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Tutorialbeschreibung

Gestaltungsworkshop Teil 11: Glow - Lichtstrahlen richtig eingesetzt

Gestaltungsworkshop Teil 11: Glow - Lichtstrahlen richtig eingesetzt

Eine Lichtquelle darzustellen, ist gar nicht schwer. Man muss sich nur klarmachen, wie und warum Licht sichtbar wird, denn die eigentliche Strahlung an sich ist unsichtbar. Sobald es aber auf einen Gegenstand trifft, verursacht es einen Effekt: Es beleuchtet den Gegenstand. Neben dieser rein physikalischen Tatsache gibt es noch eine andere Beobachtung, die mit der Wahrnehmung von Licht durch optische Systeme zu tun hat: Das Licht wird durch ein Linsensystem gebündelt und durch eine Öffnung geschickt, die bei der Kamera die Blende ist und beim Auge die Pupille. Dabei kommt es zu Lichtbrechung und, wichtig für uns, zur sogenannten Überstrahlung, also einer Art Aura, die um die Lichtquelle herum erscheint. Berücksichtigt man diese beiden Beobachtungen, lässt sich ein Lichteindruck mit Photoshop sehr überzeugend darstellen.

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Wenn man Glühbirnen haufenweise verladen will, benötigt man schweres Gerät. Dieses fand ich bei einer Baugeräteverleihfirma. Das Licht war butterweich, da der Himmel bedeckt war: Eine sehr gute Voraussetzung für nachträglich einzufügende Lichtführung.

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Der Radlader und die Kipper wurden mit derselben Brennweite fotografiert, wenn auch an unterschiedlichen Stellplätzen. Da aber auch die Perspektive sehr ähnlich ist, war das Zusammenmontieren nicht schwer. Der helle Himmel macht die Maskierung verhältnismäßig einfach. Trotzdem habe ich mich für den Pfad als Freistellmethode entschieden, weil er sehr saubere, glatte Kanten an den technischen Rundungen und Geraden der Geräte produziert.

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Damit die Weite der Aufnahme zur Geltung kommen kann, wird ein neuer Hintergrund aus der argentinischen Pampa eingefügt.

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Die Positionierung ist im Prinzip einfach. Wird die Landschaft zu hoch angesetzt, sieht sie aus wie eine Fototapete oder eine Wand, die den Lkw am Weiterfahren hindert. Setzt man sie zu tief an, ist nur der Himmel zu sehen; der Lkw scheint an einem Abgrund zu stehen.

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Deswegen habe ich in einer neuen Ebene mit dem Linienzeichner die roten Fluchtlinien eingezeichnet. Die Linien der Lkw treffen sich jeweils an einer Stelle. Die grüne Gerade, die durch diese Punkte führt, bildet den Horizont, der auch für die Hintergrundaufnahme gültig ist.

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Der Himmel der Pampaaufnahme ist etwas zu dramatisch, er lenkt vom eigentlichen Motiv zu sehr ab. Der neue Himmel wird über der Horizontebene ins Bild gezogen. Die harte Kante blendet man am einfachsten über eine Ebenenmaske weich aus.

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Dieser Schritt ist einer der wichtigsten für das gesamte Composing, denn er regelt die Lichtsituation komplett neu: Das sehr weiche Licht der Aufnahme wirkt langweilig und lässt die Geräte flach erscheinen. Sie sollen ihr Hauptlicht lieber von der Seite bekommen, also wird die hintere Front zunächst ausgewählt (Pfad oder Polygonlasso), dann in eine Maske umgewandelt.

Diese wiederum benötigt an einigen Stellen, beispielsweise den Rädern, einen weichen Übergang, welchen man einfach mit Weiß in die Maske malt. Wird die Maske wieder in eine Auswahl zurückverwandelt, können über eine Tonwertreduzierung alle hellen Tonwerte ausgeblendet werden; die Auswahl wird dabei automatisch als Ebenenmaske übernommen.

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Auch die Atmosphäre spielt eine entscheidende Rolle, was die Grundstimmung eines Bildes betrifft. Aufgewirbelter Staub steht für Trockenheit, Hitze, Einsamkeit, Weite. Eine Pinselform, lediglich ausgestattet mit einer Größen-Differenz (Mindestdurchmesser 35%) und einem Größen-Jjitter von 70% sorgt für ein wolkenartiges Pinselbild.

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Je weiter im Vordergrund gemalt wird, desto größer sollte die Pinselspitze sein; zusammen mit dem Zeichenstift-Druck entsteht eine recht große Varianz der einzelnen Striche, die Staubwolken sehr ähnlich sind.

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Betrachtet man ausschließlich die Staubebene vor schwarzem Hintergrund, so lassen sich die Einzelstriche gut nachvollziehen.

