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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 14 - Amphibische Blitzgeräte

Unterwasserfotografie - Teil 14 - Amphibische Blitzgeräte

So interessant und blitztechnisch sicher integrierte Kamerablitze und Systemblitzgeräte auch sein mögen - die anspruchsvolle Blitzbelichtung findet unter Wasser vordergründig mit amphibischen Blitzgeräten statt. Bezeichnet werden mit diesem Ausdruck Blitzgeräte, die extern montiert werden können und wasserdicht sind.

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Meeresschildkröten sind akut vom Aussterben bedroht. Viele bleiben in kilometerlangen Treibnetzen hängen und ersticken. Andere werden wegen des Panzers und wegen ihres Fleisches getötet. Sie verbringen Monate im offenen Meer, fressen Quallen und Seegras, schlafen an der Wasseroberfläche. Dann machen sie sich auf den Weg, schwimmen Tausende von Kilometern und landen zielsicher an dem Strand, an dem sie geboren wurden. Dort legen sie ihre Eier ab. Man vermutet, dass sie sich am Erdmagnetismus orientieren.

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So interessant und blitztechnisch sicher integrierte Kamerablitze und Systemblitzgeräte auch sein mögen, die anspruchsvolle Blitzbelichtung findet unter Wasser vordergründig mit amphibischen Blitzgeräten statt. Bezeichnet werden mit diesem Ausdruck Blitzgeräte, die extern montiert werden können und wasserdicht sind.

Noch in den 90er Jahren war Nikon mit seinen amphibischen Blitzgeräten einer der Marktführer. Diese Position ging aber nach einem Firmenbeschluss, sich in der Unterwasserwelt nur noch sporadisch oder gar nicht mehr zu engagieren, alsbald an den japanischen Fremdhersteller Sea & Sea verloren. Heutzutage engagiert sich als einziger und letzter Kamerahersteller Olympus mit eigenen Amphibienblitzgeräten in der UW-Szene.

Wegen der geringen Stückzahlen werden sie von Sea & Sea als abgewandelte Ableger bereits vorhandener Blitzgehäuse mit der Original Olympus Blitzelektronik produziert. Eine vernünftige Entscheidung, denn Sea & Sea-Blitzgeräte gelten in der Szene zwar nicht als High-End-Produkte, aber als ausgesprochen robust und zuverlässig.

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Dieses Bild wurde in einer Unterwasserhöhle gemacht. An der Decke huschten Hunderte roter Garnelen im Scheinwerferlicht umher. Erst nach geraumer Zeit gelang es, ein einzelnes Tier in fotogener Position abzulichten. Die automatische Blitzbelichtung ist in solchen Situationen sehr hilfreich.


 
Regenbogenforelle in einem Flussnebenarm. Ohne Blitzlicht kann ein solches Bild nicht gemacht werden, wenn Uferbäume das Sonnenlicht abhalten. Allerdings muss das Amphibienblitzgerät nicht besonders stark sein, weil Forellen am weißlichen Maul gern aufkalken. Die größte Schwierigkeit liegt aber darin, sich dem Fisch so weit zu nähern, dass man ein Porträt machen kann.

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Die Geschichte der amphibischen Blitzgeräte lässt sich zurückverfolgen bis in die Anfänge der UW-Fotografie. Bereits in den 50er Jahren konstruierte der Franzose und Exilrusse Dimitri Rebikoff einen hermetisch abgedichteten elektronischen Blitz, die sog. Rebikoff-Torpille.

Das Monstrum war so groß wie der Unterarm eines 2m-Mannes und so teuer, dass es praktisch unverkäuflich war. Auch der Ausleuchtwinkel war noch bescheiden, aber dennoch ausreichend für die damaligen Objektive, denn Weitwinkeloptiken wurden noch nicht verwendet. Und Fisheyes gab es nur in der Wissenschaft. Dennoch war die Torpille ein geniales Produkt, wenn man bedenkt, dass es noch fast 20 Jahre dauern sollte, bis der elektronische Amphibienblitz seinen Siegeszug unter Wasser antreten konnte.

Bis dahin, man glaubt es kaum, wurden Bilder unter Wasser mit Blitzbirnchen belichtet. Auch der Autor hat sie noch bis Ende der 70er Jahre verwendet, teilweise parallel zu den bereits käuflichen und wasserdichten Elektronenblitzgeräten. Nachteil der Birnchen war deren einmaliges Aufflammen … sofern sie auf Anhieb überhaupt zündeten.

