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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 05 - Abtauchen mit digitalen Spiegelreflexkameras

Unterwasserfotografie - Teil 05 - Abtauchen mit digitalen Spiegelreflexkameras

Die Krone der UW-Fotografie gebührt ohne Wenn und Aber der digitalen Spiegelreflexkamera. Sie ist das ultimative Werkzeug für qualitativ hochwertige Aufnahmen, hohe Auflösungen und rauscharme Bilder. An ihr führt kein Weg vorbei, wenn man sich von der Masse der Knipser abheben will. In Bezug auf die kreative UW-Fotografie, die ja irgendwann das Ziel sein sollte, ist diese Kameraklasse ohne Konkurrenz. Dass digitale Spiegelreflexkameras im Durchschnitt meistens teurer sind als digitale Kompaktkameras, bringt das Konzept mit sich. Wechselobjektive, größere Bildsensoren, stabilere Gehäuse und eine Konzeption, die auf eine lange Lebensdauer zielt, erhöhen zwangsläufig den Preis, der sich notgedrungen auch an den geringeren Stückzahlen orientiert.

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Bild 1: Wespenfisch (giftig)! Fotografiert in Lembeh (Nordsulawesi) mit der Olympus E-1. Eine Kamera mit nur 5 Megapixel, aber einer gewaltigen Bildqualität. Nicht die Anzahl der Pixel ist entscheidend, sondern ihre Größe bzw. der Abstand zueinander (Pixel Pitch).

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Der Schritt zur D-SLR geschieht bei meistens dann, wenn man mit den Ergebnissen der digitalen Kompaktkamera nicht mehr ganz zufrieden ist und glaubt, man sei am Ende der Ausbauphase angekommen. Das kann schneller eintreten, als man denkt. Als Hauptargument wird häufig der Weitwinkel- und Fisheyebereich angesprochen, der sich mit einer D-SLR in einer ganz anderen Dimension bewältigen lässt.

Um in diese Bereiche vorzustoßen, muss man mit der digitalen Kompakten etliche Klimmzüge veranstalten und bringt dann trotzdem kaum die Nase über die Tischkante. Die tragende Säule der D-SLR ist aber der im Gegensatz zur digitalen Kompaktkamera (von einigen Ausnahmen abgesehen) wesentlich größere Bildsensor, der den UW-Fotografen in eine ganz andere Dimension katapultiert.

 
Bild 2: Korallenfächer in Indonesien. Bei der Gestaltung von großen Motiven ist weniger die Sensorgröße wichtig als das darauf abgestimmte Objektiv. Olympus E-410 im Original Olympus-Gehäuse.

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Four-Thirds-System

Dieses von Kodak und Olympus im Jahre 2003 initiierte Kamerasystem basiert auf einem Bildsensor mit einem Seitenverhältnis von 4:3, dessen Diagonale halb so groß ist wie die des Kleinbildformates (43,23 mm). Das Geniale an dieser Konzeption sind die speziell auf diesen Sensor abgestimmten Objektive, die das Licht telezentrisch auf den Bildsensor fallen lassen. Dadurch werden Vignettierungen, Farbfehler und Eckenunschärfen weitgehend eliminiert.

Obendrein können wegen des im Gegensatz zum Vollformat wesentlich kleineren Bildsensors nicht nur die Kameras kleiner und leichter gehalten werden, sondern auch die Objektive. Im weiteren Verlauf trifft das dann auch auf die UW-Gehäuse zu. Selbst Objektive mit Lichtstärken von 1:2,0 sind letztendlich immer noch wesentlich kleiner und leichter als solche mit 1:2,8 für das Vollformat. Das bedeutet für UW-Fotografen, die in dieses Kamerasystem einsteigen, eine Fülle an sehr hochwertigen Digitalobjektiven, sowohl als Festbrennweiten als auch im Zoombereich.

Die Abbildungsqualitäten sind über alle Zweifel erhaben, erreichen in vielen Fällen Profiniveau. Seit geraumer Zeit hat sich auch Panasonic dem Four-Thirds-System verschrieben und bietet entsprechende Kameras unter dem Label Lumix an. Zum besseren Verständnis werden die Brennweiten - übrigens auch von Olympus - bezogen auf das Kleinbild angeben. Ein 50-mm-Makro-Objektiv hat an einer Four-Thirds-Kamera die Wirkungsweise einer 100-mm-Makrolinse.

