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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 18 - Reef-Art - die surreale Kunst im Meer

Unterwasserfotografie - Teil 18 - Reef-Art - die surreale Kunst im Meer

Riffe sind die Regenwälder der Meere. Nirgendwo auf unserem Planeten sind die Lebensgemeinschaften so eng miteinander verflochten, gibt es mehr Tiere in einem Lebensraum, bewegen sich die Lebewesen dreidimensional, herrscht Schwebezustand und Akzeleration. Pflanzen sind selten im Meer. Neben Algen findet man nur noch Seegras und niedere Herbivoren. Alles andere, was Schnorchler und Taucher entdecken, sind Tiere. So auch Korallen, die man aber wegen ihrer Komplexität und ihres abnormen Aussehens auch Blumentiere nennt. Viele Lebensgemeinschaften im Meer sind noch weitgehend unerforscht. Wer profitiert von wem und warum? Viele Symbiosen werden zurzeit von der Wissenschaft überdacht, weil man Zweifel hegt, ob es letztendlich nicht einseitige Abhängigkeiten sind, aus denen nur einer Nutzen zieht.

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Manches sieht man nur einmal im Leben. Dieser seltsamen Anemone begegnete der Fotograf im abgelegenen Sangihe-Talaud-Gebiet weitab der Zivilisation in der nördlichsten Provinz Indonesiens. Sie mutet an wie das surreale Gemälde eines Expressionisten. Fuji FinePix S2Pro mit 105-mm-Makroobjektiv.

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Kunst im Verborgenen. Dieses seltsame Gebilde ist ein Teil des Telsons (Schwanzflosse) einer kleinen Rifflanguste. Nicht einfach zu fotografieren, denn die Tiere ziehen sich meistens nach kürzester Zeit in ihre Höhlen zurück. Kein Bildausschnitt, sondern real mit der Fuji FinePix S2Pro fotografiert.

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Riffe gelten seit jeher als die Malkästen der Uferregionen. Die Farbzusammenstellungen sind oft wie gewürfelt, absurd und nicht nachvollziehbar. Weshalb, so fragen sich Ichthyologen, gibt es rote Fische in Tiefen, wo keiner die Farbe Rot erkennen kann? Wasser hat die unangenehme Eigenschaft, die Spektralfarben des Sonnenlichtes auszufiltern.

Deshalb bleibt das im Sonnenspektrum langwellige Rot als erste Farbe bereits nach 5 m Wassertiefe auf der Strecke. Und weil Rot als Signal- und Erkennungsfarbe sowie emotionale Colorierung eine bedeutende Rolle im visuellen Empfinden der Menschen spielt, müssen Unterwasserbilder bereits in geringen Tiefen mit Kunstlicht aufgehellt werden.

Macht man das nicht, werden die Motive von der Eigenfarbe des Wassers überdeckt und bekommen je nach Gewässerart einen Blau- oder Grünstich.

 
Teil der Brustflosse eines Rotfeuerfisches. Es müssen einige Faktoren zusammen kommen, sonst kann ein solches Bild nicht umgesetzt werden. Der Fisch muss die Brustflosse so spreizen, dass sie zur Sensorebene parallel steht. Schon geringste Verschiebungen ergeben sichtbare Schärfeneinbußen und man muss den Versuch abbrechen. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv plus Telekonverter.

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Bei kaum einer Fotodisziplin spielen die Farben eine so dominante Rolle wie unter Wasser. Das liegt primär an den visuellen Eindrücken, die man bekommt, wenn man geblitzte Nah- und Makroaufnahmen betrachtet. Muster, Strukturen, Grafiken und absonderlich gewachsene Korallenarten ringen dem Auge Bewunderung und Erstaunen ab. Die Natur als Künstlerin, das Meer als Hort extremer Farben und Formen.

Noch findet die Wissenschaft jährlich neue Meereslebewesen sowie unbekannte Korallen und Schwämme. Aber der Lebensraum Meer ist bedroht. An den Küsten durch die dichte Besiedelung infolge ausufernder Megastädte und noch schlimmer durch Überfischung mit Schlepp- und Treibnetzen.

