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Tutorialbeschreibung

Unterwasserfotografie - Teil 10 - Und dann hat's Zoom gemacht

Unterwasserfotografie - Teil 10 - Und dann hat"s Zoom gemacht

Variabilität, Flexibilität und Schnelligkeit sind Attribute, die in der UW-Fotografie nur selten so umgesetzt werden können wie auf dem Trockenen. Es liegt an vielen Dingen, weshalb man nicht so agieren kann wie an Land. Wechselobjektive sind schön und gut, aber wenn Wasser das UW-Gehäuse umspült, ist deren Vorteil nicht mehr nutzbar. Selbst, wenn die Kamera wasserdicht wäre - ein Brennweitenwechsel vom Makro zum Fisheye würde sich trotzdem verbieten, weil es nach heutigem Stand der Technik den Tod der Fotogerätschaft bedeuten würde. Gut, dass es Zoomobjektive gibt, die einen etwas vergessen lassen, dass man eigentlich recht hilflos gegen die Unbill des Wassers ist.

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Das 7-14-mm-Olympus-Zoom ist mit diesem Brennweitenbereich nicht nur einzigartig, es ist auch hinsichtlich Abbildungsleistung und Verzeichnung ein absolutes Profiobjektiv. Eine solche Superoptik erfordert ein perfekt angepasstes Domeglas. Olympus E-3 im BS-Kinetics-Gehäuse, ausgeleuchtet mit zwei Subtronic-Mini-Amphibien-Blitzgeräten.

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Normalobjektive findet man in der Grundausstattung einer Kamera nur noch selten. Alle Set-Optiken arbeiten nach dem Prinzip von Zoom-Linsen. Woher das Wort „zoom“ kommt, ist umstritten. Im Englischen heißt es „Summen“ und steht, wenn man Kamerahistoriker fragt, für das summende Geräusch, wenn früher die Brennweite von Filmobjektiven elektrisch verändert wurde. Das hat sich dann im Sprachgebrauch auf Objektive mit variablen Brennweiten übertragen. Weshalb man Zooms auch Vario-Objektive nennt. Das früher gebräuchliche Wort Gummilinse ist veraltet und wird nicht mehr verwendet.

 
Zoomobjektive wurden zuerst an analogen Kameras verwendet. In den ersten Jahren ihrer Präsenz mit mäßigem Erfolg. Unter Wasser hat es lange gedauert, bis sie sich aus dem Mauerblümchendasein gelöst hatten. Der Grund war, dass noch in den frühen 90er Jahren die qualitativen Unterschiede zur Festbrennweite teilweise erheblich waren und man das auch auf den damals verwendeten Diafilmen sehen konnte. Das hat tauchende Fotografen etwas abgeschreckt.

Und dann gab es noch technologische Probleme. Vernünftige Weitwinkel-Zooms waren kaum zu finden, Telezooms wegen der indiskutablen Naheinstellung nicht einsetzbar und Makrozooms selten und teuer. Der eigentliche Durchbruch von Vario-Objektiven kam unter Wasser mit der Massenherstellung digitaler Kompaktkameras und preiswerter UW-Gehäuse. Das ist bis heute so geblieben und wird sich auch nicht ändern. Sowohl an Land als auch unter Wasser.

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Tropische Barbe! Moderne Zoomobjektive können hinsichtlich Schärfe und Brillanz durchaus mit herkömmlichen Festbrennweiten mithalten. Man muss allerdings konstatieren, dass es jenseits von 20 Megapixeln zwischen Festbrennweiten und Zooms durchaus sichtbare Unterschiede geben kann.


 

Zooms in digitalen Kompaktkameras

Sie sind der Wegbereiter einer neuen UW-Fotografie. Spaßbezogen, variabel, trendy … und mit für Hobbyansprüche erstaunlich guten Abbildungsleistungen. Denn die fest eingebauten Zoom-Objektive bieten, weil sie vor dem Bildsensor unverrückbar eingebaut sind, beste Voraussetzungen für einige optische Regeln, die mit einer D-SLR nur mit viel Aufwand zu erreichen sind.

