner Intensität praktisch ungebremst und nahezu ungefiltert zur Erdoberfläche durchdringt.

Die Lichtverhältnisse verschlechtern sich unter Wasser drastisch, wenn die Sonne schräg steht. Dann werden die Lichtstrahlen an der Wasseroberfläche gebrochen und abgelenkt. Umso stärker, je schräger das Licht einfällt. Deshalb liegt die beste Fotozeit für UW-Fotografen immer in der Mittagszeit. Man setzt die fotografisch erfolgreichste Zeitspanne von 11:00 Uhr morgens bis 15:00 Uhr am Nachmittag an. Innerhalb dieses Zeitfensters herrschen die besten Lichtverhältnisse vor.

In vielen Tauchschulen werden sog. Early-Morning-Tauchgänge angeboten. Bereits um halb 6 Uhr oder um 6:00 Uhr steigen die UW-Fotografen in die Fluten und wundern sich über das Dämmerlicht und das graublaue Wasser, in dem alle Konturen verschwimmen. Solche Tauchgänge machen nur Sinn, wenn die UW-Fotografie nicht das primäre Ziel ist. An exponierten Plätzen werden die Taucher zu dieser Zeit manchmal bis auf 50 m hinabgelotst, um Hammerhaie zu sehen. Fotografieren oder Filmen ist dort unten dann so erfolgreich wie Erdbeeren pflücken im Dezember.


 

Zur Beachtung

a) UW-Fotografie im Weitwinkelbereich macht in der Regel erst Sinn, wenn die Sonne am Himmel steht und das Riff nicht im Schatten liegt. Achten Sie deshalb auf den Sonnenstand und auf den Tauchplatz. Manchmal ergeben sich die besseren Lichtverhältnisse am Nachmittag.

b) UW-Fotografie vor 8:00 Uhr morgens sollte sich auf Nah- oder Makromotive beschränken. Etwa gegen 9:00 Uhr kann man mit erfolgreicher Weitwinkel- und Fisheyefotografie beginnen. Mit hoch steigender Sonne werden die Lichtverhältnisse besser. Dies gilt auch für das Tauchen in heimischen Gewässern.

c) UW-Landschaften, Wracks, Fischschwärme und Taucher lichtet man mit großem Erfolg erst nach 10:00 Uhr morgens ab. Ideal werden die Sichtverhältnisse in den Tropen zwischen 11:00 und 13:00 Uhr bzw.

d) Immer, wenn die Sonne am höchsten steht, herrscht das beste Licht, was auch die maximale Sicht verspricht. Außerdem dringt bei höchstem Sonnenstand das Licht am weitesten nach unten. Es kann dann selbst in 20 m Tiefe gefühlsmäßig noch taghell sein. Insbesondere dann, wenn der Sandgrund die Lichtstrahlen reflektiert.

e) Nach 16:00 Uhr treffen die Lichtstrahlen wieder schräg auf und werden an der Wasseroberfläche gebrochen. Und das umso mehr, je höher der Wellengang ist. Bei hohen Wellen verlieren Sie sofort ein bis zwei Blenden nutzbares Licht. Stellen Sie dann die ISO-Einstellung einen oder zwei Werte (von ISO 100 auf ISO 200) nach oben, wenn Sie große Motive, Landschaftskonturen oder Hintergrundmotive erfassen wollen. Im Nah- und Makrobereich spielt es keine gravierende Rolle.

f) Achten Sie darauf, ob und wann sie im Schatten von Bergen, Hügeln oder Bäumen tauchen bzw. schnorcheln. Wenn das Riff im Schatten liegt, bringen nur noch Könner mit dem Weitwinkelobjektiv respektable Bilder mit nach oben. Für Urlaubsfotografen kommt jetzt die Zeit der Nah- und Makromotive.

g) Sonnenstrahlen, die schräg einfallen, werden zum Eingangslot hin gebrochen und produzieren Schatten. Auch Ihren eigenen, den Sie aufs Bild werfen, wenn Sie nicht aufpassen. Dies passiert vornehmlich, wenn man mit einem Fisheye fotografiert oder sich über Motive beugt und die Sonne von hinten ins Bild scheint.

