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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 12 - Fisheyeworld: wenn die Unterwasserwelt zur Kugel wird

Unterwasserfotografie - Teil 12 - Fisheyeworld: wenn die Unterwasserwelt zur Kugel wird

In der Überwasserfotografie gehören Fisheye-Objektive nicht unbedingt zur Standardausrüstung. Nur die wenigsten Fotografen gelüstet es, damit zu arbeiten. Zu extrem sind die Bildwinkel, zu extrovertiert sind die Abbildungen, zu ungewohnt die Bildeindrücke. Unter Wasser ist das anders. Da gehören Fisheyes zumindest bei einem Teil der qualitätsbewussten und engagierten Spiegelreflex-Fotografen zu den erstrebenswerten Optiken, weil sich damit Sinneseindrücke einfangen lassen, die sich normalen Brennweiten verschließen und auch nicht mit Superweitwinkel-Objektiven realisieren lassen.

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Große Korallen lassen sich durchaus mit dem Fisheye ablichten. Ausleuchten sollte man mit zwei Blitzgeräten, damit sich keine Schlagschatten bilden. Man muss lernen, solche Motive zu sehen. Und man muss ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Objekte auf den Bildern wirken. Olympus E-3 mit 8-mm-Fisheye.

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Ihren Namen haben Fisheyes (dt. Fischaugen) von den kugelförmigen Frontlinsen, die ähnlich einem Fischauge hervorstehen und genau wie diese einen enorm großen Bildwinkel erfassen. Unter Wasser gelangen die ersten Fisheye-Aufnahmen dem Amerikaner Flip Schulke Ende der 60er Jahre des letzen Jahrhunderts. Fotografiert hat er mit einer rund zeichnenden Optik Killerwale (Orcas).

Die Aufnahmen waren zur damaligen Zeit eine Sensation und gingen um die Welt. Allerdings war das Sensationelle an den Abbildungen nicht die Fisheye-Darstellung, sondern die ersten verwertbaren UW-Aufnahmen der gefürchteten Killerwale, denen man damals alles zutraute, nur nicht, dass sie einen am Leben lassen würden, sollte man zu ihnen ins Wasser gehen.

Das Problem, unter Wasser Fisheye-Bilder zu gestalten, lag in früheren Zeiten nicht primär am Objektiv selbst, obwohl dessen Anschaffung für Normalverdiener und Hobby-Fotografen nicht gerade ein Schnäppchen war. Die Krux war das Domeglas am UW-Gehäuse. Es sollte exakt einer Halbkugelschale nachgebildet sein, in den Dimensionen zum UW-Gehäuse passen und auch noch bezahlbar sein. Das war zumindest in den 70er Jahren für die Meisten ein unüberwindbares Hindernis. Auch, wenn der Gehäusebauer willig war, bekam er so gut wie keine angemessen große Halbkugelschale zu einem akzeptablen Preis.

Der Markt gab das einfach nicht her, weil die Nachfrage zu gering war. In ihrer Verzweiflung griffen fisheyeverrückte UW-Fotografen und Gehäusehersteller zu halbkugeligen Geräteabdeckungen, wie man sie an Schiffsbauinstrumenten finden konnte. Ideal war das nicht, denn die Halbkugelschalen waren aus Kunststoff und alles andere als optisch perfekt. Lufteinschlüsse, ungleiche Wandstärken und ungesicherte Lieferungen waren die ständigen Begleiter solcher Bestellungen.

Zur damaligen Zeit stellte man notgedrungen fest, dass man mit Fisheye-Objektiven auch durch stark gewölbte Frontgläser fotografieren konnte, eine exakte Halbkugelschale also nicht unbedingt erforderlich war. Diese Erkenntnis wird noch heute angewendet. Zwei Bedingungen müssen aber erfüllt sein:

a) Die Blende sollte mindestens auf den Wert 5,6, besser auf 8 geschlossen werden, damit sich die Rand- und Vordergrund-Unschärfen in Grenzen halten.

b) Die Platzierung des Objektivfrontglases muss so erfolgen, dass das Frontglas der Optik so weit im Port liegt, dass es nicht zu Vignettierungen kommt.