So können die Bildsensoren von digitalen Kompaktkameras nicht verschmutzen, weil der Innenraum nie geöffnet wird bzw. nicht geöffnet werden kann. Bedingt durch die geringe Größe des Bildsensors können die Zooms sehr klein gehalten werden und gigantische Brennweiten überstreichen. In der Regel so extrem, dass eine Verwendung der oberen Werte unter Wasser nicht möglich ist. Wichtig ist der untere Weitwinkelbereich. Aber genau hier hat es Grenzen.

Der maximale Bildwinkel endet fast immer bei 75°, selten bei 80° oder mehr. Es sind ohne Wenn und Aber nutzbare Weitwinkel, aber weil fast immer durch ein Planglas fotografiert wird, reduziert sich der Bildwinkel meistens so stark, dass große Fische oder Taucher kaum noch vernünftig abgebildet werden können. Auch nicht bei extremer Sicht.

 
Extreme Weitwinkelzooms haben mit hellem Sonnenlicht immer mal Probleme. Mit vergüteten Domegläsern kann man den Blooming-Effekt etwas vermindern. Vermeiden Sie Kratzer auf dem Domeglas, denn die streuen das Umgebungslicht.

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Das Zoom in digitalen Kompaktkameras ist zumindest in hochwertigen Kompakten ein sehr akzeptables Objektiv, das unter Wasser im Nahbereich gut mitmischen kann. Sein großer Vorteil liegt auch darin, dass es zum Bildsensor exakt fluchtet und die Zentrierung meistens sehr gut ist. Wenn man es mit Bildausschnitten, hohen ISO-Zahlen und inakzeptablen Motivdistanzen nicht übertreibt, kann man nicht immer erkennen, ob das Bild mit einer D-SLR oder einer Kompakten gemacht worden ist.

In vielen Zooms digitaler Kompaktkameras werkelt ein Bildstabilisator, der sich bei längeren Verschlusszeiten positiv einbringen kann. Weil die Brennweitenverstellung über ein elektronisches Rad geschieht, muss man den gegenüber einer manuell-mechanischen Brennweitenänderung geringen Zeitverlust in Kauf nehmen. Hier ist aber zu sagen, dass wildes Umherzoomen nicht viel bringt. In sehr klarem Wasser kann es möglicherweise Sinn machen, einen Fisch moderat heranzuzoomen.

Meistens wird das aber mit einer sichtbaren Bildverschlechterung erkauft. Besser ist es, sich vorsichtig dem Fisch zu nähern und die Motivdistanz zu verringern. Man kann das nicht oft genug betonen. Die natürliche Wasserfarbe (blau oder grün) zieht sich wie ein Schleier über das Bild und verursacht Farbstiche, die auch mit Bildbearbeitungsprogrammen kaum noch zu eliminieren sind. Jeder, der sich mit Fotografie beschäftigt, weiß, dass das Ausgangsbild gut sein muss, damit die Nachbearbeitung sehr gut werden kann und daraus dann ein tolles Bild entsteht.

 
Petermännchen leben im Mittelmeer und sind mit Vorsicht zu genießen. Ihre Rückenstacheln enthalten ein Gift, das sehr schmerzhaft ist. Insbesondere Badende geraten hin und wieder in den Aktionsbereich dieser Fische, die bei Bedrohung auch angreifen und stechen. Makrozooms mit langer Brennweite sind ideale Objektive zum Ablichten.

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Set-Zooms

Wer eine Einsteiger D-SLR kauft, bekommt die Kamera bis auf wenige Ausnahmen nur noch im Bundle mit einem Standard-Zoom. Der Autor hat einen Fall erlebt, wo die Kamera ohne Set-Zoom teurer war als mit. Da kommt man sich dann vor, als stehe man kurz vor der Einweisung in die nächste Gummizelle. Man sollte das Set-Zoom nicht unterschätzen.

