Shitstorm braust über Fiverr hinweg
Das Portal hatte kürzlich für seine Kreativdienste im Web geworben und am Ende eine Welle der Entrüstung unter den Berufsanhängern der Grafikerbranche ausgelöst. Sinngemäß wird in der Anzeige die Frage in den Raum gestellt, warum man 100$ für ein Logo ausgeben sollte. Interessante Frage, aber Fiverr beantwortet sich diese selbstverständlich selbst und suggeriert eine Zeile tiefer, dass die Leute prinzipiell für gutes Design viel zu oft und viel zu tief in die eigene Tasche greifen. Frei interpretiert könnte man auch sagen: Du musst nicht den kleinen örtlichen Elektroladen der großen Handelskette Media-Markt vorziehen, um blöd zu sein. Es reicht schon, wenn du einen jungen Designer hierzulande für ein Logo anheuerst und dafür einen Hunderter springen lässt, anstelle dich bei Fiverr umzusehen. Die Konsequenz erstreckte sich über eine Bandbreite von Hassbotschaften, die ihr auf dem Twitter-Account von Anthony Petrie - einem Designer aus New York verfolgen könnt. "Unverschämt", oder "eine Schande für die Design-Branche" sind in diesem Fall noch glimpfliche Beschreibungen, die man auch ohne schlechtem Gewissen in einen Newsartikel wie diesen hier weitergeben kann.
Egal um welche Leistung es sich unterm Strich handelt, im Internet findet man mit großer Gewissheit jemanden, der es noch günstiger macht und Fiverr schöpft aus diesem Quell und deckt gerade aus unser aller Bereiche zahlreiche Zweige ab. So lässt uns ein erster Blick auf die Website und durch die Hauptnavigation schon erahnen, wie breit sich Angebot und Nachfrage hier aufgestellt haben: Graphics & Design, Online Marketing, Writing & Translation, Video & Animation, Music & Audio, Programming & Tech, Advertising & Business und eine Kategorie "More", die wohl alles beheimatet was sonst kein Dach über den Kopf bekommen hat. Sicher entdeckt ihr beim zügigen hinweglesen schnell die Kategorie wieder, in der ihr euch selbst bewegt und in der ihr höchstwahrscheinlich auch euer eigenes Know-How entgeltlich anbietet. Das Lohnniveau in anderen Ländern hat sich offensichtlich sehr schleichend auf Kellerniveau eingependelt, denn sonst dürften die 3$ von den ursprünglich gezahlten 5$ kein lohnenswertes Geschäft abgeben, denn die Differenz wandert ohne Umwege in die Tasche von Fiverr, die ein ausgesprochen breites 5$-Logo-Angbeot anpreist:
Wie geht man also mit derlei Umständen vernünftig um und wird hierbei auch Wert auf urheberrechtliche Hintergründe gelegt? Kann man wirklich vertrauen, dass derlei Angebote eine blütenreine Weste haben, ohne befürchten zu müssen, dass nach der Verwendung ein Klagestreit über mehrere Instanzen hinweg droht? Wie werden internetbasierende (und aufstrebende!) Portale wie und unseren Wirtschaftskreislauf in den nächsten Jahren prägen? Und überhaupt: Darf gutes Design gutes Geld kosten? Ich meine ja!
Ein ähnliches Phänomen können wir auch in unserem eigenen Portal beobachten. Kürzlich haben wir die Punkteschraube für Arbeitsdateien nachgezogen. Ein Download einer vollständig überarbeiteten und gut aufbereiteten Datei erleichtert seit Monatswechsel das Konto um 50 Punkte. Häufig sind die Files aber auch privat und kommerziell nutzbar und für jeden Download erhält der Urheber ebenfalls Punkte gutschrieben, die ihn dabei unterstützen weitere Inhalte von anderen Autoren zu ziehen. Eine gute Investition also, doch die Meinungen nach dieser Umstellung waren gespalten. Empörung aber auch Verständnis bekamen wir als Feedback. Und hier dreht sich das Rad im Großen wie im Kleinen weiter und es zeigt sich leider auch, wie schnell man sich an Tief(st)preise gewöhnt hat. Sind es diese Inhalte nicht eben auch wert, angemessen honoriert zu werden?
Auch wir haben unsere eigenen Erfahrungen mit derlei Portalen bereits gesammelt, weswegen ich eine absolute Leseempfehlung für unser August-Commag aus dem Jahr 2012 aussprechen möchte. Unter dem Titel 'Fight Club und schönes Design' schildert Matthias auf drei ungeschönten und äußerst ehrlichen Seiten seines Gossips, wie die Erfahrungen mit einem Projekt auf 12designer.com waren. Damals ging es um ein Redesign unseres Schmetterlings - das Logo von PSD-Tutorials.de. Doch auch Matthias selbst nahm an der Projekterstellung dreier unterschiedlicher Szenarien teil. Was daraus geworden ist und mit welcher Ernüchterung er den vermeintlichen Sieg in Empfang nehmen durfte, könnt ihr wie erwähnt im ab Seite 93 nachlesen.
Weitere Details in Bezug auf den Fiverr-Vorfall könnt ihr auch auf dem Infoartikel von t3n nachlesen. Abschließend interessieren mich auch eure Gedanken. Schlägt unter eurer Brust ein Gestalterherz, das blutet, wenn "5$-Ramschware" der eigenen fundierten und professionellen Arbeit vorgezogen wird? Oder empfindet ihr das als vollkommen in Ordnung, da sich die Welt ja ständig verändert und man sich auch selbst anpassen sollte. Teilt mit mir eure Gedanken. Euer Stefan.
Klar kann man sich über sowas aufregen, und es ist auch ärgerlich. Aber ganz ehrlich, ein "Großkunde / Gewerbekunde" wird weiterhin zu einer Agentur gehen die Ortsansäßig ist, denn der möchte weiterhin einen Betreuer haben mit dem er persönlichen Kontakt hat, mit dem er reden und Wünsche,Änderungen etc.besprechen kann. Jemand der vielleicht Hobbyfotograf ist, oder ne unbekannte Band hat etc. möchte und kann und will in der Regel auch das Geld einer Agentur nicht aufbringen. Diese Nische füllen solche Dienste aus, und das find ich auch ok. Da ist doch nix gegen einzuwenden. Sicher ein paar Startup Firmen werden dieses Angebot auch nutzen aber langfristig gesehen werden auch diese (sollte das Geschäft laufen) zu einer Agentur wechseln mit der sie direkt kommunizieren kann.
Dazu kommt, dass diese Leute meist keine Ahnung von Farbräumen haben. Auch hier im Forum tauchen immer wieder solche Leute auf, die mal so auf die Schnelle ein Magazin gestalten wollen, aber letztendlich keine Ahnung haben.Doch ich will die neuen Zeiten auch nicht krank jammern. Mit Indesign und Co kann nun wirklich relativ kostengünstig ein Druckwerk gestaltet werden, so dass heute die Druckereien mehr denn je mit Arbeit versorgt werden.Doch diese von dir geschriebenen Dumpingpreise sind in der Tat ein Hohn!
Was mir aber noch im Kopf rumschwirrt, können solche Sachen denn überhaupt wirklich zu 100% legal sein? Diese "Billig-Grafiker" aus den Schwellenländer müssen doch auch ihr Equipment kaufen, wenn es legal sein soll. Selber hätte ich da ehr bedenken, das die Aufträge mit illegalen Programmen erfüllt werden um diese Preise zu verwirklichen.