Dann musste das verglühte Birnchen ausgetauscht werden. Man hatte anfangs ein kleines Säckchen dabei, aus dem man die frischen Birnchen entnahm. Die abgebrannten warf man unter Wasser weg. Umweltschutz war damals noch ein Fremdwort. Aber die UW-Fotografen lernten schnell. Als nämlich die ersten Bilder entwickelt wurden und sich darauf alte Birnchen im Sand und in den Korallen wieder fanden, die das Bild unwiderruflich (Scanner und Bildbearbeitung lagen noch in weiter Ferne!) zum Ausschuss beförderten, legte man sich schnell ein zweites Säckchen zu, in dem die alten Birnchen eingesammelt wurden.

Prinzipiell zählt man die in früheren Zeiten verwendeten Birnchenblitzgeräte zu den historischen Amphibienblitzgeräten, denn die Zündung konnte sowohl an Land als auch im Wasser erfolgen. Und so altmodisch wie es sich anhört war diese Technik nicht. Denn es gab sowohl blaue (für den Nahbereich) als auch weiße (für weiter entfernte Objekte) Blitzbirnchen.

Wollte man die blauen für größere Motivdistanzen verwenden, musste man wegen der kühlen Farbtemperatur die blaue Schicht abschälen und das Birnchen mit Klarlack beaufschlagen. Für weitwinkelige Ausleuchtungen standen großvolumige weiße Birnchen mit Leitzahl 60 zur Verfügung.

Fast alle damals unter Wasser verwendeten Kameras besaßen einen FP-Kontakt, der die Birnchen so zündete, dass der Verschluss erst bei der höchsten Intensität des Blitzlichtes öffnete. Bei anderen Kameras musste man mit 1/30 s blitzen. Ideal war das natürlich nicht immer. Insbesondere schnell schwimmende Fische gaben sich auf den Bildern des Öfteren ein unscharfes Stelldichein. Andererseits war das Birnchenlicht angenehm warm und eine Wohltat für die Augen.

Dass es nicht immer farbecht und natürlich war, hat keinen gestört. In diese Zeit fiel auch der Startschuss zur serienmäßigen Produktion der ersten amphibischen Blitzgeräte. Misstrauisch beäugt von Sicherheitsfanatikern, die bei einem Wassereinbruch tödliche Stromschläge befürchteten. Und ganz so unrecht hatten sie im Einzelfall nicht, denn aus den USA kamen wasserdichte E-Blitzgeräte mit Akkus, die mit 500 V betrieben wurden.

Dem Hersteller war wohl selbst ein bisschen unwohl bei der Sache, weshalb er auf dem Blitz einen entsprechenden Warnhinweis anbrachte. Das Gerät konnte sich aus diesem Grund auch nicht durchsetzen, denn die Produkthaftung stand ständig wie ein Damoklesschwert über der keineswegs schmächtigen Leistungsentfaltung.

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Orang-Utan-Krabbe in einer Weichkoralle. Diese Tiere sind nur schwer zu finden. Sie sind scheu und leben meistens gut getarnt auf ihrem Wirt. Welche Bedeutung sie haben, ist ungeklärt. Vermutlich reinigen sie die Koralle von Parasiten. Die Blitzbelichtung ist schwierig, weil die rotbraunen Tiere meistens in einem hellen Umfeld versteckt sind und die automatische Blitzbelichtung die Kontraste nicht immer zufriedenstellend bewältigt.


 
Schwämme besitzen weder Nerven noch einen Kreislauf. Trotzdem sind es Tiere. Manche werden riesengroß wie dieser Becherschwamm. Kein Lebewesen wird so alt wie sie. Man hat Schwämme gefunden, von denen man annimmt, dass sie 40 000 Jahre alt sind. Wissenschaftler versuchen das Geheimnis dieses Altwerden zu entschlüsseln. Möglicherweise kann die Menschheit davon profitieren.

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Amphibische Sonnen

Die Amphibienblitzgeräte der ersten Stunde waren im Prinzip Ableger von an Land verwendeten Systemblitzgeräten. Man baute quasi die Elektronik dort aus und verpflanzte sie in ein druckfestes Gehäuse. Anders als bei den Systemblitzgehäusen konnte man aber die Akkus nicht selbst tauschen, denn die Schutzhüllen waren hermetisch abgedichtet. Geladen wurde über eine Ladebuchse.

Wer vergaß, den Stopfen vor dem Tauchgang einzuschrauben, musste mit einem gefluteten Blitz rechnen. Fortgeschrittene Amphibienblitzgeräte wie der Marlin I wurden über das Synchronkabel geladen. Das ging lange gut und dann mal nicht. Denn irgendwann begannen die Akkus zu gasen. Beim Zünden kam es in Folge zu einer Explosion mit weit reichenden Folgen.

