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Eine Schande für die gesamte Design-Branche
Beitrag
<blockquote data-quote="Caesarion2004" data-source="post: 2759953" data-attributes="member: 616563"><p>Prinzipiell habe ich nichts gegen Konkurrenz - solange der Wettbewerb fair ist und die Spielregeln für alle Anbieter einigermaßen ähnlich sind (identische Bedingungen sind außerhalb des Labors immer so ein Problem.).Leider ist der Wettbewerb nicht mehr so. Einige große Konzerne bestimmen die Spielregeln und das zieht Kreise. Beispiel: Ein großer amerikanischer Online-Versandhändler macht Druck auf die Verlage was Lieferkonditionen, Verrechnung, Beteiligung, etc. betrifft. Zudem fördert er (und andere) die elektronische Publikation, was auch wieder Anpassungsdruck und Kosten für den Verleger bedeutet. Dieser spart er durch Personalabbau, Outsourcing (grässliches Wort), Konzentration und Druck auf seine Dienstleister wie Druckereien und Hersteller/Grafiker.Was machen die Druckereien und Grafiker / Buchhersteller? Sie diversifizieren und gehen auch mit den Preisen runter an ihre Schmerzgrenze - bei steigenden Betriebskosten (Energie, Papier, etc.).Gleichzeitig drängen immer mehr aus den Verlagen und Druckereien (von denen NICHT alle neben der Online-Konkurrenz exisiteren können!) kommende Ex-Mitarbeiter auf dem Sektor der Selbstständigen - ergänzt durch all diejenigen, die Vater Staat durch seine untergebene und oftmals unterbemittelte Einrichtung, in Schnellkursen mit Wertlos-Zertifikaten zu Grafikern, Webdesignern und Co. gemacht hat, weil "der Markt ja wächst" und die dort unterkommen sollen/können. Nicht nur, dass allzu hierzulande praktisch ein Überangebot an arbeitswilligen Kräften im IT- und Grafikbereich entsteht, wobei ich über die individuelle Qualität nichts sagen kann und will, nein, gleichzeitig steht man im globalen Wettbewerb mit Anbietern (meist über Agenturen wie oben), die hier ihre Dienste anbieten, Aufträge abschöpfen und damit dann Bulgaren, Inder, etc. für ein paar Cent (von Euro wollen wir hier ja nicht ernsthaft reden) abspeisen, denn das eigene Unternehmen muss ja seine enormen Kosten für Marketing, Vermittlung und Service wieder reinbekommen.Okay, ich will ehrlich sein, wenn Lieschen Müller für ihren Enkel zur Einschulung ein individuelles Logo für sein Mäppchen kreieren lässt und damit ein paar Bogen Briefpapier bedrucken lässt, dann tut uns das im Einzelfall nicht weh. Aber die Masse macht es dann immer noch!Problematisch wird es, wenn zunehmend mittlere und Kleinbetriebe ihre Firmenunterlagen, etc. so vergeben. Zwar kenne ich genug Kollegen und Geschäftspartner, die lieber ihren Stammkontakt "um die Ecke" haben, mit dem sie auch Freitag abends kurz mal telefonieren und die Visitenkarten ändern lassen können, aber zugleich kenne ich auch einige Fälle, in denen das neue Management erstmal alle Geschäftsbeziehungen abbrach, die bisherigen Lieferanten alle finanziell nötigte, ihre Rechnungen dem "günstigsten Anbieter auf dem Markt anzupassen" (!!! DAS IST KEIN SPASS!!! DAS MEINE ICH ERNST - SO WAR DIE VORGABE!!!).Unnötig zu sagen, dass das nicht passierte - Ergebnis: hier im Wilden Süden sind drei Druckereien ins Kriseln geraten und mindestens zwei Grafiker suchen Hände ringend Ersatzauftraggeber.Ich verteufle gerne den amerikanisch-britischen Raubtierkapitalismus, das stimmt, aber er hat in den letzten Jahren auch gnadenlos sich ausgebreitet