 
Fisheye-Objektive eignen sich sehr gut für Effekte und Experimente. Hier hält das Model ein Blitzgerät in der Hand, das durch den Lichtimpuls des Masterblitzes am UW-Gehäuse des Fotografen gezündet wird. Zeit, Blende und Lichtstärke sind Erfahrungs- und Gefühlssache. Die Blitzautomatik versagt hier. Fuji Finepix mit 10,5-mm-Nikon-Fisheye.

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Als einzige Einschränkung muss man in Kauf nehmen, dass der 180°-Winkel nicht mehr vollständig genutzt werden kann. Es sind dann bestenfalls 170°, was sich aber visuell überhaupt nicht bemerkbar macht, weil diese geringe Bildwinkelbeschneidung keine Relevanz besitzt. Die technische Definition stuft Objektive als Fischaugenoptiken ein, wenn ihre perspektivische Abbildung nicht der gnomonischen Projektion entspricht, sondern sphärisch ist. Deshalb verzeichnen Fisheyes nicht, denn sie sind so gerechnet, dass alle Linien oder Geraden, die nicht durch den Bildmittelpunkt führen, torsionsartig wiedergegeben werden.

Ein Objektiv verzeichnet nur dann, wenn seine Abbildung anderen Gesetzen folgt als denen, für die es gerechnet wurde. Fisheye-Objektive verzerren aber, wenn man die Motive sehr nah ablichtet. Dann wird der Vordergrund überproportional groß abgebildet und der Hintergrund schrumpft extrem zusammen. Diese Darstellung, an Land nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, ist unter Wasser hin und wieder gewünscht.

Aber nicht nur wegen der absonderlichen Abbildung, sondern Fisheyes lassen wegen des gigantischen Bildwinkels und der daraus resultierenden Verkleinerung des Hintergrundes alle Trübstoffe etwa um den Faktor 600 schrumpfen. Außerdem kann man mit diesen Sonderoptiken den Motiven buchstäblich bis zum Gehäusefrontglas auf die Pelle rücken … sofern sie es gestatten.

Und das hat wiederum Vorteile, weil die Wassermasse vor dem UW-Gehäuse klein gehalten werden kann, was wiederum den Farben, der Brillanz und der Bildschärfe zu Gute kommt. Zusätzlich verringert sich wegen der Objektnähe die Anzahl der Schwebeteilchen. Fisheye-Objektive sind deshalb aus der gehobenen UW-Fotografie beim Ablichten von UW-Landschaften, Tauchern, Großfischen und Wracks nicht mehr wegzudenken.

 
Canon Fisheye-Objektiv für das Vollformat. Man kann es auch an APS-C-Kameras verwenden, allerdings schrumpft dann der Bildwinkel um mehr als 70°.

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Fisheye-Objektive mit equisolidangle Projektion

Es sind die Fisheyes, die man auch als Überwasserfotograf eventuell in Betracht zieht, wenn man sich für diese Monsterbildwinkel zu interessieren beginnt. Die equisolidangle Projektion ist eine flächentreue Darstellung der Umwelt. Man bezeichnet damit Fischaugenobjektive, deren Bildwinkel diagonal von Formatecke zu Formatecke 180° beträgt.

Das Bild des Sensors wird ergo vollständig genutzt. Diese Art der Fisheye-Darstellung gibt es serienmäßig seit Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Initiatoren waren die Firmen Asahi Pentax und Minolta. Später gab es diese Objektive für Kleinbildkameras auch von Canon, Nikon und Olympus mit teilweise unterschiedlichen Brennweiten.

Als einziger Fremdhersteller hat sich Sigma in diesen Bereich mit sichtbarem Erfolg vorgewagt und ist heute der weltweit größte Hersteller von Fisheye-Objektiven für die unterschiedlichen Sensormaße. Und das liegt zum einen daran, dass die Preise moderat sind. Man kann sich eine solche exaltierte Optik durchaus mal leisten. Zum anderen aber auch daran, dass es diese Objektive von Sigma mit verschiedenen Bajonettanschlüssen (Canon, Nikon, Pentax, Samsung, Sigma, Sony) zu kaufen gibt.

 
Elefantenohren-Schwamm in Indonesien! Partielle Ausleuchtungen sind mit Bildwinkeln von 180° diagonal sehr gut zu meistern. Blende etwas schließen, damit das Motiv optisch isoliert wird.