 
Bild 3: Haarsterne sind Tiere, die sich mit ihren kleinen Greiffüßchen festklammern und damit auch laufen können. Bei Bedarf bewegen sie sich auch mit tanzenden Bewegungen weiter. Der telezentrische Strahlengang des Four-Thirds-Systems in der Olympus E-300 steht für eine brillante Abbildungsleistung über das gesamte Bild.

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Das Objektivangebot reicht bis hinab zum 8-mm-Fisheye, das sich unter Wasser als weitwinkelige Universaloptik mit sehr kurzer Naheinstellgrenze und gegenlichtfähiger Anmutung einen Namen gemacht hat. Weltweit einmalig hinsichtlich optischer Qualität und Zoombereich ist das 7-14-mm-Zoom, dessen Bildwinkel sich stufenlos zwischen 75° und 114° verstellen lässt.

Sein Einsatz ist unter Wasser allerdings nicht unproblematisch, weil man dazu ein sehr großes Domeglas (gewölbte Gehäusefrontscheibe) benötigt. In eine ähnliche Dimension stößt man mit dem 9-18-mm-Zoom vor, das jedoch nicht ganz so extrem ist. Standardzoom sollte das 14-54 mm sein.

Unverzichtbar ist das 50-mm-Makro zusammen mit dem 2-fach-Telekonverter. Und auch das 35-mm-Makroobjektiv hat wegen seines dem menschlichen Auge nachempfundenen Bildwinkels eine in UW-Gehäusen nicht immer anzutreffende Daseinsberechtigung.

 
Bild 4: Auf großen Nacktschnecken leben Partnergarnelen als Untermieter, die Schutz vom giftigen Transportmittel bekommen und diesen dafür von Parasiten reinigen. Die Partnerschaft hält bis zum Tod eines der Tiere. Olympus E-410 mit 50-mm-Makroobjektiv und 1,4-fach-Telekonverter.

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Das Four-Thirds-System ist ein lizenzfreier offener Standard, dem beliebige Firmen beitreten können, denn das Bajonett ist konstruktiv festgelegt. Mittlerweile sind dem Pool auch Firmen wie Leica und Sigma beigetreten. Die Größe des Bildsensors beträgt 17,3 mm x 13 mm und ist bei einer Pixelgröße von 3 Mikrometer gut für 27 Megapixel.

Olympus und Panasonic gehen dieses Limit aber sehr verhalten an, auch wegen des Bildrauschens und begnügen sich auch in den Profimodellen noch mit 10 bis 12 Megapixeln. Uneingeschränkt ist das Four-Thirds-System für alle fotografischen UW-Aufgaben bestens geeignet. Bei den UW-Fotografen genießt der 4/3-Sensor höchstes Ansehen. Auch deshalb, weil die Kameras nach Meinung von Kameraexperten das beste Ultraschallsystem zur Sensorreinigung besitzen.


Der APS-C-Bildsensor

Zahlenmäßig ist er bei den D-SLRs der Leader. Es gibt fast keine Kamerafirma (Ausnahme Olympus und Panasonic), die nicht eines oder mehrere Kameramodelle mit diesem Sensor im Programm hätte. Hersteller wie Fuji, Pentax, Samsung und Sigma produzieren ausschließlich Kameras mit dieser Sensorgröße. Auch bei den UW-Fotografen hat der APS-C-Bildsensor aufgrund seiner Verbreitung eine zwangsläufig quantitative Spitzenposition eingenommen. Das Bajonett entspricht dem des Kleinbild- oder Vollformates. Es können deshalb auch Kleinbildobjektive aus der analogen Zeit montiert werden.

Auch, wenn das von Qualitätsfanatikern abgelehnt wird: Unter Wasser hinter einer planparallelen Frontscheibe nivelliert sich so manches Laborproblem. Versuche haben gezeigt, dass es erst kritisch wird, wenn die Pixelzahl wesentlich über 12 Millionen hinausgeht. Dann kommt es insbesondere bei Weitwinkelobjektiven und Weitwinkelzooms zu Qualitätseinbußen, die dann zusätzlich durch schlecht adaptierte Domegläser am UW-Gehäuse noch gesteigert werden. Hier wird das Sparen dann zum sinnlosen Selbstzweck. Nimmt man eine Mindest-Pixelgröße von 3 Mikrometer an, dann kann man auf APS-C-Bildsensoren etwa 37 Megapixel unterbringen. Davon sind wir allerdings noch weit entfernt.
 

