Anzeige
Tutorialbeschreibung

Heiligs Blechle

Heiligs Blechle

Michael Böhm, im PSD-Forum als Beeblebrox unterwegs, lebt in Oldenburg, ist Mediendesigner und Illustrator, Autodidakt und -verrückt. Er zeichnet und malt zwar alles mögliche - per Hand oder digital - aber zweifelsohne hat ihn die Welt der vier Räder ganz besonders übel erwischt. Mehr dazu in der nächsten Ausgabe.

http://cars-n-arts.com

Erschienen im commag


Inhalt des Tutorials

Vorwort

1.) Kultmobil versus Gebrauchsgegenstand
Was dem einen sein Transport- und Fortbewegungsmittel ist dem anderen sein liebstes Kind. Wie weit Meinungen auseinander gehen können.

2.) Das Auto in der Kunst
Über alte Fahrzeugwerbung, über die ersten Autos als Kunstobjekte in der PopArt-Ära und was danach kam.

3.) Neueste Trends - Airbrush, Pimp My Ride & Co.
Von der Schrottpresse gerettet und zum einzigartigen Kunstwerk aufgemotzt

4.) Fahrzeugveredelung digital und auf der Leinwand
Es geht auch ohne die Blechschere - die Möglichkeiten von Bleistift, Pinsel und Photoshop.

5.) Portrait Michael Böhm & cars-n-arts.com

Vorwort

Hallo, geneigte Leserschaft!
Soeben wandern eure Augen über meine erste Kolumne für dieses commag. Mein Leben ist geprägt durch vier große Leidenschaften. Die erste davon ist privat und hat hier mal gar nichts zu suchen. :o)
Die zweite ist die Musik – ohne die geht nichts. Während ich hier tippe, schallt es bei mir auch ordentlich aus den Boxen... derzeit überwiegend Green Day, Everlast, Dire Straits und The Who...
Thema heute sind jedoch die Leidenschaften 3 und 4: Als da wäre die Kunst zum einen und das Automobil zum anderen. Und dass sich beide Themen prima miteinander verbinden lassen – darüber soll es auf folgenden Seiten gehen...
Das Auto das Zeug zum Kunstobjekt. In den nächsten Kapiteln geht es jedoch nicht nur um das Auto selb st sondern auch um seine Verewigung auf Papier, Leinwand und all seinen Spielarten.

1. Kultmobil versus Gebrauchsgegenstand – sind Motomaniacs bekloppt oder nicht?

Was dem einen sein Transport- und Fortbewegungsmittel, ist dem anderen sein liebstes Kind. Wie weit Meinungen auseinander gehen können.

Eines vorweg; Ich werde mich hüten, auf die unter Punkt 1 gestellte Frage eindeutig zu beantworten – amüsant ist die Betrachtung dieses Themas allemal:

Tja, allein mit der Aussage: „Autos sind meine Leidenschaft“ kann man vielerorts bereits eifriges Kopfschütteln hervorrufen: „Also mein Auto soll mich einfach nur sicher und komfortabel von A nach B bringen.“ trifft auf: „Der Weg ist das Ziel – mit meinem neuen Sportfahrwerk macht das Kurvenräubern auf der Landstraße
doppelt soviel Spaß!“

„Was? Ein Auto NEU kaufen?! Soviel Geld für ein Auto?! Nee, niemals!“ gegen: „Diese Formen, schau dir das an! Muss ich haben!“

Fakt ist: Das Automobil wird nicht nur im Volksmund des deutschen liebstes Kind genannt, es ist auch unbestritten nach dem eigenen Heim DAS Statussymbol schlechthin – selbst bei den „Gebrauchsgegenständlern“.
Und ab diesem Punkt geht die Autospinnerei dann eigentlich auch schon los:


Ich fahre also bin ichBilder


1. Stufe: Ich fahre, also bin ich.

Bloß der Besitz eines Autos – gebraucht oder neu – ist eine Aufwertung der eigenen Persönlichkeit, bedeutet er doch schließlich eine gesteigerte Mobilität und Unabhängigkeit.

Ich fahre also bin ich werBilder


2. Stufe: Ich fahre, also bin ich wer.

Auf dieser relativ gemäßigten Stufe ist das Auto nur noch relativ egal. Es wird nicht viel in die Optik oder Ausstattung des Fahrzeugs gesteckt – jedoch wird das Auto nicht nur für einen selbst gekauft, sondern auch für den Nachbarn. Image ist gefragt.

Ich fahre also nimm michBilder


3. Ich fahre, also nimm mich.

Sinnlichkeit ab Werk. Hier sind gute Argumente gegenüber der rationellen Hälfte von Nöten, um die Schlucht im Portmonee zu rechtfertigen. Wir haben die Liga der Brot-und-Butter-Fahrzeuge verlassen und finden unser Vergnügen in den Edelschmieden dieser Welt. Geschaffen mit dem Dogma, dass edles, die Sinne fesselndes Design auch nun mal viel kostet. Und in den meisten Fällen passen natürlich zur äußeren Hülle auch die inneren Werte. Vrrrroooooom!

Ich bin also fahre ich auchBilder


4. Stufe: Ich bin, also fahre ich auch.

Das Auto wird zum Hobby, zum Freizeitsport, zur Passion. Die Ausstattung entspricht längst nicht mehr der Serie, das Auto wird individuell. Diese Stufe zieht sich quer durch alle Gehaltsklassen und hat unterschiedlichste Schwerpunkte: Der Besitzer kennt wenigstens den D&W-Katalog auswendig oder am Wochenende wird sich unter die Kiste gehockt und/oder eventuell auch mal die Nordschleife unsicher gemacht.