 
Bilderklärung: Digitale Kompaktkamera, bis 10 m wasserdicht. Immer mehr Kamerafirmen beschäftigen sich mit wasserdichten Kameras, denn das Potenzial von Tauchern, Schnorchlern, Schwimmern, Seglern und Surfern ist weltweit enorm groß. Im Nahbereich machen solche Kameras erstaunlich brillante Bilder. Der integrierte Kamerablitz hellt die Motive auf.

Bilder



 
Bilderklärung: Für tiefere Gefilde muss die Digicam in ein UW-Gehäuse gesteckt werden. Diese Schutzhüllen sind normalerweise druckfest bis 40 m Wassertiefe. Sie sind sowohl für Schnorchler als auch für tauchende Hobbyfotografen bestens geeignet. Und sie sind auch für Normalverdiener bezahlbar.

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Farbveränderungen

Tageslicht besteht aus einer Zusammensetzung unterschiedlicher Spektralfarben. Man bezeichnet diese Spektralfarben auch als Wellenlängen von Licht mit unterschiedlichen Brechungsindizes. Die Vereinigung der Spektralfarben ergibt weißes Licht. Wenn sich zwei Spektralfarben zu Weiß vereinigen, spricht man von Komplementärfarben.

Die aus weißem Licht zusammengesetzten einzelnen Lichtarten sind zwar homogen, unterscheiden sich aber hinsichtlich Fortpflanzungsgeschwindigkeit, Brechungsindex und Farbe voneinander. Explizit sehen können Sie die Spektralfarben des weißen Lichts an einem Regenbogen. Zum Teil aber auch an tanzenden Sonnenkringeln, wenn Licht durch weißen Kunststoff dringt und sich aufspaltet.

Das Lichtspektrum setzt sich zusammen aus den Farben Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau, Indigo, Violett. Für das menschliche Auge sind allerdings nur Wellenlängen erkennbar, die sich zwischen dem langwelligen Rot mit ca. 720 nm und dem kurzwelligen Violett mit 380 nm bewegen. Der Übergang ist allerdings fließend und hängt davon ab, wie gesund bzw. wie alt das menschliche Auge ist. Manche Menschen können deshalb auch Licht erkennen, das geringfügig außerhalb dieser Grenzen liegt.

Beispielsweise zwischen 360 und 830 nm. Unterhalb von 360 nm beginnt der für uns unsichtbare ultraviolette Bereich. Ultraviolettes Licht nennt man deshalb auch dunkles Licht. Oberhalb von 830 nm haben wir es mit dem unsichtbaren Infrarot zu tun. Beide Lichtspektren (UV und IR) kommen unter Wasser nicht vor. Sie werden ausgefiltert und verlieren sich spätestens nach einem Meter Wassertiefe. Trotzdem gibt es Fische, die UV- und IR-Licht erkennen können, aber keiner weiß, wozu sie diese Gabe gebrauchen.

 
Bilderklärung: Die Koralle im Vordergrund wurde mit Blitzlicht aufgehellt. Weil keine Sonne scheint, versinken die Farben im Hintergrund so stark, dass man nur noch Konturen erkennen kann. Die silberne Fotoausrüstung der Taucherin ist hingegen deutlich zu sehen. Achten Sie auf die Tauchmaske. Das Gelb über dem Nasenerker kann gut erkannt werden, während das Blau an der Glasfassung fast komplett verschwindet, weil es kaum Licht reflektiert.

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Dringt Licht in Wasser ein, werden die Spektralfarben nach und nach ausgelöscht. Man nennt diesen physikalischen Vorgang selektive Spektral-Reduzierung oder selektive Farbauslöschung oder einfach Farbselektierung. Das Verschwinden der Farben geht mit der Wellenlänge einher. Zuerst wird das langwellige Rot ausgelöscht. In 5 m Wassertiefe ist es für menschliche Augen nur noch schwach erkennbar. Gerade mal 5% sind von dem an der Wasseroberfläche leuchtenden Rot noch vorhanden. Und auch das nur dann, wenn das Wasser klar ist und die Sonne hoch steht. Tauchen Sie mal mit einem roten Gegenstand in der Hand ab. Bereits 1 m unter der Wasseroberfläche wirkt er leicht bräunlich. Wasser ist deshalb als Rotfarbenfresser bekannt und berüchtigt.