und sobald das neue Freihandels- und DIenstleistungsabkommen der EU mit den Amerikanern durch ist, dann ist sowas der Alltag, Ich hoffe, dass es immer noch genug Leute gibt, die erkennen, dass "gute Arbeit" auch mit "gutem Geld" bezahlt werden muss - und zwar beides bezogen auf das Land des Auftraggebers/Kunden. Aber neben der sich ausbreitenden Geiz-ist-geil-Mentalität ist es halt auch so, dass das Lebensniveau vieler Menschen und auch die finanzielle Ausstattung vieler (kleineren) Firmen und Selbstständiger sinkt und daher auch automatisch der Zwang entsteht, möglichst günstige Angebote wahrzunehmen. Wenn die Qualität dann auch noch stimmt, gut, dann kann man verstehen, wenn der Kunde weiterhin so verfährt. (Viele kaufen ja auch beim Discounter den Schlafanzug für 10 Euro, weil er gut und preiswert ist. Das damit Umwelt und Menschen ausgebeutet werden, wissen die Leute, aber neben den "Sparern" gibt es halt auch diejenigen, die mittlerweile zu einem solchen Verhalten gezwungen sind, weil sich das ganze System in dieser RIchtung dreht - für die meisten abwärts und für einige wenige aufwärts!)Das ist nicht schön, aber menschlich. Problematisch ist eine solche Vorgehensweise natürlich auf lange Sicht für die Werte der Menschen sowie für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt (letztlich ein Kreislauf in Form einer Abwärtsspirale). Was den Aspekt betrifft, inwiefern hier auf PSD-Tutorials tätige Autoren durch die Vermittlung ihres Fachwissens und ihrer Kniffe sich selbst das Wasser abgraben und zu dieser inflationären Schwemme betragen: ja, sicher tut das seinen Teil dazu. Aber kein Amateur kann nur mit den Tutorials sich in kurzer Zeit das erarbeiten, was jahrelange Praxis und ein Studium haben reifen lassen - die Profis brauchen sich kurzfristig nicht vor dieser Konkurrenz fürchten. Schon gar nicht, wenn ein Amateur doppelt so lange für die Erstellung einer Auftragsarbeit braucht und die Qualität vielleicht auch nicht stimmt, er aber auf jeden Fall seine Kosten nicht gedeckt bekommt. Da der Markt da recht hart ist und noch härter wird, ist das ein harter Selektionsprozess. Irgendwann wird es natürlich auch für die Profis eng. Aussterben wird der Berufsstand wohl nicht - ein Restbestand an Aufträgen wird bleiben, aber es wird insgesamt eng werden. Auch denn Austausch von Wissen wird es dann vielleicht nicht mehr so geben, da man sich ja vor der Konkurrenz "schützen" muss. Solidarität und Kooperation werden dann selten sein.Letzten Ende spielt es keine Rolle, was wir annehmen, wie sich die Situation durch Agenturen wie oben für Grafiker und Webdesigner entwickeln wird - denn dies ist nur ein Segment einer Gesellschaft, die generell unter diesen Bedingungen leidet - in allen Bereichen. Und es ist absehbar, dass dies in den nächsten Jahren der Branche bzw. uns Bürgern zu schaffen wird. Steigende Kosten für alle Lebens- und Arbeitsbereiche, Abbau staatlicher Leistungen und Strukturen, Verkehrsinfarkt, demographische Entwicklung, Überschuldung, Inflation, zunehmende innere und äußere Destabiiisierung, Klimawandel und und und...Es gibt also genug Möglichkeiten für uns - auch außerhalb der unsere Nische direkt betreffenden Bedrohungen existentiell einzugehen. Da ist das Agentur-Unwesen letztlich nur ein (sehr unschöner) Nagel auf unserem Sarg. Ich entschuldige mich für den etwas längeren Kommentar samt Exkurs mit apokalyptischem Unterton und hoffe, dass es irgendwem irgendwo hilft!Gute Nacht!</p></blockquote><p></p>