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Für Vollformatsensoren betragen die Brennweiten 14 mm bis 17 mm. Z. B. Sigma-Diagonal-Fisheye 15 mm oder Nikon-Diagonal-Fisheye 16 mm. Für APS-C-Sensoren sind Brennweiten von 10 bis 11 mm erforderlich. Z.B. Sigma-Diagonal-Fisheye 10 mm oder Nikon-Diagonal-Fisheye 10,5 mm. Pentax hat keine Fisheye-Festbrennweite im Programm, sondern offeriert ein 10-17-mm-Diagonal-Fisheye-Zoom, ebenso der Fremdhersteller Tokina.

Für das Four-Thirds-System bietet Olympus ein 8-mm-Diagonal Fisheye mit 180° Bildwinkel an, das exzellente Abbildungsleistungen gewährleistet. Insbesondere bei Gegenlicht zeigen sich nur selten bunte Dispersionsflecken.

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Kleines Wrack im Roten Meer! Erst mit dem Taucher wird aus dem Bild eine sehenswerte Aufnahme. Gut auch, dass der Blick des Partners nicht zur Kamera geht. Dadurch vermeidet man den Eindruck einer gestellten Szene, was sie natürlich letztendlich aber doch ist.


 
Die gewollte tonnenförmige Distorsion durch vollformatige Fisheyes an den Rändern des Sensorformates ist einerseits auf die mathematische Beziehung des Bildpunktabstandes und andererseits auf die daraus resultierenden Bildwinkelrelationen zurückzuführen. Diagonal: 180°; horizontal 137°; vertikal 86° passend für Vollformatsensoren. Bei APS-C-Kameras hängt der Bildwinkel vom Crop-Faktor ab. Nur ein speziell auf die Bildsensorgröße abgestimmtes Fisheye erreicht hier auch die gewünschten 180°.

Wer sich das Diagonal-Sigma-Fisheye für das APS-C-System zulegt, muss wissen, dass er nicht mit jeder Kamera auf den berühmten 180°-Bildwinkel kommt. Nur mit Nikon, Pentax und Samsung D-SLRs ist das möglich, weil diese Kameras einen Crop-Faktor von 1,5 besitzen. An einer Canon mit Crop 1,6 beträgt der Bildwinkel 167° und an einer Sigma D-SLR mit Crop 1,7 nur noch 154°.

Das ist zwar auch noch sehr viel, aber eben nicht mehr der 180°-Knaller, wegen dem man ein solches Objektiv schlussendlich kauft. Allerdings, und das muss man den größeren Crop-Faktoren zugutehalten, ist die Ausleuchtung mithilfe von ein oder zwei Blitzgeräten nicht so kompliziert. Und auch die Wölbung der Linien an den Formaträndern kommt nicht so extrem zur Geltung. Insofern muss eine solche Kaufentscheidung im Einzelfall nicht unbedingt falsch sein.

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Wer den 180°-Bildwinkel unter Wasser ausnutzen will, muss als Frontglas am UW-Gehäuse eine Glashalbkugel verwenden.


 
Um Geld zu sparen, montieren viele Fotografen an ihre APS-C-Kameras noch aus der Kleinbildzeit vorhandene Fisheye-Objektive. Das kann man machen, die Bildqualität ist nicht mal schlecht. Auch, wenn die Optik schon älter ist. Die Krux ist aber der diagonal geschrumpfte Bildwinkel. Liegt Crop 1,5 (z. B. Nikon, Pentax oder Sony) vor, kommt man auf einen Bildwinkel von 114°.

Bei Crop 1,6 (Canon) sind es nur noch 106° und mit einer Sigma-D-SLR gerade mal 98°. Von Fisheyefotografie kann mit solchen Kombinationen also keine Rede sein. Man spart hierdurch allerdings die Anschaffung eines Superweitwinkels, wenn einen die gemäßigte fisheyeähnliche Darstellung nicht stört. Unter Wasser ist das ohnehin unerheblich. Außerdem fährt der reduzierte Bildwinkel die Fisheye-Rechnung auf ein optisch erträgliches Maß zurück. In den USA verwenden viele UW-Fotografen diese Kombinationen für Haiaufnahmen.

 
Taucherin mit Döbel in einem Rhein-Nebenarm. Mensch und Fisch auf einem Bild ist immer ein Hingucker, weil solche Bilder erfahrungsgemäß sehr schwierig sind. Man weiß ja nie wie der Fisch reagiert und wohin er schwimmt. Bei mäßiger Sicht führt am Fisheye kein Weg vorbei. Dies betrifft insbesondere heimische Gewässer, wo man nicht immer mit guter Transparenz rechnen kann.