Meistens flog dann die Elektronik zur Frontscheibe hinaus. Dann lagen, wenn es unter Wasser passierte, die Einzelteile im Riff. Man glaubt es kaum, aber das passiert auch heute noch, wenn hermetisch abgedichtete, amphibische Blitzgeräte schnellgeladen werden, die Ladeautomatik versagt und die Akkus ihr Gas nicht an die Atmosphäre abgeben können.

Um dieses Dilemma zu verhindern, werden die meisten Amphibienblitzgeräte so konzipiert, dass man die Blitzgeräte zum Laden öffnen muss. Das ist allerdings mit einem Risikofaktor behaftet, denn jedes Öffnen eines Gehäuses birgt die Gefahr, dass es anschließend nicht wieder so dicht ist wie vorher. Der Pflege der O-Ringe ist größte Aufmerksamkeit und Sorgfalt zu widmen.

 
Amphibisches Kleinblitzgerät von Ikelite. Seine Leistung ist nur für Makroaufnahmen ausreichend. Links unten ist die Kappe für die Blitzbuchse angebracht. Die Kelvin-Zahl liegt bei ca. 5500K.

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Warmes Licht macht ein Bild meistens sehenswert. Estuarien-Steinfische lieben flache Küstenzonen, Brackwasser und Mangroven. Die Rückenstacheln enthalten ein extrem starkes Gift, das Menschen töten kann. Es gibt Hasardeure, die ihnen den Daumen ins Maul schieben und ihn so mit einer Hand hochheben. Das ist nicht zur Nachahmung gedacht.

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Amphibische Blitzgeräte werden in unterschiedlichen Leistungsstärken produziert. Je leistungsstärker der Blitz, desto schwerer ist er zwangsläufig. Einfach deshalb, weil die Akkus, der Kondensator und der Wandler größer sind und an Gewicht zulegen. Massige und voluminöse Amphibienblitze sind aber ein Dilemma beim Handling, beim Transport und auf Flugreisen. In dieser Hinsicht hat Gott sein Dank ein Umdenken statt gefunden.

Auch ein Verdienst der digitalen UW-Fotografie, die es ermöglicht, mit höheren Empfindlichkeiten zu fotografieren, so dass man keine Monsterblitzgeräte für korrekte Blitzbelichtungen mehr benötigt. Man weiß mittlerweile, dass die elektrische Arbeit eines Amphibienblitzgerätes nicht mehr als 250 Ws betragen muss.

Wer zwei Blitzgeräte verwendet, kommt allerdings pro Einzelgerät mit weitaus geringeren Leistungsdaten aus. Dann reichen je Blitzgerät etwa 110 bis 170 Ws voll aus. Abhängig ist das auch vom Ausleuchtwinkel. Über die UW-Leitzahl will das aber nichts besagen. Diese ist abhängig von der Wirkungsweise des Reflektors, der Stellung der Blitzröhre zum Reflektor, dem Ausleuchtwinkel, der Frontglas-Geometrie (plan oder gewölbt) und davon, ob der Reflektorraum mit Luft oder einer Wärme absorbierenden Flüssigkeit gefüllt ist.

Diese Parameter nennt man in ihrer Gesamtheit und Wirkungsweise „Gerätekonstante“. Die Gerätekonstante ist eine dimensionslose Zahl, die in Versuchen unter Wasser ermittelt wird und für jeden Blitzgerätetyp einen anderen Wert ergibt. Eine sehr aufwendige Angelegenheit, die aus besagtem Grund nur selten gemacht wird. Die meisten Amphibienblitzhersteller begnügen sich deshalb mit Labormessungen und geben diese auch an. Wenn man sie lesen und deuten kann, ist es möglich, auf Unterwasserverhältnisse zurückzurechnen. Über den Daumen gepeilt, kann man die Überwasserleitzahl durch 2,5 oder 3 teilen, um eine praxisnahe und realistische UW-Leitzahl zu erhalten.

 
Sieht der Erde täuschend ähnlich, ist aber eine Blasenkoralle. Manche Exemplare sind fast kugelrund gewachsen und haben dann große Ähnlichkeit mit einer Perle. Man muss zart blitzen, damit das Motiv nicht überstrahlt.

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Dieses Muster ist ein Ausschnitt der Oberfläche einer Pleurobranchus grandis. Die Haut schluckt Licht. Man muss deshalb mit einer Plus-Korrektur blitzen. Die bis 21 cm Länge groß werdenden Nacktschnecken greifen auch Artgenossen, Fische, Manteltiere und Schwämme an. Mit besonderen Organen (Rhinophoren) können sie Riechen, Schmecken und Strömungen lokalisieren.