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Reef-Art kann zu Rätselbildern führen. Dieses Muster gehört zur Oberfläche einer tropischen Scholle. Reste von Sand vermischen sich mit der Schuppenstruktur und bilden eine ungewöhnliche Tarnung. Das Tier ist auf dem Meeresboden kaum auszumachen. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv + Telekonverter und zwei Kleinblitzgeräten.


 
Weshalb diese Farben? Wir wissen es nicht, denn kein Lebewesen kann sie in natura sehen. Pilzkorallen verblüffen immer wieder mit ihren bunten Oberflächen, die scheinbar nur sinnlos schön sind. Sehr zur Freude der UW-Fotografen, wenn sie dieses Naturschauspiel erkennen. Nikon D50 mit 60-mm-Micro-Nikkor.

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Ungeachtet dessen findet der fotografierende Tauchurlauber abseits der Touristenburgen und Rummelstrände immer noch unbekanntes Terrain mit exotischen Motiven, die ihresgleichen suchen. Die größte Auswahl bieten die Riffe Südostasiens. Sie sind etwas schwer zu erreichen und deshalb in den weitgehend unzugänglichen Gegenden nahezu jungfräulich erhalten.

 
Ein Großteil der tauchenden Fotografen und Fotografinnen fotografiert solche Objekte ausschließlich mit digitalen Spiegelreflexkameras (Canon, Fuji, Nikon, Olympus, Pentax) und diversen Makroobjektiven, wobei die Priorität weniger auf einer extensiven Megapixelzahl liegt als vielmehr auf einer sauberen Signalverarbeitung, besten Linsen und einem wenig sichtbaren Rauschen.

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Bärenkrebs in einem Schwamm. Fast wäre der Fotograf an ihm vorbei geschwommen, so getarnt lag er in seinem Versteck. Es war schwierig, ihn abzulichten, weil die Schwammöffnung nicht besonders groß war. Aber er hat mehrere Versuche geduldig über sich ergehen lassen. Olympus E-520 mit 50 mm, belichtet wurde mit zwei Kleinblitzgeräten.


 
Reef-Art ist Meereskunst. Der Fotograf setzt fotografisch nur um, was das Meer bereits geschaffen hat. Neben der Problematik, diese Motive gekonnt zu fotografieren, besteht eine besondere Schwierigkeit darin, sie zu finden. Unter Wasser herrschen gemeinhin extremere Lichtverhältnisse als an Land mit teilweise großen Kontrasten, diffusen Stimmungen, Trübstoffen und schrägen Lichtstrahlen. Man sieht quasi die Welt mit anderen Augen. Außerdem bewegt man sich frei schwimmend bzw. treibend im dreidimensionalen Raum.

Deshalb sind alle Situationen weniger kontrollierbar als an Land. Fotografische und taucherische Erfahrung, gepaart mit einem vernünftigen Ehrgeiz und etwas Glück sind die Parameter einer erfolgreichen Unterwasserfotografie. Damit unterscheidet sie sich abgesehen vom Medium wenig von der Ausübung an Land.

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Diese Schnecke weidet den Untergrund ab, über den sie kriecht. Die extreme Frontalperspektive lässt das Tier ungewohnt groß erscheinen, aber auch mystisch. Erforderlich ist eine tiefe Kameraposition, damit die Bildwirkung angehoben wird. Sigma SD 14 mit 100-mm-Makroobjektiv.


 

Augen auf

Die Augen von Fischen gehören zu den beeindruckendsten im Tierreich. Schon immer war das Verlangen der UW-Fotografen groß, diese Sehorgane aus nächster Nähe zu fotografieren. Fischaugen wirken oft wie lebende Edelsteine, in denen sich das Blitzlicht bricht.

Ihr Status ist ein ganz besonderer, weil er oft von einer Grafik aus Haut und Schuppen umgeben ist. Bei nahezu jeder Fischaufnahme, ob Porträt oder kreativ gestaltet, sollte das Auge scharf abgebildet sein.