Bild 5: Giftiger Skorpionsfisch (Rhinopia). In dieser Farbe ist er aber selten. Fotografiert mit der Sigma SD 14, 50-mm-Makroobjektiv, mit Foveon-Bildsensor im APS-C-Format. Die nur von Sigma verwendeten Foveon-Bildsensoren erzeugen unter Wasser natürliche Farben, die nicht überzogen wirken.

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Innerhalb der APS-C-Sensorfamilie gibt es drei Mitglieder, die sich größenmäßig nur geringfügig voneinander unterscheiden, aber bei der Sensorarchitektur erheblich auseinanderdriften. Diese Information ist wichtig, wenn Sie in die UW-Fotografie einsteigen wollen. Denn die meisten Bildsensoren arbeiten zumindest bei Gegenlichtaufnahmen (Sonne und blaues Wasser) und hohen Kontrasten nicht immer zufriedenstellend. Im Regelfall sind die Bildsensoren nach dem Bayer-Pattern-Prinzip (RGB–Dreifarben-Mosaik) aufgebaut. 50% davon sind grüne Pixel, je 25% rote und blaue.

Die Ergebnisse, die sich daraus ergeben, sind im Regelfall und unter normalen Belichtungen mehr als zufriedenstellend. Wer also eine Canon, Nikon, Pentax oder Sony-Kamera besitzt, hat keinen Grund, umzusteigen und nur für Unterwasseraufnahmen in ein neues System zu investieren. Ausreißer gibt es bei den beliebten Gegenlichtaufnahmen oder wenn Sonnenkringel den Meeresgrund erhellen. Es tritt der unangenehme Blooming-Effekt auf, bei dem die Elektronen wegen Ladungsüberschuss auf benachbarte Pixel überquellen.

Dann werden Sonne und Lichtspiele meistens als kalkweiße Flecken wiedergegeben. Gleiches betrifft die Wasseroberfläche, wenn die Diskrepanzen bei Hochformataufnahmen zwischen Wasser und Himmel zu groß sind. Und das passiert beim Einsatz von Superweitwinkelobjektiven, Weitwinkelzooms und Fisheyeoptiken nicht eben selten.

 
Bild 6: Martina, die Tochter des Bildautors, schaut durch das Bullauge eines Wracks ins Schiffsinnere. Neben den Hautfarben liegt das Augenmerk auf dem blauen Wasser des Roten Meeres und der mit roten Schwämmen überzogenen Schiffswand. Fuji-Finepix S2Pro im Seacam-Gehäuse.

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Fuji hat aus diesem Grund bei den hochwertigen Digi-Kompakten und Spiegelreflexkameras (Fuji Finepix-Modelle) die Pixel wabenförmig gestaltet und unterschiedlich große Bildpunkte kreiert, wodurch sich ein besserer Dynamikumfang ergibt. Auch die Anordnung des Dreifarben-Mosaiks wurde geändert. Tatsächlich können Fuji-D-SLRs unter Wasser bei Gegenlichtbildern gegenüber anderen APS-C-Kameras punkten.

Die Bildsensoren sind bei korrekt eingestellter Verschlusszeit und einer passenden Blende relativ unempfindlich gegen das berüchtigte Blooming, wenn die Sonne ins Bild frontal scheint. Trotzdem gelingen auch mit diesen Kameras nur selten Aufnahmen, die das direkte Sonnenlicht als emotionale Lichtquelle mit Strahlencharakter wiedergeben.

Bei solchen Aufnahmen spielt allerdings auch das Objektiv eine nicht unbedeutende Rolle. Fuji Finepix-Kameras von Fuji besitzen ein Nikon-Bajonett, sodass man sich aus dem großen Objektivangebot von Nikon bedienen kann. Ebenso aber auch bei den Fremdherstellern Sigma, Tamron und Tokina. Fuji Finepix-Kameras sind in der Branche bekannt dafür, dass sie exzellente Hauttöne wiedergeben. Dies trifft auch unter Wasser zu, wenn man Taucherporträts fotografiert.

 
Bild 7: APS-C-Bildsensoren haben sich auch im professionellen Bereich bewährt, wenn die Pixelzahlen nicht ins Uferlose angehoben werden und das Rauschen moderat bleibt. Sigma SD 14 mit 10-20-mm-Zoom im BS-Kinetics-Gehäuse.