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Wenn es um den Ausleuchtwinkel geht, trifft man bei allen Blitzgeräteherstellern auf die Nachfahren von Münchhausen. Deshalb wird in dieser Sache gelogen, dass sich die Balken biegen. Um den wirklichen Ausleuchtwinkel eines Amphibienblitzgerätes zu ermitteln, ist die Durchführung einer sehr aufwendigen Testreihe unter Wasser nötig.

Und man muss etwas Ahnung von Messtechnik haben. Labormessungen an Land sind gänzlich ungeeignet. Meistens wird unabsichtlich, aber nicht selten auch absichtlich so falsch gemessen oder herumfantasiert, dass die Ausleuchtwinkel in den Prospekten Werte erreichen, die im Wasser nie und nimmer möglich sind. Manche Herstellerangaben ähneln eher Hausnummern oder Zahlen von Zufallsgeneratoren als seriösen Messwerten.

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Korallen werden nicht ganz zu unrecht auch Blumentiere genannt. Die Polypen öffnen und schließen sich rhythmisch, um Plankton einzufangen. Manche Arten können nesseln und regelrechte Brandwunden verursachen, wenn man sie berührt.


 
Boxerkrabben sind winzig klein und sehr schwer zu finden. Dieses weibliche Exemplar trägt die roten Eier mit sich herum. Die beiden weißlichen Anemonen an den Gliedmaßen benützt die Krabbe zur Verteidigung. Wenn sie sich bedroht fühlt, boxt sie damit in Richtung des Angreifers. Deshalb der Name Boxerkrabbe.

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Generell können Sie sich merken, dass Ausleuchtwinkel zwischen 90° und 95° zu den Ausnahmen gehören. Über 100° Ausleuchtung ist nur möglich, wenn der Reflektorraum mit einer speziellen Flüssigkeit gefüllt ist. Außerdem muss das Frontglas des Amphibienblitzgerätes als Linse so konstruiert sein, dass die UW-Leitzahl am Bildrand stärker ist als im Zentrum.

Nur so kann man den geometrisch weiteren Weg der Lichtstrahlen zu den Bildecken und seitlichen Formaträndern etwas abfedern und für eine gleichmäßige Ausleuchtung mit einer Blende Abfall in den Ecken sorgen. Bei einer idealen Konfiguration ist mit diesen Vorkehrungen ein maximaler Ausleuchtwinkel von 115° möglich.

Die meisten amphibischen Blitzgeräte (ohne Reflektorfüllung) begnügen sich mit Ausleuchtwinkeln zwischen 70° und 85°. Im Prinzip ist das ausreichend. Man sollte deshalb bei weitwinkeligen Ausleuchtungen zwei Blitze im Tandembetrieb laufen lassen. Fortgeschrittene UW-Fotografen verfahren mehrheitlich so. Sogar bei Nah- und Makroaufnahmen.

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Seesternkissen werden so groß wie Fußbälle. Auf ihnen leben wiederum kleine Krebschen, die sich zumeist an der Unterseite aufhalten. Die rote Farbe ist nur zu sehen, wenn man das Tier anblitzt. Vernünftigerweise mit zwei Kleinblitzgeräten, wenn man ein Superweitwinkel oder ein Fisheye verwendet.


 

Material und Ausstattung

Kunststoff siegt. Mehr als 80% aller amphibischen Blitzgeräte besitzen ein serielles Kunststoffgehäuse. Einzige Ausnahmen sind die Firmen Seacam und Subtronic. Insbesondere Subtronic schwört seit den 80er Jahren auf Metallrohre und hat hier quantitativ eine exponierte Rolle eingenommen.

Die Blitzgeräte von Subtronic sind auch die einzigen, die sich nicht öffnen lassen und deshalb hin und wieder mit gasenden Akkus Probleme haben können. Allerdings darf man das nicht verallgemeinern und auch nicht dramatisieren. Es kommt nicht mehr und nicht weniger häufig vor als ein Reifenplatzer beim Auto. Nicht zu öffnende Amphibienblitzgeräte haben zudem den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass ein möglicher Wassereinbruch meistens zu Lasten des Herstellers geht.

Es sei denn, der Nachweis kann erbracht werden, dass der User vergessen hat, eine der Blitzbuchsenkappen einzuschrauben. Subtronic offeriert unter anderem wegen diverser Probleme beim Check-in an Flughäfen (hermetisch verschlossene Blitzgeräte erwecken immer den Argwohn des Security-Personals!) die Alternative spezieller Blitzarme mit eingebauten Akkus an.

