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Tutorialbeschreibung

Gestaltungsworkshop Teil 02 - Bildaufbau: Form schlägt Inhalt

Gestaltungsworkshop Teil 02 - Bildaufbau: Form schlägt Inhalt

Quatsch, meint ihr? Vielleicht. Denn schließlich ist es die Aussage eines Werkes, die es interessant macht, es ist der Inhalt, die Message, womit der Schaffende versucht, etwas mitzuteilen, oder, wenn's gut läuft, sich gar unsterblich zu machen.

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Aber Inhalt ohne Form, geht das? Natürlich nicht, doch was hat das eine mit dem anderen zu tun? Eine Menge, wie wir gleich sehen werden. Denn wenn man die Aussage eines Bildes als die Praline begreift und die Form als Schachtel, in der sie präsentiert wird, dann ist schnell klar, wie abhängig die Botschaft von der Art und Weise ist, wie sie präsentiert wird. Das Tückische an einer guten und durchdachten Präsentation ist allerdings, dass sie als selbstverständlich wahrgenommen wird, denn sie korrespondiert mit dem Inhalt auf verschiedenen Ebenen; ihre Anwesenheit scheint so natürlich wie die Luft zum Atmen.

Es gilt also herauszufinden, was denn nun die gelungene von der missratenen Form unterscheidet, und wie Sie sicherlich bereits ahnen, kommt man um ein paar Regeln nicht herum. Der Trost für alle Freigeister und Regelhasser: Sie müssen sie ja nicht anwenden, denn oft besteht die Kunst gerade im Weglassen des Erwarteten und Berechenbaren.

Doch Sie sollten zumindest genau wissen, was Sie denn weglassen oder nicht zur Anwendung bringen. Was fast ein wenig kryptisch und nach viel Kopfarbeit klingt, ist letztlich recht unkompliziert. Im Gegensatz zur “reinen” Fotografie, wo oftmals Sekundenbruchteile im Entstehungsprozess darüber entscheiden, ob ein Bild den Betrachter umhaut oder eher langweilt, haben Sie als Schöpfer einer Bildmontage jede Menge Zeit, sich für oder gegen die eine oder andere Regel zu entscheiden. Oder sie ein wenig umzudeuten, denn auch dazu haben Sie das Recht und, im Gegensatz zur physikbestimmten Fotografie, die Möglichkeit.

Dass Sie dabei die Gesetze der Optik ab und an verbiegen, muss nicht von der Realitätswirkung Ihrer Montage wegführen, sondern kann deren Aussage sogar noch verstärken. Überprüfen Sie doch einfach an Hand der folgenden zwölf Punkte, welcher Ihrem Bildkonzept etwas bringen könnte.

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Formatfindung

Es ist nicht wichtig, mit welchem Gestaltungskriterium Sie beginnen, dennoch ist die Wahl des Formates eine der Fragen, die relativ weit vorne stehen. Prinzipiell können Sie selbstverständlich frei wählen, ob Ihnen ein Hoch- oder ein Querformat besser mundet; selbst ein verhältnismäßig spannungsloses und ruhiges Quadrat steht zur Auswahl. Dass Querformate und Panoramen häufiger Verwendung finden als Hochformate, hat wohl mit deren geringem Verfremdungspotential zu tun: Die Augen sind nebeneinander und nicht übereinander angeordnet; wir sehen quasi im Panoramaformat. Quadrate und Hochformate dagegen verfremden stärker, die Ausschnitte wirken künstlicher.

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Heißes Eisen: Die Brennweite

Nur wenige Dinge beeinflussen das Gefühl für eine Fotografie derart stark wie die Brennweite, die bei der Aufnahme verwendet wurde. Das Teleobjektiv vermittelt Distanz zum Geschehen, lässt die Perspektive flach wirken. Das Weitwinkel macht das Gegenteil, es gibt dem Vordergrund viel Raum und lässt den Hintergrund weit entfernt erscheinen. Verwenden Sie also beim Fotografieren des Hintergrundes, auf dem das Composing aufgebaut werden soll, eine kurze Brennweite, dann wirkt das fertige Bild wesentlich dynamischer, schneller, dramatischer. Es ist einfach mehr los als bei Verwendung einer langen Brennweite.

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Der Standpunkt

Quasi das Gegenstück zur Brennweite. Ein Motiv kann prinzipiell aus kurzer Distanz mit kurzer Brennweite fotografiert werden oder, bei gleichem Ausschnitt, vom weiter entfernten Standpunkt mit langer Brennweite. Brennweite und Kamerastandpunkt sind also Größen, die einander beeinflussen und gegeneinander abgewogen werden müssen, will man zum gewünschten Bildausschnitt kommen. Versuchen Sie stets, dem Objekt oder der Szene, die Sie fotografieren wollen, möglichst nahe zu kommen. So geben Sie das Gefühl, unmittelbar an der Szene beteiligt gewesen zu sein, an den Betrachter weiter.