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Die tief stehende Sonne einerseits und die Erhöhung der Dramatik andererseits lassen das Einschalten der Scheinwerfer sinnvoll erscheinen. Der Lichteindruck wird zunächst mit einer kleinen, weichen Spitze und einer Deckkraft von 90% über die Scheinwerfer gemalt. Dann wird der Durchmesser vervierfacht und die Deckkraft der Spitze auf 70% reduziert, um auch die Überstrahlung einzuzeichnen. Es klingt verblüffend einfach. Ist es auch. Und obendrein sehr überzeugend.

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Die Lichtkegel werden etwas anders konstruiert: Mit dem Polygonlasso werden zwei Kegel gezeichnet, in eine Maske umgewandelt und anschließend weichgezeichnet.

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Wieder in eine Auswahl zurückverwandelt dient diese als Ebenenmaske einer Einstellungsebene (Gradationskurve), die die unteren Tonwerte anhebt und so für einen Lichteindruck sorgt.

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Die Glühbirnen Die Glühbirnen wurden auf einer weißen Fläche fotografiert. Von hinten bekamen sie ein sehr weiches, flächiges Licht. Dieses sorgt für eine helle Grundstimmung, denn logischerweise kann es in einem Haufen strahlender Glühbirnen keine allzu tiefen Schatten geben: Das Licht ist überall.

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Damit es auch wirklich überall strahlen kann und die Glühbirnen am Rande der angehäuften Ansammlung transparent scheinen, muss der helle Studiohintergrund entfernt werden. Ein sinnvolles Werkzeug hierfür ist der Hintergrundradiergummi, der über eine einfache Toleranzsteuerung einen Range vorgegebener Tonwerte entfernt. Nach dieser grundlegenden Vorbereitung wird der Rest des benötigten Lichtes einfach wieder ins Bild gemalt:

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1. Die Glühdrähte werden mit Weiß, einer Härte von 25% und einer Deckkraft von 100% in eine neue Ebene über den Glaskolben gemalt.

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2. Dann erfolgt die Überstrahlung der einzelnen Glühdrähte, dreifacher Durchmesser wie zuvor und eine Deckkraft von 70%. Das sieht schon sehr erleuchtet aus, wirkt aber stellenweise noch zu dunkel.

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3. Erst mit der letzten Ebene, die die Überstrahlung objektübergreifend darstellt, scheint der ganze Haufen der Glühbirnen tatsächlich zu leuchten.

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Duplizieren der Glühbirnen

Die bisher fertiggestellten Glühbirnen weisen noch keine sichtbar wirksame Perspektive auf. Sie haben alle dieselbe Größe und müssten, um zur Baggerschaufel zu passen, erheblich kleiner sein. Also werden die Ebenen des Haufens (1) in einer neuen Gruppe untergebracht, diese dupliziert und skaliert (2). Ein weiteres Duplikat (3) wird abermals verkleinert und hat damit die passende Größe, um mit der Baggerschaufel eine optische Einheit zu bilden. Die Einheiten 4, 5 und 6 bestehen auch aus mehreren Einzelhaufen; so fällt anhand der Form nicht auf, dass es sich um immer dieselben Glühbirnen handelt.

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Einzelne Glühbirnen Wo mit Bagger und Lastwagen gearbeitet wird, fällt hier und da schon mal etwas daneben. Es entspricht also der anzunehmenden Bildlogik, dass vereinzelt Glühbirnen herumliegen müssten. Sie wurden ebenfalls auf einer hellen Oberfläche fotografiert und als Einzelstücke mit dem Zeichenstiftwerkzeug aus ihrer Umgebung ausgeschnitten.

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Umgebung beleuchten Sie zum Strahlen zu bringen, funktioniert grundsätzlich nicht anders als beim Glühbirnenhaufen. Allerdings müssen sie einen Lichteindruck hinterlassen, welcher nach Möglichkeit aufgemalt werden kann. Eine graue Ebene hilft weiter: Sie wird im Modus Ineinanderkopieren verrechnet und damit zunächst unsichtbar. Mit hellgelber Farbe und geringer Deckkraft wird so der Lichtschein um jede einzelne Lampe herumgemalt. Auch die Lastwagen werden bestrahlt. Dieser Lichteindruck kann mit kleinerer Spitze einfach in dieselbe Aufhellebene hineingemalt werden.

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Große Glühbirne

Die große, das Bild beherrschende Glühbirne wurde in diffusem Licht fotografiert. Der graue Hintergrund könnte durch den Modus Ineinanderkopieren einfach entfernt werden, jedoch müsste dann auch der leichte Verlauf ausgeglichen werden. Einfacher ist es deshalb, mit dem Zeichenstiftwerkzeug den Hintergrund um Hand und Lampe zu maskieren, um anschließend das Innenleben mit dem Hintergrundradiergummi transparent zu machen. Dabei sollten nach Möglichkeit ein paar Reflexe im Glas stehenbleiben, sonst wirkt es zu clean.