Ein Dogma, an dem man nicht rütteln kann, denn der Mensch ist ein visuelles Wesen, das beim Betrachten von Fischaufnahmen eben diesem Organ besondere Aufmerksamkeit schenkt. Sie können sich dabei selbst testen, es ist so. Nur bei extremen Frontalaufnahmen ist man großzügiger.

Das Meer ist ein Künstler, der das Riff als Atelier benutzt. Diese Komposition ist ein Teil der Manteloberfläche einer Mördermuschel. Auch, wenn man seit Jahrzehnten taucht, ist man immer wieder verblüfft, welche Farbzusammenstellungen die Evolution unter Wasser hervor gebracht hat. Niemand kennt ihren Sinn und Nutzen. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv plus Telekonverter.

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Fischaugen als eigene Disziplin zu fotografieren ist eine besondere Herausforderung. Welcher Fisch lässt einen so nah an sich heran? Am Tag sicher nicht oder nur selten. Bei kleinen Fischen stößt man an praktische Barrieren, weil die Abbildungsmaßstäbe, die dafür erforderlich sind, meistens nicht umgesetzt werden können.

Die besten Chancen hat man in der Nacht, wenn die Fische schlafen bzw. ruhen. Man kann aber auch mal am helllichten Tag das große Los ziehen. Kreiert wurde diese Art der UW-Fotografie vom amerikanischen UW-Fotografen Christopher Newbert Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts. Newbert hat aus der Reef-Art eine Kultfotografie gemacht und unzählige Nachahmer gefunden. Aber nur wenige haben sein Format erreicht und konnten an seine Klasse anknüpfen. Manche haben auch einen eigenen Stil entwickelt.

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Das Auge eines Papageienfischs. Fotografieren kann man es nur in der Nacht, wenn der Fisch in einer Riffspalte liegt und schläft. Bemerkenswert ist, dass sich das Tier während seiner Ruhephase weder durch den Taucher noch durch das Blitzlicht stören ließ. Der Fisch pennte selenruhig weiter.


Dieses Bild wurde ausnahmsweise nicht digital fotografiert, sondern mit der bis 100 m Tiefe druckfesten SLR Nikonos RS mit 50-mm-Makroobjektiv und 2-fach-Telekonverter gemacht. Die zugehörigen UW-Objektive sind die besten Linsen, die man unter Wasser einsetzen kann. Alle UW-Fotografen wünschen sich, dass in absehbarer Zeit eine Kamerafirma eine wasserdichte D-SLR auf den Markt bringen möge. Zeit wäre es, denn die Pixelzahlen sind hoch genug und die Bildqualitäten genießen professionellen Status.


 
Das perfekte Fischaugenbild zählt zweifellos zur hohen Schule der UW-Fotografie. Die Fotoausrüstung umfasst in der Regel ein langbrennweitiges Makroobjektiv (100 mm bezogen auf Kleinbild), einen Ringblitz bzw. eine Ringleuchte oder einen Zangenblitz. Viele UW-Fotografen verlängern die Brennweite mit Telekonvertern, um eine akzeptable Fluchtdistanz und genügend Raum für Blitzlicht oder Dauerlicht zwischen UW-Gehäuse und Motiv zu schaffen. Fischaugen sind kugelförmig.

Bei manchen Fischen stehen sie wie kleine Ping-Pong-Bälle aus dem Schädel. Bei zu großer Nähe kann es passieren, dass die Schärfentiefe nicht ausreicht, das Auge mit seiner Umgebung komplett scharf abzulichten. Hier sind Kameras mit dem Four-Thirds-System (Olympus, Panasonic) wegen der größeren Schärfentiefe von Vorteil. Es geht aber genauso gut mit APS-C und Vollformatbildsensoren. Man muss nur den Objektabstand etwas vergrößern, dann steigt die Schärfentiefe an.

Wenn die Bildqualität gut ist und die Pixelzahl genügend hoch ausfällt, sind auch moderate Bildausschnitte möglich. Man sollte es aber hinsichtlich der Detailvergrößerung nicht übertreiben, weil die Aufnahme insgesamt sichtbar darunter leidet.