Die nächste Spektralfarbe, die verschwindet, ist Orange. Orange besitzt sehr viele Rotanteile, ist deshalb sehr anfällig gegen deren Reduzierung. Man kann Orange bis etwa 10 m Wassertiefe erkennen, dann wird daraus ein unansehnliches Ocker. Echtes Gelb ist optisch bis ca. 30 m Wassertiefe wahrnehmbar. Gelbe Tauchflaschen oder gelbe Fische werden dort unten aber bereits als Grün-Gelb angesehen. Gelb ist nur leuchtend und auffällig bis etwa 20 m Tiefe. Nach dem Verschwinden von Gelb ist Grün an der Reihe. Es bleibt bei hohem Sonnenstand und extrem klarem Wasser immerhin bis über 40 m Wassertiefe erkennbar.

Weiter unten wird es schwierig, weil dann Blau überwiegt. Das menschliche Auge kann Farben wie Indigo, Blau und Violett jenseits von 45 bis 50 m nicht mehr eindeutig unterscheiden. Überschlägig sagt man, dass jenseits von 40 m im Mittelmeer und in tropischen Meeren (Indischer Ozean, Pazifik, Karibik etc.) die Farbe Blau überwiegt. Je nach Sonnenstand und Transparenz ist Blau dann sogar noch in mehr als 100 m Tiefe zu erkennen, wenn man die Augen nach oben richtet. Bei schlechter Sicht ist Blau aber bereits bei 40 oder 50 m am Ende. Messungen haben ergeben, dass in Klarwasser die Farbe Blau in 50 m Tiefe noch zu 35% vorhanden ist. Die Endfarbe ist Schwarz, obwohl es wie Weiß physikalisch eigentlich keine echte Farbe ist. Wenn alle Farben im Meer ausgelöscht sind, bleibt logischerweise nur noch die Dunkelheit zurück. Spätestens dann benötigt man als UW-Fotograf Kunstlicht, weil auf den Bildern nur noch Schwarz zu erkennen ist. Noch viel früher macht der Autofokus schlapp. Ohne Hilfslicht arbeitet er in der Dämmerung nur sehr unbefriedigend, insbesondere im Nah- und Makrobereich.

Gegen den spektralen Farbverlust ist man machtlos, weil er eine physikalische Gegebenheit ist. Es helfen weder Farbfilter noch besondere Bildsensoren, die es im Übrigen auch nicht gibt. Auch die Erhöhung auf extreme ISO-Einstellungen bringt nicht mehr als ein allgemeines Aufhellen ohne Farbintensivierung. Es ist sogar so, dass Bildsensoren weniger sehen als menschliche Augen. Manchmal glauben wir im Meer die Farben Rot oder Orange zu sehen, weil wir wissen, dass bestimmte Motive diese Eigenfarbe besitzen. Der Bildsensor kann aber keine unterschwelligen Gefühle entwickeln oder Erinnerungen abrufen. Er arbeitet so, wie er entwickelt und gefertigt wurde. Deshalb wird er nur schwach vorhandene rot- oder orangefarbene Töne möglicherweise nicht erkennen, weil auch der Weißabgleich von der Farbselektierung betroffen ist.

In der Regel entsteht auf den Bildern ein Grün- oder Blaustich. Nachträgliche Bildbearbeitungen am PC sind komplett erfolglos. Denn wo keine Farbinformationen zu erkennen sind, kann eine Software auch keine herzaubern. Nicht berücksichtigt sind hier Eintrübungen des Wassers durch biologische Schwebstoffe (Algen, Plankton). Bei stark eingeschränkter Transparenz beginnt die selektive Farbauslöschung bereits viel früher. Dann kann es in einem See schon in 20 m Tiefe so dunkel sein, dass man die Hand nicht vor den Augen sieht. Das einzige Mittel, das gegen die selektive Farbauslöschung hilft, ist Kunstlicht in Form von Blitzlicht, Halogenlampen, Xenonstrahlern oder LED-Leuchten.

Erst mit künstlichem Licht können die Farben der Tiefe wiederhergestellt bzw. für das menschliche Auge sichtbar gemacht werden. Weshalb es in der Tiefe mitunter farbiger zugeht als an Land, obwohl kein Lebewesen diese Farben dort unten erkennen kann (auch die nicht, die dort leben!), ist ein ungelöstes Rätsel.