5. Stufe: Ich bin einzigartig, also fahre ich nur noch Schrittempo.

Diese Stufe ist für die kreativen Menschen die interessanteste, und für den rationellen Autofahrer ganz bestimmt die absurdeste. Hier präsentiert sich die Krönung automobiler Kunstfertigkeit.

Der Fahrzeugboden begibt sich zwecks Optik auf Tuchfühlung mit dem Asphalt, der Kofferraum wird ersetzt durch einen Konzertsaal, unter der Motorhaube stehen mindestens 500 einzeln komplettverchromte PS zur Verfügung – die nur eines nicht dürfen: schmutzig werden. Und von der originalen Karosserie ist nur noch möglichst wenig übrig, da auf jeder Schraube „Einzelanfertigung“ steht. Diese Fahrzeuge haben wenig Sinn, Unmengen Geld verschlungen, sind zum Fahren zu schade und doch faszinieren sie wie wohl kaum eine andere Stufe.

Tja, der aufmerksame Leser hat festgestellt, dass es schwierig wird, Autopassionen vernünftig zu rechtfertigen
– erst recht, wenn er der ursprüngliche Zweck der Fortbewegung und des Transports ad absurdum geführt wird. Aber mal ehrlich: Wär doch langweilig, wenn alle dasselbe Auto fahren würden, oder? Und klar kann Kunst-/Kultobjekt Auto auch viel Geld und Zeit kosten – aber das tut eine Mitgliedschaft im Golfclub auch. Und was davon ist spannender? ;o)

Das Auto in der Kunst


Über alte Fahrzeugwerbung, über die ersten Autos als Kunstobjekte in der PopArtÄra und was danach kam.

Im ersten Teil der Kolumne haben wir die unterschiedlichen Stufen der Autoliebhaberei kennen gelernt und ich habe unterstellt, dass auch auch der, der sagt, sein Auto sei nur ein Gebrauchsgegenstand, von seinem mobilen Untersatz angetan ist – er vermeidet damit immerhin, laufen zu müssen. ;o)

Dass das Automobil seit seiner Erfindung vor 120 Jahren auch den Weg in unsere Herzen findet, dafür sorgte natürlich auch – wie bei so ziemlich jedem Konsumgut – die Werbung. Dort war das Automobil von Beginn an allgegenwärtig – seinen Weg (bis auf ein paar Ausnahmen – wie zum Beispiel Tamara de Lempicka mit „Auto Portrait“ 1929 (Abb. 1) oder Salvador Dalí mit „Erscheinung der Stadt Delft“ 1933-36, Abb. 2), in die Kunst fand das Automobil erst viel später. Wobei das auch nicht ganz korrekt ist, denn betrachtet man die damaligen Anzeigen der Autohersteller, stellt man fest: Autoreklame war alles andere als reine Verbraucherinformation, sie war Kunst! Die Fotografie war für die Werbung anscheinend noch nicht weit genug und so präsentierten sich die meisten Anzeigen und Plakate noch aufwändig illustriert, vom Stil her immer genau am Puls der Zeit oder manchmal auch eine Reifenlänge voraus.


Tamara de LempickaBilder

Abb. 1: Tamara de Lempicka

Dali - Erscheinung der Stadt DelftBilder

Abb.2 : Dali - Erscheinung der Stadt Delft

Ein paar Beispiele sollen hier gezeigt werden:

Eine ganz frühe Anzeige (Abb. 3) von Fabbrica Italiana di Automobili Torino – auch bekannt als “FIAT” – nach Bauweise der Pferdelosen Kutsche vermutlich so etwa um die Jahrhundertwende veröffentlicht. Fiat selbst entstand 1899, war also noch nicht so lange auf dem selbst noch sehr jungen Markt – aber davon bekommt man auf der Anzeige nichts mit. Der Wagen selbst ist eine – aus heutiger Sicht – eher simple Droschke, dennoch verkörpert die Anzeige mit der elegant gekleideten Dame die neue mondäne, moderne Zeit.

Ein paar Jahre später: Diese Anzeige (Abb. 4) stammt aus dem Jahre 1911. Okay, sie verzichtet völlig auf die Abbildung des Automobils und ist sonst eher simpel gehalten – aber dafür um so effektvoller. Der Betrachter der Anzeige schaut auf zu dem cool und auf jeden Fall stolz blickenden „Herrenfahrer“ – so einer möchte man wohl selbst gerne sein. Opel ist zu dieser Zeit ein längst etablierter Markenname – schließlich produziert man schon seit 1863... Nähmaschinen und Fahrräder. Autos seit 1895. Das Auto als Objekt der Begierde, obwohl es nicht gezeigt wird.

OPEL (1911)Bilder
 
Abb. 4: OPEL (1911)


FIAT (1899)Bilder

Abb. 3: FIAT (1899)

Neuer, schneller, besser, höher und weiter – Attribute, die schon immer gerne dargestellt wurden, um das eigene Produkt zu bewerben – werden hier sehr schon sehr einfach dargestellt. In einer Anzeige der Marke „Martini“, veröffentlicht in den späten 1920ern (Abb. 5). Die Firma „Martini“ kommt aus der Schweiz und hat ihre Ursprünge im Jahre 1860 als Waffenhersteller – ein Fakt, dass sich meiner Meinung durchaus in der düsteren, aggressiven Darstellung ausdrückt. Das Wort „Steiger“ ist hier mehrfach zu verstehen – zum Einen bedeutet es dem Kunden, dass er mit diesem Wagen wohl jeden Alpenpass bezwingen könne, was in der Schweiz ja nicht unwichtig ist, zum Anderen ist es der Name des Mannes, der die Firma 1924 kaufte. Trotz der aufstrebenden Botschaft des Plakats war für diese Firma Mitte der 1930er Schluss.