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Bukett aus Seescheiden und Schwämmen. Wie solche Gebilde entstehen, ist noch weitgehend ungeklärt. Tatsache ist, dass sich Seescheiden und Schwämme - beide sind ja Tiere – gegenseitig akzeptieren und anscheinend in engem Verbund leben können. Nikon D80 mit 60-mm-Micro-Nikkor.


 

Tipps

1. Das Fischauge sollte den UW-Fotografen anschauen. Wenn die Augen weggerollt sind (Fische können das sehr gut!), wirkt das Bild nicht.

2. Manche Fischaugen sind schwarz. Wegen der fehlenden Kontraste im Sehorgan kommen solche Aufnahmen nicht rüber. Sparen Sie sich den ganzen Aufwand.

3. Sie können das Auge mancher Fische im Goldenen Schnitt platzieren, wenn der Kopf so groß ist, dass man gut gestalten kann.

4. Die Schärfenebene sollte immer durch eines der beiden Augen gehen.

5. Normalerweise lichtet man Fischaugen parallel zur Sensorebene ab. Sie können aber davon abweichen und leicht von vorne oder von oben fotografieren. Auch hochformatige Darstellungen machen sich gut.

 
Weltweit soll es über 500 Steinkorallenarten geben. Genaue Zahlen kennt man nicht. Viele sind noch unbestimmt, jährlich werden neue entdeckt. Wer mit wachen Augen über ein Riff schwimmt wird immer wieder eigenartigen Formen und Farben begegnen, die sich perfekt für Stilllebenbilder eignen. Fuji FinePix S2 Pro mit 105-mm-Makroobjektiv.

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Kein Maler könnte es so perfekt gestalten. Was hat sich die Natur dabei gedacht? Kann es sein, dass die Evolution Spaß am Gestalten hat? Der Mantel dieser Tridacna ist ein Gemälde, wie es schöner nicht sein könnte. Eine der schönsten Muscheln, die der Fotograf je in den Weiten der Meere gesehen hat. Olympus E-330 mit 50-mm-Makroobjektiv.

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Grafische UW-Fotografie

Der Begriff „grafische Gestaltung“ wird vielen UW-Fotografen – wenn nicht gar fremd – so doch häufig ein Buch mit sieben Siegeln bleiben. Wer fotografiert unter Wasser auch mit Hingabe Strukturen, gibt es doch genügend andere Motive, die man nicht erst entdecken muss … bunte Fische, farbige Korallen oder geheimnisvolle Wracks.

Um aus der Masse der UW-Fotografen gestalterisch und mit neuen Ideen herauszuragen, muss man neue Wege gehen, sich der Still-Life-Fotografie und der Grafik widmen, ungewöhnliche Bildformen entwickeln - es einfach anders machen als die anderen.

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Oft muss man tief in die Geheimnisse der Meerestiere eindringen, um solche Szenen zu sehen. Auf der Oberfläche der giftigen Dornenkronen (Seestern), leben diese winzigen Garnelen. Sie finden dort Schutz und säubern dafür ihren Wirt. Olympus E-330 mit 50-mm-Makroobjektiv plus Telekonverter.


 
Grafisches Sehen muss allerdings erlernt werden, denn Grafik will entdeckt werden. Strukturen muss man fühlen und erahnen, Linien, Flächen und Farben müssen gedanklich verarbeitet werden, während man durch die Unterwasserwelt schwebt. Dies bedingt, dass man sich mit den Motiven mental auseinandersetzt, sich auch dem augenscheinlich Nebensächlichen widmet.

Vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, ist eine geläufige Redensart, trifft aber unter Wasser den Kern des Ganzen. Genau genommen bauen alle Bilder, auch UW-Aufnahmen, auf den vier Grundelementen der Grafik auf. Jedermann kennt sie, doch kaum einer nimmt sie so richtig wahr.

Es sind dies:

1. die Linie
2. die Fläche
3. das Muster
4. die Farbe

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Man fragt sich, was es sein soll und weshalb das Objekt so und nicht anders aussieht? Welcher Künstler hat diese Steinkoralle geschaffen? An dieser Stelle erinnere ich die Leser an das unheilvolle Dynamitfischen, das noch in vielen Teilen der Welt praktiziert wird. Durch diesen sinnlosen und zerstörerischen Nahrungserwerb werden solche Blumentiere oft für immer vernichtet. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv.