Tipp:

Wenn Sie ohne Kunstlicht unter Wasser fotografieren, müssen Sie die Farbselektierungstabelle um mindestens 2/3, besser noch um 4/5 reduzieren. Rot besitzt schon in 1 m Tiefe nur noch 30% seiner Intensität. Das kann man unter Umständen mit guten Bildbearbeitungskenntnissen im Leuchtverhalten noch steigern. Orange ist je nach Lichteinfall in 2 m Tiefe noch leidlich farbstark erkennbar. Gelb kann bis ca. 6 m ohne Kunstlicht noch vernünftig abgebildet werden, Grün ist bis etwa 8 oder 9 m auf Bildern gut erkennbar. Blaue Motive können mitunter in 12 m Tiefe noch akzeptabel fotografiert werden. Diese Angaben gelten aber nicht für Makroaufnahmen. Die müssen selbst im Flachwasser immer mit Blitz oder Lampe belichtet werden. Am Kunstlicht führt deshalb kein Weg vorbei.

Übrigens: Was für die Tiefe gilt, hat auch Bestand in horizontaler Entfernung. Selbst im sonnendurchfluteten Flachwasser kann man eine rote Koralle in 5 m Entfernung nicht so fotografieren, dass sie der Bildsensor rot abbildet.

Kommentare
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Portrait von Basti72
  • 30.12.2012 - 17:34

Interessantes Einstiegstutorial, das Lust macht auf die anderen Tutorials!! Danke!

Portrait von fdom
  • 25.11.2012 - 20:09

Sehr interessanter erster Teil mit guter Erklärung der physikalischen Hintergründe. Bin schon auf die weiteren Teile gespannt, die dann sicher auch mehr zu praktischen Tipps beinhalten.

Portrait von AdHBerlin
  • 09.08.2012 - 10:27

Sehr schönes Tutorial und auch die physikalischen Hintergründe sind sehr gut erklärt :-)
Bin schon gespannt auf die weiteren Teile.

Portrait von ahumpert
  • 29.03.2011 - 12:52

Das habe ich gesucht der Einstieg in den Aufstieg :-)

Portrait von flo85
  • 19.03.2011 - 18:43

schöne bilder... da bin ich auf die anderen teile gespannt

Portrait von Carvahall
  • 01.09.2010 - 00:42

Echt tolles Tut.
Werde das beim Nächsten Urlaub auch ausprobieren...

Portrait von cvfps
  • 24.08.2010 - 13:32

Tolles Tutorial, sehr empfehlenswert!

Portrait von Eisse
  • 25.07.2010 - 13:44

Vielen Dank für den Tutorial. Hab erst zwei Tauchgänge mit Kamera gemacht und das hier hat doch schon sehr weiter geholfen. Danke

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 06.04.2010 - 10:43

genau das was ich zum einstieg in die unterwasserfotografie gebraucht habe danke !

Portrait von RdF
RdF
  • 01.04.2010 - 20:59

wirklich guter Einblick in die Lichtphysik unterwasser!
Danke!

Portrait von siegfriedmeyer
  • 28.11.2009 - 15:04

Hallo,
auch als fortgeschrittener UW-Fotograf und Taucher sehr viel neues gelernt.

Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar!

Lg Siegfried

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 18.11.2009 - 10:04

Sehr informativ schöne Bilder

Portrait von tomcat13
  • 03.08.2009 - 10:22

Sehr informativ und verständlich. Unter Wasser ist doch einiges anders. Praktische Hilfe.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 23.07.2009 - 20:13

sehr hilfreich und gut geschrieben

Portrait von hughy
  • 23.07.2009 - 16:41

gut verständlich und schön zu lesen

Portrait von mschwerberger
Portrait von julitsch
  • 27.02.2009 - 09:04

Freu mich aufs ausprobieren im Urlaub. Vielen Dank für dieses Tutorial!!! :-)

Portrait von gerywenzi
  • 28.10.2008 - 23:20

Die Beschreibungen sind wunderbar! Bin selber Taucher weiter so.

Portrait von Agent-Kathy
  • 28.10.2008 - 15:44

Wunderschöne Bilder! Der Beitrag ist sehr verständlich geschrieben und somit ein klasse Einstieg in die UW-Fototechnik.

Portrait von D037815
  • 28.10.2008 - 08:51

Danke, die tip´s sind echt Gut, auch ich habe mit einer einfachen kompakt Camera schon schöne Bilder im UW Bereich gemacht, ich lade mit gleich mal alle 3 Teile.

Grüße
Markus

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