Martini (1920)Bilder

Abb. 5: MARTINI (1920)

Das Aufwärts- und Vorwärtsstreben ging in den 1930ern natürlich weiter (Abb. 6) – wie wir wissen, politisch gesehen in sehr bedenklicher Hinsicht. Was fast ebenfalls so alt war wie das Automobil, war das Automobilrennen (seit 1894). Man maß sich mit den anderen auf Straße und Rennstrecke, die Grand Prix Rennen wurden seit den 1930ern ausgetragen. Der Stil auf Plakaten und Anzeigen wuchs ins dramatisch-heroische. Wer auf der Rennstrecke Erfolg hat, baut auch für den normalen Straßenverkehr gute Autos – ein Argument, was auch heute noch gerne benutzt wird. In diesem Jahrzehnt dominierten überwiegend die Fahrzeuge der Auto Union und von Mercedes Benz – was durchaus auch Propagandazwecken dienlich war. Der Rennwagen auf dem Plakat ist Weiß, was ihn als deutschen Rennwagen ausweist. Damals trug der Wagen noch nicht die Farbe seines Hauptsponsors, sondern eine Nationalfarbe: Deutschland fuhr Weiß, Frankreich Blau, Italien Rot, Großbritannien Grün, und die USA fuhren Blau-Weiß. Die berühmten „Silberpfeile“ entstanden eher aus Verlegenheit: Im Jahr 1934 schrieb das Reglement ein Fahrzeuggewicht von 750kg vor. Die neueste Rennwagenkreation von Mercedes-Benz wog jedoch ein Kilogramm zu viel und hätte nicht an den Start gehen dürfen. Des Rätsels Lösung: „Schleift den Lack ab!“ hieß es – und dann wurde auch das Regelment erfüllt.

Nürburgring (1930)Bilder

Abb. 6: Nürburgring (1930)

Ganz andere Sorgen hatte man dann in den Vierzigern und zu Beginn der Fünfziger – zumindest in Europa. Alles lag in Schutt und Asche, die Bevölkerung kämpfte ums Überleben und steckte alle Energie in den Wiederaufbau. Autorennen waren da eher zweitrangig (höchstens). Dementsprechend sachlichere Töne schlug auch die Autowerbung an, es war schließlich schwer genug, überhaupt ein Auto an Mann oder Frau zu bringen. Erst recht einen Mercedes (Abb. 7). Es wurde weniger geprahlt, sondern man gab sich informativ und man versuchte es mit leichten Tönen der Euphorie: „Gepäck für eine ganze Badesaison – spielend unterzubringen“ – so warb man für einen Mercedes 170. Naja, wer sich in diesen Jahren (produziert wurde dieser Typ von 1946–1953) einen Mercedes leisten konnte, war vermutlich auch kurz nach dem Krieg schon wieder auf der Sonnenseite des Lebens.

Mercedesreklame nach dem KriegBilder

Abb. 7: Mercedesreklame nach dem Krieg

Anders war da die Lage in Übersee. Während und kurz nach dem Krieg lag dort zwar nicht alles in Schutt und Asche, allerdings waren während des Krieges die Ressourcen für die Rüstung geplant – nicht für den zivilen Straßenverkehr. So kam auch hier das Kriegsende dem Befreiungsschlag gleich – man konnte wieder aus dem Vollen schöpfen, was sich auch in der Darstellung der Anzeigen bemerkbar machte: Die Illustrationen machten das Fahrzeug noch größer, als es in den USA ohnehin schon war (hier eine Anzeige von Pontiac aus dem Jahr 1958, Abb. 8): Abgesehen davon war alles hell, alles fröhlich, alles bunt, alles super – ein Trend, dem auch das alte Europa folgte, erst recht als es so eiskalt vom Wirtschaftswunder, dem Fußball und dem Rock N’ Roll heimgesucht wurde. Eine neue Zeit brach an.

Pontiac Anzeige (1958)Bilder

Abb. 8: Pontiac Anzeige (1958)

In der Werbung wurden zwar die Farben bunter, der Stil jedoch sachlicher. Die Illustration befand sich auf dem Rückzug, die Darstellung durch die Fotografie wurde immer wichtiger – und überhaupt – der Fernseher. Das Medienzeitalter hatte in den 50ern begonnen! Die Bilder aus aller Welt wurden ins Wohnzimmer geliefert! Sensationell! Überall gab es Kinos, Magazine wurden immer farbiger. Diese Medienflut beeinflusste natürlich auch die Welt der kreativen Köpfe – und es waren eben auch genau diese 50er Jahre, in denen sich die ersten Künstler anschickten, die Pop Art zu erfinden: Pop Art, das war die Erhebung des Alltäglichen zum Kunstgegenstand. Van Gogh ist vermutlich nie in den Sinn gekommen, ein Paket Waschmittel oder eine Konservendose zu einem Hauptmotiv eines seiner Werke werden zu lassen. Das war jetzt anders geworden. Andy Warhol prägte den Satz: „Alles ist schön!“ Und neben der Konservenbüchse erhielt in dieser neuen aufkommenden Stilrichtung auch das Automobil endgültig seinen Einzug in die Welt der Kunst. Weg von der Konsumgrafik, hin zum Kunstwerk – zum Beispiel von Richard Hamilton: „Hommage á Chrysler Corp.(1957, Abb. 9) oder von James Rosenquist: „I love you with my Ford“ (1961, Abb. 10). Am bekanntesten sind vermutlich die in grellen Farben schillernden Siebdruck-Collagen von Andy Warhol, die 1986 eigens von Mercedes-Benz in Auftrag gegeben wurden (Abb. 11, 12, 13).