 
Tarnung gleich Kunst und Kunst gleich Tarnung? Im losen Untergrund von Vulkangestein haben sich viele Tiere darauf spezialisiert, nicht gesehen zu werden. Unbeweglich lauern sie auf Beute, wie dieser Krokodilfisch. Aber auch, um nicht selbst gefressen zu werden. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv.

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Aquarell in der Höhle. Stachelaustern leben in Spalten, unter Überhängen und in Grotten. Sie besitzen sehr farbiges Mantelfleisch, das man aber nur fotografieren kann, wenn das Tier seine Schalen geöffnet hat.

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Schon beim geringsten Wasserdruck schließen diese und die Farbenpracht weicht einer grau-braunen Kapsel. Wie die Farben und Muster entstehen und warum es sie in dieser Art und Weise gibt, bleibt ein Rätsel. Sigma SD 14 mit 105-mm-Makroobjektiv.


 
Linien unter Wasser zu finden ist für ungeübte Fotografen ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Im Meer hat man damit zweifelsohne seine Schwierigkeiten, denn in einem Riff finden sich nicht immer dominante Linien, die einem sofort ins Auge fallen würden. Am ehesten trifft man dieses grafische Element an einem Wrack.

Zur typischen Liniengrafik gehören Kleintiere auf einer Peitschenkoralle, die man diagonal ins Bild setzen kann. Linien findet man zuhauf in heimischen Gewässern an Wasserpflanzen (Schilfrohre, Wasserstängel) und auch an ins Wasser hängenden Ästen umliegender Bäume. Oder an versunkenen Bäumen selbst, die wie Pipelinerohre auf dem Grund liegen. Raffiniert ist daran, dass es hybride Motive sind, denn sie stammen aus der Überwasserwelt.

Zur Linienführung verleiten auch hochstehende Schwämme. Einzelexemplare können 2 m und mehr messen. Linien sind das einfachste grafische Element, das man unter Wasser findet. In der stilistischen Bescheidenheit liegt aber oft die expressionistischste Aussagekraft.

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Auge im Riff? Es ist das Sehorgan eines großen Anglerfischs. Seine Oberfläche ist zerschrammt sowie von Flecken und Verunreinigungen übersäht, manchmal wachsen sogar Algen darauf. Aber das stört ihn nicht, seine Tarnung ist sein Kapital. Kleine Fische knabbern an ihm herum und werden, wenn sie dem Maul zu nahe kommen, mit explosionsartiger Saugkraft in den Schlund gezogen. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv.


 
Erst bei einigem Nachdenken wird einem vermutlich klar, dass man die Fläche eigentlich nie als grafisches Element angesehen und deshalb auch nie bewusst gesucht hat. Flächen im Meer wirken auf UW-Fotografen wohl eher abschreckend, weil man damit die Kahlheit und Einöde von Sand- oder Schlammflächen verbindet.

Aber das ist eine fehlgeleitete Einbildung. Sandflächen sind ein ungemein gehaltvoller und abwechslungsreicher Lebensraum vieler Bodenbewohner. Auch, wenn man keine Tiere ins Bild integrieren kann, so können doch Lichtspiele im Flachwasser mit ihren Dispersionserscheinungen (Aufspaltung des Lichts in seine Spektralfarben) zu ungemein spannenden Aufnahmen führen. Gefühlte Flächen finden sich aber auch im dicht bewachsenen Riff, wenn gleiche Korallenarten ganze Rasen bilden. Diese Bilder können, wenn sie mit dem entsprechenden Objektiv (Weitwinkel, Fisheye) gemacht werden, sehr beeindruckend sein.

Wenn man sie mit einem Taucher im Hintergrund koppelt, wird nicht selten ein aussagestarkes Bild daraus. Die größte und meist übersehene Fläche im nassen Element ist die Wasseroberfläche. Wer schaut auch schon nach oben, wenn er endlich mal unten ist. Und genau das ist der Fehler.