Zwar liefern nur die wenigsten Hersteller ein wirkliches Spitzenobjektiv im Verbund mit einer Kamera aus, doch selbst die einfachsten Kunststoffoptiken verblüffen immer wieder durch ihre praxisnahe Konzeption und die erstaunlich guten Abbildungsleistungen. In der Regel beginnen die Set-Zooms bei einer Brennweite von 28 mm bezogen auf das Vollformat (Bildwinkel von 75°) und enden bei Vollformatbrennweiten je nach Angebot zwischen 70 mm und 90 mm, hin und wieder auch mal mehr.

Damit kann man noch weitgehend sorgenlos durch Planglas fotografieren, ohne befürchten zu müssen, dass sich gravierende Randunschärfen beim größten Bildwinkel breitmachen. Voraussetzung ist aber das Schließen der Blende um 2-3 Werte ab offener Blende. Wenn das Set-Zoom eine Lichtstärke von 1:4 hat, sollte bei der kürzesten Brennweite die Blende mindestens auf 8 oder 11 geschlossen werden. Dies kommt vornehmlich der Randschärfe hinter Planglas zugute.

An der Verzeichnung, die unweigerlich wegen der planparallelen Frontscheibe auftritt, kann man wenig ändern. Das ist aber nicht signifikant problematisch, weil man das an UW-Motiven nicht explizit erkennen kann. Zum Tragen würde der optische Mangel nur kommen, wenn exakte Grafiken bzw. Muster fotografiert werden sollten. Die kommen unter Wasser aber nur selten vor.

 
Nikon-Weitwinkel-Zoom für APS-C-Bildsensoren. Für die kurzen Brennweiten (12 - 15 mm) benötigt man bereits eine gewölbte Gehäusefrontscheibe, sonst kommt es zu Randunschärfen.

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Wichtiger als der gesamte Brennweitenbereich ist beim Set-Zoom die Naheinstellgrenze. Viele der preiswerten Vario-Objektive, insbesondere die für das Vollformat, lassen sich leider nur bis auf 30 cm nah einstellen. Und das ist unter Wasser zu wenig, denn wir müssen die Motivdistanz so klein wie möglich halten.

Wünschenswert sind Naheinstellgrenzen bis hinab auf 20 cm. Und die gibt es meistens nur für APS-C-Kameras. Hier hat Sigma preiswerte Standardzooms als Pfeile im Köcher, die sehr empfehlenswert sind. Die kurze Naheinstellung ist wichtig, um auch kleinere Motive ablichten zu können … aber nicht nur. Die Distanzverkürzung hilft auch der Brillanz und der Farbsättigung, was zu einer ungeahnten Bildqualität führt.

Nehmen wir als Beispiel die D-SLRs von Olympus und Panasonic. Zu den Standardobjektiven im Four-Thirds-System gehören nachstehende Zooms mit folgenden Planports:

1.) 14-42 mm 1:3,5 - 5,6 ; Planport PPO-E05 (kleines Objektiv, kurzer Port)
2.) 11-22 mm 1:2,8 - 3,5; Planport PPO-E02 (hinter Planport nicht ideal! Verzeichnungen)
3.) 14-54 mm 1:2,8 - 3,5; Planport PPO-E02 (sehr gute Naheinstellung!)
4.) 14-45 mm 1: 3,5 - 5,6; Planport PPO-E01 (preiswert!)
5.) 14-60 mm; Planport PPO-E01 mit Gehäusezwischenring

Die Planports stammen von Olympus, sind im Allgemeinen von hoher Qualität. Das 11-22-mm-Zoom sollte hinter einem schwachen Domeglas verwendet werden. Man sollte in diesem Fall den Weitwinkelport/Fisheyeport PPO-E04 mit dem Gehäusezwischenring PER-E01 kombinieren. Dann hat man eine formidable Kombination mit wenigen Verzeichnungen an den Bildrändern.

 
Schuppenkarpfen in einem Waldweiher. Viele D-SLRs werden mit Set-Zooms ausgeliefert. Und die sind, wenn sie speziell auf den Bildsensor abgestimmt sind, nicht so schlecht, wie man immer wieder hören kann. Hier kam ein 14-45-mm-Zoom an der Olympus E-330 zu Einsatz.