Hommage a Chrysler CorpBilder

Abb. 9: Hommage á Chrysler Corp.

I love you with my fordBilder


Abb 11Bilder


Abb 12Bilder


Abb 13Bilder


Abb. 10: I love you with my Ford (1961).
Abb. 11, 12, 13: Mercedes Collagen aus dem Jahr 1986


Die neue Kunstrichtung war in aller Munde und bezogen auf das Automobil erlebte sie wohl ihren Höhepunkt, als das Auto nicht bloß auf „irgendwelchen“ Arbeiten abgebildet wurde, sondern als es selbst Kunst wurde – mit dem Beginn der Art Car Serie, die 1975 mit Alexander Calder begann und heute noch von BMW weitergeführt wird. Ein Beispiel aus dieser Serie ist der 1977 entstandene BMW 320i von Roy Lichtenstein (Abb. 14) oder der BMW 635 Csi, 1982 bemalt von Ernst Fuchs (Abb. 15 unten).

BMW 635 Csi von Ernst FuchsBilder


BMW 320 von Roy LichtensteinBilder

Abb. 14: BMW 320i von Roy Lichtenstein

Ein weiterer Kunststil, der seit den 70er Jahren auftritt, ist der Fotorealismus. Wie der Name schon sagt – hier wird auf das minutiöseste peinlich genau gearbeitet – ein per Hand erstelltes Werk, welches das Auge glauben lassen soll, es betrachte eine Fotografie – ein Beispiel dafür ist diese unbetitelte Arbeit von Dan Eddy aus dem Jahre 1971 (Abb. 16). Und das alles ohne digitale Hilfe!

abb 16Bilder


Das war ein kurzer Abriss durch die Geschichte des Autos in Kunst und Werbung bis in die jüngste
Vergangenheit –

Heilig’s Blechle – Teil III:

Vom Auto in der Kunst zum Kunstwerk Auto

Ihr erinnert Euch hoffentlich noch an den ersten Teil der Kolumne, wo ich versucht habe, die unterschiedlichsten Ausprägungsformen des „Fetischs Auto” zu klassifizieren.
Dieser Teil heute widmet sich den extremen Geschöpfen blechgewordener Individualität.
Ging es in der letzten Ausgabe noch in einem kleinen Rückblick in der Kunstgeschichte um die Darstellung des Automobils in jeweils zeitgenössischen Kunstwerken – wird das Auto diesmal selbst zum „Kunstwerk“.

Seit wann gibt es Autotuning?


Will man erörtern, wann denn eigentlich die Individualisierung des Automobils begonnen hat – dann muß man im Prinzip bei 0 anfangen. Denn das Auto war seit seiner Geburtsstunde 1886 individuell. Die damals noch blutjungen Unternehmen lieferten Oftmals die technische Basis: Motor, Getriebe, Chassis, Räder, etc. Diese wurde weitergegeben an die Karossiers, Unternehmen, die sich schon zu Kutschenzeiten auf Karosseriebau spezialisiert haben. Die ganz hohe Zeit der individuellen Autos waren die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts.
Die etablierten Hersteller wie Mercedes, Cadillac, Rolls-Royce, Duesenberg, Maybach oder Bugatti passten Ihre prunkvollen Schlachtschiffe bei renommierten Coachbuildern einkleiden und ausstatten um der betuchten Kundschaft das bieten zu können, was diese wünschte.
Das extremste Beispiel dürfte vielleicht der – damals schon – sündhaft teure Bugatti Typ 41 mit dem schönen Beinamen „Royale“ aus dem Jahre 1931 sein. Diese Ikone der Automobilgeschichte verfügt über einen riesigen 12,7-Liter-Motor mit damals unglaublichen 300 PS und wurde nur sechs mal gebaut – was alleine schon eine ziemliche Exklusivität bedeutet. Aber damit noch nicht genug: Jedes Exemplar dieser seltenen Baureihe hat außerdem noch eine komplett andere Karosserie! Das Bild rechts zeigt das Henri Binder Coupe de Ville.
Kein Wunder, dass ein Royale – wenn er denn mal versteigert wird – Höchstpreise erzielt. Mal unter uns: Van Goghs Sonnenblumen mögen ja ein schönes Stück Leinwand sein – aber wenn ich für diesen 7stelligen Betrag auch ein schönes Stück Blech bekomme, müsste ich nicht lang überlegen...

Bugatti Typ 41 RoyaleBilder

1931: Der Inbegriff von Luxus - einer von sechs Bugatti Typ 41 Royale

Massenabfertigung contra Individualität

Das individualisierte Auto war ganz zu Beginn der Autogeschichte also eher der Normalfall - bis im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ein gewisser Henry Ford das Bestreben hatte, ein bezahlbares Auto für jedermann auf die spindeldürren Räder zu stellen. Wie lässt sich so was lukrativ umsetzen? Richtig. Kostengünstige Massenproduktion. Um diese bewerkstelligen zu können, hatte Mr. Ford eine Idee: „Ich erfinde jetzt mal das Fließband.“ Mit dieser produktionstechnischen Sensation schaffte es Ford, sein berühmtes „Model T“ günstig herzustellen und massenweise günstig an die Menschheit zu verkaufen – über 15 Millionen Exemplare wurden produziert, ein Rekord der erst Jahrzehnte später vom Käfer eingestellt werden sollte. Mit dieser technischen Entwicklung stand dem maßgeschneiderten (und eher teuren) Gefährt die Massenware gegenüber.
Aber was tun, wenn man es pekuniär nicht verantworten kann, sein Auto individuell bauen zu lassen aber man trotzdem etwas „einzigartiges“ möchte? Selber machen!