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Hand beleuchten

Der Rest ist Routine: Auch diese große Glühbirne wird wie die anderen zum Leuchten gebracht. Allerdings sollte dabei beachtet werden, dass die Hand etwas von dem Licht abbekommen muss. Sie wird deshalb auf die gleiche Weise aufgehellt wie die Umgebung: Mit einer grauen Ebene, die im Modus Ineinanderkopieren verrechnet wird. Nun kann man mit Weiß die Stellen bemalen, die beleuchtet sein sollen.

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Farbabstimmung

Es fehlt nur noch eine gemeinsame, für alle Ebenen zuständige Farbabstimmung. Diese ist äußerst wichtig, weil sie dem Composing eine Art gemeinsamer Identität verleiht: Die geringen Abweichungen der einzelnen Ebenen lassen diese uneinheitlich wirken, die gemeinsame Farbe führt sie wieder zusammen. Um einen warmen Ton zu erhalten, wird eine neue Farbkorrektur-Einstellungsebene angelegt. Damit sie sich aber auf alle Tonwertbereiche auswirkt, werden nicht nur die Mitteltöne, sondern auch die Schatten und die Lichter "gewärmt", also in Richtung Gelb und Rot gezogen. Genau dort aber, bei den Lichtern und den Schatten, ist Vorsicht geboten: Allzu schnell saufen die Schatten ab und die Lichter fressen aus. Deswegen sollte man in den Tonwertbereichen Schatten und Lichter mit der Farbkorrektur äußerst behutsam umgehen.

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Farbsättigung

Die Farbbalance verschiebt die Farbe allerdings nicht innerhalb der Datei, sondern addiert sie zu den vorhandenen Farbwerten dazu und erhöht damit stets die Farbsättigung. Diese muss zum Schluss über den Befehl Farbton/Sättigung wieder aus dem Bild genommen werden, um eine zwar warme, aber dennoch natürlich wirkende Farbabstimmung zu erhalten.

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Kommentare
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Portrait von Nightflyer
  • 24.03.2017 - 08:35

super Tut. Hat mich weitergebracht! Vielen Dank

Portrait von SandraKo
  • 17.02.2014 - 21:44

Sehr schön, lieben Dank! :)

Portrait von Gedankenstrich
  • 26.01.2014 - 21:31

Wieder eine interessante Idee zum Ausprobieren! Es sieht einfach aus... wird es für den ambitionierten Composer sicher auch sein... da hab ich noch ausreichend Weg vor mir. ;)

Portrait von Lenka
  • 25.01.2014 - 21:33

Sehr gut erklärt und Ergebnis sieht toll aus!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 18.05.2013 - 22:30

Dankeschön, hat mich viel, viel weiter gebracht! Weiter so :)

Portrait von tobo1005
  • 18.02.2013 - 08:39

Sehr gut und verständlich beschrieben. Vielen Dank.

Portrait von die_kleine
  • 16.02.2013 - 12:06

Kalsse Tut. Ich lerne immer mehr :-D

Portrait von MaoMao
  • 14.12.2012 - 21:19

Sieht wie super aus, danke für das Tutorial.

Portrait von MrLOTH
  • 07.03.2012 - 18:51

Ein sehr gutes Tutorial! Aber die Arbeitsdateien wären noch nett gewesen ;)

Portrait von Zenowar
  • 07.07.2011 - 14:37

Super Tut,- werd ich auf jeden Fall ausprobieren...!!
Hat das auch schon jemand mit so schwierigen Konturen wie bei Tieren bzw. Menschen versucht?

Portrait von isign_medien
  • 08.04.2011 - 09:27

Nettes Tutorial! Werd es später direkt mal versuchen.. Danke

Portrait von artesmaracay
  • 03.12.2010 - 19:17

Prima! Vielen Dank. Sind prima erklaert alle Schritte.

Portrait von Kebir
  • 14.09.2010 - 00:51

Echt sehr fein, super

Portrait von schorscho
  • 05.09.2010 - 15:30

Sieht einfach Hammer aus und sehr gut beschrieben.

Portrait von Bancre
  • 04.08.2010 - 07:58

Danke für deine Mühe

Portrait von lindenart
  • 15.04.2010 - 09:05

Das ist ja super. Da glüht sogar die Maus ;-))

Portrait von fotograv
  • 09.03.2010 - 08:34

Einfach gelungenes Tut!

Portrait von Pixelaugust
  • 08.03.2010 - 11:21

WOW und es werde Licht

Portrait von wollmaus
  • 05.03.2010 - 09:42

Wow - allein die Glühbirnen "anzuknipsen" - einfach klasse!!!!

Alternative Portrait

-versteckt-(Autor hat Seite verlassen)

  • 03.02.2010 - 11:58

sieht ja richtig super aus...
werde versuchen das mal nachzumachen, vielleicht klappts bei mir ja genauso gut ;)

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