[QUOTE="Caesarion2004, post: 2759953, member: 616563"] Prinzipiell habe ich nichts gegen Konkurrenz - solange der Wettbewerb fair ist und die Spielregeln für alle Anbieter einigermaßen ähnlich sind (identische Bedingungen sind außerhalb des Labors immer so ein Problem.).Leider ist der Wettbewerb nicht mehr so. Einige große Konzerne bestimmen die Spielregeln und das zieht Kreise. Beispiel: Ein großer amerikanischer Online-Versandhändler macht Druck auf die Verlage was Lieferkonditionen, Verrechnung, Beteiligung, etc. betrifft. Zudem fördert er (und andere) die elektronische Publikation, was auch wieder Anpassungsdruck und Kosten für den Verleger bedeutet. Dieser spart er durch Personalabbau, Outsourcing (grässliches Wort), Konzentration und Druck auf seine Dienstleister wie Druckereien und Hersteller/Grafiker.Was machen die Druckereien und Grafiker / Buchhersteller? Sie diversifizieren und gehen auch mit den Preisen runter an ihre Schmerzgrenze - bei steigenden Betriebskosten (Energie, Papier, etc.).Gleichzeitig drängen immer mehr aus den Verlagen und Druckereien (von denen NICHT alle neben der Online-Konkurrenz exisiteren können!) kommende Ex-Mitarbeiter auf dem Sektor der Selbstständigen - ergänzt durch all diejenigen, die Vater Staat durch seine untergebene und oftmals unterbemittelte Einrichtung, in Schnellkursen mit Wertlos-Zertifikaten zu Grafikern, Webdesignern und Co. gemacht hat, weil "der Markt ja wächst" und die dort unterkommen sollen/können. Nicht nur, dass allzu hierzulande praktisch ein Überangebot an arbeitswilligen Kräften im IT- und Grafikbereich entsteht, wobei ich über die individuelle Qualität nichts sagen kann und will, nein, gleichzeitig steht man im globalen Wettbewerb mit Anbietern (meist über Agenturen wie oben), die hier ihre Dienste anbieten, Aufträge abschöpfen und damit dann Bulgaren, Inder, etc. für ein paar Cent (von Euro wollen wir hier ja nicht ernsthaft reden) abspeisen, denn das eigene Unternehmen muss ja seine enormen Kosten für Marketing, Vermittlung und Service wieder reinbekommen.Okay, ich will ehrlich sein, wenn Lieschen Müller für ihren Enkel zur Einschulung ein individuelles Logo für sein Mäppchen kreieren lässt und damit ein paar Bogen Briefpapier bedrucken lässt, dann tut uns das im Einzelfall nicht weh. Aber die Masse macht es dann immer noch!Problematisch wird es, wenn zunehmend mittlere und Kleinbetriebe ihre Firmenunterlagen, etc. so vergeben. Zwar kenne ich genug Kollegen und Geschäftspartner, die lieber ihren Stammkontakt "um die Ecke" haben, mit dem sie auch Freitag abends kurz mal telefonieren und die Visitenkarten ändern lassen können, aber zugleich kenne ich auch einige Fälle, in denen das neue Management erstmal alle Geschäftsbeziehungen abbrach, die bisherigen Lieferanten alle finanziell nötigte, ihre Rechnungen dem "günstigsten Anbieter auf dem Markt anzupassen" (!!! DAS IST KEIN SPASS!!! DAS MEINE ICH ERNST - SO WAR DIE VORGABE!!!).Unnötig zu sagen, dass das nicht passierte - Ergebnis: hier im Wilden Süden sind drei Druckereien ins Kriseln geraten und mindestens zwei Grafiker suchen Hände ringend Ersatzauftraggeber.Ich verteufle gerne den amerikanisch-britischen Raubtierkapitalismus, das stimmt, aber er hat in den letzten Jahren auch gnadenlos sich ausgebreitet und sobald das neue Freihandels- und DIenstleistungsabkommen der EU mit den Amerikanern durch