An der Wasserober- bzw. Wasserunterfläche spiegelt sich die gesamte UW-Welt, wenn man in einem Winkel von mindestens 48,5° zur Senkrechten nach oben schaut. Man nennt dieses optische Phänomen „Totalreflexion“. Zur besseren Bewältigung dieser einzigartigen Darstellung benötigt man üblicherweise ein Weitwinkel, denn je größer der Bildwinkel, desto mächtiger kommt die Totalreflexion zur Geltung. Die hohe Kunst der Abbildung von Totalreflexionen ist aber deren Gestaltung mit dem Makroobjektiv.

 
Steinkorallen in der Sulusee! Die weißen Polypen sind geöffnet, um Plankton einzufangen. Viele Taucher schwimmen an diesen Blumentieren achtlos vorbei. Dabei sind es Wunder der Natur, deren eigenartiger Wuchs immer noch Rätsel aufgibt. Leider sind viele Korallenriffe wegen der Erderwärmung in ihrem Bestand gefährdet. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv.

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Voraussetzung ist, dass man den Atem anhält, denn ausperlende Luft zerstört das Spiegelbild und ergibt eine verzerrte Kopie der Unterwasserwelt. Gleiches gilt für Wellenbewegungen. Dann ist keine homogene Wasseroberfläche vorhanden und deshalb auch keine glatte Spiegelung möglich. Solche Szenen können aber trotzdem optisch sehr wirkungsvoll sein und sind deshalb nicht unbedingt verunglückten UW-Aufnahmen gleichzusetzen.

Muster vereinen im Prinzip alle grafischen Elemente in sich. Sie gehören somit zu den komplettesten Gestaltungsmitteln, die es gibt. Muster sind in sich regelmäßig wiederkehrende Motive gleicher geometrischer bzw. farblicher Art. Manche UW-Fotografen haben aus der gelegentlichen Musterfotografie eine Passion gemacht.

Das Suchen nach Mustern unter Wasser kann süchtig machen. Kaum irgendwo auf der Welt sind sie so explizit ausgeprägt wie im Korallenriff und auf Fischschuppen. Den auffälligsten Mustern begegnet man in der Welt der Steinkorallen. Fast alle Steinkorallen wachsen nach vorgegebenen Strukturen.

In der Masse bilden sie Flächen mit gleichen oder ähnlichen Mustern, die modernen Grafiken oder Radierungen gleichen. Manche zeigen streng geometrisch gezogene Linien, die einem imaginären Zentrum zustreben. Muster finden sich aber auch bei vielen UW-Bewohnern. Seesterne bilden in ausgebreitetem Zustand selbst ein Muster. Manche Seegurken besitzen eine reliefartige Oberfläche.

Auch Seeigel gehören zu den Mustermachern, wenngleich man das nicht explizit sehen kann. Wenn Muster fotografiert werden, man kann das übrigens auch als Schnorchler, sind Schlagschatten zu vermeiden. Bildausschnitte sind so zu wählen, dass keine übermäßige Beschneidung der grafischen Harmonie auftritt. Muster wirken immer am besten, wenn sie gleichmäßig ausgeleuchtet sind, ein kleiner Lichtverlauf von links nach rechts oder von oben nach unten kann aber nicht schaden.

 
Wie sehen Seesternkissen von unten aus? Symmetrisch streben die Arme ins Zentrum, wo der Mund sitzt. Obwohl dieser Teil des Tieres normalerweise immer mit Sand oder Korallen Kontakt hat, hat die Unterseite doch Farbe, Kontur und Grafik. Ist also sehenswert und faszinierend. Seesterne sind Räuber, die andere Lebewesen überfallen und fressen. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv.

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Im Zusammenhang mit der grafischen UW-Fotografie zählt das Element Farbe zu den komplexesten Bausteinen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Feststellung, dass die Farben der Natur als gegeben hingenommen und häufig auch als schön empfunden werden, während Farbzusammenstellungen bei Kleidung und Einrichtungsgegenständen einem Diktat unterliegen. Ein blaues Hemd zu grüner Hose kommt in modebewussten Kreisen nicht gut an. Ebenso rote Socken zu gelben Schuhen.