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Während die DSL-Bildsensoren von Fuji nach dem Bayer-Pattern-Prinzip aufgebaut sind und jeder Pixel nur eine der drei RGB-Grundfarben (Rot, Grün, Blau) erkennen kann, arbeitet in Sigma-Kameras ein Foveon-Bildsensor. Dieser ist so aufgebaut, dass jeder Pixel alle drei Grundfarben erkennt. Das Prinzip nützt die physikalische Tatsache, nach der Licht beim Eindringen in Silizium die Spektralfarben nach und nach verliert. Rot, Grün und Blau werden deshalb gemäß ihrer Eindringtiefe auf sehr komplizierte Art und Weise erfasst und mittels Algorithmen zu einem Bild zusammengefasst.

Der Foveon-Bildsensor ist deshalb der einzige Bilderchip am Markt, der wie das menschliche Auge quasi absolut natürliche Farben sehen kann. Bei anderen Bildsensoren werden die Zwischenfarben aus den Nachbarpixeln errechnet, auf dem Foveon-Bildsensor macht das jeder Pixel allein. Deshalb kommen die Bilder des Foveon-Bildsensors sehr natürlich rüber, ohne überzogene Farben. In der UW-Fotografie haben sich Foveon-Bildsensoren aufs Beste bewährt.

Größter Nachteil der Sigma-Kameras, die man sonst uneingeschränkt empfehlen kann, ist das Bajonett. Der Hersteller hat für seine Produktlinie ein eigenes Bajonett entwickelt, an das nur Sigma-Objektive passen. Adapter für andere Anschlüsse gibt es nicht. Wer also an Land bereits mit einer anderen D-SLR fotografiert, muss leider auch bei den Objektiven von vorne beginnen. Allerdings kann er auf eine ungeheuer große Auswahl zurückgreifen.

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Bild 8: Nacktschnecke vor der Küste von Malaysia. Fotografiert wurde mit einer Nikon D80 und 105-mm-Makroobjektiv. Nacktschnecken gehören farblich zu den attraktivsten Tieren im Meer. Es gibt unzählige Arten, niemand kennt sie alle. Vorstehende Bilder zum Kapitel APS-C-Bildsensoren!


 

Vollformatsensoren

Kameras mit Vollformatsensoren gehören schon preislich zu den Profigeräten. Und sie arbeiten alle nach dem CMOS-Prinzip mit der RGB-Bayer-Pattern-Sensorarchitektur. Produziert werden sie vorerst nur von Canon, Nikon und Sony. Vollformatsensoren besitzen eine Fläche so groß wie das analoge Kleinbild, also 24 x 36 mm. Die Sensorgröße bringt es mit sich, dass man seine Analogobjektive ohne Bildwinkeleinschränkung weiterverwenden kann und deshalb bezüglich der Brennweiten nicht umrechnen muss.

Man greift ergo auf den analogen Erfahrungsschatz zurück und weiß, was man mit diesem oder jenem Objektiv machen kann. Die Verwendung von Analogobjektiven ist aber nicht uneingeschränkt zu empfehlen. Während Makroobjektive aufgrund ihres weitgehend telezentrischen Strahlenverlaufs ohne größere Qualitätseinbußen montiert werden können, sieht es mit weitwinkeligen Festbrennweiten und Weitwinkelzooms nicht so gut aus. Weil Bildsensoren sehr empfindlich auf schrägen Lichteinfall reagieren, kommt es hier mitunter zu intolerablen Vignettierungen, Eckenunschärfen und lateralen Farbveränderungen.

Hinzu kommt, dass die Megapixelzahlen einzelner Vollformatsensoren (mehr als 20 MP) sich in Bereiche abgesetzt haben, wo das Auflösungsvermögen analoger Optiken nicht mehr mithalten kann. Und der Trend zu noch höheren Pixelzahlen wird weitergehen, denn wenn man eine untere Pixelgröße von 3 Mikrometer als Limit annimmt, dann wird es eines Tages Vollformatsensoren mit 94 Megapixel geben. Als Folge daraus werden auch völlig neue Objektive erforderlich sein. Wer sich also in die Fänge des Vollformates begibt, sollte auch bereit sein, in neue Digitalobjektive zu investieren. Dann allerdings wird er mit einer riesigen Auflösung und überragenden Bildqualitäten belohnt. Ob man das als Hobbyfotograf benötigt, ist eine andere Frage.

