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Tutorialbeschreibung

Gestaltungsworkshop Teil 09 - Zoom dich froh!

Gestaltungsworkshop Teil 09 - Zoom dich froh!

Die Wahl der passenden Brennweite ist in Zeiten des allgegenwärtigen Zooms ein Klacks. Sollte man meinen, hat man doch stets alle Brennweiten verfügbar. Wenn es jedoch ums Fotografieren für ein Composing geht, solltet ihr nicht nach Gusto entscheiden, sondern vorher scharf beobachten und dann souverän die passende Brennweite einstellen. Welche, wann und warum, zeigt Uli Staiger.

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Unterschiedlich lange Brennweiten schaffen unterschiedliche Bildwirkungen, das ist hinlänglich bekannt. Je kürzer die Brennweite des verwendeten Objektivs, desto offensichtlicher ist die Perspektive der Darstellung, desto räumlicher wirkt sie. Lange Brennweiten machen es genau umgekehrt: Die Räumlichkeit verschwindet zugunsten einer flächigen Darstellung, Perspektive ist kaum mehr erkennbar. Doch vertragen sich lange und kurze Brennweiten in ein- und demselben Composing?

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Die Antwort gibt die sogenannte Basisaufnahme, also das Bild, auf dem das Composing aufgebaut ist. Selbst wenn es mehrere gleichberechtigte Teile sind, so ist ein Teil maßgeblich für die Perspektive. Dass sich alle anderen Bildteile nur dieser einen Perspektive unterordnen können, wenn das Endresultat stimmig sein soll, ist logisch. Ist die Basisaufnahme mit langer Brennweite fotografiert, dann werden Sie es recht leicht haben, denn die perspektivische Wirkung mittlerer oder langer Brennweiten unterscheidet sich nicht dramatisch voneinander.

Sie können getrost sämtliche Einzelteile, Details und Objekte, die Sie noch benötigen, mit demselben Objektiv fotografieren, mit dem auch die Basisaufnahme entstanden ist.

Je kürzer deren Brennweite, desto ausgeprägter ist die Perspektivwirkung. Auch in diesem Fall könnten Sie für alle Teile nur ein- und dieselbe Brennweite verwenden, nämlich die der Basisaufnahme, vorausgesetzt, dass die Position des Objektes im Sucher möglichst genau der Position im Composing entspricht. Außerdem eignet sich eine weitwinklige Basisaufnahme wesentlich besser zur Darstellung von Perspektive als eine Aufnahme mit Teleobjektiv, da sie viel besser in der Lage ist, die dritte Dimension vorzutäuschen, die im zweidimensionalen Bild nicht vorhanden ist.

Problematisch wird es erst, wenn Sie die Größenverhältnisse von Objekten verändern wollen, also beispielsweise ein Modellauto fotografieren, das im Bild Originalgröße haben soll: Dann muss die verwendete Brennweite um so länger sein, je näher das Modell am Horizont bzw. am Fluchtpunkt positioniert werden soll.

Verwenden Sie Archivaufnahmen, hilft ein Blick in die Dateiinformationen des Bildes, um festzustellen, mit welcher Brennweite fotografiert wurde: War die Brennweite kurz, gehört das fotografierte Objekt in den Vordergrund, war sie lang, dann kann es nur im Hintergrund der Basisaufnahme einen Platz finden. Wurde mit kurzer Brennweite fotografiert, der Gegenstand aber nicht formatfüllend abgebildet, so entspricht die Darstellung eher einer längeren Brennweite - mit der Folge, sie weiter in die Nähe des Fluchtpunktes zu rücken.

Nicht alles passt zueinander, manches Bild kann perspektivisch korrigiert werden, ein anderes müssen Sie neu fotografieren. Aber der Reihe nach. Betrachten wir zunächst einmal die Bildwirkung verschiedener Brennweiten.


 

These ...

Die Brennweite bestimmt die Perspektivwirkung der Aufnahme. Weitwinkel, also Objektive von 35 mm und weniger, betonen die Perspektivwirkung umso stärker, je kürzer sie sind. Lange Brennweiten ab etwa 85 mm dagegen verflachen die Perspektivwirkung, da alles, was sie abbilden, relativ weit weg ist und deshalb kein Bezug zu einem nahe gelegenen Gegenstand hergestellt werden kann. Die Aufnahme des Schachspiels verdeutlicht dies: Obwohl beide Könige 6 Felder voneinander entfernt sind, wurden Sie bei einer Brennweite von 200 mm annähernd gleich groß abgebildet.

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... und Gegenthese

Diese Aufnahme zeigt einen Ausschnitt desselben Aufbaus, wurde aber mit einem starken Weitwinkelobjektiv von 20 mm vom gleichen Standpunkt aus fotografiert. Die schlechte Abbildungsqualität kommt von der starken Ausschnittsvergrößerung, die notwendig war, um das Bild der Teleaufnahme anzugleichen. Das Beispiel zeigt, dass bei unverändertem Standpunkt die Brennweite keinen Einfluss auf die Perspektive hat.