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Vordergrund

Die Frage drängt sich geradezu auf: Wenn schon das Weitwinkelobjektiv den Vordergrund betont und dadurch das Bild dynamisiert, dann könnte man doch versuchen, eben diesen Effekt auf die Spitze zu treiben, indem zwischen Betrachter und Vordergrund weitere Bildinhalte eingefügt werden. Anders ausgedrückt: Vergrößern Sie die Objekte in Vordergrund, sodass sie dem Betrachter regelrecht entgegenspringen. Das betont die ohnehin schon vorhandene Weitwinkeldynamik und sprengt den Rahmen dessen, was mit herkömmlicher Fotografie zu erreichen ist.

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Scharf macht groß

Jetzt aufgepasst, dieser Vordergrund hat es in sich: Er entscheidet darüber, wie “groß” Ihre Szene interpretiert wird. Vor allem dann, wenn Sie kein Referenzobjekt im Bild haben, wie zum Beispiel einen Menschen oder ein Haus, kann ein Betrachter die Größe nur nach der Schärfe der abgebildeten Gegenstände interpretieren. Ein scharfer Vordergrund lässt die Szene, analog zu einer Landschaftsaufnahme, groß und mächtig erscheinen. Wird er dagegen unscharf fotografiert oder nachträglich gesoftet, entsteht der Eindruck, eine miniaturartige Szene zu betrachten. Ist der Hintergrund ebenfalls unscharf, verstärkt sich dieser Eindruck noch.

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Anschneiden

Wenn es das Auge allein wäre, das sich ein Bild ansieht, wären wir schnell fertig mit der Gestaltung. Aber: Die Psyche ist immer vorne mit dabei. Das können Sie sich zu Nutze machen, indem Sie ihr Bildinformationen vorenthalten. Die einfachste Art dies zu tun, ist, Bildobjekte anzuschneiden. Zu erkennende, aber nicht vollständig abgebildete Dinge werden im Kopf ergänzt, dabei wird sozusagen der Bildrahmen gesprengt. Das Bild wird unruhiger, abermals dynamischer, und man bekommt den Eindruck einer stärkeren Lebendigkeit. Nicht angeschnittene Szenen wirken dagegen geplant und gestellt.

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Goldener Schnitt

Der goldene Schnitt ergibt sich durch Schnittpunkte von Linien, die von den allermeisten Menschen als besonders harmonisch empfunden werden. Es gibt vier solcher Schnittpunkte, die im jeweils gleichen Abstand um den Mittelpunkt verteilt liegen. Sie brauchen sie nicht exakt zu konstruieren, können aber natürlich die mathematische Herleitung zur Konstruktion bemühen. Versuchen Sie, Linien oder deren Verlängerung durch den goldenen Schnitt laufen zu lassen, bildwichtige Informationen dorthin zu legen oder den Schnittpunkt durch konsequentes Ignorieren, beispielsweise die Verwendung einer Zentralperspektive, außer Kraft zu setzen.

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Horizont

Der Horizont ist für viele Bilder die markanteste Linie. Er teilt Himmel und Erde, gibt also einen Hinweis darauf, wo Sie sich als Betrachter befinden. Schauen Sie auf eine Szene herab? Dann finden Sie den Horizont in der Gegend des oberen Bildrandes. Sehen Sie die Dinge aus der Froschperspektive? Dann liegt der Horizont sehr tief. Seine Lage gibt aber nicht nur Auskunft über die Position des Betrachters, sondern kann einem Bild Ruhe verleihen, wenn er sich in der Bildmitte befindet. Oder das Gegenteil hervorrufen, wenn er diagonal durchs Bild läuft. Sie wollen den totalen Overkill? Dann brauchen Sie einen wellenförmig geschwungenen schrägen Horizont im unteren Bilddrittel.

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Hell/dunkel - weit/nah

Helle und dunkle Tonwerte geben in der Zweidimensionalität eines Bildes Aufschluss darüber, in welcher Entfernung zum Betrachter sich ein Objekt befindet. Das hat etwas mit den Seherfahrungen zu tun: Tiefschwarz werden Sie immer nur in nächster Nähe finden. Die Distanz ist nicht groß genug, als dass beispielsweise Dunst sich bemerkbar machen könnte. Helle Tonwerte dagegen führen in die Ferne: Wolken und die Sonne sind immer weit weg, Schwebeteilchen und die Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre nehmen dunklen Tonwerten die Tiefe. Also dunkeln Sie vorne ruhig ab, während Sie zum Horizont hin mit den Tonwerten immer heller werden.