Im Blitzgerät befindet sich dann nur noch die Elektronik, was zu einer deutlichen Gewichtsreduzierung führt und den Amphibienblitz spürbar handlicher macht. Als positive Dreingabe ist das Explodieren der Blitzgeräte damit ausgeschlossen. Seacam, der andere Metallgehäuseanbieter, hat seine Schutzhülle so konstruiert, dass man sie öffnen kann und muss, um den Akku zu laden. Diesen Vorteil schätzen viele Kunden, die auf Metallgehäuse schwören, dieses aber öffnen wollen, um bei Flugreisen keine Kontrollprobleme zu bekommen.

 
Karibischer Riffhai mit einem amphibischen Blitzgerät und TTL-Blitzsteuerung fotografiert. Bei Haien ist der Bauch meistens sehr weiß, so dass automatische Blitzbelichtungen nur selten zum Erfolg führen. Zur Sicherheit sollte man eine Minuskorrektur von 1 bis 2 Blenden vorsehen.
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Der Bobbit-Wurm ist eines der seltsamsten und unheimlichsten Tiere im Meer. Man vermutet, dass er 3 m lang, mehr als 5 cm dick und über 100 Jahre alt werden kann. Die Mandibeln sind zu grauenhaften Mundwerkzeugen umfunktioniert, mit denen er Beutetiere wie in einem Schraubstock festhält und in seine Höhle zieht.

Was er einmal gepackt hat, lässt er nicht mehr los. Seine Oberfläche schillert wie ein Regenbogen. Schmutz fällt von ihm ab wie bei einer Lotosblüte. Nach der Begattung raubt das Weibchen den Penis des Männchens, damit es sich nicht mit Nebenbuhlerinnen paaren kann. Er wächst aber zum Glück wieder nach.

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Metallgehäuse von amphibischen Blitzgeräten sind aber nicht notwendigerweise robuster und langlebiger als solche aus Kunststoff. Kunststoff, wenn es der richtige für den beabsichtigten Zweck ist, wird meistens etwas unterschätzt. In Asien und in den USA werden amphibische Kunststoffblitzgehäuse schon seit eh und je akzeptiert.

Vorurteile dagegen konnten sich mehr oder weniger gar nicht bilden. Kunststoffgehäuse lohnen sich allerdings erst ab größeren Stückzahlen. Dann jedoch mit dem Vorteil, dass man die Gehäuse sehr individuell gestalten kann und der Preis in moderaten Grenzen bleibt. Allen Kunststoffgehäusen ist gemein, dass sie sich zum Laden der Akkus oder Wechseln den Batterien öffnen lassen. Vergleicht man das Gewicht von Metallblitzgeräten mit Kunststoffblitzgeräten gleicher Leistungsentfaltung und ähnlicher Kapazität, stellt sich weder für die eine noch die andere Konfiguration ein nennenswerter Vorteil heraus.

Allenfalls haben Kunststoffblitzgeräte im Einzelfall nicht so viel Abtrieb. Pflegearm sind beide Typen. Man sollte den Kunststoff aber nicht mit chemischen Mitteln reinigen und ihn auch etwas vor UV-Einflüssen schützen. Die Alterung von Kunststoffen sollte ebenfalls kein Hindernis für den Kauf sein. Dieser Fakt ist nämlich bei modernen Materialien eher als nebensächlich zu bewerten. Es sind Fälle bekannt, da sind Kunststoffblitzgeräte seit über 20 Jahren ohne Störung und Undichtheit in regelmäßigem Gebrauch.

Üblicherweise besitzen Amphibienblitzgeräte neben dem ON/OFF-Schalter immer auch diverse manuelle Einstellungen von Leistungsstufen. Meistens 4 Stück (1/1; 1/2; 1/4; 1/8). Gut ausgestattete Modelle bieten auch Einstellungen von 1/16; 1/32 und sogar 1/64 der vollen Leistungsabgabe.

Das ist wichtig bei leistungsstarken Geräten, weil man sonst beim Blitzen mit digitalen Kompaktkameras im höheren Empfindlichkeitsbereich (z. B. ISO 200 oder 400) Probleme mit der korrekten Blitzbelichtung bekommen kann. Denn bei den meisten dieser Kameras endet die kleinste Blende bei 5,6, was immer noch einer relativ großen Öffnung entspricht. Die Leistungsabgabe 1/128 findet man selten, es gibt aber auch Systemblitzgeräte, die solche Minimalleistungen abgeben können.