Ford Model TBilder


Tin LizzyBilder

1908 - 1927: Das erste Massenautomobil - Fords berühmtes Model T - oder auch „Tin Lizzy“ (Blechliesel) genannt (rechts)
...später aber auch mal gerne so! (links)

Selber machen statt teuer einkaufen!


Hot RodBilder


Hot Rod 2Bilder


Das Customizing war geboren! Diese Form der Autoveredelung tritt als Folgeerscheinung von Fords Massenproduktion auf – was logisch erscheint: Das Auto ist günstig zu bekommen, technisch simpel gestrickt und daher benutzerfreundlich. Wer etwas technisches Know-How besaß und/oder mit Blechschere umgehen konnte, der konnte mit relativ wenig Aufwand stolzer Besitzer eines einzigartigen Fahrzeugs sein: Die bekanntesten und vermutlich auch ältesten Vertreter dieser Custom-Kultur sind die berühmten „Hot Rods“:
Meistens drehte es sich hierbei um Ford-Modelle, die dann durch ein abgesenktes Dach (Top Chop), fehlende Kotflügel, besondere Bereifung oder einen leistungsstarken Motor auffielen.
Die Abbildung links zeigt einen Rod im damaligen Old School Look, die Abbildung darunter einen Lincoln in moderner Variante.

Lackierung


Nahezu ebenso alt ist die Option, sein Fahrzeug durch eine einzigartige Lackierung unverwechselbar zu machen – waren es vor dem Krieg meistens Lackierungen im Zwei-Ton-Look, tauchten in den 50er Jahren in Kalifornien die ersten Flammendesigns (Flame Job) auf – als Ausdruck besonderer Beschleunigungskraft. Ein bekannter Hot Rod mit einem schönen Flame Job ist dieser 1934er Ford aus dem Film „The California Kid“ mit Martin Sheen (Abbildung rechts):

1934er FordBilder


Mit der Entwicklung der Airbrushtechnik konnten Fahrzeuglackierungen immer vielseitiger und diffiziler werden. Autos wurden komplett zu Gesamtkunstwerken. Eine Stilrichtung, wo Lackierungen ebenfalls ganz besondere Blüten treiben, sind die Lowrider, - die Autos, die auf der Stelle hüpfen können oder sich einfach mal im Stand zu allen erdenklichen Richtungen neigen können - ebenfalls eine besondere Gattung des Customizings.

Lackierung und CustomizingBilder


Die Sprungkraft erreichen die Lowrider durch Gasdruckbatterien – die zwar meistens den Kofferraum gen Null schwinden lassen, aber wen stört das schon – die individuell Druck in den einzelnen Radaufhängungen aufbauen oder ablassen können. Der bevorzugte Stil bei Lowridern ist ein Glitter-Flitter-Look und den – ich sag mal „beeindruckendsten“ - Farbkombinationen. Ergänzt durch Vergoldung sämtlicher Applikationen und goldene Vielspeichen-Porno-Felgen.

LowriderBilder

Customs gibt es aber natürlich nicht nur in Übersee.


Natürlich gibt es das auch hierzulande – wobei hier meist von „Tuning“ die Rede ist. Der Begriff kommt aus dem Rennsport und bedeutet letztendlich nicht mehr, als das Fahrzeug für das Rennen „eingestellt“ bzw. abgestimmt wird. Und das ist vermutlich auch der große Unterschied zwischen amerikanischen Customs und europäischen Tuning-Fahrzeugen:
In Europa soll meist nicht nur die Optik auf Rennsport-qualitäten hinweisen, sondern der Rest der Technik (Chassis, Fahrwerk, etc.) sollte dem Anspruch ebenfalls genügen – während es in den USA eher um „show & shine“ geht. Klar, man hat auch hüben 500 PS unter der Haube – aber man nutzt sie nicht. Der komplettverchromte Motor könnte schließlich benutzt aussehen!!
Aber auch hierzulande nahm das Tuning seltsame Formen an – ging es in den 60ern tatsächlich noch um gesteigerte Sportlichkeit, war man in den späten 80ern der Auffassung, daß das Aussehen eben doch wichtiger ist – und aus handzahmen VW Golf und Opel Kadett wurden unansehnliche, häßliche, fette Spoilermonsterkröten – siehe rechts:

GolfBilder


Tja, 60 PS vorne und 345er Reifen hinten – ein Wunder, wer da noch von der Stelle kommt – Motorsport ad absurdum geführt. Mit solchen auswüchsen war dann zu Beginn der 90er auch der Gipfel erreicht. Die Optik wurde wieder dezenter, Understatement war angesagt. Geprotzt wurde nur noch im Motorraum.
Da sich die Geschichte aber immer wieder wiederholt, sind auffällige Bodykits wieder im Kommen – Filmen wie „The Fast & The Furious“ sei Dank. Große Stehimbisse auf dem Heck, grausame Farbkombinationen, Lackierungen im Tribal-Stil – das ist der individuelle Look der Gegenwart. Ich bin ein großer Freund von individuellen Fahrzeugen – allerdings bin ich der Auffassung, daß ein gewisser Stil doch gewahrt werden sollte ;o)