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Makrozooms

Für die meisten UW-Fotografen ist ein Makrozoom die beste Alternative für die Fotopirsch im Meer oder in einem See. Makrozooms ermöglichen trotz einer hin und wieder vorhandenen kurzen Brennweite mit passablem Bildwinkel auch große Abbildungsmaßstäbe. Hinzu kommt die Vergrößerung am Planglas um den Faktor 1,33, sodass man mit einigen Modellen fast bis 1 : 1 fokussieren kann. Das sind große fotografische Freiheiten. Vom Zackenbarsch bis zur kleinen Nacktschnecke erstreckt sich ein weites Feld. Denn wie gesagt, ein Objektivwechsel ist unter Wasser nicht möglich.

Unterscheiden muss man auch hier zwischen den Bildsensorformaten. Wer mit Vollformat arbeitet, wird sich meistens ein Makrozoom im Brennweitenbereich von 70-180 mm oder 70-200 mm kaufen. Angeboten werden sie unter anderem auch von Fremdherstellern. In den 90er Jahren war beispielsweise das Nikkor 70-180-mm-Makrozoom eines der populärsten Objektive in der UW-Fotografie. Dann wurde es still um diese Wunderoptik, weil Nikon im digitalen Bereich nur APS-C-Spiegelreflexkameras baute.

Und hier war dieses Zoom wegen des anfallenden Crop-Faktors von 1,5 (Wirkungsweise eines 105-270-mm-Zooms) zumindest unter Wasser nicht mehr erste Wahl. Eine Renaissance erfuhr es erst wieder, als Nikon in die Produktion von Kameras mit Vollformatsensor einstieg. Ganz wichtig bei allen Makrozooms, wie immer der Brennweitenbereich lautet: Die kürzeste Naheinstellung sollte nicht länger sein als 0,4 m, sonst kann es Einbußen bei den Farben geben. Zur Grundausstattung gehört in jedem Fall ein langer Blitzarm, damit der Lichtweg beim Blitzen so kurz wie möglich gehalten werden kann.

 
Blaupunktrochen im Roten Meer. Man muss etwas aufpassen. Mit ihrem Giftstachel können diese Fische einem unvorsichtigen Taucher oder Schnorchler hässliche Verletzungen zufügen. Mit einer digitalen Kompaktkamera kann man den Zoomeffekt genüsslich auskosten. Der Milchglasfilter auf dem Blitzgerät macht das Licht weicher und wärmer.

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Vorsicht bei der Zoombezeichnung „Makro“. Was die Hersteller darunter verstehen, deckt sich nicht immer mit den Vorstellungen der UW-Fotografen. Beim Vollformatsensor und APS-C-Kameras wird der Abbildungsmaßstab von den Firmen meistens noch angegeben. Wenn nicht, gilt als Kriterium die Naheinstellgrenze (bis 200 mm Brennweite darf sie die Untergrenze von 40 cm nicht überschreiten!). Zusätzlich kann man das maximal vergrößerte Bild auf dem Monitor als psychologisches Merkmal heran ziehen. Die Herstellerangaben sollten sich bei der Angabe des Abbildungsmaßstabes bei mindestens 1 : 3 einpendeln.

Dann erhält man hinter Planglas immerhin eine passable Vergrößerung von 1 : 2,3 … mit der man eigentlich recht gut leben kann. Winzige Motive wie Korallenpolypen etc. muss man aber ohnehin mit einem echten Makroobjektiv machen, das auch durch ein starkes Makrozoom nicht in allen Fällen ersetzt werden kann. Insbesondere nicht, wenn mit einem Telekonverter gearbeitet wird. Denn Makrozooms verfügen normalerweise nicht über große Lichtstärken. Schließlich müssen sie noch bezahlbar sein.