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Anders als bei Superweitwinkel-Objektiven mit gnomonischer Projektion ist der Randlichtabfall von equisolidangle Fisheyes trotz der gewaltigen 180° Darstellung nicht mit dem gefürchteten Randlichtabfall behaftet. Die unisono in Retrofokus-Bauweise gebauten Diagonal Fischaugenobjektive sind nur mit dieser Konstruktion an einer Spiegelreflexkamera zu verwenden. Würde man sie auf herkömmliche Weise konzipieren, könnte man den Mattscheibensucher nicht zur Einstellung verwenden, weil die Hinterlinse an den Spiegel stoßen würde.

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Es war auf den Molukken im Sultanat Halmahera, als dieser riesige Schwarm von Doktorfischen vor der Kamera auftauchte. Eine Wand aus Fischen mitten im Meer. Zum Glück war das Fisheye montiert, so konnte ich in den Schwarm hinein schwimmen und einige Bilder machen. Doktorfische heißen so, weil sie kurz vor der Schwanzflosse eine kleine rasiermesserscharfe Verwachsung besitzen, die sie bei Gefahr als Waffe einsetzen, indem sie damit nach dem Gegner schlagen. Tauchern gegenüber sind sie meistens friedlich. Canon EOS 5D mit 15-mm-Sigma-Fisheye.


 

Fisheye-Objektive mit äquidistanter Projektion

Rundzeichnende Fischaugenobjektive, wie sie im normalen Alltag und auch unter Wasser verwendet werden, bilden nach einer bestimmten Gesetzmäßigkeit ab. Man nennt diese Darstellung äquidistant oder abstandstreu.

Äquidistant abbildende Fisheye-Optiken werden auch Zirkular-Fisheyes genannt. Der Bildwinkel beträgt diametral 180°. Ihr Einsatz prädestiniert sie vornehmlich für spezielle fotografische Anwendungen in Wissenschaft, Forschung, Verkehrsplanung, Rohrnetzüberwachung und in der Himmelsmechanik. Manchmal auch für Überwachungsmaßnahmen in Firmen, Großmärkten, Parkplätzen und Strafanstalten.

In der üblichen Amateurfotografie spielen sie eher eine Außenseiterrolle, weil sie den meisten Fotografen zu teuer und zu suspekt sind. Gleiches gilt für die UW-Fotografie. Hinzu kommt, dass viele UW-Fotografen und wohl auch die an Land, mit einer runden Abbildung weder mental noch praktisch zurechtkommen. Entsprechend selten sieht man solche Aufnahmen.

 
Die Seekühe vor Florida nennt man Manatees. In der kalten Jahreszeit ziehen die Tiere vom Meer in die nahe gelegenen Quelltöpfe, um dort zu überwintern. Dann kann man sich ihnen problemlos nähern und sie fotografieren. Allerdings muss man auf Behördenanweisung schnorcheln, um die friedlichen Pflanzenfresser nicht zu belästigen. Wenn ihnen nämlich der Trubel mit den Tiernarren zu groß wird, lassen sie sich auf den Grund sinken, um dort zu entspannen. Aufgenommen mit einer Fuji Finepix S2Pro, 10,5-mm-Fisheye und zwei Subtronic-Mini-Blitzgeräten. Die Belichtung wurde so vorgenommen, dass der Himmel mit den Wolken nicht zu hell wiedergegeben wird.

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Misst man auf einer äquidistanten Fisheye-Aufnahme den Abstand zweier Punkte ab, kann man über die zugehörige Äquivalenzformel unmittelbar auf den Winkel zurückrechnen, der die Lichtquellen voneinander trennt – oder umgekehrt.

Erscheinen beispielsweise bei einer Brennweite von 8 mm zwei Lichtquellen im Abstand von 60° zur optischen Achse, sind sie auf dem Vollformatsensor 7,5 mm voneinander entfernt.

Bei einer Brennweite von 6 mm wären es 10 mm. Umgekehrt kommt man bei einer Brennweite von beispielsweise 7,5 mm und einem Bildpunktabstand von 12 mm zweier voneinander entfernt liegender Lichtquellen auf einen Zenithwinkel von 90°.