SubaruBilder

Aus Sch... Gold machen – Pimp My Ride & Co. Individualisierung heute


Ein getuntes Fahrzeug zu bekommen wird übrigens immer einfacher! Den Fernsehsendern sei Dank! Denn wenn ein TV-Format in den letzten Jahren geboomt hat, dann sind es MTVs „Pimp My Ride“ und Konsorten. Autos „pimpen“ ist wieder der letzte Schrei – kaum ein Sender kann es sich leisten, auf eine solche Sendung zu verzichten.
Das Konzept jedenfalls ist sehr unterhaltsam und hat neue Bewegung in die Tuningwelt gebracht: Die Ottonormal-Limousine, die es eigentlich schon hinter sich hat, wird mit Hilfe des Fernsehsenders mit immensem finanziellen Aufwand wieder auf Vordermann gebracht – und nicht nur das: neben sportiver Optik, neuer Lackierung wird jeder freie Quadratzentimeter mit Plasma-TV, High-End Soundanlage und Playstation bestückt. Wenn das nix ist?!

Pimp my ride 1Bilder


Ein ähnliches Konzept ist übrigens das US-Format „Overhaulin‘“. Während bei „Pimp My Ride“ Rapper X-Zibit noch persönlich bei Dir vorbeischneit, um deinen alten Hobel abzuholen, ist die Ausgangssituation bei „Overhaulin‘“ die, daß dein Fahrzeug vermeintlich geklaut wird! Du weißt also nicht, wo dein Auto ist, bis eines Tages ein „Finder“ bei dir auftaucht und dich zu deinem – inzwischen generalüberholten – Fahrzeug bringt.
Der individuelle fahrbare Untersatz wird wohl also nie aus der Mode kommen und sich ständig selbst neu erfinden – und mit viel Liebe, etwas Stilbewußtsein (und vermutlich viel Geld) wird aus einem Gebrauchsgegenstand ein Kunstwerk.

Pimp my ride 2Bilder


Zum Abschluß eine kleine Sammlung weiterer Schmuckstücke:
In der nächsten Folge geht es darum, daß nicht mehr zwingen die Blechschere nötig ist, um ein Fahrzeug umzugestalten: Die neuen Möglichkeiten von Bleistift, Pinsel und Photoshop...


Bilderauswahl 1Bilder


Bilderauswahl 3Bilder


Bilderauswahl 2Bilder


Bilderauswahl 4Bilder


PS: Ich hab da noch was vergessen bzw. Das beste zum Schluß: Getunt oder gepimpt wird nicht nur in Amerika oder Europa – auch unsere Freunde aus Fernost geben sich dieser Leidenschaft hin. Und wie man sieht, schießen sie den Vogel mal wieder sowas von ab... Respekt. Ob das Kunst ist? Ich zitiere nochmal Andy Warhol, der sagte: „Alles ist schön.“


Bilderauswahl 5Bilder


Bilderauswahl 6Bilder


Bilderauswahl 7Bilder


Heiligs Blechle – Kunst & Autos, Autos & Kunst – Teil IV

Customizing ohne Blechschere – die Möglichkeiten von Papier und Bleistift, Pinsel und Photoshop

Vorwort:
Welcome back! Tja, letzten Monat haben wir eine kleine Pause eingelegt, aber heute geht es weiter mit dem letzten Teil dieser Kolumne.

Halt! Der eine oder andere aufmerksame Leser wird sich erinnern, dass diese Serie mit 5 Teilen angesetzt war. Die noch ausstehenden Teile trugen zum Einen den oben genannten Titel, im letzten Teil wollte ich abschließend ein bisschen über meine Website und meine Arbeiten erzählen. Da sich diese beiden Teile inhaltlich sehr überschneiden, habe ich mich entschlossen, diese beiden Folgen zu einer zu verschmelzen.

In der letzten Folge habe ich euch ein paar Fahrzeuge gezeigt, die die Extreme des Fahrzeug-Tunings bzw. –Customizings beispielhaft präsentieren sollten. Lackierer und Meister der blechdengelnden Zunft haben ihr Können präsentiert – die Ergebnisse sind meist eindrucksvolle Unikate, die Unmengen Geld und Zeit verschlungen haben.
Aber was tun, wenn man keinen Goldesel im Stall hat, aber trotzdem ein Freund automobiler Formen und/oder Individualität ist (sowie meiner einer zum Beispiel)?
Man exerziert das Ganze auf künstlerische oder virtuelle Weise...

Old School – Alles von Hand und ohne Pixel


In der Tat war es in meinem Fall so, dass ein Bekannter von mir stolzer Besitzer eines alten Opel Diplomat mit kultigem (und tatsächlich serienmäßigem) Chevy-V8 war. Und insgeheim träumte er davon aus der alten Kult-Limousine einen Street-Racer zu machen – mit noch größerem Motor und fetten Hinterreifen etc. – traute sich aber nicht, dem Opel zu Leibe zu rücken – und so erhielt ich ein Foto und den Auftrag, den Wagen nach seinen Vorstellungen malerisch aufzumotzen. Zusätzlich habe ich das Fahrzeug noch in Szene gesetzt – auf dem Originalfoto stand der Wagen vor einem Baggersee mit kahlen Bäumen – eher unspannend...
Das Resultat sieht man in Abbildung 1 – inzwischen ist dieses Bild auch schon 9 Jahre alt...