 
Deshalb versagt in Kombination mit einem Telekonverter der Autofokus unter Wasser wegen der geringen Lichtstärke, des verlängerten Auszugs und des nachlassenden Umgebungslichtes so sicher wie das Amen in der Kirche. Und die manuelle Scharfeinstellung stößt in vielen UW-Gehäusen auf Handhabungsprobleme, weil sie nach außen übertragen werden muss.

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An UW-Gehäusen für digitale Spiegelreflexkameras muss der Zoom-Drehknopf so angebracht sein, dass man ihn mit der linken Hand bequem erreichen kann. Links aus dem Grund, weil man rechts den Auslösehebel bedient. Wenn der Bildausschnitt stimmt, drückt man sofort ab, denn die meisten fischigen Motive warten nicht ab, bis man den Griff gewechselt hat.


Sehr gute Makrozooms findet man im Angebot vieler Firmen, wenn man mit APS-C-Bildsensoren fotografiert. Naheinstellungen unter 30 cm ab Bildsensor und Abbildungsmaßstäbe bis 1 : 2 sind keine Seltenheit.

Eines der besten Makrozooms, das ich je unter Wasser getestet hatte, ist das Sigma 17-70 mm f 2,8-4,5 DC Makro/HSM, einstellbar bis 20 cm bei einem Abbildungsmaßstab von 1 : 2,3. Hinter Planglas ergibt sich eine Vergrößerung von 1 : 1,7 - eine sehr ordentliche Vergrößerung, mit der man gut leben kann.

Vorteil dieser Optik ist die kurze digitale Brennweite von 17 mm (29 mm auf Kleinbild bezogen) mit immerhin 72°. Und das reicht allemal auch für größere Fische. Wegen des großen Bildwinkels und des langen Auszugs beim Zoomen benötigt man einen sehr langen Gehäusefrontport, der, wenn man den großen Bildwinkel nutzen möchte, ein schwach ausgeprägtes, aber im Durchmesser großes Domeglas haben sollte. Dann bekommt man allerdings keine zusätzliche Vergrößerung durch den Brechungsindex des Wassers.

Grundsätzlich gilt das für alle Makrozooms mit kurzer Brennweite, langem Auszug und großem Bildwinkel. Man muss sich entscheiden, was man will. Und das macht die Entscheidung, welches Vario-Zoom man letztendlich haben möchte, nicht immer leicht.

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Ein Hochseehai nähert sich dem UW-Fotografen, dem dabei aber nicht mehr ganz wohl ist. Meistens drehen die Fische vor dem Taucher ab. Es kommt aber durchaus vor, dass sie einen mit der Schnauze oder der Brustflosse berühren, um festzustellen, ob man fressbar ist oder nicht. Solche Szenen bewältigt man am besten mit einem Zoom und guten Nerven.


Weitwinkel-Zooms

In den letzten Jahren haben sich Weitwinkel-Zooms zu wahren Stars der UW-Fotografie entwickelt. Insbesondere im Bereich der APS-C-Kameras sind die Brennweiten immer kürzer geworden und die Bildwinkel geradezu explodiert. Auch die Abbildungsqualität hat sich zumindest bei Halbformatkameras (APS-C) so weit entwickelt, dass man nicht mehr explizit auf Festbrennweiten angewiesen ist, also flexibler mit großen Bildwinkeln experimentieren und agieren kann.

 
Nachteile gibt es hinsichtlich der Abbildungsqualität unter Umständen bei Vollformatsensoren, wenn die Zooms keinen telezentrischen Strahlengang besitzen. Dann kann es zu Randunschärfen kommen, die man in etwa mit kleinen Blenden wieder etwas egalisieren kann. Dazu ist aber erforderlich, dass man mit hohen ISO-Werten fotografiert. Mittlerweile ist aber bis ISO 400 bei fast keiner D-SLR mehr ein Problem. Auch bei Einsteigermodellen nicht.

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Anemone im Riff! Digitale Kompaktkameras sollte man nicht als Spielzeuge abtun. Richtig eingesetzt kann man mit ihnen sehr interessante Nahaufnahmen gestalten. Die Zooms sind sehr variabel und lassen sich extrem nah einstellen.