 
Bild 9: Muscheln, insbesondere die großen von ihnen, überraschen immer wieder mit neuen Mustern und surrealistischen Farben. Muss es unbedingt eine Vollformatkamera sein? Nein, aber Detailreichtum, Auflösung und geringes Rauschverhalten sind enorm. Canon EOS 5D im Seacam-Gehäuse.

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Der entscheidende Vorteil des Vollformates ist die weitgehende Rauschunempfindlichkeit, wenn man die ISO 100 oder ISO 200-Einstellung nach oben hin verlässt. Je nach Pixelzahl kann man mit sehr hohen ISO-Einstellungen fotografieren. Ob man sie immer braucht, ist strittig. Unter Wasser sind aber ISO 400 oder ISO 800 durchaus bei einem wolkenverhangenen Himmel, in tiefen Wasserschichten und mitunter auch bei schlechter Sicht keine Fehleinstellung.

 
ISO 400 verarbeiten alle Vollformatkameras, von wem sie auch stammen mögen, ohne sichtbares Rauschen. Der Trend geht bei Vollformatsensoren ohnehin in zwei Richtungen. Die eine Seite begnügt sich mit relativ wenigen Pixeln (etwa 12 bis 14 Millionen) auf der Sensorfläche, glänzt aber mit einer fantastischen Rauscharmut bis ISO 800 und mit leichten Einschränkungen sogar bis ISO 1600. Die Auflösungsfähigkeit bleibt aber dabei eher durchschnittlich, was jedoch im fotografischen Alltag keine Rolle spielt.

Die andere Seite forciert die Pixelzahl in atemberaubende Höhen (24 MP und mehr), was einer exorbitanten Auflösung in Richtung Postergröße oder noch mehr den Weg weist. Hohe Pixelzahlen haben zudem den Vorteil, dass man auch Bildausschnitte bis zur doppelten Motivgröße ohne sichtbare Nachteile vornehmen kann. Denn dann hat das Bild nur noch ein Viertel der ursprünglichen Pixelzahl. Da ist es schon entscheidend, ob man ein vollformatiges Ausgangsbild mit 12 MP hat oder eines mit 24 MP. Ausschnitte können bei UW-Aufnahmen immer mal eine Rolle spielen, weil man an viele Fische doch nicht so nah herankommt, wie man sich das erhofft hat.

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Bild 10: Krake im Lavasand. Das Vollformat hat meistens einen besseren Dynamikumfang als kleine Bildsensoren. Und der Pentaprismensucher ist etwas größer, was sich positiv beim Arbeiten mit der Tauchmaske bemerkbar macht. Canon EOS 5D im Seacam-Gehäuse.


 
Der Griff zum Vollformat sollte aber gut überlegt sein. Nicht nur die Kamera ist teuer, auch die Objektive kosten ihr Geld. Und wenn man damit in die UW-Fotografie einsteigen will, heißt es erst mal, in einen Kleinwagen zu investieren. Denn das UW-Gehäuse mit seinen vielen Accessoires ist ein Fass ohne Boden. Hier kann man allen Interessenten nur raten, sich an den Auslaufmodellen der Kamerahersteller zu orientieren und auch mal bei eBay nach Gehäuseschnäppchen zu suchen.

Dann ist der Einstieg in das professionelle Equipment der UW-Fotografie eventuell möglich. Ob er notwendig ist, muss jeder selbst entscheiden. Dass die UW-Fotografie mit dem Vollformatsensor aber die Krone der nassen Fotografie ist, bleibt unbestritten.

Das zeigt sich auch bei Gegenlichtaufnahmen, weißlichen Objekten und Sonnenkringeln sowie dem daraus entstehenden Aufreißen solcher Bildstellen. Diese Aufnahmen sind denen der APS-C-Fraktion meistens überlegen.

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Bild 11: Diese Seeigelart nennt man Sanddollar. Man findet das Tier auf Sandflächen in Süd-Ost-Asien. Solche Motive sind wie geschaffen für Vollformatsensoren, weil es hier auf kleinste Details ankommt. Canon EOS 5D im Seacam-Gehäuse.