 
Zitronenhai auf den Bahamas. Man sagt, dass sie harmlos sind, aber das ist relativ. Das Gebiss gleicht einem Reißwolf und kann, wenn die Begegnung schief läuft, ziemlich hässliche Wunden verursachen. Die Fische am Bauch des Hais sind Schiffhalter. Sie reisen mit dem Räuber durch die Weltmeere, ernähren sich von den Abfällen seiner Beutetiere. Wie man explizit sehen kann, verjüngt sich der Fischkörper nach hinten. Dies ist die perspektivische Darstellung, die sich aus der geringen Motivdistanz ergibt, wenn mit einem Fisheye fotografiert wird.

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Auf die Anwendung in der Praxis haben solche Rechenspielchen allerdings keinen relevanten Einfluss. Man könnte aber bei Bedarf auf die echten Distanzen zurückrechnen. Und Sie sollten wissen, warum solche Optiken einst entwickelt wurden. Die Historik der rund zeichnenden Fisheye-Objektive geht bis in die Anfänge der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts zurück.

Für Großbildkameras entwickelte AEG um das Jahr 1952 ein Zirkular-Fisheye, mit dem Wissenschaftler Himmelsmessungen und Planetenberechnungen vornahmen. Es war nach heutiger Kenntnis das erste Fischaugenobjektiv der Welt. Als Pionier kann sich auch Nikon fühlen. Zur Adaption an Mittelformatkameras (Format 6 cm x 6 cm) gab es vom japanischen Kamerahersteller 1958 ebenfalls ein rund zeichnendes Fisheye.

Als sich der in Tokio ansässige Kamerahersteller 1960 anschickte, die erste firmeneigene Spiegelreflexkamera auf den Markt zu bringen, ließ auch das erste rundzeichnende Fisheye für eine Kleinbildkamera nicht lange auf sich warten. 1962 war es dann so weit. Nikon präsentierte ein Zirkular-Fisheye mit Lichtstärke 1 : 8 und einer Brennweite von 8 mm. Auf der Grundlage dieser Konstruktion entstanden dann später mit gleicher Brennweite die verbesserten Nachfolger.

Zuerst mit Lichtstärke 1 : 5,6, später mit Lichtstärke 1 : 2,8. Letztere Optik galt als das lichtstärkste Zirkular-Fisheye seiner Zeit und wurde mit nur geringen Modifikationen bis Mitte der neunziger Jahre gebaut.

 
Becherschwamm fotografiert mit einem Original Nikon Fisheye-Vorsatz an einer Nikon-Coolpix. Auch bei kritischer Betrachtung sieht man zumindest am PC wenige Unterschiede zu einem Fisheye an der D-SLR. Schärfe und Abbildungsleistung sind für Hobbyfotografen mehr als akzeptabel.

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Den Bildwinkelknaller schlechthin warf Nikon in den frühen siebziger Jahren auf den Markt. 1972 schockte die kameratechnische Edelschmiede die fotografische Elite mit dem Fisheye-Nikkor 1:5,6/6 mm. Es war das erste und bis heute auch einzige Objektiv, das auch nach rückwärts schauen konnte. Sein Bildwinkel von 220° ist bis heute unerreicht.

Konstruiert wurde es für eine Firma, die damit Pipelines und Rohre überwachen ließ. Das nur auf Bestellung und gegen eine entsprechende Anzahlung lieferbare Objektiv kostete damals die ungeheuerliche Summe von 25 000 DM (12 500 Euro).

Der Glasriese wog bei einem Frontlinsendurchmesser von 23,5 cm satte 5,2 kg, der Bildgrößendurchmesser auf dem Kleinbildformat maß 21,6 mm. Es ist bis heute das einzige Fisheye, das subjektiv nicht an die Kamera, sondern die Kamera an das Objektiv montiert wird.

Man mag es kaum glauben, aber betuchte UW-Fotografen versuchten sich mit dieser Monsteroptik tatsächlich in der UW-Fotografie. Mit wechselndem Erfolg, aber hin und wieder beeindruckenden Shots. Nur eines geht auch mit dieser Optik unter Wasser nicht. Nach hinten fotografieren. Der größte Bildwinkel liegt auch damit bei maximal 180°.

 
8-mm-Zirkular-Fisheye von Sigma für das Vollformat. Von Sigma gibt es ebenfalls ein 4,5-mm-Zirkular-Fisheye für APS-C-Bildsensoren. Zirkular-Fisheyes zeichnen runde Bilder, die aber nicht Jedermanns Geschmack treffen, weil sich auch nicht jedes Motiv dafür eignet.