 
Weitwinkel-Zooms benötigen unter Wasser ein Domeglas, das immer auf den größten Bildwinkel abgestimmt sein muss. Diese Forderung ist unbedingt einzuhalten, sonst kommt es zu grauenhaften Abbildungsleistungen. Ob das Domeglas vergütet ist oder nicht, hat darauf wenig Einfluss, obwohl die Vergütung insgesamt ja nicht schadet und eher von Vorteil ist. Beim Kauf und beim Einsatz von Weitwinkel-Zooms unter Wasser ist unbedingt die kürzeste Naheinstellung der Optik zu beachten.

Sie sollte in keinem Fall 30 cm überschreiten. Wenn sich das Objektiv unter Wasser hinter der gewölbten Frontscheibe nicht scharfstellen lässt, muss man eine Nahlinse aufbringen. Mit den Maßen des Domeglases kann man die benötigte Dioptrienzahl ausrechnen. Das wollen wir uns hier aber verkneifen. Meistens liegen die Dioptrienzahlen zwischen 2 und 4. Man kann das experimentell ausprobieren, ohne rechnen zu müssen. Schwieriger wird es sein, eine Nahlinse mit dem erforderlich großen Durchmesser zu finden. Lichtstarke Weitwinkel-Zooms besitzen enorme Frontdurchmesser, fast immer über 80 mm Durchmesser. Dabei kann noch eine Schwierigkeit auftreten, nämlich die Montage im UW-Gehäuse.

Häufig stößt die Frontfassung an die inneren Organe des UW-Gehäuses, kollidiert mit Zahnrädern, Hebeln und Wellen. Hinzu kommt, dass das Weitwinkel-Zoom ja über einen aufgesteckten Zahnkranz verfügen muss, sonst kann man unter Wasser die Brennweite nicht verstellen. Eventuell muss man das Objektiv dann über die Frontöffnung einsetzen und hat dann unter Umständen das Problem, dass man kaum noch an den Bajonett-Entriegelungsknopf kommt. Das Objektiv ist montiert, kann aber kaum mehr entfernt werden. Dann hilft eventuell nur noch ein Zahnarztbesteck oder ein Winkelschraubendreher.

 
Die Fratze des Todes! Steinfische sind die giftigsten Fische im Meer. Ihre Rückenstacheln enthalten ein Gift, das bei Kindern, älteren Mitmenschen und gesundheitlich etwas angeschlagenen Menschen fast immer zum Tode führt. Auch wenn man den Stich überlebt, bilden sich Nekrosen (Gewebe stirbt ab) und sehr lang anhaltende Wunden, die nicht heilen wollen. Manchmal kommt es dann zu einer Amputation.

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Tipp: In tropischen Meeren beim Baden und bei Strandwanderungen im Flachwasser immer Füßlinge (bekommt man im Tauchshop) mit kräftiger Sohle tragen.

Steinfische findet man nicht selten im knietiefen Wasser. Fotografieren lassen sich Steinfische - sofern man die Tarnkünstler überhaupt entdeckt - problemlos, weil sie Stunden und Tage unbeweglich auf einem Fleck liegen. Taucher sollten sich im Riff niemals unbedacht an einer Koralle oder einem Stein festhalten. Der kleine Felsbrocken könnte ein Steinfisch sein.

Einzelne Weitwinkel-Zooms bewegen sich mittlerweile so im extremen Brennweitenbereich - z.B. das Nikon-Zoom 14-24 mm für das Vollformat, dass man keine Nahlinsen aufbringen kann, weil die Frontlinse der Optik zu stark gewölbt ist. Dann hilft nur noch ein sehr großes Domeglas mit Gehäusezwischenring (größerer Abstand zum Frontglas), damit man unter Wasser in die Schärfe gelangt.

D.h., man macht das nicht selbst, sondern lässt den Autofokus arbeiten. Denn beim manuellen Scharfstellen treten zwei weitere Schwierigkeiten auf. Erstens braucht man noch ein zweites Zahnrad, um die Schärfe zu verstellen und zweitens kommt es zu ungewollten Unschärfen, weil die Schärfenebene bei Weitwinkeloptiken immer sehr schwach ausgeprägt ist.