 

Optischer Sucher

Für die meisten D-SLR-Nutzer ist der optische Sucher das wichtigste Teil für die Bildgestaltung. Das ist im Wesentlichen auch unter Wasser so. Zwar ist der Suchereinblick etwas klein und die Tauchmaske ist beim Einblick auch nicht sehr hilfreich, aber nur im optischen Sucher kann man das Bild wirklich klar und ohne störende Sonneneinstrahlung beurteilen. Amateurkameras bieten nicht das volle Sucherbild. Vom Bild, das auf dem Sensor gebildet wird, sieht man oft nur 90 bis 95 %, was aber nicht schlimm ist. Störende Inhalte am Bildrand kann man durch Ausschnitte eliminieren. Damit muss man in der UW-Fotografie zwangsweise leben. Es sei denn, man arbeitet mit einem Vollformatsensor und 100-%-Sucher.

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Bild 12: Porträt eines Rotfeuerfischs (giftig). Nicht alle D-SLRs besitzen ein Vorschaubild (Live-View) und es ist auch nicht immer notwendig. Der optische Sucher ist bei der Bildgestaltung unter Wasser noch immer das Maß aller Dinge. Olympus E-300 mit 50-mm-Makroobjektiv und 1.4-fach-Telekonverter im Original Olympus-Gehäuse.


 
Bei den optischen Suchern unterscheidet man in solche mit Pentaprisma und solche mit Pentaspiegel. Das Pentaprisma ist konstruktiv die beste Wahl, weil das Sucherbild hier auch am hellsten ist. Unterschätzen Sie das nicht. Unter Wasser herrscht immer weniger Licht als an Land. Deshalb sind auch lichtstarke Objektive keine schlechte Wahl, obwohl man die Lichtstärke nicht unbedingt für Bildgestaltungen nutzt. Hohe Lichtstärken machen den AF schneller und das Sucherbild erfreulich heller. Das sind unter Wasser wichtige Parameter, die man nicht beiseitewischen sollte.

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Bild 13: Seepferdchen in Algen. Obwohl gelb gefärbt, ist es nur sehr schwer zwischen den Pflanzen zu entdecken. Mit dem optischen Sucher konnten Bildaufbau und Bildwirkung bewusst gesteuert werden. Und das, obwohl der Sucher an der Olympus E-300 relativ klein ausfällt. Das 50-mm-Makroobjektiv war ideal für das nicht gerade kleine Seepferdchen (ca. 15 cm).


Der Pentaspiegel wird aus Kostengründen bei Einsteigerkameras installiert. Sein Sucherbild ist dunkler als das des Pentaprismas. Auf die Lichtstärke der Objektive und den AF hat das aber keinen Einfluss. Elektronische Sucher sind in digitalen Spiegelreflexkameras nicht üblich, noch nicht. Sie könnten aber zukünftig im Einsteigersektor eine Chance haben, wenn das Sucherbild brillant und ruckelfrei dargestellt werden kann. Beispielsweise wie beim Micro-Four-Thirds-System.


 

Live-View

Immer mehr D-SLRs werden mit dem praktischen und in vielen Situationen auch bequemen Vorschaubild auf dem Monitor ausgestattet. So einfach wie bei digitalen Kompaktkameras funktioniert er leider nicht immer. Und das liegt an der automatischen Scharfeinstellung. Bei vielen Kameramodellen muss man vor dem Auslösen erst den Spiegel hochklappen, anschließend scharfstellen, dann den Spiegel wieder herunterklappen. Erst jetzt kann der Verschluss betätigt werden. Auch, wenn dieser Vorgang automatisch abläuft, ist eine derartige Vorgehensweise unter Wasser weitgehend indiskutabel und praxisfremd. Kaum ein Fisch wird so ein Prozedere über sich ergehen lassen.

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Bild 14: Eischnecke auf einer Peitschenkoralle. Das Tier nimmt Form und Farbe des Untergrundes an, ist dadurch kaum zu entdecken. Man nennt das Mimese. Während die Koralle ihre Polypen bereits eingezogen hat, sind die Nachbildungen auf der Schnecke noch deutlich zu sehen. Wenn das UW-Gehäuse klein und handlich ist, macht das Arbeiten mit einer D-SLR im Live-View Sinn. Hier war die Olympus E-330 (verwendet im UK-Germany-Gehäuse) einst das Maß aller Dinge.