Dieselben Leute empfinden aber eine grüne Koralle im blauen Meer als Augenweide und einen roten Fisch vor einer gelben Koralle mehr als aufregend. Schon aus diesem Grund sind die Farben der UW-Welt unter einem anderen Blickwinkel und mit anderen Emotionen anzusehen. So wenig sich Komplementärfarben (im Farbkreis gegenüberliegende Farben) im täglichen Leben vertragen, in der Natur und insbesondere unter Wasser sind sie faszinierend und unwirklich schön.

Die Farben der Natur können nur in den seltensten Fällen durch den Menschen verbessert werden. Deshalb sollte man bei der Bildbearbeitung von UW-Aufnahmen sehr dezent vorgehen. Man kann allen UW-Fotografen und solchen, die es werden wollen, nur den Rat geben, so zu fotografieren, dass so wenig wie möglich nachbearbeitet werden muss, also auf eine natürliche Farbgebung zu achten. Alles, was schrill und überzogen ist, kann man nicht lange betrachten, weil man sich daran quasi tot sieht.

Die psychologische Wirkung von Farben darf nicht unterschätzt werden. Nicht umsonst ordnet man bestimmten Farben gewisse Gefühle zu, die von warm über kalt bis beruhigend und aggressiv reichen können. So kann nicht bestritten werden, dass die Wirkung farblicher Grafiken von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfallen kann. Abhängig ist das sowohl von der Stimmungslage und der Sensibilität als auch vom Nervenkostüm und der seelischen Verfassung.

 
Korallenfächer sind immer wieder attraktive Objekte, an denen man die grafische UW-Fotografie üben kann. Es sind verschwenderische Farben und Formen, die sich kein Mensch erklären kann. Viele Meeresforscher sind mittlerweile der Ansicht, dass man nicht alles verstehen muss. Manches ist so, weil die Natur es, möglicherweise zufällig, so vorgesehen hat. Fuji FinePix S2 Pro mit 60-mm-Mikro-Nikkor.

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Wracks vor der Linse

Wracks gehören wie Riffe zur Unterwasserwelt. Wie viele versunkene Schiffe weltweit in den Meeren ruhen, weiß niemand, es sind Abertausende. Die meisten liegen so tief, dass man sie mit sporttaucherischen Mitteln nicht erreichen kann. Die, zu denen man hinabtauchen kann, sind geheimnisvolle und mystische Stahlberge, deren Geschichte oft unheimlich anmutet.

Fast alle Wracks sind kleine Riffe im Meer. An ihnen sammelt sich das Leben, auch wenn sie fernab der Küste auf Sandgrund liegen. Die dunklen Hohlräume ziehen große und kleine Fische magisch an. Hier finden sie Schutz vor Feinden, aber auch Deckung, um Beutetiere aus dem Hinterhalt zu greifen. Deshalb sind Wracks immer ein ganz besonderes Terrain für UW-Fotografen.

Das hat nichts mit den Schiffen an sich zu tun, in die man ohne erfahrene Begleitung tunlichst nicht hineintauchen sollte, sondern mit ihrem Status als motivliche Fundgrube.

 
Zu den eigenartigsten Lebewesen im Meer gehören die Schwämme. Hier in einer Gemeinschaft mit rosa Seescheiden. Schadet die Besiedelung den Schwämmen oder nützt sie ihnen? Wer profitiert von wem? Die Löcher im Schwamm dienen zur Nahrungsaufnahme. Wasser wird eingesogen und nach Nahrungsbestandteilen gefiltert. Fuji PinePix S5Pro mit 60-mm-Mikro-Nikkor.

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Ein Wrack kann man in Gänze nur mit starken Weitwinkelobjektiven und Fisheyelinsen ablichten. Das ist eine Tatsache, an der man nicht vorbeikommt. Und es ist auch nur möglich, wenn das Wasser klar ist. Die unglaubliche Motivfülle zeigt sich aber im Detail. Der Korallenbewuchs ist an Wracks, wenn gelegentlich leichte Strömung herrscht und das versunkene Schiff nicht von allzu vielen Tauchern regelmäßig besucht wird, meistens sehr üppig.