Man kann deshalb unter Wasser mit Tauchmaske und im schwebenden Zustand manuell nicht sonderlich erfolgreich fokussieren.

 
Der Blaupunkt-Oktopus gehört zu den giftigsten Meeresbewohnern. Sein Biss kann einen erwachsenen Menschen nach Aussagen von Experten innerhalb von 10 Minuten töten. Deshalb niemals mit ihm spielen, wenn man ihn bei Ebbe in flachen Riffkuhlen findet. Seine blauen Punkte bekommt er, wenn er erregt ist oder sich bedroht fühlt. Weil er sehr klein ist, eignet sich zum Ablichten entweder ein echtes Makroobjektiv oder ein Makro-Zoom.

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Fisheye-Zooms

Seit geraumer Zeit werden von Kamerafirmen (z.B. Pentax) und Objektiv-Fremdherstellern (z.B. Tokina) spezielle Zoom-Objektive hergestellt, deren Bildwinkel sich bis 180° diagonal dehnen lässt. Die technischen Angaben lauten meistens 10-17 mm, f 3,5 - 4,5. Die kürzeste Brennweite (10 mm) steht immer für die Fisheye-Abbildung, die längste Brennweite (17 mm) dringt in den Weitwinkelbereich vor und steht normalerweise für Bildwinkel um 100°.

Fisheye-Zooms sind deshalb so attraktiv, weil sie alle eine sehr kurze Naheinstellgrenze besitzen. Das schlägt sich bei kreativen Leuten in gewagten Perspektiven nieder, die man durch die extreme Nähe und die damit verbundenen Verzerrungen und Verzeichnungen zu sehenswerten Bildbeispielen hochstilisieren kann.

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Schwimmende Motive wie dieser Indische Preußenfisch wechseln ständig ihren Standort. Festbrennweiten sind in diesem Fall etwas schwierig einzusetzen. Mit einem Zoom ist man einfach flexibler, weil man den Bildausschnitt schon beim Anvisieren festlegen kann.


Unter Wasser sind Fisheye-Zooms eine der vielen Möglichkeiten, variabel zu fotografieren. Im Gegensatz zu echten Weitwinkel-Zooms fasziniert der extreme Bildwinkel bei der kürzesten Brennweite. Mit diesen Optiken kann man bei einem Tauchgang ein Wrack fotografieren und im selben Zug einen Rotfeuerfisch formatfüllend ablichten.

 
Die Fisheyes anhaftende torsionsartige Verzeichnung an den Bildrändern nivelliert sich, wenn man in die längere Brennweite zoomt. Außerdem: Wer weiß schon, wie dieser Schwamm oder jene Koralle gewachsen ist? Montiert werden kann ein Fisheye-Zoom nur hinter einem fast halbkugelförmigen Domeglas. Eine echte Halbkugel ist aber nicht erforderlich. Abgesehen von den Kosten müsste die Halbkugel mindestens einen Radius von 100 bis 110 mm besitzen, sonst könnte es bei der langen Brennweite zu Randunschärfen kommen. Grund ist die stark gewölbte Fläche des Kugelsegments, die der Bildwinkel erfasst.

Die zu erwartende Bildfeldwölbung ist nämlich nur gleichmäßig scharf, wenn Bildwinkel und Glassphäre exakt zueinanderpassen. Einfach ein beliebiges Domeglas hernehmen und das Fisheye-Zoom dahinter platzieren geht nicht! Auch für das Fisheye-Zoom gilt: Manuelles Fokussieren sollte man wegen der schwach ausgeprägten Schärfenebene unterlassen, zumal der AF aufgrund der kurzen Einstellwege rasant arbeitet, selbst mit Einsteigerkameras. Fisheye-Zooms gibt es nur für das APS-C-System.