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Kleiner Bildwinkel

Warum also gibt es lange, mittlere und kurze Brennweiten, wenn sich damit keine unterschiedliche Perspektiven darstellen lassen? Der Bildwinkel gibt die Antwort. Je länger die Brennweite des Objektivs, desto kleiner ist er, desto weiter entfernt darf das Objekt oder die Person sein, um formatfüllend fotografiert werden zu können. Da die Brennweite bei dieser Aufnahme 200 mm war, was einem Bildwinkel von 12,3° entspricht, musste ich die Kamera 2 m vom Aufbau entfernt aufs Stativ setzen.

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Großer Bildwinkel

Beim Weitwinkelobjektiv ist der Bildwinkel wesentlich größer. Um mit 20 mm Brennweite denselben Ausschnitt wie bei 200 mm zu fotografieren, musste ich erheblich dichter ans Geschehen rücken. Der Ausschnitt ist der gleiche wie bei der Teleaufnahme, der Bildeindruck, also die Perspektivwirkung, dagegen völlig verschieden. Aus der kurzen Brennweite ergibt sich ein Bildwinkel von 94,5° und daraus wiederum der Abstand von 10 cm zu den ersten beiden Schachfiguren. Wenn mit der Brennweite auch der Kamerastandpunkt verändert wird, ändert sich die Perspektive. Oder hätten Sie erkannt, dass das Schachspiel dasselbe ist wie in der Teleaufnahme zuvor?

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Orientierung I

Bevor Sie anfangen zu fotografieren, sollten Sie sich überlegen, welche Tiefenwirkung Ihr Bild haben soll. Im Normalfall dürften Sie bestrebt sein, die nicht vorhandene dritte Dimension durch eine starke Perspektivwirkung auszugleichen: Betrachtet man die Aufnahme dieses Schachbretts, so fällt die stark fluchtende Perspektive auf. Die Verlängerungen der linken und rechten Kante des Spielbretts treffen sich in einem Winkel von etwa 45° - ein klares Indiz für eine sehr weitwinklige Aufnahme und geeignet, Tiefe und Weite darzustellen.

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Orientierung II

Die Brennweite von 50 mm entspricht etwa dem Eindruck, den wir beim Betrachten unserer Umgebung mit bloßem Auge haben. Er wird deswegen als zurückhaltend und bisweilen auch als unspektakulär empfunden, schließlich ist diese Perspektive sehr vertraut. Außerdem vermisst man die Raum darstellende Wirkung der Weitwinkelaufnahme ein wenig, die die nicht vorhandene Dreidimensionalität wettmacht. Die Weitwinkelaufnahme mit ihrer großen Tiefenstaffelung wirkt dagegen eher wie ein echter, begehbarer Raum.

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Orientierung III

Völlig vorbei ist es mit der räumlichen Darstellung bei Verwendung eines Teleobjektivs. Schade. Das Schachbrett wurde mit einer Brennweite von 200 mm fotografiert; bereits ab 85 mm könnte das Bild nur noch sehr eingeschränkt Räumlichkeit darstellen. Interessant ist jedoch, dass sich lange Brennweiten von beispielsweise 100 mm und 500 mm zwar sehr durch den dargestellten Ausschnitt, nicht jedoch durch ihre perspektivische Wirkung unterscheiden. Deshalb können alle Bildteile eines Composings, das auf Räumlichkeit weitgehend verzichtet, mit irgendeiner Telebrennweite fotografiert werden.

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Details

Wenn Sie die Basisaufnahme mit einem Weitwinkel erstellen wollen, um Räumlichkeit zu simulieren, dann wissen Sie auch, mit welcher Brennweite Sie die Details des Composings fotografieren müssen: Möglichst mit derselben. Die drei Dominosteine wurden so auf einem Tisch platziert, dass sie im Kamerasucher genau dort zu sehen waren, wo sie auch im späteren Bild ihren Platz finden sollten. Die Kameraposition war dabei dieselbe wie bei der Aufnahme des Himmels, nämlich waagerecht und ungefähr 10° nach oben geneigt. Die leicht stürzenden Linien habe ich entzerrt, um dem Bild mehr Stabilität zu geben.

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Unschärfe

Nehmen wir mal an, Sie haben als Basisaufnahme diesen Himmel mit einem Weitwinkelobjektiv von 28 mm geschossen und verwenden dieselbe Brennweite, um die Dominosteine zu fotografieren, dann können Sie bestimmten Objekten Unschärfe zuweisen. Tun Sie dies, wirken die Spielsteine nur mäßig groß, da die Unschärfe auf einen kleinen Aufbau mit normal großen Steinen hinweist. Lassen Sie die Unschärfe weg, wirken die Steine größer, mächtiger. Egal, wie Sie sich entscheiden: Sie können die Unschärfe später per Filter zufügen wie hier im Bild oder bereits unscharf fotografieren, was authentischer wirkt.