Auf den Schalttafeln der amphibischen Blitzgeräte finden sich auch Positionen wie eine Sklavenblitzsteuerung (kombinierbar mit den manuellen Leistungsstufen), dimmbare oder schaltbare Leistungsstufen für Pilotlampen, ein SOS-Blinksignal (kann Leben retten, wenn man sich vertaucht hat oder abgetrieben worden ist!) und immer auch eine Schalterstellung für die TTL-Blitzsteuerung.

Selbst im Zeitalter der digitalen Bildbearbeitung kann es von Vorteil sein, wenn man am Amphibienblitzgerät einen Schalter zum Einstellen diverser Kelvinzahlen (Subtronic) findet. Kelvin bedeutet hier die Dimension der Farbtemperatur des Blitzlichtes. Warmes Blitzlicht (4500 K bis 5200 K) hat den Vorteil, dass sich das Licht über größere Motivdistanzen (1 m bis 1,5 m) nicht so weit abkühlt, als dass man den erhöhten Blauanteil kaum noch visuell ertragen kann. Wer nämlich mit JPEG fotografiert, kann ja nachträglich den Weißabgleich nicht mehr ändern, ist also auf die passende Farbtemperatur des Blitzlichtes angewiesen.

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Wenn man weiß, wie es geht, sind solche Bilder nicht schwer zu gestalten. Wichtig ist, dass man sich einen Vordergrund sucht, der fotogen ist. Das Anblitzen der Weichkorallen kann dann sogar mit der TTL-Blitzautomatik geschehen. Mit der Blende steuert man die Wasserfarbe dahin gehend, dass die Partnerin als deutliche Silhouette zu sehen ist.


 
Nicht immer sind die Schalter so geschaffen, dass man sie mit Handschuhen gut bedienen kann. Hier findet man oftmals kuriose Lösungen, die etwas praxisfremd anmuten. Insbesondere, wenn das Cockpit des Amphibienblitzes so klein ist, dass man Mühe hat, die Einstellungen flott auszuführen.

Wichtig kann sein, dass die Schalttafel bei Nacht, wenn man das Pilotlicht zum Suchen von Motiven hernimmt, beleuchtet ist. Sonst kann man den Amphibienblitz nur mit Mühe bedienen, wenn Einstellungen geändert werden müssen. Amphibische Luxusblitzgeräte verwöhnen ihre Besitzer noch mit einer Lasereinstellung (zum Ausrichten des Blitzes) und einem Testschalter. Letzterer gewährleistet die Funktionstüchtigkeit des Blitzgerätes, wenn über ihn ausgelöst wird.

Immer häufiger findet man auch amphibische Blitzgeräte mit Kapazitäts-Anzeigen. Ein wichtiger Part, der auch hilft, die Akkus zu schonen, denn man muss sie nicht immer nach jedem Tauchgang aufladen. Dadurch vermeidet man den gefürchteten Memory-Effekt, der die Akkus ihrem Ende nahe bringt, weil diese langsam aber sicher ihr Kapazitätsvermögen verlieren. Spezielle Features wie die prozentuale Anzeige der Blitzlichtabgabe gestatten nur wenige Modelle (z. B. Seaflash von Seacam).

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Seegurken besitzen mitunter sehr zerklüftete Manteloberflächen, in denen sogar Kleintiere wie winzige Krabben und Garnelen leben. Asiaten essen Seegurken süßsauer eingelegt, gedünstet oder gegrillt … manchmal auch als Suppeneinlage. Europäer können sich für diese Meeresfrucht nur selten begeistern.


 
Fischaugen sind faszinierende Makromotive. Allerdings kann man solche Bilder nicht von allen Fischen machen. Still liegende Grundfische wie dieser Krokodilfisch sind dafür besonders prädestiniert. Fuji Finepix S2 Pro mit 100-mm-Makroobjektiv und Amphibienblitzgerät mit TTL-Blitzsteuerung.

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Über die Akkukonfiguration gehen die Meinungen und Ansichten noch immer auseinander. Kleine Amphibienblitzgeräte werden häufig so konstruiert, dass man sie mit Mignonzellen betreiben kann. Das hat handfeste Vorteile, weil man Batterien oder Akkus dieser Handelsgröße überall auf der Welt kaufen kann.

Wer sorglos fotografieren will, sollte sich Lithium-Mignon-Zellen zulegen. In manchen Blitzgeräten kann man damit über 600 Mal auslösen, bis die Kapazität erloschen ist. Obwohl sie unter dem Strich deutlich teurer sind als andere Batterien und in wirtschaftlicher Hinsicht schon gar nicht mit Mignonakkus mithalten können, ist ihr Kauf eine Überlegung wert. Grund ist, dass man die Amphibienblitzgeräte nicht so häufig zum Laden oder Batterietausch öffnen muss.