Ein ähnlicher Fall ist die Harley in Abbildung 2 – deren Besitzer gerne andere Lackierung für seinen Bock wollte, sich aber nicht vorstellen konnte, wie das aussehen könnte. Auch dem Mann konnte geholfen werden (1998) – ebenso dem Auftraggeber von Abbildung 3. Für seine Freundin, eine große Käfer- und Australien-Liebhaberin wurde aus zwei Bildern ein einzelnes kombiniert und auf Karton gebannt (1998)...

DiploBilder


HarleyBilder


kaeferBilder


Ein anderer Freund von mir – Modellautosammler, wie ich – hatte ein Modell eines 43er Cadillac Eldorado in schwarz im Maßstab 1:18. Dieses Modell wollte er gern „in echt“ in Szene gesetzt haben. Ich bediente mich der in Abb. 4 zu sehenden Vorlage, welche jedoch ein weißes Fahrzeug zeigt – das wurde allerdings angepasst, ebenso wie die Kulisse, die von mir komplett dazuerfunden worden ist. Das fertige Bild wird auf Abb. 5 gezeigt (2002).

caddyBilder


caddyBilder


Weitere Auftragsarbeiten dieser Art sind ein 2003er Audi TT ( Abb. 6, 2004) und 1996er Pontiac Firebird (Abb. 7, 2006).


audittBilder


firebirdBilder



In Graustufen, aber dennoch plakativ ist folgendes Poster (Abb. 8, Format 100 x 70cm), welches die Designstudie Audi Rosemeyer aus dem Jahr 2000 und ihren Urahn, den Auto-Union Typ C mit Bernd Rosemeyer am Volant zeigt. Dieses Bild entstand als freie Arbeit 2005. Der Hintergrund wurde mit Kohle gezeichnet und wirkt dadurch unsauberer, dynamischer. Der Wagen im Vordergrund wurde mit Bleistiften gezeichnet und wirkt dadurch ruhiger, moderner und präziser (Für die Reifen und den Schatten ist allein ein ganzer B8-Bleistift draufgegangen)
Mit der „handwerklichen, analogen“ Schiene fing also alles an – die Darstellung von Fahrzeugen aller Art... da hatte ich von digitaler Bildbearbeitung noch gar keine Ahnung...
Das änderte sich um 1999, damals allerdings noch ausgestattet mit minderwertiger Hard- und Software. Aber man wurde mit den Möglichkeiten bekannt gemacht und man hatte Blut geleckt – das war die Zukunft, das machte Spaß, das wollte ich machen...

rosemeyerBilder

Autokunst digital

Es folgen also einige Spielarten der digitalen Darstellung. Mit dem ersten PC (in meinem Fall war das ein P1 mit 133 Mhz-Prozessor, 16 MB RAM und einer gigantischen 1,8-GB-Platte, einer 4MB-Grafik, die einen 15“-Monitor mit Daten versorgte) arbeitete man erst mit der Graphix Suite (weiß schon gar nicht mehr, von wem das ist....) und eines Tages war es soweit und das Eintauchen in die Welt des Photoshop stand unmittelbar bevor – es gab keinen Weg dran vorbei. War das faszinierend, was man damit alles machen konnte! Man konnte so viel Fehler machen, wie man wollte – ohne ein Blatt Papier wegschmeißen zu müssen... :o)
Die Fähigkeiten stiegen fast so schnell wie die Ansprüche – und sie tun es immer noch *g*


Was sich mit Bildbearbeitungsprogrammen prima realisieren lässt, sind Fahrzeuge, die es gar nicht gibt – so zum Beispiel diesen Chrysler PT „Dragster“ (Abb. 9). Basierend auf dem Retro-Van PT Cruiser, wurde hier mittels Photoshop ein Zweisitzer im Hot Rod-Style erschaffen – eine Karosserieform, die zum klassischen Design des PT eigentlich hervorragend passt. Schade eigentlich, dass DaimlerChrysler so eine Variante nie auf Kiel gelegt hat... (aber man hatte ja den Plymouth Prowler im Angebot).

Ein Fahrzeug, welches es so auch nicht gab, ist die in Abb. 10 gezeigte Neuauflage des Dodge Charger. In der April-Ausgabe 2005 der „Chrom & Flammen“ wurde der neue Dodge Charger vorgestellt, eine sportlich ausgelegte Limousine mit kraftvoller Motorisierung – so weit so gut – wenn da nicht dieser Name wäre... Einen „Charger“ gab es nämlich schon einmal – in den späten 60er Jahren in der Muscle Car Ära.

ptBilder


Damals war der Dodge Charger jedoch ein eindrucksvoll gestyltes Coupé und keine Familienlimousine. Die Redaktion der Chrom & Flammen fragte dann auch in diesem Artikel die Leserschaft nach seiner Meinung. Tja diese Frage wollte ich nicht unbeantwortet lassen und schickte meine überarbeitete Version des Charger an die Redaktion, welche dann in der Juni-Ausgabe auch abgedruckt wurde und bei vielen Lesern große Zustimmung fand... und die Jungs von West Coast Customs bauten sogar eine ähnliche Variante...


charger1Bilder

charger2Bilder


Die Retusche in der Seitenansicht ist noch die einfachste Möglichkeit, da die korrekte Perspektive der Modifizierungen hier am leichtesten fällt. Bei Gelegenheit schreibe ich noch ein „Wie-aus-einer-Limousine-ein-Coupé-wird“-Tutorial.
Keine Retusche, eher eine Collage ist Abb. 11 – „50 Jahre Corvette“. Ich hatte mir zu diesem Jubiläum ein Postkarten-Motiv ausgedacht, welche die erste Generation und die aktuelle Variante der amerikanischen Sportwagenlegende zeigt. Die beiden Wagen sind abfotografierte Modelle im Maßstab 1:18, der Hintergrund besteht aus fünf einzelnen Fotos.

