Hallo Phage,
deine Beobachtung stimmt – und dein Einwand ist berechtigt. Seit Affinity als eine vereinheitlichte Anwendung ausgeliefert wird (statt der drei getrennten Programme Photo, Designer und Publisher), gibt es nicht mehr drei separate Installationen, sondern eine App mit umschaltbaren Arbeitsbereichen bzw. „Personas" (Foto-, Vektor- und Layout-/Publisher-Bereich). Trotzdem verschwinden die konzeptionellen Unterschiede beim PDF-Umgang nicht ganz, denn sie hängen weniger vom „Programm" ab als vielmehr davon, in welchem Modus und mit welcher Absicht du die Datei hereinholst.
Die drei Wege, die du gefunden hast, tun grundsätzlich Verschiedenes – unabhängig davon, ob du die getrennten Programme oder das neue vereinheitlichte Affinity nutzt:
Beim Öffnen (Datei → Öffnen) wird die PDF als eigenständiges, editierbares Dokument interpretiert. Affinity versucht dabei, Text, Vektoren und Bilder in bearbeitbare Objekte zurückzuwandeln. Das ist die richtige Wahl, wenn die PDF selbst dein Arbeitsdokument werden soll.
Beim Platzieren (Datei → Platzieren) wird die PDF als eingebettetes/verknüpftes Objekt behandelt – vergleichbar mit einem Bild. Sie bleibt in ihrer Darstellungsauflösung skalierbar und unangetastet. Das ist der saubere Weg, wenn du die PDF als Vorlage oder unverändertes Element in ein bestehendes Layout setzen willst. Dass beim Doppelklick zum Bearbeiten die Schrift „zerschossen" wird, ist genau das erwartbare Verhalten: Erst in diesem Moment versucht Affinity die Rückkonvertierung, und die klappt bei eingebetteten oder Sonderschriften eben oft nicht verlustfrei.
Das Hinzufügen von Seiten aus einer Datei (Dokument → Seiten) ist für den mehrseitigen, layoutorientierten Import gedacht – also das, was früher klar die Domäne von Publisher war.
Der eigentliche Punkt ist: Der sinnvollste Weg richtet sich nicht mehr nach dem installierten Programm, sondern nach dem Arbeitsbereich/Persona, in dem du dich befindest, und nach deinem Ziel. Der Layout-Bereich (früher Publisher) ist nach wie vor derjenige, der mehrseitige PDFs, Musterseiten und den seitenweisen Import am besten beherrscht – dort ist „Seiten aus Datei hinzufügen" am stärksten. Der Vektor-Bereich (früher Designer) ist ideal, wenn du einzelne PDF-Seiten mit Vektorinhalten wirklich editieren willst. Der Foto-Bereich (früher Photo) betrachtet eine PDF eher pixelorientiert.
Kurz gesagt: Funktional sind die Import-Optionen im vereinheitlichten Affinity dieselben wie zuvor, aber weil jetzt alle Personas in einem Programm stecken, hast du sie alle gleichzeitig zur Verfügung und musst bewusst entscheiden, in welchem Bereich du arbeitest. Das „welches Programm nehme ich" wird also zum „welchen Arbeitsbereich und welche Import-Methode wähle ich".
Wenn du eine PDF inhaltlich weiterbearbeiten willst, öffne sie im Layout- bzw. Vektor-Bereich über Datei → Öffnen. Willst du sie nur als unveränderte Vorlage einbinden, nimm Platzieren und lasse sie eingebettet. Und für mehrseitige Dokumente ist der seitenweise Import im Layout-Bereich der beste Weg. Das „Zerschießen" der Schrift lässt sich prinzipbedingt nicht ganz vermeiden – wenn Textbearbeitung essenziell ist, hilft nur, die Originalschriften installiert zu haben oder die Datei gleich aus der Quellanwendung neu zu erzeugen.
Viele Grüße
Stefan