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Die siebziger und achtziger Jahre waren, was zirkulare Fisheyes anbelangt, konstruktiv und quantitativ sehr ergiebig. Sowohl über als auch unter Wasser. Es gab zu dieser Zeit keinen namhaften Kamerahersteller, der nicht eine solche Optik im Angebot gehabt hätte. Der Fisheye-Boom war in allen Magazinen spürbar. Der spanische Starfotograf Francisco Hidalgo konnte sogar eine Stadtreportage über Paris mit runden Bildern verkaufen.

In der Unterwasserfotografie war ebenfalls die Neigung zu runden Bildern vorhanden, obwohl nur sehr betuchte UW-Fotografen diesen Weg gehen konnten. In Darmstadt entstand unter der Ägide des bekannten Gehäuseherstellers Wulf Köhler eine Schutzhülle für die Mittelformatkamera Rolleiflex mit riesigem Domeport für das 6 x 6 Zirkular-Fisheye. Eine fast unbezahlbare Gerätschaft, mit der aber erstmals Bilder nach oben gebracht wurden, die man so vorher noch nie gesehen hatte.

Auf den Malediven zog der bekannte UW-Fotograf Herwarth Voigtmann alle Register mit einem 8-mm-Zirkular-Nikkor und fotografierte damit Haie in sensationellen Actionszenen. Sogar für die wasserdichte Kleinbildkamera Nikonos wurden spezielle Fisheye-Gehäusevorsätze entwickelt.

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Mit dem Zirkular-Fisheye wird die Unterwasserwelt zur Kugel. Die Perspektive ist atemberaubend, die Darstellung ungewohnt, jedoch mehr als interessant. Schwierig ist die Ausleuchtung, die man ohne Fisheye-Erfahrung nicht in den Griff bekommt. Canon EOS 5 D mit 8-mm-Sigma-Zirkular-Fisheye.


 
Dann auf einmal kippte der Trend. In den neunziger Jahren gab es nur noch wenige UW-Fotografen, die sich mit runden Darstellungen beschäftigten. Und mit dem Aufkommen der digitalen Fotografie wurde praktisch das Totenglöcklein für die Zirkularen geläutet. Zumindest für einige Jahre. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich Sigma wieder als einziger und möglicherweise letzter Objektivhersteller mit zirkularen Fisheye-Objektiven.

Es gibt sie für Vollformatsensoren (8 mm F3,5 EX DG Cirkular-Fisheye) und neuerdings auch für APS-C-Kameras (4,5 mm F 2,8 EX DC Circular-Fisheye HSM). Passend für Canon, Nikon, Pentax, Samsung, Sigma und Sony. Neben den Sigma-Zirkularobjektiven gibt es nur noch eine Alternative von Canon, das 8-mm-Fixfokus-Circular für Vollformat und Kleinbild.

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Runde Bilder kann man nur machen, wenn das Domeglas am UW-Gehäuse keine Sonnenblende besitzt. Aber Achtung! Man stößt, wenn man nicht aufpasst, an Korallen und Steine und das gibt Kratzer und Macken auf dem Glas.


 
Vollformatige oder runde Fisheye-Bilder mit der digitalen Kompaktkamera? Es geht! Spezielle Fisheye-Vorsätze in Verbindung mit dem Kamerazoom machen es möglich.

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Fisheyes mit orthografischer Projektion

Nur wenige Fisheyes in der gewiss nicht armen Fischaugengeschichte wurden nach der winkelgerechten bzw. orthografischen Projektion gebaut. Man verwendet sie ausschließlich im technisch-wissenschaftlichen Bereich. Städteplaner bedienen sich ihrer bei urbanen Beleuchtungsproblemen, Astronomen ermitteln damit Himmelsfaktoren, Geologen und Geodäten gestattet die orthografische Projektion, die Erdoberfläche auf einem zylindrischen Mantel abzubilden.

OP-Objektive haben heute nicht mehr die Bedeutung von einst. Im Laufe der Zeit wurden sie von anderen Messgeräten abgelöst. Noch in den 70er und 80er Jahren hatte Nikon eine solche Optik mit 10 mm Brennweite im Programm. Die Besonderheit der orthografisch abbildenden Fischaugenobjektive ist deren besondere Konstruktion mit einer asphärischen Frontlinse. Infolge dieser Asphäre hat ein OP-Objektiv keinen Randlichtabfall, wodurch alle Objekte gleicher Leuchtstärke in einheitlicher fotografischer Schwärzung auf dem Film oder Bildsensor abgelichtet werden.