corvetteBilder


Eine Variante der digitalen Autokunst ist der „Car-Toon“ – gerade sehr aktuell im neuen Animationsfilm „Cars“. Hier werden die Proportionen des Fahrzeugs übertrieben dargestellt – man erhält quasi die Karikatur eines Fahrzeugs. Zwei Beispiele für solche „Car-Toons“ sind diese 2003er Chevrolet Corvette (Abb. 12) und dieser 1970er Dodge Challenger (Abb. 13).

toon-vetteBilder


toon-dodgeBilder


Zu den Retuschen kam später das Nachkonstruieren von Fahrzeugen – als Vektorgrafik, damit man sich ein besonders gelungenes auch mal als Poster an die Wand hängen kann, ohne dass man gleich jeden Pixel sieht. So entstanden eine ganze Reihe von Fahrzeugen mit unterschiedlicher Realitätswirkung:
Der 1932er Ford Hot Rod (Abb. 14) und der 1949er Mercury (Abb. 15) sind eher als Comic/Illustration dargestellt.


hotrodBilder


mercuryBilder


Der 1955er Porsche Speedster (Abb. 16) und die 1962er Shelby Cobra (Abb. 17) haben einen höheren Anspruch an die Realität.

cobraBilder


speedsterBilder


Und wenn man das Ganze exzessiv betreibt, dann kommt so etwas wie der 1965er Mustang heraus: Die in Abb. 18 gezeigte Vektorillustration besteht aus über 350 einzelnen Kurven... eine irrsinnige Fummelei, aber mit ein bisschen Wahn geht das schon... ;o)

mustangBilder


In die andere Richtung gehen die reduzierten Styleworks, wo die Form- und Farbgebung auf das Wesentliche reduziert wird – hier beispielsweise vertreten durch einen weiteren Dodge Challenger (Abb. 19) und ein Audi 100 Coupé (Abb. 20). Hier bestand die Aufgabe darin, Farben und Formen so weit wie möglich zu verringern und dennoch den Charakter des Fahrzeugs darzustellen.

challengerBilder


audi100Bilder



Und damit sind wir am Ende unserer kleinen Reihe angekommen. Ich hoffe, ihr hattet viel Spaß beim Lesen und beim Anschauen der Bilder, und wenn ihr wollt, kommt mich doch mal besuchen auf www.cars-n-arts.com!
Man liest sich –
Michael

Kommentare
Achtung: Du kannst den Inhalt erst nach dem Login kommentieren.
Portrait von kepptenkuck
  • 25.06.2012 - 10:38

Tja, nicht das was ich erwartet hatte :-(

Portrait von kepptenkuck
  • 25.06.2012 - 10:38

Tja, nicht das was ich erwartet hatte :-(

Portrait von Beeblebrox
  • 09.11.2010 - 08:45

Als Autor sollte ich mich vielleicht auch mal zu Wort melden :D

Ehrlich gesagt, weiß ich auch nicht, warum diese Reihe unter den Tuts steht. -Denn das ist in der Tat irreführend. Eigentlich haben mich die Petri-Jungs mal angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, eine Reihe über Autos in der Kunst und meine Arbeiten vorzustellen - was ich dann auch gemacht habe.
Vielleicht sollte ich da mal Bescheid sagen, dass die Einsortierung mal überdacht wird.
An alle Fehlgeleiteten: Sorry und nix für ungut und danke fürs Lesen!

Portrait von Toconta
  • 08.11.2010 - 21:16

Der Workshop (??) ist ein Ausflug durch die Werbegeschichte. Gut gemacht mit wirklich schönen Bildern. Nur schade, dass es nicht so deklariert ist. Ich hatte auf ein Tut für PopArt gehofft.

Portrait von mickyleh
  • 04.11.2010 - 11:45

dafür 3 punkte, ist schon ne frechheit!!!

Portrait von HallaWalla
  • 13.02.2011 - 03:28

"dafür 3 punkte, ist schon ne frechheit!!! "

5 Punkte.. aber ich finds gut. sehr ausführlich. saved!

Portrait von Werbedesign_Jung
  • 19.02.2010 - 09:22

Nicht ganz, was der Titel verspricht, dennoch interessant bzgl. Anschauung und Möglichkeiten. Man kann sich Ideen auch mal absehen.

Portrait von tagtraumde
  • 31.01.2010 - 20:35

interessant, vll folgt ja denn informationen auch bald die entsprechenden tutorials

Portrait von suaviari
  • 15.11.2009 - 21:28

Leider verspricht der Titel mehr...

Portrait von Stefanie1969
  • 27.08.2009 - 09:55

Mmmm .... Kein echte tud - dennoch interessant!

Portrait von Fhenart
  • 12.07.2009 - 16:12

Nix Tut - aber gut. Habe eigentlich Tipps und Tricks zur Anwendung erwartet.

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 09.02.2009 - 09:33

Nicht das was ich gesucht habe, aber dennoch sehr nice :)

Portrait von truckerfrank8800
  • 08.02.2009 - 12:45

sorry,eigentlich habe ick wat anderes gesucht, doch nun einfach mal durch diese goile beschreibung und den bildern umgestimmt worden. super gemacht

Portrait von xesss
  • 11.04.2008 - 18:44

sehr interessant. die arbeiten sind wirklich klasse

Portrait von LoRileinchen
x
×
×