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Das Mittelmeer hat auch seine Reize. Diese Qualle wurde von einer Dorade begleitet, wodurch sich dicht unter der Wasseroberfläche eine bemerkenswerte Bildgestaltung ergab. Als UW-Fotograf muss man solche Situationen visuell erfassen und sie dann gekonnt umsetzen.


 

Fazit

Mit Zoom-Objektiven holt man sich einige der fotografischen Freiheiten der Überwasserfotografie mit in die Tiefe. Nicht alle, aber die wichtigsten. Nämlich die freie Gestaltung mit unterschiedlichen Brennweiten und den entsprechenden Bildwinkeln. Man kann flexibel auf diverse Situationen reagieren, ist nicht an eine feste Brennweite gebunden.

Man kann davon ausgehen, dass Zoom-Objektive zumindest quantitativ unter Wasser schon bald den heute noch beliebten Festbrennweiten bei den Spiegelreflexkameras den Rang ablaufen. Nicht in allen Situationen und auch nicht bei jeder Gelegenheit, aber mit Sicherheit dort, wo man entsprechend reagieren muss oder es gezielt auch will.

Beispielsweise bei der Fischfotografie, wo man die Bildgestaltung in freier Wildbahn nicht immer so umsetzen kann, wie man es gerne möchte. Denn ebenso sind die am PC gemachten Bildausschnitte wegen der reduzierten Pixel nicht immer das Gelbe vom Ei.

 
Zwergfeuerfische sind normalerweise rot. Es gibt aber auch die seltene gelbe Art, die aber genauso giftig ist wie ihre andersfarbigen Verwandten. Beim Zoomen muss man immer beachten, dass das optische Heranholen immer mit einem Farbverlust verbunden ist. Besser ist es, nah heranzugehen und den Bildausschnitt mit der Variobrennweite zu wählen.

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Zu erwähnen bleibt aber auch, dass Zoom-Objektive, auch die teuren, nicht das Abbildungsvermögen von wirklich guten Festbrennweiten besitzen. Es gilt aber auch das ungeschriebene Gesetz, dass ein sehr gutes Zoom einer schlechten Festbrennweite überlegen ist. Explizit sieht man es bei Gegenlicht-Aufnahmen, denen unter Wasser eine besondere Aura zugeschrieben wird.

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An diesem Sigma-Weitwinkel-Zoom ist deutlich die Naheinstellgrenze von 20 cm zu sehen. Das ist perfekt, weil man deshalb hinter gewölbten Gehäusefrontscheiben keine Nahlinse aufbringen muss. Beim Kauf eines Weitwinkel-Zoomobjektivs sollte die Naheinstellgrenze immer unter 30 cm liegen.


 
Am Wrack eines japanischen Frachters in den Philippinen! Fotografiert mit dem 10-17-mm-Fisheye-Zoom an der Pentax K-m. Die Flexibilität eines Fisheye-Zooms lässt sich unter Wasser durch nichts ersetzen. Leider gibt es diese Zoomart nur für APS-C-Kameras, z. B von Tokina für Canon, Nikon und Sony. Zum Ausleuchten sollte man zwei Blitzgeräte verwenden.

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Kommentare
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Portrait von Papill0n
  • 12.02.2013 - 19:15

Sehr schöne UW Fotos

Portrait von friendofgermany
  • 12.02.2010 - 13:48

danke für diese Beiträge. Genau solche Anleitungen habe ich gesucht. Und die gezeigten Beispielbilder gefallen mir sehr gut.

Portrait von BlueHair
  • 08.01.2010 - 08:39

exzellente fotos und interessante tipps!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 25.07.2009 - 14:12

sehr schöne und seltene aufnahmen

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 17.03.2009 - 10:41

Interessanter Artikel mit tollen Fotos!

Portrait von pest07
  • 10.03.2009 - 19:20

klasse fotos. gute tips

Portrait von ambiensur
  • 09.03.2009 - 20:57

klasse fotos. gute tips

Portrait von roman2
  • 09.03.2009 - 14:20

einfach schön !!!!!

Portrait von dilldabbes
  • 08.03.2009 - 14:01

Sehr sehr schöne Fotos...WOW

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