Das schafft Sicherheit, denn jedes Öffnen ist mit der Gefahr verbunden, dass eines oder mehrere Sandkörner an der Dichtung des Batteriefachs fest haften und für eine Undichtheit sorgen können. Und wenn man das nicht bemerkt, weil man in Eile ist oder das Umgebungslicht so schlecht ist, zieht das Blitzgerät Wasser. Auch wenn die meisten Batteriefächer gegen die eigentliche Elektronik abgedichtet sind, ist Wassereinbruch im Blitz immer eine üble und meistens auch teure Geschichte.

Insbesondere, wenn es sich um Salzwasser handelt. Dann frisst es die Kontakte zusammen, die Elektronik kann zu einem Kurzschluss neigen, und im Weiteren kann zu einer Verpuffung kommen, durch die das Blitzgehäuse einen Riss bekommen kann. Das war’s dann. Weil sich solche Vorfälle immer dann ereignen, wenn man im Urlaub ist und Ersatz kaum aufzutreiben ist, empfehlen Fachleute, besser zwei kleine Amphibienblitzgeräte mitzunehmen als einen einzigen großen. Bei einem Ausfall kann man dann wenigstens mit dem verbliebenen Kleinblitzgerät noch Nah-und Makroaufnahmen machen.

 
Schalttafel eines modernen und leistungsfähigen Amphibienblitzes von Subtronic mit drei Blitzbuchsen für unterschiedliche Synchronkabelanschlüsse und +/- Korrektur für die TTL-Blitzsteuerung. Für Einsteiger mag die Bedienung etwas verwirrend und kompliziert sein, einem versierten UW-Fotografen bieten sich aber kreative Möglichkeiten der Blitzbelichtung.

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Wahrheit und Mythos

UW-Leitzahl, Farbtemperatur und Ausleuchtwinkel hängen untrennbar miteinander zusammen. Selbstverständlich gilt das auch für Systemblitzgeräte. Man kann keinen dieser Parameter nennenswert ändern, ohne dass das Einfluss auf die anderen beiden hat. Die UW-Leitzahl nimmt zu, wenn das Blitzlicht kälter wird. Und ab, wenn es wärmer wird.

Denn warmes Licht ist nicht so energetisch wie kaltes. Man kann das zwar durch eine erhöhte ISO-Empfindlichkeit ausgleichen, aber hüben wie drüben gibt es Grenzen. Zu warmes Licht (unterhalb von 4200 K) ergibt im Nahbereich süßliche Farben, die man zwar mit der Weißabgleichskorrektur in RAW egalisieren kann, doch JPEG-Fotografen bekommen Farbtöne, die nicht mehr als natürlich angesehen und auch kaum korrigiert werden können.

Die UW-Leitzahl hängt unmittelbar auch mit dem Ausleuchtwinkel zusammen. Man kennt diesen Zusammenhang von den Zoomreflektoren der Systemblitzgeräte. Dort wird der Ausleuchtwinkel in Abhängigkeit der Brennweite automatisch eingestellt und damit auch die Leitzahl verändert. Wird der Reflektor bzw. die Stab- oder Ringblitzleuchte in den Blitz zurückgezogen, verringert sich der Ausleuchtwinkel und damit steigt die Leitzahl an. Umgekehrt nimmt der Ausleuchtwinkel zu und die Leitzahl verringert sich.

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Anemonengarnelen leben zwischen den nesselnden Tentakeln, ohne selbst Schaden zu nehmen. Die Anemone gewährt dem Untermieter Schutz, Dieser reinigt die Anemone dafür von Schmutzteilchen und Schmarotzern. Die große Schärfentiefe kommt nicht allein von der kleine Blende, sondern auch vom kleinen Bildsensor der Olympus E3, der eine relativ starke Vergrößerung bei moderatem Abbildungsmaßstab ermöglicht.


 
Anemonenmund! Nah- bzw. Makroaufnahmen können mitunter nicht immer gedeutet werden. Insbesondere dann nicht, wenn das Motiv sehr stark vergrößert wiedergegeben wird. Anemonen sind Fleischfresser, die alle Tiere erbeuten und verschlingen, die von den nesselnden Tentakeln gelähmt werden. Wenn die Tentakel lang sind, benötigt man zwei Blitzgeräte, die rechts und links am Frontport des UW-Gehäuses platziert werden müssen, um das Fressorgan schattenfrei ausleuchten zu können.