 
Wenn Sie also Wert auf das Vorschaubild legen und auch damit fotografieren wollen, dann dürfen Sie nur eine D-SLR kaufen, mit der sich der Live-View so unkompliziert bedienen lässt wie ein Suppenlöffel. Denn unter Wasser ist alles Gift, was umständlich zu handhaben ist und mehr als zwei Funktionen zu bedienen erfordert. Man befindet sich im schwebenden Zustand, muss auf die Umgebung achten und seine Instrumente im Auge behalten. Wenn man dann noch mit einer Kamera arbeiten muss, deren Vorschaubild sich erst mit viel Gedöns zum Leben erwecken lässt, werden viele Bilder in den Sand gesetzt.

Bedenken Sie, dass der AF im Live-View-Fokus meistens etwas langsamer ist, als wenn durch den optischen Sucher anvisiert wird. Bei modernen D-SLRs ist der Unterschied aber kaum zu spüren. Das Vorschaubild ist absolut unterwassertauglich. Wenn die Sonne auf den Monitor scheint, treten aber dieselben Probleme auf wie bei digitalen Kompaktkameras. Dann sollte man die Bilder besser mit dem optischen Sucher anpeilen. Die Auslöseverzögerung spielt bei digitalen Spiegelreflexkameras keine signifikante Rolle. Mit jeder D-SLR kann man flinke Korallenfische fotografieren, sofern man sie bei der Verfolgung im Sucherbild oder auf dem Monitor halten kann.


Autofokus

Die automatische Scharfeinstellung ist auch mit Spiegelreflexkameras für das Ablichten von bewegten Motiven unter Wasser nicht mehr wegzudenken. Nur im extremen Makrobereich, wo der AF aufgrund eines schwachen Umgebungslichtes und der nachlassenden Lichtstärke (Auszug am Makroobjektiv) zu Fehlfahrten verleitet werden kann, gehen Makrospezialisten zur manuellen Scharfeinstellung über. Aber nicht am Live-View, sondern mit dem optischen Sucher. Ansonsten führt am AF kein Weg mehr vorbei. Die Trefferquote ist damit generell höher als bei der manuellen Fokussierung.

 
Bild 15: Igelfisch in einer Blechdose. Wenn Abfall nicht zur Umweltzerstörung führt (Chemikalien, Plastikbeutel!), nehmen die Meeresbewohner ihn als Lebensraum dankend an. Der AF kann bei solchen Motiven im Modus S (Schärfepriorität) arbeiten. Und er muss nicht einmal besonders schnell sein. Fuji Finepix S2Pro mit 50-mm-Makroobjektiv im Seacam-Gehäuse.

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Strittig ist bei vielen UW-Fotografen, mit welchem AF-Programm man arbeiten sollte. Vorausgesetzt, man kann den AF-Modus unter Wasser anwählen, dann ist der Single-AF, also die Auslösung mit Schärfepriorität, bei Fixobjekten und sich langsam bewegten Motiven die richtige Einstellung. Schnell schwimmende Fisch sollten mit der kontinuierlichen Scharfeinstellung und Auslösepriorität fotografiert werden. Auch auf die Gefahr hin, dass es hin und wieder zu unscharfen Bildern kommt, weil der AF noch nicht scharfgestellt hat. Sogenannte Kombi-AF-Programme, die mit Schärfeverfolgung und Prädiktion (vorausschauendem AF) gekoppelt sind, haben sich in der Praxis sehr gut bewährt, weil man damit mehrere Modi in einem Programm vereint hat. Nahezu jede D-SLR besitzt solche Universal-AF-Einstellungen.

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Bild 16: Für flinke Korallenfische sollte man den AF-Modus C (Auslösepriorität) wählen. Der AF muss rasant arbeiten und die Auslöseverzögerung sollte kurz sein. Trotzdem sind meistens mehrere Versuche erforderlich. Canon EOS 5D mit 100-mm-Makroobjektiv.


Auch das AF-Messfeld ist eine Überlegung wert. Normalerweise reduziert man die AF-Messfelder auf den mittleren Kreuzsensor und speichert die Schärfe zur Bildgestaltung entweder über die AF-Lock-Taste oder durch halbes Drücken des Auslösers. Das geht sehr gut bei Motiven wie Schwämmen, Korallen, Muscheln und langsam kriechenden Schnecken.