ist, dann ist sowas der Alltag, Ich hoffe, dass es immer noch genug Leute gibt, die erkennen, dass "gute Arbeit" auch mit "gutem Geld" bezahlt werden muss - und zwar beides bezogen auf das Land des Auftraggebers/Kunden. Aber neben der sich ausbreitenden Geiz-ist-geil-Mentalität ist es halt auch so, dass das Lebensniveau vieler Menschen und auch die finanzielle Ausstattung vieler (kleineren) Firmen und Selbstständiger sinkt und daher auch automatisch der Zwang entsteht, möglichst günstige Angebote wahrzunehmen. Wenn die Qualität dann auch noch stimmt, gut, dann kann man verstehen, wenn der Kunde weiterhin so verfährt. (Viele kaufen ja auch beim Discounter den Schlafanzug für 10 Euro, weil er gut und preiswert ist. Das damit Umwelt und Menschen ausgebeutet werden, wissen die Leute, aber neben den "Sparern" gibt es halt auch diejenigen, die mittlerweile zu einem solchen Verhalten gezwungen sind, weil sich das ganze System in dieser RIchtung dreht - für die meisten abwärts und für einige wenige aufwärts!)Das ist nicht schön, aber menschlich. Problematisch ist eine solche Vorgehensweise natürlich auf lange Sicht für die Werte der Menschen sowie für die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt (letztlich ein Kreislauf in Form einer Abwärtsspirale). Was den Aspekt betrifft, inwiefern hier auf PSD-Tutorials tätige Autoren durch die Vermittlung ihres Fachwissens und ihrer Kniffe sich selbst das Wasser abgraben und zu dieser inflationären Schwemme betragen: ja, sicher tut das seinen Teil dazu. Aber kein Amateur kann nur mit den Tutorials sich in kurzer Zeit das erarbeiten, was jahrelange Praxis und ein Studium haben reifen lassen - die Profis brauchen sich kurzfristig nicht vor dieser Konkurrenz fürchten. Schon gar nicht, wenn ein Amateur doppelt so lange für die Erstellung einer Auftragsarbeit braucht und die Qualität vielleicht auch nicht stimmt, er aber auf jeden Fall seine Kosten nicht gedeckt bekommt. Da der Markt da recht hart ist und noch härter wird, ist das ein harter Selektionsprozess. Irgendwann wird es natürlich auch für die Profis eng. Aussterben wird der Berufsstand wohl nicht - ein Restbestand an Aufträgen wird bleiben, aber es wird insgesamt eng werden. Auch denn Austausch von Wissen wird es dann vielleicht nicht mehr so geben, da man sich ja vor der Konkurrenz "schützen" muss. Solidarität und Kooperation werden dann selten sein.Letzten Ende spielt es keine Rolle, was wir annehmen, wie sich die Situation durch Agenturen wie oben für Grafiker und Webdesigner entwickeln wird - denn dies ist nur ein Segment einer Gesellschaft, die generell unter diesen Bedingungen leidet - in allen Bereichen. Und es ist absehbar, dass dies in den nächsten Jahren der Branche bzw. uns Bürgern zu schaffen wird. Steigende Kosten für alle Lebens- und Arbeitsbereiche, Abbau staatlicher Leistungen und Strukturen, Verkehrsinfarkt, demographische Entwicklung, Überschuldung, Inflation, zunehmende innere und äußere Destabiiisierung, Klimawandel und und und...Es gibt also genug Möglichkeiten für uns - auch außerhalb der unsere Nische direkt betreffenden Bedrohungen existentiell einzugehen. Da ist das Agentur-Unwesen letztlich nur ein (sehr unschöner) Nagel auf unserem Sarg. Ich entschuldige mich für den etwas längeren Kommentar samt Exkurs mit apokalyptischem Unterton und hoffe, dass es irgendwem irgendwo hilft!Gute Nacht! [/QUOTE]
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