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Leserichtung

Manche Composings wollen mehr als nur einen momentanen Zustand beschreiben. Dies gilt im Übrigen auch für ein gelungenes Foto: Es ist die Geschichte, die den Betrachter neugierig macht, das Vorher und Nachher, das sich aus dem dargestellten Moment entnehmen oder interpretieren lässt. Dies impliziert natürlich eine Bewegungsrichtung und einen Raum, in welchem die Bewegung, die Szene oder die Geschichte ablaufen können. In den meisten Fällen erscheint es natürlicher, diese Bewegung von links nach rechts ablaufen zu lassen, da Dinge wie Lesen und Schreiben auch von links nach rechts ausgeübt werden. Spiegeln Sie Ihr Bild einmal horizontal und beobachten Sie, wie sehr sich seine Aussage verändert!

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Speed it up!

Eines der Dinge, die immer wieder für Verblüffung sorgen, ist die nachträglich eingebaute Bewegung. Es gibt eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Bewegung darzustellen. Versuchen Sie, eine Vorstellung von der Art und Weise zu bekommen, wie sich die Objekte in Ihrem Bild bewegen, dann wissen Sie, wie Sie sie bearbeiten müssen. Im Beispielbild gibt es eine ganze Reihe von Bewegungen: Die verschiedenen Mikadostäbe fallen unterschiedlich schnell mit verschieden schnellen Drehungen zu Boden, während der Hintergrund sich zu bewegen scheint, weil der Betrachter zurückweicht. Dieses Imitieren einer langen Belichtungszeit während der Aufnahme gibt einen Extrakick Spannung. Sozusagen das Sahnehäubchen.

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Don't!

Zum Schluss noch eine der häufigsten Ursachen für spontanes Erblassen beim Anblick eines Bildes, selbst wenn Composing, Bildaussage und Umsetzung funktionieren: Der Rahmen. Es ist unglaublich, wie viel Zeit und Fantasie manche Menschen in die Konstruktion eines solchen Kleinods stecken, allein man weiß nicht genau, warum. Ein Rahmen, der vom Bild langsam in einen nicht vorhandenen Untergrund übergeht und dabei keine Doppellinie, verschärfte Unschärfe oder andere Geschmacklosigkeit auslässt, hat an einem Bild egal welcher Herkunft einfach nichts verloren. Und: Dies ist die einzige Regel, die Sie bitte nicht brechen sollten.

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Kommentare
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Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 20.09.2013 - 18:56

Super geschrieben. Sehr nah

Portrait von mantaro
  • 23.01.2013 - 10:03

Danke für das hilfreiche Tutorial!

Portrait von MaoMao
  • 15.01.2013 - 20:29

Danke für den super Workshop.

Portrait von lichtbogen
  • 18.11.2012 - 11:46

Vielen Dank für die tollen Tipps.

Portrait von MrBeck
  • 28.03.2012 - 13:55

Schöne Bilder! Mal gucken ob ich sowas auch selber hinbekomme!

Portrait von MrBeck
  • 28.03.2012 - 13:54

Schöne Bilder! Mal gucken ob ich sowas auch selber hinbekomme!

Portrait von helnie
  • 02.01.2012 - 15:09

Die Bebilderung machen das Ganze noch verständlicher.
Sehr gut gemacht. Großes Danke

Portrait von Diona
  • 17.12.2011 - 18:02

Vielen Dank! Die Bilder sind natürlich klasse :)

Portrait von maarc
  • 10.11.2011 - 13:48

Danke für die Tipps :)

Portrait von ladymo
  • 23.08.2011 - 08:30

Klasse Tipps! Danke.

Portrait von resi85
  • 30.07.2011 - 21:01

Sehr gut und anschaulich erklärt! Danke

Portrait von Andre_S
  • 26.07.2011 - 20:19

Klasse Tut,
auch wenn der goldene Schnitt (übrigens 1:1,62) im zugehörigen Bild so gar nicht stimmt.
LG André

Portrait von berlinmotion
  • 30.04.2011 - 10:26

vielen Dank für die Mühe ... wie die anderen Teile einfach super erklärt

Portrait von Evalucia
  • 31.08.2010 - 18:56

Sehr schönes Tutorial

Portrait von Funky93
  • 11.07.2010 - 12:29

super, einfah erklärt und Gut

Portrait von larissa_88
  • 05.07.2010 - 13:43

Super Bilder. einfach erklärt, sehr hilfreich

Portrait von matt_pengo
  • 25.03.2010 - 14:08

die grundlagen werden einfach geklärt!

Portrait von thomaskeil
  • 04.02.2010 - 14:15

Klasse, die Grundprinzipien werden deutlich aufgezeigt. Kann man immer wieder nachlesen.

Portrait von Arnitun
  • 11.11.2009 - 13:34

Wirklich sehr hilfreich und interessant. Auf zu Nr. 3

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 20.10.2009 - 12:39

Eine sehr schönes Tut

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