Die winkelgerechte Projektion eines Zirkular-Fisheyes erzeugt ein kreisrundes Bild mit 20 mm Durchmesser auf dem Vollformatsensor. Man kann mit OP-Objektiven unter Wasser fotografieren, muss aber berücksichtigen und bedenken, dass OP-Fisheyes nicht als Retrofokus-Konstruktion gebaut werden. Deshalb muss man bei ihrer Verwendung den Spiegel der D-SLR hochklappen, sonst stößt die Hinterlinse an denselben.

Daraus kann man ableiten, dass die optische Kontrolle über das Pentaprisma bzw. den Pentaspiegel nicht möglich ist. Live-View wäre eventuell machbar, aber nur, wenn ein zweiter Bildsensor das Licht auf den Monitor lenkt. Der Schwingspiegel darf aber beim Auslösen nicht heruntergeklappt werden.


Merksätze

1. Fisheyeobjektive für Digitalkameras besitzen alle einen Autofokus (Ausnahme das Fixfokus-Cirkular von Canon), der aufgrund der kurzen Einstellwege sehr schnell reagiert. Es stimmt übrigens nicht, dass Fisheye-Objektive hinter Domegläsern nicht scharf gestellt werden müssen, weil sich das Bild angeblich auf dem Glas spiegelt.

2. Zirkular-Fisheyes können ohne Vignettierung nur hinter einem frei stehenden Halbkugel-Domeglas ohne Sonnenblende verwendet werden. Diese Halbkugelschale sollte aus Mineralglas bestehen, damit sie nicht so schnell zerkratzt wird, wenn man an Korallen und Steinen aneckt.

3. Vorsicht ist beim Einbau in das UW-Gehäuse geboten. Die ungeschützte Frontlinse der Zirkular-Fisheyes kollidiert gern mit Zahnrädern und Hebeln.

4. Rundzeichnende Fischaugenobjektive sind keine Einsteigeroptiken. Wenn man nicht aufpasst, fotografiert man seine Flossen mit ab und auch herunterhängende Instrumentenkonsolen. Auch Schnorchel, die hinter dem Maskenband stecken, können sich ins Bild stehlen, wenn sie nach vorne geneigt sind.

5. Die Belichtung ist nicht ganz einfach, weil in der Regel immer helle und dunkle Stellen gleichzeitig belichtet werden müssen. Erfahrungsgemäß neigen Zirkularbilder zu Überbelichtungen. Wer mit RAW fotografiert, kann das egalisieren.

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Der diametrale Bildwinkel von 180° fängt alles ein, auch die Sonne. Dann heißt es abblenden, damit es nicht zu Überstrahlungen im oberen Bildbereich kommt. Der Taucher im Bild sorgt für eine lebhafte Szene.


 
Action im Meer! Die Kunst dabei ist, die vielen Taucher, die sich um den Korallenblock tummeln, nicht alle aufs Bild zu bekommen. Das ist nicht einfach und erfordert nicht nur etwas Geduld, sondern auch eine gute Übersicht über das Geschehen. Die subtile Blitztechnik – Fische durften nicht überstrahlt werden – resultiert aus zwei Blitzgeräten, die manuell ausgelöst wurden.

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Fisheyekonverter

Auch, wer mit einer digitalen Kompaktkamera fotografiert, muss sich nicht ausgegrenzt fühlen. Diverse Anbieter, darunter Kamerafirmen wie Nikon und Fremdhersteller wie Soligor, offerieren solche Vorsätze. Sie werden normalerweise in das Frontgewinde des Kamerazooms geschraubt. Runde Bilder erhält man, wenn man das Zoom auf die kürzeste Brennweite stellt.

Hierzu ist dann allerdings ein UW-Gehäuse mit Domeport erforderlich. Von Jackar (www.enjoyyourcamera.com) gibt es einen Fisheyekonverter mit respektablen Abbildungsleistungen für digitale Spiegelreflexkameras. Er wird hinter dem Domeglas eines UW-Gehäuses installiert.