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Stockbilder

Für den Fall, dass Sie mit Bildern arbeiten, die Sie nicht selbst fotografiert haben, helfen Ihnen die Dateiinformationen weiter. Dort können Sie nachschauen, um rauszukriegen, welches Objektiv bei der Aufnahme verwendet wurde. Denken Sie auch an einen eventuellen Verlängerungsfaktor bei Kameras, die nicht mit Vollformatchip arbeiten. Oder Sie analysieren die Aufnahme selbst: Fluchtet das Bild stark? Ist eine große oder eher kleine Tiefenstaffelung von Bilddetails zu erkennen? Sind stürzende Linien sichtbar? Diese Einteilungen geben Hinweise, wo im Composing das betreffende Bilddetail eingebaut werden kann.

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Je näher, desto kurz

Eindeutiger ist, selbst zu fotografieren, denn da wissen Sie genau, welche Brennweite Sie einsetzen. Je dichter am Bildrand, desto weniger Toleranz haben Sie hinsichtlich der verwendeten Brennweite. Eine ausgeprägte Weitwinkelperspektive dürfen Sie auf keinen Fall ignorieren; die überzeugendsten Ergebnisse erzielen Sie, wenn das verwendete Objektiv mit dem Objektiv für die Basisaufnahme identisch ist. Für Weitwinkel wie Teleobjektiv gilt, dass der Blick durch den Sucher das Objekt möglichst in Größe und Position so zeigen sollte, wie es im späteren Composing erscheint.

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Ausnahme

Die Ausnahme für die Aufnahme gibt es natürlich auch. Im Bild sollte ein Dominostein überdimensioniert werden, er soll also wesentlich größer wirken, als er ist. Ich habe ihn so aufgestellt, dass er hinsichtlich seiner späteren Position im Composing an der richtigen Stelle steht. Dann aber habe ich ihn nicht wie den anderen Stein auf der rechten Seite mit Weitwinkel, sondern mit einer längeren Brennweite von 85 mm fotografiert, sodass sich nicht die Perspektive, sondern nur der Bildausschnitt und damit auch die Größe des Steins änderte. Überraschung: Die Kantenlänge ist dieselbe wie bei dem kleinen Stein rechts.

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Kommentare
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Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 25.09.2013 - 12:52

Super Infos sowie alle anderen Teile auch. Danke

Portrait von schraubergott
Portrait von MaoMao
  • 15.01.2013 - 20:30

Danke für den super Workshop.

Portrait von rafoldi
  • 14.01.2013 - 13:59

wieder einmal sehr gut erklärt

Portrait von Brigitte_C
  • 14.08.2011 - 10:55

Ein gut geschriebenes Tutorial, was sich mir jedoch nicht so wirklich erschlossen hat, ist, warum ich die richtige Größe bereits beim Fotografieren einhalten muss.

Portrait von Funky93
  • 11.07.2010 - 12:36

Da bekommt man neue versuchs Ideen
klasse

Portrait von Photomeister
  • 09.03.2010 - 11:15

ich finde diese anregung Klasse

Portrait von Arnitun
  • 10.12.2009 - 16:23

Sehr stimmig, wobei beim letzten Bild irgendwas komischt ist, ich kann nur nicht genau sagen was :/ Ansonsten wieder ein super tutorial

Portrait von Abigel
  • 03.07.2009 - 11:36

Tolle Idee - super umgesetzt! Genial! :-)

Portrait von yogimausi
  • 25.06.2009 - 14:31

Herzlichen Dank, toller Workshop!

Portrait von derHUWI
  • 27.03.2009 - 17:40

sehr Informativ ! Danke !

Alternative Portrait
-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)
  • 27.03.2009 - 11:33

Finde ich einfach hervorragend, macht Wichtiges wieder sehr bewußt.

Portrait von T_point
  • 22.03.2009 - 19:03

Super Workshop. Danke hat mir sehr geholfen!

Portrait von Merlin22
  • 21.03.2009 - 11:39

Eine ausgezeichnete Darstellung der Problematik, die beim Composing entstehen kann. Super!

Portrait von micee
  • 20.03.2009 - 19:35

Sehr informativ. Kann nicht besser beschrieben werden.

Portrait von calvinhollywood
  • 20.03.2009 - 17:58

Informativ.... auf alle Fälle... aber hab ich glaube schon in zwei Zeitschriften gelesen.

lg Calvin

Portrait von mayhardcastle
  • 20.03.2009 - 17:05

ich würde sagen, besser kann man die thematik eigentlich gar nicht verdeutlichen und erklären... tolles tutorial!

Portrait von FrankBauer
  • 19.03.2009 - 20:39

mal wieder irre gut ;-) ich freue mich schon auf den nächsten teil

Portrait von FrankBauer
  • 19.03.2009 - 20:38

mal wieder irre gut ;-) ich freue mich schon auf den nächsten teil

Portrait von FrankBauer
  • 19.03.2009 - 20:38

mal wieder irre gut ;-) ich freue mich schon auf den nächsten teil

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