Nicht selten findet man Korallen- und Schwammformationen, wie sie an einem Riff nicht gedeihen können. Ein gesunder Bewuchs lockt Fische und andere Kleintiere an. Wenn man ein Faible dafür hat und das Wrack nicht zu tief liegt (max. 40 m), kann man sich für kurze Zeit auch der Nah-und Makrofotografie mit ihren grafischen Strukturen widmen.

Wracks entpuppen sich dabei des Öfteren als wahre Motivbomben im grafischen Bereich. Man sollte sich deshalb beim Wracktauchen hin und wieder mal für den Einsatz von Makroobjektiven entscheiden.

Manchmal kann man Objekte ablichten, die man an einem Riff nie entdeckt hätte. UW-Fotografen mit zwei Kameragehäusen können unbedenklich beide mitnehmen und eines gefahrlos auf Deck ablegen. Man findet es immer wieder, denn Wracks besitzen anders als Riffe eine systematische Oberflächenanordnung.

 
Auf dem Oberdeck eines Wracks fotografiert. Das Arrangement besteht aus Korallen, Schwämmen und Seescheiden, die willkürlich den Untergrund in Besitz genommen haben. Die Schwierigkeit solches zu sehen, liegt im dämmrigen Umgebungslicht. Farben kann man in diesen Tiefen nur im Scheinwerferlicht erkennen.

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Tödliche Schönheit. Blauring-Oktopus auf rotem Schwamm. Reef-Art heißt auch, zu sehen, wo Kontraste sind, sich malerische Motive auftun und Farbkompositionen zu Eyecatchern werden. Das Gift des Blauring-Oktopus lähmt die Nerven. Man nimmt alles wahr, kann sich aber nicht artikulieren. Wenn die Lähmung auf die Atemmuskulatur übergreift, erstickt man bei vollem Bewusstsein. Fuji FinePix S2Pro mit 60-mm-Mikro-Nikkor.

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Kunst im Riff. Dieses Ornament trug ein Seesternkissen auf dem Rücken. Reef-Art ist ein eigener Zweig der UW-Fotografie, der aber nicht von allen UW-Fotografen praktiziert wird. Denn dazu ist es erforderlich, dass man die Kunst der Natur erkennt. Das geht nur, wenn man gut und sicher tauchen kann und ein geschultes Auge besitzt. Olympus E-3 mit 50-mm-Makroobjektiv plus Telekonverter.

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Kommentare
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Portrait von Suttel
  • 27.03.2014 - 08:06

Sehr hilfreich und interessant, danke!

Portrait von RdF

RdF

  • 01.04.2010 - 22:30

Phaszinierende Aufnahmen!!!

Portrait von Tom321
  • 17.09.2009 - 08:29

Allein die Bilder sind schon gigantisch, und dein Tutorial rundet das noch ab. Vielen Dank

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 01.08.2009 - 19:59

Tolle Farben, faszinierende Bilder!

Portrait von buntermacher
  • 30.07.2009 - 18:53

Herbert!
Vielen Dank für diese beindruckenden Bilder.
Kann mich den vorangegangen Kommentaren nur anschließen.
Weiter so.
Lecker Groetjes

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 30.07.2009 - 17:00

Da kommen doch sofort wieder die Wünsche nach dem nächsten Tauchurlaub auf.
Sehr gut gelungene Bilder. Lob und Anerkennung.

Portrait von Sibulan1
  • 30.07.2009 - 15:23

Danke, ganz tolle proffessionale Bilder und toll erklaert.

Portrait von Inlinerider
  • 30.07.2009 - 12:25

atemberaubend, was das meer versteckt, diese welt ist für mich neu

bin ganz neidisch ;)

Portrait von mayhardcastle
  • 30.07.2009 - 11:36

sensationelle bilder in einem tollen tutorial!

Portrait von Proezler
  • 27.07.2009 - 16:56

Wunderschöne Fotos, da bekommt man doch riesen Lust das mal selbst zu erleben.

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 27.07.2009 - 09:03

1 A!!!
Sehr schöne Fotos!

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