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Amphibische Blitzgeräte besitzen keinen automatischen Zoomreflektor, weil die Elektroniken von Kamera und Blitzgerät nicht komplett miteinander kommunizieren. Es gibt aber Modelle, bei denen man die Ringblitzröhre manuell verschieben kann. Eigenartigerweise hat sich das bewegliche Reflektorsystem nicht durchgesetzt. Anders das Domeglas.

Bei amphibischen Blitzgeräten gehört es praktisch zur Standardausrüstung. Je größer der Ausleuchtwinkel, desto kleiner die UW-Leitzahl. Das ist Fakt. Deshalb ist viel Fantasie dabei, wenn Hersteller von amphibischen Blitzgeräten mit traumhaften Ausleuchtwinkeln werben und dabei monströse UW-Leitzahlen versprechen, dass sich ob dieser Dreistigkeit die Balken biegen. Übrigens: Zwischen Planglas und Domeglas kommt es wegen der Strahleneinengung zu Leitzahlendifferenzen, die im Bereich von einer Blende liegen können. Zugunsten des Planglases.
Auch die maximale Leistungsabgabe hat praktische Grenzen. Davon abgesehen, dass man sie nicht mehr in dem Maße benötigt wie zu analogen Zeiten, spielt auch die Blitzdauer eine nicht unerhebliche Rolle. Die großen Ringblitzröhren in Amphibienblitzgeräten benötigen bestimmte Zeiten, um die maximale Blitzleistung nach außen zu bringen.

Wenn die Abbrenndauer in Richtung 1/60s geht, dann kann nicht mehr die volle Leistung abgerufen werden, wenn die Synchronzeit 1/125 s oder kürzer beträgt. Diese Probleme gibt es an Land eher nicht, unter Wasser sind sie aber manchmal die Ursache für unterbelichtete Bilder, die sich nicht erklären lassen.

Nicht salonfähig sind unter Wasser sog. Kurzzeitsynchronisationen. Also Blitzen mit Verschlusszeiten jenseits von 1/500 s. Es liegt vordergründig daran, dass man zumindest auf Weitwinkelbildern die natürliche Wasserfarbe (blau oder grün) im Hintergrund sehen will. Und das geht mit extrem schnellen Synchronzeiten nicht.

Um das auszugleichen, müsste man wiederum mit sehr hohen ISO-Zahlen arbeiten, was einerseits mit Vollformatsensoren und relativ geringen Pixelzahlen möglich wäre, aber andererseits bei den amphibischen Blitzgeräten auf technische Hindernisse stoßen wird, weil sie nicht für alle hohen ISO-Einstellungen geeignet sind. Überbelichtungen sind dann sowohl im Automatikbetrieb als auch manuell nicht nur zu befürchten, sondern Realität.

 
Wenn man ein einziges Amphibienblitzgerät einsetzt, sollte man eine zentral-mittige Blitzposition wählen. Insbesondere dann, wenn Nahaufnahmen gemacht werden. Hier war aber alles vergebens. Der Fisch, ein Döbel, suchte nach diesem Kurzbesuch das Weite.

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Als einzige Kamerafirma produziert Olympus auch eigene Amphibienblitzgeräte. Sie sind voll und ganz auf die hauseigenen UW-Gehäuse und D-SLRs abgestimmt.

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Kommentare
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Portrait von alcea
  • 16.12.2014 - 16:58

informativ, nur das Sexualverhalten des Bobbit-Wurms würde ich nocheinmal besser recherchieren.

Portrait von photon38
  • 08.02.2013 - 13:15

super hilfreich, danke!

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 08.12.2009 - 19:46

die bilder sind der wahnsinn... ich freue mich schon auf den umstieg auf ne dslr unterwasser

Portrait von tomcat13
  • 07.08.2009 - 17:25

wie immer bin ich begeistert

Portrait von Tom321
  • 22.05.2009 - 07:08

Tolle Welt ist die Unterwasserwelt. Bin jedes Mal über die Vielfalt begeistert. Auch die Blitztechnik holt viele Farben heraus. Vielen dank

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 21.05.2009 - 22:41

Was es nicht alles schönes zu entdecken gibt in der Unterwasserwelt!:-)

Portrait von Goerkie
  • 19.05.2009 - 23:36

Schönes Tutorial und schöne Bilder! Dankeschön!

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 18.05.2009 - 16:40

interessante welt da unten,..wobei ich so richtig begeistert bin von tiefseeaufnahmen,...

Portrait von maribor
  • 18.05.2009 - 13:39

wie immer genial !!!!!!!!!!!!

Portrait von Sibulan1
  • 16.05.2009 - 11:32

Danke, tolles Tut, gut erklaert mit Blitzsteuerung

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