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Der rote Schwamm macht das Bild zum Eyecatcher. Deutlich auch zu sehen, dass Menschen in der Nähe des Bildrandes perspektivisch in die Länge gezogen werden. Hier kann man es aber noch tolerieren. Lange Beine sind ja attraktiv. Wer runde Bilder plant, muss sich über die Motive und den Bildaufbau Gedanken machen.


 
Es gibt aber auch den Weg wasserdichter Fisheyekonverter, die außen am UW-Gehäuse montiert werden. Hersteller sind Aquamir, Epoque und INON. Zu bedenken ist, dass die Ausleuchtung eines Zirkularbildes (180° diametral) mit zwei Blitzgeräten nicht einfach und auch nicht billig ist.

Da kommt was zusammen, und man muss sich fragen, ob es einem das für eine Digi-Knipse wert ist oder ob man nicht gleich besser auf die D-SLR-Schiene ausweicht, wo Bildqualität und optische Möglichkeiten die Kreativität nicht so beschneiden.

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Sehr beeindruckend wirken Zirkular-Bilder, wenn sie leicht von oben aufgenommen werden. Man läuft dabei allerdings Gefahr, dass man die eigenen Ausrüstungsgegenstände mitfotografiert, wenn sie nach vorne hinabhängen. Wichtig ist, den oder die Partnerin in den freien Raum zu stellen.


 
Steile Perspektive, aber so wirkt das Bild mit dem Hairudel auf den Bahamas. Die Fische waren der Kamera so nah, dass einige mit der Schnauze an das Domeglas stießen und sogar den Fotografen rammten. Gebissen hat aber keiner, doch das weiß man vorher nie. In der Erregung kann das schon mal vorkommen. Haiaufnahmen mit dem Zirkular-Fisheye werden selten gemacht, wie auch dieses Objektiv unter Wasser nur von wenigen UW-Fotografen eingesetzt wird.

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Wenn die UW-Welt rund wird, gerät die UW-Fotografie in einen Grenzbereich, der aber die Blicke auf sich zieht. Durch Zoomen des Kameraobjektivs in die kürzeste Brennweite kann man für wenig Geld bei digitalen Kompaktkameras mit montiertem Fisheye-Konverter zirkulare Welten erschaffen.

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Kommentare
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Portrait von photon38
  • 08.02.2013 - 13:16

super hiflreich, danke!

Portrait von SebastianR
  • 01.03.2010 - 15:07

Super Bilder, mach Spass die Bilder anzuschaun!

Portrait von Blume88
  • 18.04.2009 - 11:49

Echt klasse geworden die Bilder!!:-)

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 17.04.2009 - 19:30

Einfach faszinierende Bilder!

Portrait von ani4ka
  • 17.04.2009 - 17:51

Ausgezeichnete Unterwasser-Bilder! Good Job!

Portrait von tiensche
  • 16.04.2009 - 16:26

Sehr geile Bilder, da schlägt jedes Taucherherz höher ;)

Portrait von kuschelhaseblau
  • 16.04.2009 - 14:47

Super Bilder und Anregungen. Perfect für Taucher.
Danke!

Portrait von ShishaMel
  • 16.04.2009 - 14:02

Klasse, toll gemacht, wie immer :)

Portrait von Rawija
  • 16.04.2009 - 06:47

Wie immer, sehr schönes Tut. Der Zitronenhai und die Seekuh super.

Portrait von klawo
  • 16.04.2009 - 06:45

Wow.. schöne Bilder und sehr gut gemachtes Tut - danke dafür!

Portrait von dolomon
  • 14.04.2009 - 19:58

Ausführlicher Workshop, wer weitermachen will kann dem Autor ja schreiben. Bin selber Taucher (Selbstgebautes Gehäuse für Digi-Camera CANON). Da durch die Taucherbrille sehr eingeschränkte Sicht und technischer Einschränkungen; hier eine Möglichkeit die Unterwasserwelt in Ihrer "Umfassenden" Schönheit zu zeigen.
Enorme Materialkosten und "Unendliche Geduld" zeichnen den Macher aus. Respekt!!!
Gruss Dolomon

Portrait von waer
  • 14.04.2009 - 13:24

Das Bild mit den Seekühen ist echt einmalig, sowas hab ich noch nie gesehen!
Das Tutorial ist auch super gelungen! Weiter so =)

Portrait von j_b_p
  • 14.04.2009 - 10:57

Sehr schönes und ausführliches Tut! Vielen Dank!!!

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