Weniger berauschend ist diese Handhabung bei schwimmenden Fischen, weil hier die Schärfespeicherung sehr oft zu unscharfen Lokalitäten im Kopfbereich führt. Da kann es in vielen Fällen besser sein, alle AF-Sensoren zu aktivieren und der Automatik die Entscheidung zu überlassen, auf welche Körperpartien scharfgestellt wird. Firmenseitig wird dann die AF-Priorität auf das der Kamera am nächsten befindliche Objekt gerichtet. Wenn das der Kopf des Fisches ist, kann das ein Superbild werden.

Da man diesbezüglich nicht für alle Kameras Empfehlungen abgeben kann – jedes Modell arbeitet mit dem AF etwas anders – wird man um eigene Erfahrungen und Tests nicht herumkommen. Es gibt auch UW-Fotografen, die das AF-Feld je nach Bedarf anwählen. Das macht aber nur Sinn, wenn dieses Prozedere über das UW-Gehäuse schnell und unkompliziert vollzogen werden kann.

Kommentare
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Portrait von AdHBerlin
  • 09.08.2012 - 10:45

Sehr gut eine Einschätzung zu haben, wie gut die eigene Kamera geeignet wäre damit abzutauchen. Jetzt freu ich mich auf das Tutorial über die Gehäuse!

Portrait von Rawija
  • 01.08.2010 - 19:15

Infos und Bilder sind sehr hilfreich, danke.
Immer Spitze !!!!!

Portrait von siegfriedmeyer
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-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 18.08.2009 - 12:05

Muss sagen,die UW-Workshops sind sehr aufschlussreich.War bis jetzt nur über Wasser tätig.Super

Portrait von tomcat13
  • 04.08.2009 - 16:01

Auch wenn ich nur eine Kompakte habe, kann ja noch kommen. Workshop wie immer erstklassig.

Portrait von Sibulan1
  • 15.04.2009 - 13:37

Toller Artikel, bin gerade dabei von Sea&Sea DX 1G auf Canon EOS 450 D umzusteigen. Infos und Bilder sind sehr hilfreich, danke.

Portrait von julitsch
  • 27.02.2009 - 09:12

Klasse Erklärungen und dickes Lob an den Fotograf!

Portrait von wallpaperchen
  • 05.01.2009 - 18:48

Super tolle Bilder und sehr gute Beschreibung!!!

Nur weiter sooooooooo

Portrait von D037815
  • 01.12.2008 - 11:35

Vielen Dank, Leider ist es noch lange hin bis ich die Tips und trick´s unter Wasser wirklich ausporbieren kann.

Ich warte schon auf Teil 6 :-)

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 27.11.2008 - 22:25

zum 5. Mal...und schon wieder so geniale Bilder! Es ist sehr interessant zu sehen, was es nicht alles für farbenprächtig Tiere in der Unterwasserwelt gibt!:-)

Portrait von reweiv
  • 27.11.2008 - 16:17

Sehr interessant, leider sind die Preise für DSLR Gehäuse ziemlich hoch. Bei mir wäre da für die 400d etwa 1.100 - 1.200 Euro fällig.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 27.11.2008 - 14:35

an unterwasserfotografie habe ich noch gar nicht gedacht aber eine sehr gute idee mit genialen bildern.

Portrait von Sumpfdotter
  • 27.11.2008 - 11:08

Fantastische Fotos mit lehrreichen Hinweisen, man bekommt große Lust, gleich unterzutauchen

Portrait von AdinaT
  • 26.11.2008 - 10:23

Einzigartig, genial, tolll, supper!!!!!

Portrait von Wollito
  • 25.11.2008 - 20:16

Geniale Bilder und zahlreiche Tipps.

Also: Ein super Tutorial !

Portrait von roman2
  • 25.11.2008 - 16:22

wie immer Spitze !!!!!

Portrait von el_tom
  • 25.11.2008 - 13:14

Leider habe ich 0 Erfahrung mit Unterwasserfotografie, aber von diesen Bildern und Beschreibungen bekommt man Gusto darauf!

Portrait von Sampiero
  • 25.11.2008 - 10:11

Wir können uns glücklich schätzen,solche Autoren in unseren Reihen zu haben.

Portrait von Rawija
  • 25.11.2008 - 09:42

Super Aufnahmen, PDF macht Freude . Danke

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 25.11.2008 - 07:35

Sehr schöne Beispiele und Bilder!

SP

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